Tod auf Ra­ten: Der Fest­saal ver­schwin­det

12. August 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

Wäh­rend Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Tho­mas Jung und sein Bau­rat Joa­chim Krau­ße mit klei­nen »Pro­jekt­chen« den Ruf von Fürth als Denk­mal­stadt fe­sti­gen wol­len, zeigt sich im Gro­ßen, wes Gei­stes Kind sie in Wirk­lich­keit sind: Mit der ge­gen das Vo­tum al­ler Fach­leu­te er­teil­ten Ge­neh­mi­gung zum Ab­riß des Fest­saa­les im ehe­ma­li­gen Park-Ho­tel un­ter­wer­fen sie sich will­fäh­rig kom­mer­zi­el­len In­ve­sto­ren­in­ter­es­sen und pfei­fen nicht nur auf den Denk­mal­schutz, son­dern auch auf Recht und Ge­setz.

Klar und ein­deu­tig ist näm­lich die Stel­lung­nah­me des Baye­ri­schen Staats­mi­ni­ste­ri­ums für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst als Ober­ste Denk­mal­schutz­be­hör­de, die die Er­laub­nis zum Ab­riß des Fest­saa­les als rechts­wid­rig ein­stuft (Quel­le: Rund­brief Nr. 79 von Stadt­hei­mat­pfle­ger Dr. Alex­an­der May­er). Daß im Her­zen Fürths kei­ne un­rett­bar ver­lo­re­ne Rui­ne, son­dern ein sub­stan­ti­ell er­hal­te­nes Bau­denk­mal preis­ge­ge­ben wur­de, ist längst kein Ge­heim­nis mehr: Spek­ta­ku­lä­re Fo­tos vom Zu­stand des Saa­les nach dem Ent­fer­nen der nach dem Krieg ein­ge­zo­ge­nen Zwi­schen­decke mach­ten be­reits En­de Ju­ni die Run­de. Ge­stern wur­den uns von an­ony­mer Sei­te neue Bil­der zu­ge­spielt, die die im­mer noch in­tak­te sta­ti­sche Struk­tur des Saa­les zei­gen:

(al­le Fo­tos: »Bud­del«)

Die schein­bar be­hut­sa­me, aber den­noch un­auf­halt­sam fort­schrei­ten­de Ver­nich­tung des Saa­les hat nichts mit Re­spekt oder gar schlech­tem Ge­wis­sen auf Sei­ten der Ent­schei­der und Nutz­nie­ßer zu tun, son­dern dürf­te ih­re ba­na­len Grün­de in un­mit­tel­bar an­gren­zen­den Ge­bäu­den, städ­ti­scher­seits auf­er­leg­ten Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten und vor­schrifts­mä­ßi­ger Ma­te­ri­al­tren­nung des an­fal­len­den Bau­schutts ha­ben: Auch wenn ganz oben die Ge­set­ze igno­riert und ge­bro­chen wer­den, nach un­ten und in den ope­ra­ti­ven Klei­nig­kei­ten funk­tio­niert der »Rechts­staat« wei­ter­hin vor­bild­lich in be­ster deut­scher Tra­di­ti­on...

Aber ganz spur­los scheint das un­er­war­tet lau­te Echo in den Me­di­en nicht an der Stadt­spit­ze vor­bei­ge­gan­gen zu sein: Im Ar­ti­kel »Denk­mal­schutz: Pro­jekt­chen mit Strahl­kraft« be­rich­ten die Für­ther Nach­rich­ten über Be­stre­bun­gen der Stadt, mit »Kleinst­maß­nah­men zur Pfle­ge und zum Er­halt ih­rer bau­li­chen Schät­ze aus der Grün­der­zeit« über­re­gio­nal zu punk­ten. Bau­rat Joa­chim Krau­ße steht da­bei in Treue fest zur Ent­schei­dung in Sa­chen »Neue Mit­te«, »auch wenn wir die Krö­te Fest­saal schlucken müs­sen«.

