Wie die Ret­tung des Lok­schup­pens ver­sem­melt wur­de. Ein Er­leb­nis­be­richt.

6. November 2015 | von | Kategorie: Häuserkampf

Soll­te es je­mand nicht wis­sen oder in­zwi­schen ver­ges­sen ha­ben: Na­he der Stadt­gren­ze zu Nürn­berg an der gleich­na­mi­gen U‑Bahnstation steht der ver­mut­lich äl­te­ste er­hal­te­ne Lok­schup­pen Deutsch­lands, der in un­se­rer aufs Eng­ste mit der Ei­sen­bahn­ge­schich­te ver­knüpf­ten Stadt ver­rot­tet. Durch den kürz­li­chen Ver­kauf des Grund­stückes an ei­nen be­kann­ten Für­ther In­ve­stor stellt sich die Fra­ge, ob nicht doch noch ein glück­li­ches En­de mög­lich ist. Die Hoff­nung stirbt zu­letzt...

Der Lokschupen in Fürth, Zustand Anfang November 2015. (Foto: Alexander Mayer)

Im Rah­men mei­ner spo­ra­di­schen Auf­ar­bei­tung von 10 Jah­ren Hei­mat­pfle­ger ha­be ich mir aus ak­tu­el­lem An­lass als näch­stes die­ses The­ma aus­ge­sucht – zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen ei­ne kom­pli­zier­te und lan­ge Ge­schich­te. Aber kein an­de­res Bau­werk hat mei­ne Auf­merk­sam­keit über die gan­ze, fast 11jährige Tä­tig­keit als Hei­mat­pfle­ger so ver­folgt, wie die­ses ein­ma­li­ge ge­schicht­li­che Bau­denk­mal – ge­nau ge­nom­men dar­über hin­aus. Ab­ge­se­hen da­von ist auch die­se Ge­schich­te gleich­zei­tig ei­ne viel­sa­gen­de Fall­stu­die über Po­li­tik und Ver­wal­tung.

Op­fer un­ver­meid­lich

Am 11. Ja­nu­ar 1996 hieß es in den FN un­ter der Über­schrift »Op­fer für die S‑Bahn un­ver­meid­lich«, dass »Ein­grif­fe in die hi­sto­ri­sche Bau­sub­stanz der Stadt un­ver­meid­lich« sei­en. Zu nen­nen sei­en da­bei vor al­lem »der hi­sto­ri­sche Lok­schup­pen an der Stadt­gren­ze und das al­te Stell­werk an der Ot­to­stra­ße, die bei­de ab­ge­ris­sen wer­den müs­sen«. Und mit die­sem »Ab­ge­ris­sen-wer­den-müs­sen« war die An­ge­le­gen­heit für die Stadt Fürth er­le­digt, nicht je­doch für das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge. Im Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren wur­den den Ein­sprü­chen des Lan­des­am­tes auch Rech­nung ge­tra­gen, der Lok­schup­pen blieb ste­hen.

20.000 Eu­ro zu viel

Als ich 2004 das Amt des Hei­mat­pfle­gers an­trat, be­zog sich ei­ner mei­ner er­sten An­fra­gen auf den Lok­schup­pen und sei­ne Ge­bäu­de­grup­pe (Lok­schup­pen, An­bau, Feld­schmie­de), da auf­grund ei­nes Bran­des das Dach stark be­schä­digt und da­mit der Ver­fall stark be­schleu­nigt wor­den war. In der Ant­wort hieß es dem­entspre­chend: »Die Ge­bäu­de be­fin­den sich ei­nem sehr schlech­ten bau­li­chen Zu­stand; die­ser ist auf ei­ne jah­re­lan­ge Ver­nach­läs­si­gung not­wen­di­ger Min­dest­maß­nah­men ei­nes sach­ge­rech­ten Bau­un­ter­hal­tes zu­rück­zu­füh­ren. Die Bahn hat bis­lang kei­ne Be­reit­schaft zur Er­fül­lung ih­rer Un­ter­halts­pflicht zu er­ken­nen er­ge­ben ... Zwi­schen­zeit­lich hat sich der Zu­stand des Da­ches des Lok­schup­pens so weit ver­schlech­tert, dass die bau­li­che Sub­stanz die­ses Bau­denk­mals ernst­haft in Ge­fahr ist. Bei ei­nem wei­te­ren Zu­war­ten ist der Ab­gang des Lok­schup­pens wohl zu be­fürch­ten. Die Bau­auf­sicht als Un­te­re Denk­mal­schutz­be­hör­de be­ab­sich­tigt des­halb, ge­mäß Art.4 Abs. 1 DSchG ein Ver­fah­ren zur In­stand­hal­tung in die We­ge zu­lei­ten und in die­sem Zu­sam­men­hang die Not­sa­nie­rung des Da­ches an­zu­ord­nen.«

Jetzt kam aber die ge­ne­rell ei­gen­tü­mer­freund­li­che Recht­spre­chung baye­ri­scher Ge­rich­te ins Spiel: Da der Bahn »of­fen­sicht­lich« kei­ne sinn­vol­le Nut­zung des Ge­bäu­des mehr mög­lich ist, kön­ne nach der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te der Bahn der Er­halt nur zu­ge­mu­tet wer­den, wenn sich die öf­fent­li­che Hand an­ge­mes­sen an den Ko­sten von et­wa 20.000 € be­tei­ligt. Dass die Stadt Fürth dies aus­spuck­te, war na­tür­lich il­lu­so­risch. Das Lan­des­amt hat­te 10.000 € in Aus­sicht ge­stellt, muss­te dies je­doch da­mals un­ter Vor­be­halt der Be­reit­stel­lung von ent­spre­chen­den Mit­tel im Haus­halt des Frei­staa­tes stel­len. Al­so un­ter­ließ man zu­nächst die In­stand­hal­tungs­ver­fü­gung und schrieb im­mer mal wie­der die Ei­gen­tü­me­rin, die da­mals noch der DB ge­hö­ren­de Im­mo­bi­li­en­ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Au­re­lis an.

