»Das Ge­räusch der an­de­ren« – Ret­tet die Gu­stav­stra­ße

26. Juni 2012 | von | Kategorie: Vermischtes

Von ei­ner einst als Bun­des­stra­ße ge­plag­ten Durch­fahrts­schnei­se hat sich die Gu­stav­stra­ße längst zu ei­nem wer­be­wirk­sa­men Aus­hän­ge­schild der Stadt und at­trak­ti­ven Wohn­vier­tel ent­wickelt. Doch un­ser Le­bens­raum ist in Ge­fahr. Ein Kom­men­tar von Sa­rah Stutz­mann, Fe­lix Geismann – und Kurt Tu­chol­sky.

Wäh­rend die zu­frie­de­ne Mehr­heit schweigt, spitzt sich der Streit ein­zel­ner An­woh­ner mit ein­zel­nen Gast­wir­ten zu. An­woh­ner ge­gen Wir­te? Da­zu as­so­zi­iert man: Die Bür­ger mit ih­rem ge­schütz­ten In­ter­es­se an Nacht­ru­he und Ge­sund­heit ge­gen die schein­bar ma­fi­ös-ver­wo­be­ne Ga­stro­no­mie. Ge­plag­ter recht­schaf­fe­ne­ner Bür­ger ge­gen pro­fit­süch­ti­ge Pri­vat­wirt­schaft. Ein Hauch von Da­vid ge­gen Go­li­ath – viel­fäl­ti­ger In­ter­pre­ta­ti­on zu­gäng­li­che Ste­reo­ty­pen, mit de­nen je­der ir­gend­wie et­was an­fan­gen kann. Und so wer­den die 300 Me­ter der Gu­stav­stra­ße zu ei­ner Pro­jek­ti­ons­flä­che für sämt­li­che ab­strak­ten und kon­kre­ten Un­zu­frie­den­hei­ten aus dem The­men­kom­plex der Nach­bar­schafts- und Lärm­kon­flik­te zwi­schen Lan­gen­zenn und Nürn­berg, ei­nem Ba­sar für Ge­sell­schafts­kri­tik von Ober­für­berg bis Pop­pen­reuth, 7.200 Qua­drat­ki­lo­me­ter Mit­tel­fran­ken. Höch­ste Zeit, sich als An­woh­ner der Gu­stav­stra­ße zu Wort zu mel­den, um die Dis­kus­si­on zu­rück zu stel­len vom Kopf auf die Fü­ße.

Das Bellen der anderen. (Foto: Felix Geismann)

Das Bel­len der an­de­ren. (Fo­to: Fe­lix Geismann)

Ei­ne zah­len­mä­ßig schwan­ken­de, doch zwei­fels­oh­ne sehr über­schau­ba­re Grup­pe von An­woh­nern bzw. Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mern kämpft für ei­ne Aus­wei­tung der Sperr­zei­ten und wei­te­re Ein­schrän­kung von Fe­sti­vi­tä­ten und Frei­schank­flä­chen. Zum Schutz der Nacht­ru­he vor dem Lärm, so heißt es. »Lärm« – was ist das ei­gent­lich? Ver­su­chen wir uns dem zu­nächst be­griff­lich zu nä­hern: »Lärm« geht aus dem Wort »Alarm« her­vor, das wie­der­um dem fran­zö­si­schen »A l’ar­me« ent­stammt: »Zu den Waf­fen!«. Und so war auch der deut­sche Be­griff des Lärms über Jahr­hun­der­te hin­weg ein vor­wie­gend mi­li­tä­ri­scher. »Alarm« – »Zu den Waf­fen« – Ir­gend­wie ist da­mit der Stil der selbst­er­nann­ten An­woh­ner-An­füh­rer schon tref­fend be­schrie­ben. Hier wird kein sach­li­cher Streit ge­führt, hier geht es um Krieg, um ei­nen Kreuz­zug für die Ein­zel­in­ter­es­sen. Ju­ri­stisch wird der Lärm als un­er­wünsch­ter Schall be­han­delt, der sich phy­si­ka­lisch und me­di­zi­nisch nach Laut­stär­ke und Cha­rak­ter ein­stu­fen lässt, aber durch­aus auch ei­ne ge­wich­ti­ge sub­jek­ti­ve Kom­po­nen­te ent­hält.

Lärm, Schall, Ge­räu­sche... Der Mensch, so hat das der be­rühm­te Kurt Tu­chol­sky ein­mal sar­ka­stisch zu­sam­men­ge­fasst, ist »ein Le­be­we­sen, das klopft, schlech­te Mu­sik macht und sei­nen Hund bel­len läßt. Manch­mal gibt er auch Ru­he, aber dann ist er tot.« Das Le­ben macht eben Ge­räu­sche, Ge­räu­sche sind Le­ben. Noch weit­aus be­kann­ter ist Tu­chol­skys Fest­stel­lung, dass der ei­ge­ne Hund kei­nen Lärm macht, »der bellt nur«. Vie­le nei­gen da­zu, Ge­räu­sche des Le­bens eben nur bei den an­de­ren ne­ga­tiv und be­kla­gens­wert zu fin­den. Fa­zit – wir blei­ben bei Kurt Tu­chol­sky: »Lärm ist das Ge­räusch der an­de­ren.«