Kro­ko­dils­trä­nen fal­len ei­nem da pas­send zu der Krö­te ein, denn er selbst hat ja die Preis­ga­be des Saa­les be­trie­ben, ob­wohl er als Chef der un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de von An­fang an da­zu ver­pflich­tet ge­we­sen wä­re, die In­ve­sto­ren auf die ob­li­ga­to­ri­sche Ein­hal­tung der Denk­mal­schutz-Auf­la­gen hin­zu­wei­sen. Wäh­rend man sich al­so in rüh­ren­der Wei­se um den tür­ki­schen Haus­be­sit­zer be­sorgt zeigt, der man­gels Kennt­nis des Amts­deut­sches die Denk­mal­schutz­auf­la­gen nicht aus­zu­le­gen weiß, gibt man Fir­men wie MIB schon im Vor­feld zu ver­ste­hen, daß der­lei rück­wärts­ge­wand­te Be­find­lich­kei­ten dem gro­ßen Rei­bach na­tür­lich nicht im We­ge ste­hen...

Ein­mal mehr wer­den al­so durch Ab­riß Fak­ten ge­schaf­fen, die Jahr­zehn­te spä­ter kaum je­mand wird gut­hei­ßen wol­len. Kei­ner aber wird im Zeit­al­ter des In­ter­nets sa­gen kön­nen, man ha­be es da­mals nicht bes­ser ge­wußt!

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19 Kommentare zu »Tod auf Ra­ten: Der Fest­saal ver­schwin­det«:

  1. […] Heu­te in der Für­ther Frei­heit: »Tod auf Ra­ten: Der Fest­saal ver­schwin­det« […]

  2. An­fang Ja­nu­ar 2013 stell­te der In­ve­stor MIB den An­trag auf Ab­riss des Fest­saals. Das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge lehn­te den Ab­riss mit Schrei­ben vom 29. Ja­nu­ar 2013 ab und ver­wies dar­in auch auf die recht­li­chen Im­pli­ka­tio­nen, de­nen zu­fol­ge im ge­ge­be­nen Fall ei­ne Ab­brucher­laub­nis bei Be­ach­tung der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung und der Ge­set­zes­la­ge von der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de (Stadt Fürth) ver­sagt wer­den müs­se. Ich selbst lehn­te den Ab­riss mit Schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 2013 ab, eben­falls mit aus­drück­li­chen Ver­weis auf die recht­li­chen Pro­ble­me. Wenn­gleich ju­ri­sti­scher Laie (und bei der Stadt ar­bei­ten be­kannt­lich lau­ter Pro­fis ...) ha­be ich auch in­tern mehr­fach – bis auf höch­ster Ebe­ne – dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das schief­geht. – Ich bin jetzt wirk­lich sehr auf die Aus­flüch­te und Schuld­zu­wei­sun­gen ge­spannt.

  3. Günter sagt:

    ich ha­be ei­ne fra­ge: auf den Bil­dern sieht man noch die um­ris­se der al­ten bö­gen zur decke hin. die­se sind weg. decke hängt im­mer noch. al­so war das nur ei­ne rein op­ti­sche Sa­che aus gips? al­so sehr mas­siv kann das ja nicht ge­baut wer­den. und leicht re­pro­du­zier­bar ist so et­was ja auch. ob das dann echt denk­mal­wert hat?

  4. K. Heller sagt:

    Ja die Stuck­decke war ei­ne rei­ne Zwi­schen­decke und das ist ja das ge­nia­le.

    Der Dach­stuhl aus Stahl­fach­werk­trä­gern über­spannt den Raum frei­tra­gend be­la­stet durch sein Ei­gen­ge­wicht, das Ge­wicht der Dach­deckung, der gro­ßen Licht­bän­der und das der dar­an ab­ge­häng­te Stuck­decke. Welch im­mense La­sten hier ab­zu­tra­gen wa­ren lässt sich an den Di­men­sio­nen der noch hän­gen­den Bal­ken­kon­struk­ti­on er­ken­nen.