Ko­sten für Not­si­che­rung völ­lig au­ßer Ver­hält­nis

Nach­dem sich aber wei­ter­hin nichts er­gab, bat ich Mit­te 2006 um kon­kre­te­re Schrit­te. Wie sa­hen die aus? Zu­nächst wur­de Au­re­lis an­ge­schrie­ben, die nun ei­ne Ko­sten­schät­zung von 40.000 € für ein Not­dach an­gab, und dem ge­neig­ten Le­ser mit­teil­te: »Schon die Ko­sten für die­se er­ste Not­maß­nah­me ste­hen zur der­zei­ti­gen Nut­zungs­mög­lich­keit des Ob­jek­tes völ­lig au­ßer Ver­hält­nis ... Wir ge­hen da­her von ei­ner Un­zu­mut­bar­keit in Be­zug auf die In­stand­hal­tungs­ver­pflich­tung der Ge­bäu­de im All­ge­mei­nen so­wie bzgl. der kon­kre­ten Not­maß­nah­me aus«. Au­re­lis schlug nun der Stadt Fürth vor, ge­mein­sam ein Kon­zept für die Nut­zung zu ent­wickeln und des­we­gen »von ei­ner förm­li­chen In­stand­set­zungs­an­ord­nung Ab­stand zu neh­men«.

Im Sep­tem­ber 2006 gab es dann ein ent­spre­chen­des Ge­spräch zwi­schen Ver­tre­tern von Au­re­lis und des Denk­mal­schut­zes. Den »Ar­gu­men­ten« von Au­re­lis wur­de ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass (Pro­to­koll­aus­zug) »die Bahn das Ge­bäu­de seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten ver­fal­len lässt. Vie­le Vor­stö­ße der Stadt Fürth in Rich­tung zur Sa­nie­rung des Ge­bäu­des oder in Rich­tung zur Ver­mie­tung sind er­folg­los ge­blie­ben, ge­ra­de auch weil von Sei­ten der Bahn kei­ner­lei Breit­schaft be­stand, die­se Ak­tio­nen zu un­ter­stüt­zen«. Nach ei­ni­gen Dis­kus­sio­nen wur­de fol­gen­de »Lö­sung« ein­ver­nehm­lich be­für­wor­tet: »Die Bahn wird ei­ne grund­sätz­li­che Aus­sa­ge zur Hö­he des Ver­kaufs­prei­ses in spä­te­stens drei Wo­chen an die Stadt Fürth wei­ter­lei­ten. Die Stadt wird dann ver­su­chen, In­ter­es­sen­ten zu fin­den, die zu Ge­sprä­chen mit der Bahn ge­führt wer­den«.

Tat­säch­lich ge­schah nichts der­glei­chen. Statt­des­sen sprach En­de 2006 ein »lei­ten­der Mit­ar­bei­ter der Fir­ma Au­re­lis« bei OB Jung vor und bat dar­um, »die Ver­fol­gung der In­stand­set­zung wei­ter­hin aus­zu­set­zen«. Man sol­le erst ein­mal war­ten, ob sich »et­was er­gibt«. Das war dann wohl auch die Mei­nung der Stadt­spit­ze, die in man­chen Fäl­len nichts mehr liebt als un­kon­kre­te Aus­sa­gen, so dass wei­ter­hin nichts ge­schah. Auch kam Au­re­lis dem Ver­spre­chen, ei­nen Kauf­preis zu nen­nen, nicht nach. Wie ich aus spä­te­ren In­for­ma­tio­nen nach­träg­lich schlie­ßen muss­te, gab es zwi­schen Au­re­lis und dem Wirt­schafts­re­fe­rat die über­ein­stim­men­de Ein­schät­zung, dass die Ver­wer­tung des ca. 14.000 m² gro­ßen Ge­samt­grund­stückes durch den Lok­schup­pen ge­schmä­lert wür­de, der am öst­li­chem En­de die­ser schon an der Ja­ko­bi­nen­stra­ße be­gin­nen­den Lie­gen­schaft liegt.

Ex­po­sé als Fake

Da 2007 de fac­to auch nichts ge­schah, er­laub­te ich mir En­de 2007 ei­ne Nach­fra­ge. Nach lan­gem hin und her kam plötz­lich im Fe­bru­ar 2008 die fro­he Bot­schaft: OB Jung ver­wies stolz auf ein Ex­po­sé, das ihm kurz zu­vor von Au­re­lis über­ge­ben wor­den war. In die­sem wur­de der Lok­schup­pen zum Ver­kauf an­ge­bo­ten, wenn auch oh­ne Preis­an­ga­be. Auch On­line war das Ex­po­sé für »ca. 200 m² BGF Lok­schup­pen. ca. 100 m² Wohn­haus­an­bau« ab­ruf­bar. Den­noch kam mir die Sa­che spa­nisch vor. Nun war ich ge­ra­de in Ge­sprä­chen mit ei­nen Dach­decker­be­trieb, den ich prin­zi­pi­ell für den Lok­schup­pen in­ter­es­sie­ren konn­te, und so mach­te ich die Pro­be auf’s Ex­em­pel: am 12. Fe­bru­ar 2008 um 11:08 Uhr rief ich bei »Au­re­lis Re­al Estate« an, ein Herr F. war laut Mit­schrift am Ap­pa­rat. Ich hät­te ernst­haft In­ter­es­se am Lok­schup­pen und wür­de ihn even­tu­ell kau­fen. Die Ant­wort kam prompt und oh­ne Um­schwei­fe: Au­re­lis ver­kauft den Lok­schup­pen nicht. Der Hin­weis auf das erst kürz­lich on­line ge­stell­te Ver­kaufs-Ex­po­sé wur­de wie­der­um mit der »Ant­wort« quit­tiert, dass Au­re­lis auf­grund von »Schwie­rig­kei­ten mit dem We­ge­recht« nicht ver­kau­fe, ba­sta. Nach­dem ich mir das so­wie­so ge­nau so ge­dacht hat­te, war ich nicht wei­ter über­rascht und mel­de­te es brav an die Stadt Fürth wei­ter. Nun kam von der Stadt­ver­wal­tung ei­ne (ver­mut­lich ver­se­hent­lich of­fe­ne) Ant­wort mit ei­ner wirk­li­chen Über­ra­schung: Das Wirt­schafts­re­fe­rat sei da­bei, den Lok­schup­pen als Teil des Ge­samt­grund­stückes zu ver­mark­ten, der Vor­schlag zur Aus­glie­de­rung sei über­holt. Ich trau­te beim Le­sen ob der Of­fen­heit mei­nen Au­gen nicht, da an­de­res ab­ge­spro­chen war. – An­schei­nend soll­te da je­mand ge­täuscht und ru­hig­ge­stellt wer­den.

