Der Fest­saal fällt – Fürth gibt auch jü­di­sches Er­be preis

7. Juli 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

Fürth gibt ein Ka­pi­tel jü­di­scher Wirt­schafts- und Ge­sell­schafts­ge­schich­te dem Ver­ges­sen an­heim. Was Für­ther Ju­den mit dem Park-Ho­tel ver­bin­det: Ein hi­sto­ri­scher Ab­riss (in des Wor­tes dop­pel­ter Be­deu­tung).

»Abriß verpflichtet« - Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht (Festsaal des Park-Hotels)

Mit zu­neh­men­der Stär­ke wird seit vie­len Wo­chen die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen ei­ner Grup­pe en­ga­gier­ter Für­ther Bür­ger und ei­nem Bünd­nis von Stadt­ver­wal­tung und Bau­trä­ger (MIB) um Er­halt oder Ab­riss des Fest­saals des Für­ther Park-Ho­tels aus­ge­foch­ten. Im Vor­der­grund ste­hen Fra­gen und Ar­gu­men­te, wel­cher Rang den Fest­le­gun­gen des Denk­mal­schut­zes bei­zu­mes­sen sei. Das Bünd­nis sieht kei­nen Fort­schritt oh­ne Op­fer und spielt sei­ne Kar­ten ver­wal­tungs­po­li­ti­scher Ver­bin­dun­gen und kom­mu­na­ler Macht für ei­nen Ab­riss aus. Die Für­ther Bür­ger gei­ßeln städ­te­bau­li­che Kurz­sich­tig­keit und wer­ben um Ein­sicht und En­ga­ge­ment für den Er­halt ei­nes denk­mal­ge­schütz­ten Bau­wer­kes; und das auf der Grund­la­ge ver­fas­sungs­recht­li­cher Nor­men!

Ein As­pekt, den die Dis­kus­si­on bis­her aus­ge­blen­det hat, ist die hi­sto­ri­sche und ge­sell­schafts­po­li­ti­sche Di­men­si­on, die die­sem Bau­werk zu­zu­ord­nen ist. Denn hier han­delt es sich nicht um ei­nen be­lie­bi­gen Ho­tel­bau. Park-Ho­tel und Fest­saal sind aufs Eng­ste mit der jü­di­schen Ge­schich­te die­ser Stadt ver­knüpft. Der Fest­saal stellt ge­wis­ser­ma­ßen ei­nen »Ge­denk­stein« für das jü­di­sche Fürth dar.

Aber rol­len wir jetzt die Ge­schich­te von vor­ne auf, um die »Qua­li­tät« die­ses Ge­denk­steins bes­ser greif­bar zu ma­chen.

  • Seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts er­leb­te der Wirt­schafts­stand­ort Fürth ei­nen er­heb­li­chen Auf­schwung. We­sent­li­che Bei­trä­ge zu die­ser Ent­wick­lung ka­men von jü­di­schen Hand­wer­kern, Kauf­leu­ten und Fa­bri­kan­ten. Fürth hat­te Welt­ruf auf dem Ge­biet der Spie­gel­glas­in­du­strie, die ganz we­sent­lich in jü­di­schen Hän­den lag. Was der Stadt fehl­te, war ei­ne hier­zu pas­sen­de In­fra­struk­tur für Un­ter­kunft und Ge­sel­lig­keit, zu­ge­schnit­ten auf die Be­woh­ner­schaft der Stadt so­wie für pri­va­te und ge­schäft­li­che Gä­ste.
     
    In ei­nem Do­ku­ment aus der Mit­te der 1880er Jah­re heißt es dann auch: »Die un­gün­sti­gen Gast­hof­ver­hält­nis­se in hie­si­ger Stadt wur­den seit Jah­ren un­an­ge­nehm emp­fun­den und schon mehr­mals Ver­su­che ge­macht, die­sen un­leid­li­chen Zu­stand durch Er­rich­tung ei­nes der Be­deu­tung und dem Ruf der Stadt ent­spre­chen­den Gast­ho­fes mit Ge­sell­schafts­räu­men zu än­dern.« Und so er­grif­fen 1885 zehn Kauf­leu­te und Fa­bri­kan­ten die In­itia­ti­ve zur Grün­dung der Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft, Fürth. Mit Leo­pold Bü­chen­ba­cher, Max Ei­er­mann, Sa­mu­el Haus­mann, Bern­hard Le­vi, Carl Lo­ewi und Hein­rich Mai­län­der wa­ren sechs von ih­nen Mit­glie­der der jü­di­schen Kul­tus­ge­mein­de. Die vier nicht-jü­di­schen Mit­in­itia­to­ren wa­ren Ju­li­us Al­din­ger, Phil­ipp En­gel­hardt, Jo­hann Phil­ipp Streng und Paul Wink­ler.
     
    Im De­zem­ber 1885 wur­den die Zeich­nungs­schei­ne für 376 Ak­ti­en à 1.000 Mark her­aus­ge­legt. Der Er­folg der In­itia­ti­ve war über­wäl­ti­gend. 191 Für­ther Hand­wer­ker, Han­dels­leu­te, Fa­bri­kan­ten und Pri­va­tiers zeich­ne­ten die Pa­pie­re.
     