    Be­mer­kens­wert, die un­ter­schied­li­chen Ma­te­ria­li­en – Stahl, Holz und Gips – muss­ten so ver­bun­den wer­den, dass kei­ne Ris­se in der Stuck­decke ent­ste­hen. Die Form der Stich­kap­pen wur­de über ei­ne ent­spre­chen­de Holz­kon­struk­ti­on aus Bret­tern er­reicht.

    LETZTENDLICH ZEIGEN DIE BILDER DASS DIESER SAAL SELBST ALS GERIPPE NOCH IMPOSANT DASTEHT.

  5. Günter sagt:

    Herr Klaus Hel­ler,

    dan­ke für Ih­re Aus­füh­run­gen.

    Es ist ei­ne Schan­de, dass nicht frü­her et­was un­ter­nom­men war. Noch zu Zei­ten der In­ve­stor­auswahl.
    Sie wuss­ten ja of­fen­sicht­lich, was da im Ver­bor­ge­nem liegt.

    War­um ha­ben Sie nicht schon frü­her et­was un­ter­nom­men?

    Ich ha­be Sie den gan­zen Abend im Ku­Fo be­ob­ach­tet, als sie mit MIB ge­spro­chen ha­ben.

    Lei­der nur gro­ße Wor­te und nichts da­hin­ter.

    Un­be­leg­te Un­ter­stel­lun­gen ent­fernt. Bit­te be­flei­ßi­gen Sie sich ei­nes kon­struk­ti­ven Dis­kus­si­ons­stils. (Red.)

  6. Wer­ter Herr »Gün­ter« (in An­füh­rungs­zei­chen des­halb, weil die von Ih­nen hin­ter­las­se­ne Mail­adres­se als nicht exi­stent ge­mel­det wur­de),

    »Gro­ße Wor­te und nichts da­hin­ter« trifft mei­ner Mei­nung nach vor al­lem auf je­ne zu, die vom be­que­men Wohn­zim­mer aus anoy­me Schmä­hun­gen auf Bür­ger und Bür­ge­rin­nen ver­fas­sen, die mit of­fe­nem Vi­sier für ei­ne Sa­che kämp­fen und sich in ih­rer Frei­zeit mit ho­hem Ein­satz da­für en­ga­gie­ren.

    Der Vor­wurf »War­um ha­ben Sie nicht schon frü­her et­was un­ter­nom­men?« ist gar zu bil­lig, denn al­le Mit­glie­der der BI »Ei­ne bes­se­re MIt­te für Fürth« wa­ren jah­re­lang der – im Nach­hin­ein be­trach­tet na­iv zu nen­nen­den An­sicht – es gin­ge ver­fah­rens­tech­nisch al­les mit rech­ten Din­gen zu. Daß ins­be­son­de­re die Stadt zu ma­ni­pu­la­ti­ven Mit­teln ge­grif­fen hat, ist ex­em­pla­risch an der Saal­be­sich­ti­gung im De­zem­ber letz­ten Jah­res zu er­se­hen, wo man der Öf­fent­lich­keit den un­säg­li­chen Müll­hau­fen zeig­te, oh­ne auf die gro­ßen­teils er­hal­te­ne, aber ver­steck­te Ori­gi­nal­sub­stanz hin­zu­wei­sen. Herr Hel­ler hat­te da­ge­gen schon im Ok­to­ber 2011 mit ei­ner selbst an­ge­fer­tig­ten Com­pu­ter-Si­mu­la­ti­on vor­ge­führt, wie der Saal der­mal­einst aus­sah (und hät­te wie­der aus­se­hen kön­nen).

    Üb­ri­gens hät­ten auch Sie sich je­der­zeit in­for­mie­ren und en­ga­gie­ren kön­nen, viel­leicht hät­te es ja was be­wirkt?