Frän­ki­sches Frei­land­mu­se­um lehnt ab

Zu­nächst aber blieb al­les so­weit noch ge­sit­tet. Un­ter dem Ein­druck des Er­leb­ten schrieb ich Be­zirks­tags­prä­si­dent Ri­chard Bartsch an und bat ihn um Hil­fe. Die so­ge­nann­te Trans­lo­zie­rung ist zwar nur Denk­mal­pfle­ge 2. Wahl, aber im­mer noch bes­ser, als den Ver­lust des Ge­bäu­des in Kauf zu neh­men. Ich bat Ri­chard Bartsch, die Auf­nah­me in das Frän­ki­sche Frei­land­mu­se­um in Bad Winds­heim zu prü­fen. OB Jung, dem ich ei­nen Ko­pie des Schrei­bens zu­kom­men ließ, un­ter­stütz­te das An­lie­gen mit ei­nem ei­ge­nen Schrei­ben. Dies war nur kon­se­quent, da die Aus­glie­de­rung des Lok­schup­pens aus dem im­mer­hin 14.000 m² gro­ßen Ge­samt­grund­stück of­fen­sicht­lich auch für die Stadt nicht mehr zur Dis­po­si­ti­on stand – wo­von of­fi­zi­ell we­der das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge noch ich in­for­miert wor­den war. Al­ler­dings lehn­te der da­ma­li­ge Mu­se­ums­lei­ter Prof. Dr. Kon­rad Be­dal die Auf­nah­me des Lok­schup­pens ab und führ­te da­bei kon­zep­tio­nel­le und vor al­lem fi­nan­zi­el­le Grün­de an.

In­stand­set­zungs­ver­fü­gung von Ge­richt auf­ge­ho­ben

Nach­dem sich Au­re­lis bloß­ge­stellt hat­te, war man aber jetzt im­mer­hin in der Bau­auf­sicht be­reit, das Ri­si­ko ei­ner In­stand­set­zungs­ver­fü­gung ein­zu­ge­hen. In ei­nem ent­spre­chen­den Schrei­ben En­de Fe­bru­ar 2008 hieß es dann auch sehr rich­tig: »Nach Art. 4 Abs. 1 DSchG ha­ben die Ei­gen­tü­mer ih­re Bau­denk­mä­ler in­stand zu hal­ten ... Da Sie bis­lang Ih­rer Ver­pflich­tung zur In­stand­hal­tung des Lok­schup­pens nicht nach­ge­kom­men sind, ist des­halb be­ab­sich­tigt, ein ent­spre­chen­des In­stand­hal­tungs­ver­fah­ren in die We­ge zu lei­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass Ih­re Be­mü­hun­gen zur Ver­mark­tung der Im­mo­bi­lie lei­der oh­ne Er­geb­nis ge­blie­ben sind. Wir kön­nen uns zu­dem des Ein­druckes nicht er­weh­ren, dass ih­re Ver­kaufs­be­reit­schaft nicht ernst­haft ist und Sie mit die­ser Hin­hal­te­tak­tik le­dig­lich auf den wei­te­ren Ver­fall und den Ab­gang des Bau­denk­mals spe­ku­lie­ren.«

Die Für­ther Bau­auf­sicht be­schied dann auch die In­stand­set­zung, der Be­scheid wur­de je­doch im Herbst 2008 vom Ver­wal­tungs­ge­richt auf­ge­ho­ben. In ih­rer tra­di­tio­nell we­nig gemeinwohl‑, um­so mehr da­ge­gen ei­gen­tü­mer­ori­en­tier­ten Recht­spre­chung stell­ten die Rich­ter fest, dass Ei­gen­tum nur dann ver­pflich­tet, wenn es wirt­schaft­lich zu­mut­bar ist. Und der Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft sei es eben an­geb­lich nicht wirt­schaft­lich zu­mut­bar, den Lok­schup­pen zu er­hal­ten (Um­satz­er­lö­se Au­re­lis in den Jah­ren 2002–2006: 330 Mil­lio­nen Eu­ro). Das Ge­richt ver­wies vor al­lem auf feh­len­de Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten sei­tens der öf­fent­li­chen Hand (!). Die Stadt Fürth fühl­te sich hier we­ni­ger an­ge­spro­chen und gab den Ball an das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge wei­ter. Au­re­lis da­ge­gen setz­te noch ei­nes drauf und stell­te ei­nen Ab­bruch­an­trag für den Lok­schup­pen.

Recht­li­che Wür­di­gung

Das hat­te nun wie­der zur Fol­ge, dass die Wirt­schaft­lich­keits- und Fi­nan­zie­rungs­prü­fung zu­nächst auf­ge­scho­ben wur­de – ver­mut­lich war das die ei­gent­li­che Ab­sicht von Au­re­lis. Das Ge­richt hat­te zu­dem Au­re­lis in die Hän­de ge­ar­bei­tet: Es for­dert näm­lich, dass erst der Ei­gen­tü­mer sei­ne Vor­stel­lung für die wei­ter Nut­zung kon­kre­ti­sie­ren müs­se, dann erst sei die För­de­rung zu prü­fen und dann ei­ne ent­spre­chen­de Zu­sa­ge zu er­fol­gen ha­be. Wenn aber der Ei­gen­tü­mer die Vor­stel­lun­gen für ei­ne Nut­zung nicht kon­kre­ti­siert, gibt es auch die fol­gen­den Schrit­te nicht – wo­mit der Ei­gen­tü­mer das Ver­fah­ren nach Be­lie­ben steu­ern kann.