Auch das ist die Gustavstraße: Blick von oben in einen Hof (Foto: Peter Stutzmann)

Auch das ist die Gu­stav­stra­ße: Blick von oben in ei­nen Hof (Fo­to: Pe­ter Stutz­mann)

Die Le­bens­si­tua­ti­on Lärm ist al­so zum Glück über­all, wo Men­schen sind. Und die Gu­stav­stra­ße ist ein er­freu­lich in­tak­tes ge­sell­schaft­li­ches Ge­fü­ge, ein Mit­ein­an­der bei­na­he dörf­li­chen Cha­rak­ters. Wenn wir uns so ent­schie­den von den selbst­er­nann­ten »An­woh­ner-Rä­dels­füh­rern« di­stan­zie­ren, dann eben auch, weil es nicht nur um das Aus­kom­men der Gast­wir­te geht, es geht uns viel­mehr um un­ser al­ler Recht auf die­ses Mit­ein­an­der, die­sen Er­ho­lungs- und Fei­er­abend­raum. Ist es nicht viel schö­ner, un­ter Men­schen zu sein, sei­ne Nach­bar­schaft zu ken­nen und sich ge­gen­sei­tig aus­zu­hel­fen, statt sich auf den mitt­ler­wei­le in je­den Hin­ter­hof ge­zwäng­ten Bal­ko­nen an­onym zu ver­schan­zen? Den Wert die­ser Struk­tu­ren soll­te man er­ken­nen. Sie zu schät­zen, ist man nicht ge­zwun­gen, In­te­gra­ti­on ist wün­schens­wert, aber in ei­ner frei­heit­li­chen Welt kein Zwang. Aber man soll­te sie re­spek­tie­ren, sie zu be­kämp­fen ver­bie­tet sich. Wie viel Sinn­vol­les lie­ße sich mit all’ der, auf den – für man­che längst Selbst­zweck ge­wor­de­nen – Streit ver­wen­de­ten, En­er­gie an­stel­len? Wel­ches Glück viel­leicht an an­de­rer Stel­le fin­den? Und da müs­sen wir ein letz­tes Mal un­se­ren gro­ßen deut­schen Schrift­stel­ler be­mü­hen: »Das Är­ger­li­che am Är­ger ist, dass man sich scha­det, oh­ne an­de­ren zu nüt­zen.«

Selbst­ver­ständ­lich soll trotz­dem nicht in Ab­re­de ge­stellt wer­den, dass es Lärm nicht hin­nehm­ba­ren Aus­ma­ßes gibt, doch wir als zu­frie­de­ne An­woh­ner weh­ren uns da­ge­gen, dass dies von un­se­rer Stra­ße be­haup­tet wird. Wir weh­ren uns als wach­sa­mer Teil un­se­rer Ge­sell­schaft auch be­son­ders des­we­gen da­ge­gen, weil die In­sze­nie­rung die­ses an­geb­li­chen Lärm­pro­blems be­son­ders rück­sichts­los al­len Ak­ti­vi­sten in den Rücken fällt, die an Flug­ha­fen, Fran­ken­schnell­weg und Nürn­ber­ger Stra­ße lei­den, an gro­ßen gif­ti­gen und lau­ten In­du­strie­an­la­gen im Schicht­be­trieb. Da er­blö­den sich Ein­zel­ne, das Ge­fah­ren­po­ten­zi­al des Gu­stav­stra­ßen­lärms in ei­nem Atem­zug mit Atom­kraft­wer­ken, Au­to­bah­nen und Gü­ter­bahn­tras­sen zu nen­nen. Die wah­ren Pro­ble­me un­se­rer Stadt­ge­sell­schaft wer­den von viel Lärm um Nichts über­schrien. Aber Lärm, das wis­sen wir ja, ist nur das Ge­räusch der an­de­ren.

Die Au­toren woh­nen und le­ben ger­ne in der Für­ther Gu­stav­stra­ße.

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55 Kommentare zu »»Das Ge­räusch der an­de­ren« – Ret­tet die Gu­stav­stra­ße«:

  1. Vince sagt:

    Sehr ge­ehr­te Au­toren,

    ich woh­ne, seit 4 Jah­ren, in der Gu­stav­stra­ße und tei­le Ih­re Mei­nung!

    Ich wä­re be­reit, den »Ge­räusch der An­de­ren« Be­lä­stig­ten, ein­ma­lig Oh­ren­stöp­sel vor­bei­zu­brin­gen, da ich es er­stens für wich­tig hal­te, ei­ne ge­pfleg­te Nach­bar­schaft zu füh­ren und ich die­se zwei­tens nicht be­nö­ti­ge, ob­wohl wir kei­ne schall­iso­lier­ten Fen­ster be­sit­zen ;).

    Freund­li­che Grü­ße aus dem Her­zen von Fürth

  2. Vie­len Dank für die­sen sin­ni­gen Bei­trag!

  3. Gerd sagt:

    Ich stim­me dem Ar­ti­kel in­halt­lich voll zu. Als »Schall­schutz­wand­be­woh­ner« (Stadt­mau­er) un­ter­halb der Mi­chels­kir­che wohnt man auch nicht in ei­ner Ru­he­oa­se – trotz­dem woh­ne ich sehr ger­ne hier. Grün­de? Vie­le...