  7. K. Heller sagt:

    An Herrn »Gün­ter«:

    Nun die Fra­ge war al­so nicht aus In­ter­es­se, son­dern wie­der wie von PnM ge­wohnt zur Pro­vo­ka­ti­on ge­dacht. Da Sie an­schei­nend in der An­ony­mi­tät ge­schrie­ben ha­ben, kann ich Sie zur Zeit recht­lich nicht be­lan­gen.

    Re­ak­ti­on auf die durch die Re­dak­ti­on ge­lösch­ten Un­ter­stel­lun­gen des Vor­po­sters gleich­falls ent­fernt. (Red.)

    Der Fest­saal war üb­ri­gens schon seit So­nae Si­er­ra The­ma, lei­der schei­nen Sie nicht in der La­ge sich durch le­sen, au­ßer über nicht an Sie adres­sier­te Mails, zu in­for­mie­ren.

  8. Bit­te kei­ne un­be­leg­ba­ren Un­ter­stel­lun­gen und/oder in-ei­nen-Topf-Wer­fun­gen. Das gilt für bei­de Sei­ten. Hier kann en­ga­giert und lei­den­schaft­lich dis­ku­tiert wer­den, aber bit­te un­ter Be­ach­tung der Re­geln des An­stands und der gu­ten Sit­ten.

  9. Sven Kenny sagt:

    Hal­lo Leu­te – denkt mal nach. Zu­erst wird der Saal schön lan­ge ge­heim ge­hal­ten und lang­sam de­mo­liert. Dann wird al­les dem Ab­riss­kom­man­do über­ge­ben oh­ne auf das Volk zu hö­ren. Zu Gu­ter Letzt weiß kei­ner vom für­ther Volk wie viel von al­len Lo­kal­po­li­ti­kern auch noch fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung als Ent­schei­dungs­hil­fe be­kom­men ha­ben könn­ten um so stur zu blei­ben. Aber das Be­ste sind im­mer noch die all­wis­sen­den Schlausch.....er, die auch noch der Mei­nung sind der Saal wä­re nicht Denk­mal­schutz wür­dig. Mal se­hen wie die näch­ste Wahl aus­fällt...

  10. […] In­fo gibt es auf dem Bür­ger­por­tal Für­ther Frei­heit. Hier gibt es ein paar in­ter­es­san­te In­fos und Bil­der zu die­ser trau­ri­gen […]

  11. Zu Her­zen ge­hen­de Bil­der des Kahl­schla­ges zu­gun­sten der »Neu­en Mit­te« fin­den sich in der Fo­to­do­ku­men­ta­ti­on

    http://gesichterderstadt.wordpress.com/2014/03/24/furths-neue-mitte/

    Und un­ser mit (fast) so­zia­li­sti­scher Mehr­heit wie­der­ge­wähl­ter Ober­bür­ger­mei­ster wird sich be­stä­tigt se­hen und wei­ter­hin dar­über freu­en, ei­nen wei­te­ren »Schand­fleck« (sei­ne Lieb­lings­vo­ka­bel) end­lich be­sei­tigt zu ha­ben...

  12. […] des ehem. Park­ho­tels da­heim er­in­nert fühl­ten, ei­nen noch viel grö­ße­ren bau­li­chen Schatz, den nach lan­gem Dorn­rös­chen­schlaf leicht­hin dem Kom­merz ge­op­fert zu ha­ben ich un­se­rem *piep* Ober­bür­ger­mei­ster und sei­nem und sei­nem *pieeeeeeeeeep* Stadt­bau­rat bis an mein ei­ge­nes En­de nim­mer­mehr ver­zei­hen […]

  13. […] wur­de der sub­stan­ti­ell gut er­hal­te­ne Fest­saal des Park­ho­tels leicht­fer­ti­ger­wei­se ge­op­fert). Oben ziel­ge­rich­tet die Le­se­bril­le ge­zückt, den Kit­tel ins Schließ­fach ge­sperrt, […]

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