In Be­zug auf den Ab­bruch­an­trag nahm nicht nur das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge, son­dern auch das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst Stel­lung. Das Lan­des­amt be­tont in sei­nem Schrei­ben vom 23. Fe­bru­ar 2009 noch­mals den hi­sto­ri­schen Wert des Ge­bäu­des: »Ver­mut­lich han­delt es sich um ei­ne der äl­te­sten er­hal­te­nen Lo­ko­mo­tiv­schup­pen aus der Früh­zeit der Ei­sen­bahn. Aus verkehrs‑, tech­nik- und ar­chi­tek­tur­hi­sto­ri­scher Sicht han­delt es sich um ein au­ßer­or­dent­lich be­deut­sa­mes Zeug­nis baye­ri­scher Ge­schich­te«. Die Ju­ri­sten des Staats­mi­ni­ste­ri­ums nah­men das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts aus­ein­an­der: Ei­ne »Zu­mut­bar­keits­prü­fung ist erst durch­zu­füh­ren, wenn die An­trag­stel­le­rin nach­ge­wie­sen hat, dass kei­ne rea­li­sti­sche Ver­äu­ße­rungs­mög­lich­keit be­steht. Das Feh­len ei­ner Ver­äu­ße­rungs­mög­lich­keit wur­de ... von den An­trag­stel­le­rin [Au­re­lis] bis­lang nur be­haup­tet. Ein Nach­weis über ernst­haf­te Ver­äu­ße­rungs­be­mü­hun­gen wur­de je­doch nicht ge­führt. Die Stadt Fürth wird ge­be­ten, die An­trag­stel­le­rin um die Vor­la­ge ent­spre­chen­der Nach­wei­se zu er­su­chen ... Frag­lich ist, ob in der vor­ge­leg­ten Be­rech­nung der un­ter­las­se­ne Bau­un­ter­halt aus­rei­chend be­rück­sich­tigt wird. Nach den gut­ach­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen ist of­fen­sicht­lich, dass die über­wie­gen­den Schä­den di­rek­te oder in­di­rek­te Fol­ge des un­ter­las­se­nen Bau­un­ter­halts sind ... Die Stadt Fürth wird da­her ge­be­ten, ge­mein­sam mit dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge die­je­ni­gen Maß­nah­men zu er­mit­teln, die un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar auf­grund des un­ter­las­se­nen Bau­un­ter­halts er­for­der­lich ge­wor­den sind. Die ent­spre­chen­den In­ve­sti­ti­ons­ko­sten sind in der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung nicht zu be­rück­sich­ti­gen ... Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass bei zu­tref­fen­der Be­rück­sich­ti­gung des un­ter­las­se­nen Bau­un­ter­hal­tes auch bei im Üb­ri­gen un­ver­än­der­ten An­nah­men des Gut­ach­tens kei­ne wirt­schaft­li­che Un­ter­deckung mehr fest­zu­stel­len ist und ein An­spruch auf Er­tei­lung der Ab­brucher­laub­nis da­her aus­schei­det« – und die In­stand­set­zungs­ver­fü­gung rech­tens war, wie ich mir hin­zu­zu­fü­gen er­lau­be. Aber wir wis­sen von der Gu­stav­stra­ße, dass Ge­rich­te sich ih­re ei­ge­nes Recht ma­chen, und vom Fest­saal, dass gel­ten­des Recht in Bay­ern pro­blem­los igno­riert wer­den kann.

Di­ver­se Ge­plän­kel am Ran­de

Am Ran­de er­wähnt sei auch, dass ich über MdB Mar­le­ne Rupprecht den da­ma­li­gen Ver­kehrs­mi­ni­ster Wolf­gang Tie­fen­see mit dem Lok­schup­pen be­hel­lig­te – das Er­geb­nis lohnt je­doch nicht re­fe­riert zu wer­den. Ähn­li­ches gilt für die Re­ak­ti­on des von OB Jung an­ge­schrie­be­nen DB Vor­stands­vor­sit­zen­den Rü­di­ger Gru­be im Fe­bru­ar 2010.

Im­mer wie­der tauch­ten In­ter­es­sen­ten und Hilfs­an­ge­bo­te für den Lok­schup­pen auf, ein­mal der schon er­wähn­te Dach­decker­be­trieb, dann bei­spiels­wei­se ein Ar­chi­tekt und ein klei­ner me­tall­ver­ar­bei­ten­der Be­trieb. Ein Für­ther Bür­ger hät­te den Lok­schup­pen ger­ne in sei­nen Gar­ten trans­fe­riert. Selbst die Nürn­ber­ger Alt­stadt­freun­de schrieb ich an, aber auf­grund der La­ge des Lok­schup­pens konn­ten sie ver­ständ­li­cher­wei­se nur ide­el­le Hil­fe an­bie­ten. Am er­folg­ver­spre­chend­sten er­schien mir das An­ge­bot der Be­ruf­li­chen Fort­bil­dungs­zen­tren der Baye­ri­schen Wirt­schaft (bfz), im Rah­men ei­nes Pro­jek­tes Tei­le der In­stand­set­zung des Lok­schup­pens weit­ge­hend ko­sten­frei zu über­neh­men. Nach zahl­rei­chen Tref­fen ka­men sich aber auch die Ver­tre­ter des bfz zu­neh­mend wie der Buch­bin­der Wan­nin­ger vor und zo­gen sich zu­rück. Ein Be­ob­ach­ter aus Mün­chen mein­te hier­zu, es sei auf­fäl­lig, dass bei der Stadt Fürth selbst gut ge­mein­te In­itia­ti­ven zum Lok­schup­pen re­gel­mä­ßig im San­de ver­lau­fen...

Die DB AG er­klär­te sich An­fang 2010 be­reit (bzw. gab das zu­min­dest vor), den Lok­schup­pen aus dem Be­stand der Au­re­lis zu­rück­zu­neh­men, un­ter der Vor­aus­set­zung, dass die Stadt ein trag­fä­hi­ges Nut­zungs­kon­zept vor­legt, was nicht ge­schah, da man den Lok­schup­pen ja gar nicht aus­glie­dern woll­te. Den ehe­ma­li­gen Hei­mat­pfle­ger-Kol­le­gen und neu be­ru­fe­nen Chef des frän­ki­schen Frei­land­mu­se­ums Her­bert May ver­such­te ich im Ok­to­ber 2010 noch­mals mei­ne aus der Not ge­bo­re­ne Idee der Trans­lo­zie­rung schmack­haft zu ma­chen, was die­ser aber wie­der­um ab­lehn­te. Zu­dem ka­men bis Mit­te 2014 wei­te­re Ver­hand­lun­gen mei­ner­seits mit even­tu­el­len Pri­vat­in­ve­sto­ren, die aber über­wie­gend aus schon ge­nann­ten Grün­den schei­ter­ten. Ähn­lich gin­gen Kon­tak­te zu den Frei­land­mu­se­en Fla­dun­gen und Fin­ster­au aus.

Im Sep­tem­ber 2011 er­folg­te im Bau­aus­schuss ein Be­richt zum Lok­schup­pen, in dem die Ko­sten für ei­ne Not­si­che­rung nun­mehr mit 120.000 € be­zif­fert wur­den, der Ver­fall sei da­bei auch nur für 15 Jah­re auf­zu­hal­ten und die Bau­tei­le aus der Not­si­che­rung sei­en bei ei­nem wei­te­ren Aus­bau nicht mehr zu ver­wen­den. »Die Haus­halts­la­ge der Stadt lässt um­fang­rei­che Maß­nah­men kaum zu«. Man er­in­ne­re sich: 2004 wur­de das Not­dach mit 20.000 Eu­ro be­zif­fert. Es drängt sich der Ver­dacht auf, das mit die­ser Ko­sten­schät­zung den Ak­ti­vi­tä­ten ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wer­den soll­te.