    Na­he am Stadt­zen­trum und U‑Bahn, Ruck-Zuck im Grü­nen oder auf der Au­to­bahn, Schu­len (Grund­schu­le, Gym­na­si­um) in Lauf­wei­te usw.

    Grün­de, wel­che auch für die Gu­stav­stra­ße gel­ten. Die Nach­tei­le – Fe­ste und Knei­pen in der Gu­stav­stra­ße bzw. B8, Park­platz­su­cher und BRK-Fahr­zeu­ge an der Stadt­mau­er – kennt man vor­her und wägt die­se vor ei­nem Um­zug ab.

    Fa­zit: Mei­ne Frau und ich sind woh­nen auch nach fast 14 Jah­re noch sehr ger­ne im Alt­stadt­vier­tel.

  4. Martina Scharinger sagt:

    Vie­len Dank für die­sen wohl­tu­en­de­nen Bei­trag, Sie spre­chen mir aus dem Her­zen.

    Ei­ne An­woh­ne­rin

  5. Ich wohn­te jah­re­lang hin­ter dem Pil­len­stein mit Blick auf die Kreu­zung an der Stadt­gren­ze, da­hin­ter U‑Bahn, DB, Ab­fahrt zum Fran­ken­schnell­weg etc. Ich kann mich nicht er­in­nern, dass je­mals ir­gend­wer auf die Idee ge­kom­men wä­re, die Sper­rung der Kreu­zung ab 22 oder 23 Uhr zu ver­lan­gen oder Ver­kehrs­teil­neh­mer zu schi­ka­nie­ren. In der Gu­stav­stra­ße herr­schen ver­gleichs­wei­se pa­ra­die­si­sche Zu­stän­de. Die Gu­stav­stra­ße ist seit Jahr­hun­der­ten, wenn nicht, dann seit mehr als ei­nem Jahr­tau­send Knei­pen­stra­ße. Wem das nicht ge­fällt, soll­te sich über­le­gen, was er dort zu su­chen hat.

  6. Die­ser Bei­trag zeigt: »Die An­woh­ner« sind eben nicht mehr­heit­lich ge­gen nächt­li­che Fe­ste und Knei­pen­le­ben in der Gu­stav­stra­ße. Im Ge­gen­teil: Sie schät­zen ei­ne leb­haf­te In­nen­stadt und se­hen dies als Plus­punkt. Nur ei­ni­ge we­ni­ge re­gen sich auf und sind in der Dis­kus­si­on lei­der über­re­prä­sen­tiert.

  7. Ich bin als Süd­städt­ler zwar nicht be­trof­fen, ha­be aber in ei­ner der letz­ten von mir be­such­ten Stadt­teil­ver­samm­lun­gen mit­ge­kriegt, daß es of­fen­bar mal ei­nen all­seits (= von Wir­ten wie An­woh­nern der Gu­stav­stra­ße glei­cher­ma­ßen) ak­zep­tier­ten Kom­pro­miß hin­sicht­lich Au­ßen­be­stuh­lung, Schank­zei­ten, Sperr­stun­de etc. ge­ge­ben hat. Der dann frei­lich nicht ein­ge­hal­ten wur­de, wes­halb die Aus­ein­an­der­set­zung in die näch­ste Run­de ging. Was sprä­che denn da­ge­gen, städ­ti­scher­seits die Be­frie­dung al­ler Par­tei­en zu be­trei­ben, in­dem die Ein­hal­tung der aus­ge­han­del­ten Kom­pro­miß-Kon­di­tio­nen von Amts we­gen über­prüft und auch durch­ge­setzt wird? Da könn­te doch ei­gent­lich kei­ner was da­ge­gen ha­ben?

  8. lisa lerch sagt:

    dan­ke ralph sten­zel. denn nichts­de­sto­trotz gbt es tat­säch­lich auch si­tua­tio­nen, die ger­ne-gu­stav­stra­ßen-be­woh­ner wie mich manch­mal an den rand des wahn­sinns trei­ben. :-) ich woh­ne sehr gern hier, auch weil es ei­ne knei­pen­stra­ße mit dorf­cha­rak­ter ist. was aber spricht da­ge­gen, die knei­pen­tür zu schlie­ßen, so dass man die nächt­li­che spie­len­de band we­ni­ger hört, als sie stän­dig of­fen ste­hen zu las­sen? in der gan­zen dis­kus­si­on die sich um ver­mö­gen­de im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer, gen­trif­zie­rung etc. dreht, wird oft mal gern ver­ges­sen, dass es tat­säch­lich si­tua­tio­nen gibt, die über die schmerz­gren­ze ge­hen und die nun so weg­ge­wischt wer­den. bei­spiel knei­pen­tür. lasst sie zu und mei­ne kin­der kön­nen schla­fen und ich bin nicht völ­lig ge­rä­dert in der ar­beit! stellt mir ei­nen he­rings­grill ei­nen hal­ben me­ter vor die ein­gangs­tür, so dass sie nicht mehr auf­geht? schmeißt mir ei­nen tag vor­her ei­nen in­fo­zet­tel in den brief­ka­sten und ich bin zu­frie­den! trinkt gern eu­er bier auf der stra­ße nachts, aber zer­schmeißt es doch ein­fach nicht an mei­ner haus­wand un­ter dem schlaf­zim­mer­fen­ster, und ich bin schon zu­frie­den!

    es könn­te so ein­fach sein...

    ei­ne gu­stav­stra­ßen-lieb­ha­be­rin...

  9. Helmut Ell sagt:

    Hal­lo Ralph Sten­zel,
    wer sagt denn, dass der Kom­pro­miss von den Wir­ten nicht ein­ge­hal­ten wur­de? Ich selbst war ein Jahr lang als Wirt im gel­ben Lö­wen ak­tiv und Sie kön­nen mir glau­ben, dass wir sehr ge­nau dar­auf ge­ach­tet ha­ben, dass ab 23.00 Uhr im Frei­en kein Aus­schank mehr statt­fin­det. Ich will hier gar nicht wie­der­ho­len was man sich da so al­les hat an­hö­ren dür­fen wenn man sei­ne Gä­ste zum ver­las­sen des Au­ssen­plat­zes auf­for­der­te. Nicht al­le Gä­ste wa­ren über den Kom­pro­miss in­for­miert und die Wir­te wa­ren dann na­tür­lich die Sün­den­böcke. ok, da muss­ten wir dann durch, dass jetzt aber be­haup­tet wird der Kom­pro­miss wä­re von Sei­ten der Wir­te nicht ein­ge­hal­ten worfen ist schlicht und ein­fach ei­ne Lü­ge und sunst nix!

  10. Rolf Wolle sagt:

    Wir su­chen das Ge­spräch, den Plausch, das Schwätz­chen, die Bier­tisch­po­li­tik, die Kur­zer­bost­heit, die Mi­nu­ten­phi­lo­so­phie, die ge­müt­li­chen Mo­men­te des Schwei­gens. Des­halb ge­hen wir ins Gast­haus. Um den an­de­ren et­was zu sa­gen. Und mehr noch: ei­ne Ant­wort ha­ben wol­lend. Ana­log. In bei­de Rich­tun­gen. Das un­ter­schei­det uns vom Fern­se­hen­den, vom In­ter­net­ver­zeh­rer. Und wir wis­sen, durchs Fort­ge­hen ver­pas­sen wir mit je­dem Be­such Bil­lio­nen kurz­fri­sti­ger di­gi­ta­ler In­for­ma­tio­nen.

    Doch welch ein Ge­nuss, wenn un­se­re »Dorf»wirte wis­sen, was wir trin­ken wer­den. Dort trau­ern wir. Dort fei­ern wir. Der­hamm halt. Hei­mat. Und die Gu­stav­stra­ße ist – nach wie vor – die dich­te­ste An­häu­fung von Hei­mat­in­seln. Aus ganz Fürth kommt man. Und nicht nur, wie man an den ein­buch­sta­bi­gen Kenn­zei­chen ner­vös durch­fah­ren­der abend­li­cher Mo­to­ri­sten sieht.

    Doch habt ihr be­merkt, wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so so so vie­le Wir­te ihr Gast­haus zum letz­ten Mal zu­ge­sperrt ha­ben? Habt ihr in der Süd­stadt mal nach den ver­schlos­se­nen Wirts­häu­sern ge­schaut? Oder in der Ost­stadt? Oder, oder oder... Sie ge­zählt?

    Gleich um die Ecke auf ein Bier­chen ein­zu­keh­ren ist ein ra­res Gut ge­wor­den. Laut­los, schlei­chend, wie ein Ge­schwür hat sich das Ster­ben der Nach­bar­schafts­knei­pen und da­mit auch der Nach­bar­schaf­ten ein­ge­fres­sen in die Stadt­tei­le. Und rückt im­mer nä­her. So wundert’s nicht, dass die Gu­stav­stra­ße ge­füll­ter ist.

    Doch auch hier: der Schein trügt. Schaut euch mal sonn­tags oder mon­tags abends »die Mei­le« an. Das ist auf dem be­sten Weg die Aus­zeich­nung »Fried­hofs­ru­he« zu er­lan­gen. Da sind die Ein­hei­mi­schen un­ter sich.

    Und dass an­de­rer Ta­ge zwi­schen drei und sechs Gröh­len­de und Not­durft­ver­rich­ten­de ih­ren Nacht­bus er­rei­chen wol­len, ge­hört eben zum Le­ben im Zen­trum ei­ner Ort­schaft ge­nau­so mit da­zu. So ist das nun mal in ei­ner Ge­mein­schaft, in der man lebt. Da wird man und muss man je­den Tag et­was da­zu­ler­nen – ob mit Wohn­ei­gen­tum oder oh­ne.