En­de 2011 wur­de vom Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge ei­ne Dach­sa­nie­rung vor­ge­schla­gen, Ko­sten­auf­tei­lung 1/3 Stadt, 1/3 Au­re­lis, 1/3 Ent­schä­di­gungs­fond des Lan­des­am­tes. Der Vor­schlag wur­de nicht wei­ter ver­folgt, da sei­tens Au­re­lis und ver­mut­lich auch sei­tens der Stadt kein wirk­li­ches In­ter­es­se be­stand.

Hoff­nungs­trä­ger DB-Mu­se­um

Ei­nen be­son­ders ab­sur­des Er­leb­nis im Zu­sam­men­hang mit dem Lok­schup­pen er­gab sich mit der Ein­schal­tung des DB Mu­se­ums. Dies kam so: Kurz nach­dem das DB Mu­se­um ei­ne neue Lei­tung be­kom­men hat­te, schrieb ich am 9. Ju­ni 2011 die neue Lei­te­rin Rus­sal­ka Ni­kolov an und bat sie um Hil­fe. Der Brief blieb zu­nächst un­be­ant­wor­tet. Im No­vem­ber 2011 mach­te ein DB-Mit­ar­bei­ter Frau Ni­kolov noch­mals auf den viel­leicht äl­te­sten er­hal­te­nen Lok­schup­pen Deutsch­lands und mein Schrei­ben auf­merk­sam. Nach ei­ni­gem Hin und Her brach­te Frau Ni­kolov die Idee vor, den al­ten Lok­schup­pen an der Stadt­gren­ze durch Ab­bau und Wie­der­auf­bau auf dem Ge­län­de des DB Mu­se­ums zu ret­ten. Die­se Idee war zwar prin­zi­pi­ell nicht neu, ich hat­te das schon im März 2008 vor­ge­schla­gen (sie­he oben), aber da sie nun im Ge­gen­satz zu frü­her nicht an ein eher un­wil­li­ges Mu­se­um her­an­ge­tra­gen wur­de, son­dern von ei­ner Mu­se­ums­lei­te­rin selbst stamm­te, klang das sehr er­folg­ver­spre­chend.

Der DB-Mit­ar­bei­ter schrieb die re­le­van­ten Leu­te bei der Stadt Fürth an. OB Jung er­klär­te um­ge­hend, dass er (und da­mit die Stadt Fürth) Ni­kolovs Vor­schlag her­vor­ra­gend fin­de und nach Kräf­ten un­ter­stüt­zen wol­le. Das war vor dem Hin­ter­grund der Hal­tung des Wirt­schafts­re­fe­ra­tes leicht ver­ständ­lich, den man sah den Lok­schup­pen als Hin­der­nis für die wirt­schaft­li­che Ge­samt­ver­wer­tung des Grund­stückes. Al­ler­dings stell­te sich so­gleich ein eher un­gu­tes Omen ein: OB Jung teil­te mit, dass Stadt­bau­rat Krau­ße per­sön­lich als »zu­stän­di­ger Lei­ter des Ge­schäfts­be­richts Bau­en und Denk­mal­schutz« die wei­te­ren Ge­sprä­che mit Frau Ni­kolov füh­ren sol­le. Ein Hin­ter­grund war der, dass der bis­he­ri­ge lei­ten­de Mit­ar­bei­ter in Sa­chen Denk­mal­schutz bei der Stadt Fürth im No­vem­ber 2011 schwer er­krankt war. Die­ser lei­ten­de Mit­ar­bei­ter war zwar mit­un­ter ge­nervt, von mir im­mer wie­der den Lok­schup­pen un­ter die Na­se ge­rie­ben zu be­kom­men, aber er war un­ge­ach­tet des­sen wirk­lich ernst­haft an der Sa­che in­ter­es­siert und neig­te eher sel­ten zu ir­ra­tio­na­len Aus­set­zern. Nun al­ler­dings hat­ten wir es mit Stadt­bau­rat Krau­ße per­sön­lich zu tun.

Träu­me

Für den 19. Ju­ni 2012 wur­de zu ei­nem ge­mein­sa­men Ter­min DB-Mu­se­um und Stadt Fürth ein­ge­la­den. In dem von Ni­kolov ge­gen­ge­le­se­nen, kor­ri­gier­ten und von ihr um­fang­reich er­gänz­ten Pro­to­koll hieß es u.a.: »Frau Ni­kolov wur­de gleich mit ih­rem Amts­an­tritt vor ei­nem Jahr von dem Für­ther Stadt­hei­mat­pfle­ger Dr. May­er ge­be­ten, sich um den ver­mut­lich äl­te­sten Lok­schup­pens Deutsch­lands zu küm­mern. Nach gründ­li­chen Über­le­gun­gen, Ge­sprä­chen und Dis­kus­sio­nen hat das DB Mu­se­um den Vor­schlag un­ter­brei­tet, den Lok­schup­pen auf das Frei­ge­län­de des Mu­se­ums zu ver­set­zen und es auf die­se Wei­se zu ret­ten. Das Mu­se­ums sieht sich ver­pflich­tet, die Ei­sen­bahn­ge­schich­te Deutsch­lands zu er­hal­ten. Dort wür­de er an das mu­sea­le Schie­nen­netz an­ge­schlos­sen und den funk­ti­ons­tüch­ti­gen Nach­bau der ‘Adler’-Lokomotive be­her­ber­gen. Dort soll auch der Be­ginn des Ei­sen­bahn­fahrt als klei­ne Aus­stel­lung dar­ge­stellt wer­den«. – Das klang ge­ra­de­zu traum­haft. Das DB Mu­se­um hat­te zu­dem schon ei­nen Ar­chi­tek­ten ge­be­ten, er­ste Vor­ge­hens­wei­sen und kal­ku­la­to­ri­sche Be­rech­nun­gen auf Pa­pier zu brin­gen. Stadt­bau­rat Krau­ße ver­mel­de­te al­ler­dings für die Stadt Fürth, dass die­se sich nicht mit In­ve­sti­ti­ons­mit­teln be­tei­li­gen wer­de, le­dig­lich or­ga­ni­sa­to­ri­sche Un­ter­stüt­zung sei mög­lich. – Den­noch: so weit, so gut.