  11. @Helmut Ell: Wie ich ja schon schrieb, wur­de die Be­schwer­de über den »Kom­pro­miß­bruch« auf ei­ner Stadteil­ver­samm­lung laut, zu der ich hin­ge­gan­gen war, weil ne­ben der In­nen­stadt und an­de­ren Quar­tie­ren Fürths auch mein süd­städ­ti­sches Re­vier mit ein­be­zo­gen war. An die Per­son des »Klä­gers« in Sa­chen Gu­stav­stra­ße kann ich mich beim be­sten Wil­len nicht mehr er­in­nern: Er­stens ist das nun schon wie­der ei­ni­ge Mo­na­te her, zwei­tens ha­be ich mich als Nicht-An­lie­ger und Nicht-Knei­pen­hocker für das The­ma zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen nur ober­fläch­lich in­ter­es­siert. Je­den­falls dach­te ich mir da­mals in mei­ner ju­gend­li­chen Nai­vi­tät, daß ein leid­lich har­mo­ni­sches Mit­ein­an­der doch so schwie­rig nicht sein kann, wenn sich al­le Be­trof­fe­nen im Grund­satz schon mal auf ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner ver­stän­digt hat­ten. Aber ver­mut­lich klaf­fen da wie so oft im Le­ben Theo­rie und Le­bens­pra­xis ein we­nig aus­ein­an­der...

  12. Helmut Ell sagt:

    Lie­ber Ralph Sten­zel,
    ist schon ok, ich weiß ge­nau wer die Be­haup­tung auf­stellt der Kom­pro­miss wür­de nicht ein­ge­hal­ten. Ich woll­te nur auf­zei­gen wie per­fi­de hier vor­ge­gan­gen wird. Der Haupt­be­schwer­de­füh­rer, wel­cher sich im üb­ri­gen bei ei­nem Fürth Fe­sti­val in das »fast schon süd­län­di­sche Flair« der Für­ther Alt­stadt ver­lieb­te und ge­ra­de des­we­gen be­schloss hier her­zu­zie­hen, geht hier sehr ge­plant vor. Es wird Ge­sprächs- und Kom­pro­miss­be­reit­schaft si­gna­li­siert nur um im Nach­hin­ein dann zu be­haup­ten die Ab­ma­chun­gen wur­den ein­sei­tig nicht ein­ge­hal­ten. Le­gen­där auch sein Ver­hal­ten beim Fürth Fe­sti­val im letz­ten Jahr. Nach­dem sei­ne Gat­tin noch fröh­lich tan­zend beim Auf­tritt der Hot Rod Gang zu se­hen war, schrieb er noch in der sel­ben Nacht sei­ne Be­schwer­de ans Ord­nungs­amt we­gen der im­mensen Laut­stär­ke eben die­ser Band. Noch Fra­gen?

  13. Alex Schulz sagt:

    In dem Zu­sam­men­hang fol­gen­des Zi­tat von Ju­li Zeh, über das ich ge­ra­de ge­stol­pert bin:

    »Je­der weiß, daß es kein Le­ben und schon gar kein Zu­sam­men­le­ben frei von Ne­ben­wir­kun­gen gibt. Ein frei­heit­li­ches Sy­stem setzt Frei­wil­lig­keit vor­aus, ein un­ge­schrie­be­nes Agree­ment al­ler mit al­len, sich trotz räum­li­cher und gei­sti­ger En­ge mög­lichst we­nig auf die Ner­ven zu ge­hen. Da­für braucht man nor­ma­ler­wei­se kei­ne Po­li­zei, son­dern Takt­ge­fühl und die Fä­hig­keit, ei­ge­ne Gren­zen höf­lich ab­zu­stecken und zu ver­tei­di­gen. Oh­ne Ver­trau­en in ver­ant­wor­tungs­be­wuß­tes Ver­hal­ten und die selbst­re­gu­lie­ren­den Kräf­te ei­ner Ge­sell­schaft kön­nen wir den La­den gleich dicht ma­chen.«

    (aus »Al­les auf dem Ra­sen«)

  14. Innenstädterin sagt:

    Sehr schö­ner Ar­ti­kel! Da könn­ten sich die hie­si­gen Me­di­en mal dicke Schei­ben da­von ab­schnei­den, da wird das The­ma näm­lich sehr stief­müt­ter­lich be­han­delt wie ich fin­de.

    ♥ Pro le­ben­di­ger Gu­stav! ♥

  15. Schulz sagt:

    Lie­ber Herr Sten­zel,

    vie­len Dank für den wohl­tu­en­den Ar­ti­kel, der die Pro­por­tio­nen zu­recht­rückt.

    Krank­haf­te Ego­ma­nen ver­hin­dern auch in an­de­ren Stadt­tei­len (ge­pfleg­tes) öf­fent­li­ches Le­ben. Die Kon­se­quen­zen sind Ver­ein­sa­mung Al­lein­ste­hen­der, Ver­lust an Le­bens­freu­de und ab­neh­men­de Kon­takt­freu­de. Al­les, was wir an emo­tio­na­len De­fi­zi­ten ge­gen­über der Be­völ­ke­rung in Ita­li­en, Frank­reich, Spa­ni­en usw. emp­fin­den, ent­springt letzt­lich aus der ge­setz­li­chen Un­ter­stüt­zung der Ego­ma­nie. Man soll­te des­halb den »Lärm«, der sich aus abend­li­cher Ge­sel­lig­keit er­gibt, wie »Kin­der­lärm« als so­zi­al­ad­äqua­te Ge­räu­sche klas­si­fi­zie­ren. Aus­wüch­se bei Ein­zel­fäl­len wa­ren und blei­ben im­mer ein ver­folg­ba­res De­likt.

    Fürth fehlt es an Vie­lem (Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Ki­no usw.) – es macht es durch Le­bens­ge­fühl wie­der wett.

    Das wer­den die Mie­se­pe­ter aber nie be­grei­fen.

  16. Dan­ke für die Blu­men, die ich je­doch so­gleich an Fe­lix Geismann wei­ter­rei­che, den (ganz oben auch na­ment­lich ge­nann­ten) Ver­fas­ser des Ar­ti­kels! Zwar stel­le ich als Her­aus­ge­ber die­se Platt­form hier zur Ver­fü­gung, die Lor­bee­ren für die In­hal­te ver­die­nen sich aber die je­wei­li­gen Au­torIn­nen. Ich selbst zeich­ne nur für die un­ter mei­nem Na­men ver­öf­fent­lich­ten Ar­ti­kel und Kom­men­ta­re ver­ant­wort­lich...

  17. Michael Bengl sagt:

    Zi­tat aus ei­nem Kom­men­tar: »Und dass an­de­rer Ta­ge zwi­schen drei und sechs Gröh­len­de und Not­durft­ver­rich­ten­de ih­ren Nacht­bus er­rei­chen wol­len, ge­hört eben zum Le­ben im Zen­trum ei­ner Ort­schaft ge­nau­so mit da­zu«.

    Das se­he ich an­ders, je dich­ter Men­schen zu­sam­men le­ben, de­sto mehr Rück­sicht ge­hört zum Um­gang mit­ein­an­der.

    Und die Ge­gen­über­stel­lung mit an­de­ren Ge­plag­ten ver­steh ich auch nicht. An ei­nem Flug­ha­fen ist mit dem ein oder an­de­rem Flug­zeug zu rech­nen. Un­schön ist bei­de Ma­le, das Be­trof­fe­ne ge­stört wer­den.

  18. K. Heller sagt:

    Ihr letz­ter Satz, Herr Bengl, lässt sich auch auf die Gu­stav­stra­ße an­wen­den. In ei­ner Knei­pen­stra­ße ist mit dem ein oder an­de­rem Gröh­len­den zu rech­nen. So­mit las­sen sich sehr wohl die un­ter­schied­li­chen Lärm­quel­len ge­gen­über­stel­len.

    Die gröh­len und pin­keln üb­ri­gens in der Süd­stadt wei­ter.

  19. Oststadtwolfi sagt:

    Seit 1997 le­be ich in Fürth; zu­erst such­te ich mir ein Do­mi­zil in der Schwa­ba­cher Stra­sse, di­rekt in der Fuss­gän­ger­zo­ne.

    Ich woll­te am städ­ti­schen Le­ben teil­ha­ben.

    Die Stra­ßen­mu­si­kan­ten spiel­ten grau­en­haf­tes Lied­gut und die »Be­sit­zer« der auf der Stra­ße auf­ge­stell­ten Bän­ke, spra­chen des Nachts ei­ne für mich nicht ver­ständ­li­che Spra­che. Spä­ter spiel­ten die Mu­si­kan­ten nur noch lei­se und ganz ver­ein­zelt ei­ne Me­lo­die. Die Bän­ke ver­schwan­den – die Men­schen ver­schwan­den – ich ver­schwand.

    Ich woll­te am städ­ti­schen Le­ben teil­ha­ben und fand am Bahn­hof­platz ei­ne Un­ter­kunft.

    Die al­ten Bus­se »die­sel­ten« laut­stark vor sich hin; die Kom­mu­ni­ka­ti­on der po­ten­ti­el­len Fahr­gä­ste über­tö­nend. Die al­ten Zü­ge rum­pel­ten durch den Bahn­hof, die Trin­ker zech­ten am Cen­tau­ren­brun­nen und ent­le­dig­ten sich Ih­rer Not­durft auf der Bahn­hofs­toi­let­te.

    Bald wur­den die Bus­se durch ei­ne tech­ni­sche In­no­va­ti­on na­mens »Ci­ta­ro« er­setzt und mei­ner ei­ner muss­te ei­nen Wecker er­wer­ben. Die Bahn­hofs­toi­let­te wur­de ge­schlos­sen, die Bahn­hof­gast­stät­te eben­so und die Trin­ker ver­zo­gen sich auf die Ade­nau­er-An­la­ge.

    Da ich den Wecker nicht moch­te und am städ­ti­schen Le­ben teil­ha­ben woll­te, zog ich in die Ost­stadt.

    Schon mor­gens um 6:00 rausch­ten die Ar­beits­wü­ti­gen der Quel­le auf Ih­ren Park­platz; ein per­ma­nen­tes Kom­men und Ge­hen.

    Ei­nes Ta­ges kehr­te Ru­he ein, die Quel­le war ver­schwun­den und mit ihr ver­schwan­den die Men­schen.