Ex­kurs: Ma­ri­ti­mes Mu­se­um Ham­burg

Um zu ver­ste­hen, was dann ge­schah, ist ein klei­ner Ex­kurs zur DB Mu­se­ums­lei­te­rin not­wen­dig. Ni­kolov hat­te vor dem DB Mu­se­um im heu­ti­gen In­ter­na­tio­na­len Ma­ri­ti­men Mu­se­ums Ham­burg an lei­ten­der Stel­le ge­wirkt, das aus ei­ner sehr um­fang­rei­chen Pri­vat­samm­lung her­vor­ge­gan­gen war. Das Aus­stel­lungs­kon­zept des Mu­se­ums ist um­strit­ten. Dem Mu­se­um wur­de un­ter an­de­rem ein »du­bio­ser In­halt«, Kriegs­ver­herr­li­chung, »mu­sea­ler Mi­li­ta­ris­mus« und man­geln­de Di­stanz zu Na­zi-Ex­po­na­ten vor­ge­wor­fen, dar­un­ter auch der ha­ken­kreuz­ver­zier­te Groß­ad­mi­rals­stab von Karl Dö­nitz (vgl. z.B. Süd­deut­sche Zei­tung: Ma­ri­ti­mes Mu­se­um di­stanz­los), es gab auch wei­te­re Vor­wür­fe (vgl. z.B. hier und da).

Es wür­de hier zu weit füh­ren, über die Grün­de (?) der DB zu spe­ku­lie­ren, war­um ge­ra­de in Nürn­berg ei­ne Mu­se­ums­lei­te­rin ein­ge­stellt wird, an de­ren frü­he­ren Wir­kungs­stät­ten ei­ne man­geln­de Di­stanz zu Na­zi-Ex­po­na­ten be­män­gelt wur­de. Das ist hier nicht das The­ma.

Zu­rück nach Fürth

An dem oben be­rich­te­ten Be­sich­ti­gungs­ter­min am 19. Ju­ni 2012 war nun Ni­kolov mit ih­rer Crew ein klein we­nig zu spät ge­kom­men, et­was mehr als ei­ne Stun­de, um ge­nau­er zu sein. Die­se ge­schla­ge­ne Stun­de war­te­ten der von OB Jung ab­kom­man­dier­te, of­fen­kun­dig mä­ßig be­gei­ster­te Stadt­bau­rat Krau­ße, der er­wähn­te DB-Mit­ar­bei­ter, ein wei­te­rer en­ga­gier­ter Bür­ger so­wie der Hei­mat­pfle­ger und ver­such­ten sich die Zeit zu ver­trei­ben. Mir selbst war Ni­kolov und ih­re frü­he­re Wir­kungs­stät­ten sei­ner­zeit nicht be­kannt, aber der en­ga­gier­te Bür­ger gab ob der lan­gen Zeit die ei­ne und an­de­re Ge­schich­te zum Be­sten, un­ter an­de­rem je­ne vom aus­ge­stell­ten Dö­nitz-Stab. Als Ni­kolov dann er­schien, war das selbst­ver­ständ­lich kein The­ma mehr und hät­te es nie mehr sein müs­sen, hät­te nicht ... ja, hät­te es nicht Stadt­bau­rat Krau­ße für not­wen­dig er­ach­tet, Ni­kolov nach­träg­lich te­le­fo­nisch über die­se kri­ti­schen Äu­ße­run­gen zu in­for­mie­ren, war­um auch im­mer. Ne­ben­bei ver­wech­sel­te er noch die an­ge­schwärz­te Per­son und schob die kri­ti­schen Äu­ße­rung dem DB-Mit­ar­bei­ter zu. Wie es der Zu­fall woll­te, traf ich die fas­sungs­lo­se Frau Ni­kolov dar­auf­hin zu­fäl­lig in Nürn­berg, wo sie fast schon auf­ge­löst von halt­lo­sen An­wür­fen er­zähl­te etc. Der zu Un­recht ver­däch­tig­te DB-Mit­ar­bei­ter setz­te sich dann na­tür­lich zu Wehr etc. etc. In je­dem Fall war das Kli­ma in der An­ge­le­gen­heit nach­hal­tig be­la­stet.

Trans­lo­zie­rung à 720.000 €

Die Ko­sten­schät­zung der Trans­lo­zie­rung er­reich­te dann die Be­tei­lig­ten En­de Ju­ni 2012, bis zu 720.000 Eu­ro sei­en zu ver­an­schla­gen. Am 10. Ju­li 2012 kam es dann im Bau­amt zu ei­nem wei­te­ren Tref­fen in eher ab­ge­kühl­ter At­mo­sphä­re, ob­wohl die ak­ti­ven und pas­si­ven Be­tei­lig­ten an den auf­ge­tre­te­nen Ir­ri­ta­tio­nen die­ses Mal ab­ge­se­hen von Ni­kolov nicht an­we­send wa­ren. Teil­neh­mer wa­ren ne­ben Frau Ni­kolov u.a. ein Ver­tre­ter des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pfle­ge und ich selbst. Das Lan­des­amt stell­te ei­ne Zu­stim­mung der Trans­lo­zie­rung in Aus­sicht, da das Ziel der Denk­mal­pfle­ge aber die Er­hal­tung schutz­wür­di­ger Denk­mä­ler am Ort ih­rer Ent­ste­hung sei, kön­ne die Trans­lo­zie­rung nur der letz­te gang­ba­re Weg sein. Ei­ne Be­zu­schus­sung sei­tens der öf­fent­li­chen Hand oder der Stif­tung Denk­mal­schutz sei des­we­gen nicht zu er­war­ten. Ei­ne fach­li­che Be­glei­tung sei je­doch denk­bar. Das DB Mu­se­um schränk­te den ur­sprüng­li­chen En­thu­si­as­mus ein und stell­te klar, »dass es bei die­sem Pro­jekt le­dig­lich un­ter­stüt­zend tä­tig wird, in dem es prüft, ob ein Grund­stück für das Ge­bäu­de auf dem Frei­ge­län­de des DB Mu­se­ums zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den kann ... Das DB Mu­se­um ist nicht Ei­gen­tü­mer des Lok­schup­pens und wird kein Geld für die Trans­lo­zie­rung zur Ver­fü­gung stel­len. Viel­mehr wird die Grün­dung ei­nes För­der­ver­eins an­ge­strebt, der Spen­den­gel­der ein­wirbt. Hier­bei kann das DB Mu­se­um un­ter­stüt­zen«. – Auch ge­gen­über OB Jung ver­mel­de­te Ni­kolov, dass sie sich mel­den wer­de, so­bald die Frei­ga­be des Ge­län­des durch das Ei­sen­bahn­bun­des­amt vor­lie­ge, was gut ein Jahr dau­ern kön­ne. Das wa­ren zwar ins­ge­samt deut­lich we­ni­ger Zu­ge­ständ­nis­se und Un­ter­stüt­zung als zu­nächst er­war­tet, aber so­bald die als recht wahr­schein­lich dar­ge­stell­te Frei­ga­be er­fol­gen soll­te, kön­nen wir los­le­gen ... dach­te ich.

War da was?

Erst 18 Mo­na­te spä­ter, im Ja­nu­ar 2014, wag­te ich es, das DB-Mu­se­um und Frau Ni­kolov an das ge­ge­be­ne Ver­spre­chen zu er­in­nern. Da dies oh­ne Ant­wort blieb, wie­der­hol­te ich die An­fra­ge im Fe­bru­ar 2014. Dar­auf­hin er­folg­te ei­ne schrof­fe Ant­wort von Ni­kolov: »Bei un­se­rem letz­ten Tref­fen in Fürth ha­ben wir uns ver­ab­schie­det mit der Ent­schei­dung, bei den ge­gen­wär­ti­gen Be­din­gun­gen das The­ma nicht wei­ter­zu­ver­fol­gen«. Das war ge­nau das Ge­gen­teil vom Be­spro­che­nen. Aber auch die Zu­sen­dung der von der DB er­stell­ten und von Ni­kolov ge­gen­ge­le­se­nen Pro­to­kol­le, die eben das Ge­gen­teil be­wie­sen, nütz­ten nichts. OB Jung äu­ßer­te sich zwar er­staunt über Ni­kolov, aber war in je­ner Zeit in er­ster Li­nie wohl schon mit Fra­gen der Kom­mu­nal­wahl, sei­ner Wie­der­wahl und mei­ner Ab­wahl be­schäf­tigt, so dass die­se Sa­che nicht mehr wei­ter ver­folgt wur­de. Es ka­men zwar An­fang und Mit­te 2014 noch­mals zwei Pri­vat­in­ter­es­sen­ten ins Spiel, die aber aus un­ter­schied­li­chen Grün­den ab­spran­gen.

Was kommt?

Kürz­lich er­fuhr der auf­merk­sa­me nordbayern.de-Leser, dass ein nicht ge­nann­ter In­ve­stor das ehe­ma­li­ge Bahn­ge­län­de um den Re­cy­cling­hof er­wor­ben hat. Nach­fra­gen er­ga­ben: ein­schließ­lich des Lok­schup­pens, Käu­fer ist P&P (!). Der Bau­aus­schuss hat im Ok­to­ber 2015 be­schlos­sen, des­we­gen ei­nen Be­bau­ungs­plan für das Ge­biet auf­zu­stel­len: »Im Be­bau­ungs­plan sol­len fol­gen­de Pla­nungs­zie­le um­ge­setzt wer­den: ... – Denk­mal­ge­schütz­te Sub­stanz er­hal­ten«.

Ab­schlie­ßend lässt sich nur die Stel­lung­nah­me der Stadt Fürth zu mei­ner er­sten An­fra­ge im Jah­re 2004 wie­der­ho­len: »Die Ge­bäu­de be­fin­den sich ei­nem sehr schlech­ten bau­li­chen Zu­stand; die­ser ist auf ei­ne jah­re­lan­ge Ver­nach­läs­si­gung not­wen­di­ger Min­dest­maß­nah­men ei­nes sach­ge­rech­ten Bau­un­ter­hal­tes zu­rück­zu­füh­ren. Zwi­schen­zeit­lich hat sich der Zu­stand des Da­ches des Lok­schup­pens so weit ver­schlech­tert, dass die bau­li­che Sub­stanz die­se Bau­denk­mals ernst­haft in Ge­fahr ist. Bei ei­nem wei­te­ren Zu­war­ten ist der Ab­gang des Lok­schup­pens wohl zu be­fürch­ten.«

Man darf ge­spannt sein, was der In­ve­stor mit dem Lok­schup­pen an­stellt, der Fest­saal mahnt.

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16 Kommentare zu »Wie die Ret­tung des Lok­schup­pens ver­sem­melt wur­de. Ein Er­leb­nis­be­richt.«:

  1. Peter Kunz sagt:

    Ein­fach un­glaub­lich.

    Re­al­sa­ti­re. Bür­ger­li­ches Trau­er­spiel. Ma­fia­dra­ma. Al­les zu­sam­men.

    Im­mer die glei­che, sich im­mer wie­der wie­der­ho­len­de Ge­schich­te, bis ir­gend­wann die P&P‑Bauten, Me­trop­le­xe, Stadt­hal­len, Ci­ty Cen­ters und Neu­en Mit­ten die­se ehe­mals schö­ne Stadt do­mi­nie­ren...

    Bin fas­sungs­los.

  2. netz10 sagt:

    Vie­len Dank für so­viel Hin­ga­be und Hart­näckig­keit.

  3. Andreas Schlieter sagt:

    Un­fass­bar.

  4. Wolfgang F sagt:

    Es ist noch nicht so lan­ge her, da hör­te man vom DB Kon­zern »Zu­kunft braucht Her­kunft«.

    Ir­gend­wie hat ir­gend­je­mand das wohl ge­mein­schaft­lich ver­ges­sen.

    Scha­de, trau­rig.

  5. Marcus Kantner sagt:

    In ei­ner Zeit in der al­le Welt Geiz geil fin­det, Pri­va­ti­sie­rung stets das Mit­tel der Wahl ist und Ge­mein­gut kaum et­was zählt, sind das die Fol­gen...

  6. Stadt Fürth will mit P & P rie­si­ge Brach­flä­che ent­wickeln (FN): »Hoff­nung gibt es für den denk­mal­ge­schütz­ten Lok­schup­pen auf dem Are­al, den die frü­he­ren Ei­gen­tü­mer ha­ben ver­fal­len las­sen. „Wir kön­nen uns vor­stel­len, ihn in das Ge­samt­kon­zept zu in­te­grie­ren“, sag­te Fir­men­chef Mi­cha­el Pe­ter auf FN-Nach­fra­ge. Denk­bar sei zum Bei­spiel, ihn als Raum für Ga­stro­no­mie zu nut­zen. Wo vie­le Men­schen ar­bei­ten, müs­se auch ei­ne „ge­wis­se Grund­ver­sor­gung“ ge­währ­lei­stet sein, so Pe­ter.« – Hof­fent­lich ist P&P klü­ger als MIB, aber da bin ich vor­sich­tig op­ti­mi­stisch.