    Nun den­ke ich, wä­re es an der Zeit wie­der am städ­ti­schen Le­ben teil­zu­ha­ben und viel­leicht in der Alt­stadt nach ei­ner Blei­be zu su­chen. Die Gu­stav­stra­ße viel­leicht ?

    Wie Sie ge­le­sen ha­ben möch­te ich ger­ne am städ­ti­schen Le­ben teil­ha­ben; aber egal wo ich hin­zie­he, das städ­ti­sche Le­ben ver­schwin­det...

  20. Da kann man sich jetzt na­tür­lich fra­gen, was (oder wer) Ur­sa­che und was Wir­kung ist... ;-)

  21. Ron sagt:

    Ich fin­de Hel­mut hat al­les ge­sagt. Wenn ich in die Wü­ste zie­he muß ich da­mit rech­nen das es sehr heiß ist.

    Lie­ben Dank an die Ver­fas­ser des Ar­ti­kels. Kann sich die Pres­se mal ne Schei­be ab­schnei­den.

  22. beedä sagt:

    viel­leicht soll­te man die Hand­voll Streit­han­seln (die mei­nes Wis­sens al­le noch nicht recht lan­ge dort an­säs­sig sind) zur Kie­bitz­pfle­ge auf die Trol­li-Bau­stel­le in den Für­ther Sü­den ver­ba­nen und wenn sie kei­ne or­dent­li­che Pfle­ge­ar­beit ver­rich­ten, be­kom­men sie das Ge­bräu von ne­ben­an in­tra­ve­nös ver­ab­reicht – »dann is fil­l­eichd end­lich a rou – seid mä ned bä­is«

  23. Ich nei­ge ja sel­ber zu Iro­nie und Sar­kas­mus, aber ir­gend­wie fin­de ich den Kom­men­tar vom bee­dä nicht wirk­lich pas­send oder auch nur lu­stig. Ob es nun tat­säch­lich nur um ei­ne »Hand­voll Streit­han­seln« geht, sei mal da­hin­ge­stellt (an­ge­sichts der vie­len haß­er­füll­ten Kom­men­ta­re an­ders­wo könn­te es ja durch­aus sein, daß es noch ei­ne An­zahl Gu­stav­stra­ßen-An­woh­ner gibt, die auch al­les an­de­re als glück­lich mit ih­rer Wohn­si­tua­ti­on dort sind, sich aber an­ge­sichts der hoch­emo­tio­nal ge­führ­ten Dis­kus­si­on schlicht nicht trau­en, sich ent­spre­chend zu ar­ti­ku­lie­ren). Kann ich frei­lich nicht be­ur­tei­len, al­so kann und will ich mir da­zu kei­ne ei­ge­ne Mei­nung an­ma­ßen.

    Mich är­gert aber vor al­lem der Ver­weis auf die »Ki­bitz-Dis­kus­si­on« am ge­plan­ten Stand­ort des neu­en Sta­di­ons. Es geht näm­lich m.E. da­bei nicht (nur) um den Er­halt von Brut­plät­zen von sel­te­nen Vö­geln, es geht vor al­lem auch um die An­wen­dung und Durch­set­zung gel­ten­den Rechts. Wenn da ei­ner mit Bull­do­zern Tat­sa­chen schafft, um ein »Pro­blem« aus der Welt zu schaf­fen, dann hat das die glei­che Qua­li­tät wie das Zer­stö­ren der Me­dail­lons im al­ten Fest­saal des Park-Ho­tels: Hier wie da woll­te sich je­mand mit Bra­chi­al­ge­walt über gel­ten­des Recht und be­stehen­de Vor­schrif­ten hin­weg­set­zen, um sei­ne ei­ge­ne Si­tua­ti­on (und Ver­hand­lungs­po­si­ti­on) gün­stig zu be­ein­flus­sen. Das aber ist – ganz un­ab­hän­gig von der Schwe­re des Ver­sto­ßes – in ei­nem Rechts­staat nicht hin­nehm­bar! Auch wenn man im Ein­zel­fall an­de­rer Mei­nung sein mag, der Schutz von Rechts­gü­tern, die Ab­wä­gung von Be­dürf­nis­sen ge­gen­ein­an­der und die ggf. lang­sam mah­len­den Müh­len der Bü­ro­kra­tie sind der Preis, den man in ei­nem frei­en, demo­kratischen Ge­mein­we­sen für die Rechts­staat­lich­keit zu zah­len hat! Wer so ei­ne Sa­che klein­re­det, zur Lap­pa­lie macht und ins Lä­cher­li­che zieht, der hört mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit den­noch auf zu la­chen, wenn der Nach­bar ihm die Pla­nier­rau­pe ins ei­ge­ne Grund­stück schickt, wäh­rend die Be­hör­den-Ver­tre­ter ach­sel­zuckend und gleich­gül­tig zur Sei­te schau­en...

    Auf den Punkt ge­bracht be­deu­tet das: Wer das ei­ne will (Schutz der ei­ge­nen Rech­te), muß das an­de­re (kon­se­quen­te Rechts­an­wen­dung) mö­gen. Ge­rech­tig­keit gibt es nicht zum Null­ta­rif.