    In­ter­es­sant auch, dass die Stadt Fürth bis zum Er­schei­nen die­ses Ar­ti­kels bzw. mei­nes Rund­brie­fes 95 ver­schwie­gen hat, dass P&P der In­ve­stor ist. Viel­leicht auf­grund der schlech­ten Pres­se in jüng­ster Ver­gan­gen­heit ...

  7. Wi­ki­pe­dia hat nach­ge­zo­gen, ein Kol­le­ge vom Denk­mal­netz Bay­ern war (mit mei­ner Hil­fe) so frei:
    Lok­schup­pen (Fürth)

    Man be­ach­te auf Wi­ki­pe­dia auch die Dar­stel­lung des po­si­ti­ven Schick­sals ei­nes ähn­lich al­ten Lok­schup­pens in Mag­de­burg:
    Lok­schup­pen Al­te Neu­stadt

  8. Pres­se­pie­gel : »Denk­mal Lok­schup­pen: Tau­zie­hen vor Ge­richt« (FN)

    Un­ter­ti­tel: »Stadt strei­tet mit Au­re­lis um den Er­halt – Wel­che Rol­le spielt die Für­ther Fir­ma P&P?«

    Je­dem Ken­ner des Denk­mal­ge­set­zes und der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung ist klar, war­um der Vor­be­sit­zer Au­re­lis und nicht P&P klagt bzw. was der ei­gent­li­che Grund hier­für ist... nur ha­ben wir da bei der Stadt ver­mut­lich kei­ne.

  9. Nach ei­ner Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Fürth fin­det zur Stun­de und Mi­nu­te des fol­gen­rei­chen Waf­fen­still­stan­des von 1918 ein Pres­se­ter­min am Lok­schup­pen statt, man darf ge­spannt sein:

     
    Ter­min: Frei­tag, 11. No­vem­ber, 11 Uhr,
    Treff­punkt: Ein­gang zum Re­cy­cling­hof Ja­ko­bi­nen­stra­ße (sie­he Plan)

    Hat der hi­sto­ri­sche Lok­schup­pen wie­der ei­ne Zu­kunft?

    Im Jahr 1860 er­baut, ist er das äl­te­ste noch er­hal­te­ne Bau­denk­mal der Für­ther Ei­sen­bahn­ge­schich­te: der Lok­schup­pen in Nä­he der Stadt­gren­ze zu Nürn­berg. Al­ler­dings lie­ßen seit dem Jahr 2008 ju­ri­sti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen die Zu­kunft des hi­sto­ri­schen Ge­bäu­des im Un­ge­wis­sen, der end­gül­ti­ge Ver­fall droh­te.

    Nun ist die Sach­la­ge ge­klärt und Ober­bür­ger­mei­ster Tho­mas Jung kann am Frei­tag, 11. No­vem­ber, 11 Uhr, ge­mein­sam mit Stadt­hei­mat­pfle­ge­rin Ka­rin Jung­kunz und dem Ei­gen­tü­mer mög­li­che Per­spek­ti­ven für das Denk­mal vor­stel­len.

    Die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Me­di­en sind hier­zu herz­lich ein­ge­la­den.

  10. Na ja, am 11.11. wird um 11:11 Uhr ge­mein­hin die Sai­son der Pos­sen­rei­ße­rei er­öff­net. Das mag ge­nau­so ei­ne zu­fäl­li­ge Ko­in­zi­denz sein wie die Sa­che mit dem Waf­fen­stil­stand...

  11. »Sai­son der Pos­sen­rei­ße­rei« ? – Mag sein, no­men est omen. Pres­se­mit­tei­lung noch da­zu am Tag der ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl ... was für be­deu­tungs­schwe­re Kom­bi­na­tio­nen ;-). Aber wahr­schein­lich soll nur vom pro­jek­tier­ten und durch­ge­wink­ten Ab­riss der Lan­gen Stra­ße 53 ab­ge­lenkt wer­den.

  12. Möch­te sein. Das Pro­jekt Spie­gel­fa­brik aus denk­mal­schüt­ze­ri­scher Sicht zu hin­ter­fra­gen und zu kri­ti­sie­ren ist über­fäl­lig. Vir­tu­el­ler Raum da­für wä­re hier­orts ge­nug vor­han­den...

  13. Karl Fuchs sagt:

    Es ist ja nun nicht mehr wirk­lich viel, was an die al­te Lud­wigs­bahn im Raum Nürnberg/Fürth er­in­nert. Aber das ist halt das ty­pi­sche Ver­hal­ten sol­cher Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten: Es wird auf den ma­xi­ma­len Pro­fit ge­schaut, al­les was dem im We­ge steht, ist lä­stig. Wir ha­ben da ein Bau­denk­mal? Mal se­hen, wie lan­ge es dau­ert und was wir tun müs­sen, um das in ei­nen Stein­hau­fen zu ver­wan­deln, den wir weg­schie­ben kön­nen. So ähn­lich wer­den wohl die Über­le­gun­gen beim Lok­schup­pen sein. Und wenn man den Pro­zess noch ein paar Jähr­chen strecken kann, hat die Zeit ihr Werk ge­tan. Die Fo­tos zum Ar­ti­kel zei­gen, dass au­ßer den Au­ßen­mau­ern oh­ne­hin fast nichts mehr zu ret­ten sein wird. Gut, im In­ne­ren wird es auch nicht mehr viel ori­gi­na­le Sub­stanz ge­ben – das zei­gen die Bil­der eben­so. An­de­rer­seits las­sen sich sol­che Ge­bäu­de mit et­was Ge­schick durch­aus ei­ner mo­der­nen Nut­zung zu­füh­ren – sie­he zum Bei­spiel das Fa­brik­schloss in Augs­burg oder die Schran­nen­hal­le in Mün­chen. Aber so weit sind wir hier wohl noch nicht.

  14. Auch ich set­ze mich seit Jah­ren für den Er­halt des Lok­schup­pens und der da­ne­ben ste­hen­den Feld­schmie­de ein. Mit der Lud­wigs­bahn ha­ben bei­de Bau­ten aus Baye­ri­schen Staats­sbahn-Zei­ten al­ler­dings über­haupt nichts zu tun. Als Re­mi­nes­zenz an die er­ste Deut­sche Ei­sen­bahn hät­te ein re­stau­rier­ter Fest­saal des Park-Ho­tels be­stens ge­taugt, aber den ha­ben un­ser OB und sein bieg­sa­mer Bau-Re­fe­rent ja zur Müll­hal­de klein­ge­re­det und den In­ve­sto­ren-In­ter­es­sen ge­op­fert. In al­ler­be­ster (?) Für­ther Tra­di­ti­on...

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