  24. Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald von Me­di­en PRAXIS e.V. ha­ben ei­ne TV-Re­por­ta­ge über die Gu­stav­stra­ße ge­dreht: Der er­ste Teil des Films mit dem Ti­tel »A biss­la wos vo Färdd« – Die Gu­stav­stra­ße wird am kom­men­den Sonn­tag erst­ma­lig aus­ge­strahlt. Die Sen­de-Fre­quen­zen und ‑ter­mi­ne sind der Pro­gramm­vor­schau zu ent­neh­men.

  25. Me­di­en PRAXIS e.V. hat über die Zu­stän­de und Ent­wick­lun­gen in der Gu­stav­stra­ße ei­ne zwei­tei­li­ge TV-Re­por­ta­ge ge­dreht, die an den er­sten bei­den Fe­bru­ar-Sonn­ta­gen erst­mals aus­ge­strahlt wer­den wird (sie­he Pro­gramm­vor­schau).

  26. Nürnberger sagt:

    Wir ha­ben in Deutsch­land au­gen­schein­lich ein Pro­blem. Wir le­ben in ei­ner De­mo­kra­tie, d.h. die Mehr­heit ent­schei­det. In Sa­chen An­woh­ner sieht die Sa­che völ­lig an­ders aus. Ein­zel­ne kön­nen ge­gen die In­ter­es­sen der Mehr­heit vor­ge­hen und be­kom­men völ­lig un­de­mo­kra­tisch auch noch recht.

    In der Gu­stav­stra­ße hat ei­ne klei­ne Min­der­heit neu Hin­zu­ge­zo­ge­ner dem funk­tio­nie­ren Mit­ein­an­der den Krieg er­klärt und schafft es viel­leicht, die­sem le­ben­di­gen Stück Stadt­le­ben den Gar­aus zu ma­chen.

    Das kann doch wirk­lich nicht wahr sein! Wie bor­niert müs­sen Men­schen sein, die in ei­ne be­leb­te Stra­ße zie­hen um dann ge­gen die­ses Le­ben vor­zu­ge­hen? Dass die Gu­stav­stra­ße kei­ne to­te Wohn­wü­ste ist, war doch vor­her be­kannt!

    In Nürn­berg z.B. hat es in der einst le­ben­di­gen Weiß­ger­ber­gas­se auch so an­ge­fan­gen, heu­te ist jeg­li­ches Le­ben dar­aus ver­schwun­den. Auch hier ha­ben ei­ni­ge neu Hin­zu­ge­zo­ge­ne recht be­kom­men. War­um?

    Die Ge­setz­ge­ber soll­ten sich Ge­dan­ken über das de­mo­kra­ti­sche Prin­zip ma­chen und den Kla­gen­den die Fra­ge stel­len war­um sie sich in ei­ner ach so lau­ten Um­ge­bung nie­der­las­sen, wenn sie sich da­von ge­stört füh­len!!

  27. Gerd Scherm sagt:

    Ich wur­de 1950 in der Gu­stav­stra­ße ge­bo­ren, bin dort auf­ge­wach­sen und ging mei­ne er­sten vier Schul­jah­re in Mi­che­la. Da­mals war die Gu­stav­stra­ße die B8, be­fah­ren von zig PKWs, schwe­ren LKWs je­den Tag, manch­mal auch ame­ri­ka­ni­sche Pan­zern und die Häu­ser wa­ren ruß­ge­schwärzt. Das Fach­werk der Häu­ser konn­te man un­ter der öli­gen Schmutz­schicht der Haus­wän­de nur er­ah­nen. Die­se Lärm­be­lä­sti­gung führ­te bei mir zu Mit­tel­ohr­ent­zün­dun­gen, höchst­wahr­schein­lich, weil ich nichts mehr hö­ren woll­te.

    Trotz die­ser ex­tre­men Ver­kehrs­be­la­stung war »die Gu­stav« ei­ne, wenn nicht DIE Knei­pen­stra­ße von Fürth – vom Kö­nigs­platz bis zum Hei­li­gen­berg und Drum­her­um ei­ne Knei­pe ne­ben der an­de­ren. Auch da­mals war es laut, auch da­mals stand im Som­mer man­che Wirts­haus­tür of­fen und der Lärm drang auf die Stra­ße, aber der Ver­kehrs­lärm hat wohl das Mei­ste über­tönt. So ger­ne ich mich an die al­ten Zei­ten er­in­ne­re, die­sen Ge­räusch­pe­gel und Ab­gas­ge­stank wün­sche ich kei­nem, nicht ein­mal den Stän­ke­ren.

    Wer wis­sen will, wie es da­mals war, kann ja in mei­nem Büch­lein »Hof­fen ko­stet nichts« nach­le­sen – ga­ran­tiert nicht mit der ro­sa­ro­ten Bril­le ge­schrie­ben.

  28. Könich sagt:

    Hal­lo Lieb­ha­ber uns­rer schö­nen, le­ben­di­gen Gu­stav­stra­ße :-)
    hier gibts ne Mög­lich­keit sich ein­zu­tra­gen, damit´s nicht noch schlim­mer bzw wie­der bes­ser wird...
    http://www.change.org/de/Petitionen/unsere-gustavstra%C3%9Fe

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