    Vor­stand und Auf­sichts­rat der Ak­ti­en­ge­sell­schaft führ­ten – was be­mer­kens­wert ist – die Ge­schäf­te als Eh­ren­amt. Fünf Vor­stän­de wur­den bei tur­nus­mä­ßi­gem Wech­sel von 12 Auf­sichts­rä­ten ge­wählt. Seit An­be­ginn lag die Prä­senz der jü­di­schen Frak­ti­on in den bei­den Gre­mi­en bei über 50%. Be­rich­te der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen le­sen sich wie das »Who’s Who« der sei­ner­zei­ti­gen Wirt­schafts­eli­te; kaum ein Na­me re­nom­mier­ter jü­di­scher Fa­mi­li­en fehl­te.
     
    Mit dem fi­nan­zi­el­len Rück­halt von 376.000 Mark konn­te das Pro­jekt ei­nes re­prä­sen­ta­ti­ven Ho­tel­neu­baus star­ten. Dem Für­ther Gast­wirt Ge­org An­drae kauf­te man in der Wein­stra­ße (heu­te Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße) sein An­we­sen ab und er­bau­te dort das Ho­tel Na­tio­nal. Die Leip­zi­ger Ar­chi­tek­ten Ge­org Wei­den­bach und An­ton Käpp­ler zeich­ne­ten ver­ant­wort­lich für Pla­nung und Bau. Im Grund­steu­er­ka­ta­ster wird das Bau­werk – 1887 für rund 390.000 Mark er­rich­tet – wie folgt be­schrie­ben: Re­stau­rant mit Spei­se­saal und Ca­fé, zwei Wein­stu­ben, Kon­zert­saal mit Vor­saal, Ge­sell­schafts­lo­ka­li­tä­ten und Frem­den­zim­mer. Der Päch­ter zahl­te 30.000 Mark Mie­te im Jahr (spä­ter 33.000 Mark), und die Ak­tio­nä­re wur­den für ihr En­ga­ge­ment mit ei­ner ein- bis zwei­pro­zen­ti­gen Di­vi­den­de be­dacht. Nicht Kom­merz, son­dern Ver­bun­den­heit mit der Hei­mat­stadt stand im Vor­der­grund.
     
    In den Fol­ge­jah­ren wur­de das Ho­tel Na­tio­nal zu ei­nem Mit­tel­punkt des ge­sell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Le­bens der Stadt. Es bot den ad­äqua­ten Rah­men für gro­ße Ver­an­stal­tun­gen: Büh­nen­vor­stel­lun­gen und Mu­sik­dar­bie­tun­gen fan­den hier eben­so wie opu­len­te Fest­essen statt. Ei­ne be­son­de­re Rol­le kam da­bei na­tür­lich dem Fest­saal zu. Aber auch der klei­ne Rah­men für Fa­mi­li­en­fei­ern und Ju­bi­lä­en, klei­ne Ge­schäfts­es­sen und all­täg­li­che Be­su­che in Wein­stu­be und Ca­fé wur­de mit ent­spre­chen­den Räum­lich­kei­ten be­dacht. – Schritt für Schritt wur­de ei­ne spe­zi­fi­sche Kul­tur des pri­va­ten und ge­schäft­li­chen Zu­sam­men­tref­fens im Ho­tel Na­tio­nal auf­ge­baut. Zahl­rei­che Nach­kom­men Für­ther jü­di­scher Emi­gran­ten in den USA, Au­stra­li­en und an­ders­wo ver­bin­den noch heu­te ei­nen Teil ih­rer Fa­mi­li­en- und Fir­men­ge­schich­te mit »dem Na­tio­nal«, do­ku­men­tiert in Fo­to­al­ben und Me­moi­ren. Und bei Be­su­chen in Fürth über­nach­te­te man selbst­ver­ständ­lich im Park-Ho­tel, wie es heu­te heißt.

  • Um die At­trak­ti­vi­tät des Ho­tel in Grö­ße und Aus­stat­tung zu er­hö­hen, wur­den schon bald Hy­po­the­ken­schul­den von rund 350.000 Mark auf­ge­nom­men. Die In­ve­sti­ti­on in den Aus­bau rech­ne­te sich, denn das Ge­schäft »lief rund«.
     
    Am 2. Fe­bru­ar 1900 er­folg­te ei­ne Zä­sur. In der Ge­ne­ral­ver­samm­lung stand der Ver­kauf des Ho­tels auf der Ta­ges­ord­nung. 49 Ak­tio­nä­re – mit ei­ner Re­prä­sen­tanz von 82% des Ak­ti­en­ka­pi­tals – fäll­ten ein ein­stim­mi­ges Vo­tum: Ver­kauf an den Ho­te­lier Wil­helm Kai­ser aus Wies­ba­den. Man ging da­von aus, dass die »Kin­der­jah­re« des Ho­tels Na­tio­nal vor­bei wa­ren und es in die Selb­stän­dig­keit ent­las­sen wer­den kön­ne. Die Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft wur­de in ei­ne »Ge­sell­schaft in Li­qui­da­ti­on« über­ge­führt, da ja nur noch die Ab­wick­lung des Ver­kau­fes und die Ver­tei­lung des Kauf­preis­erlö­ses an die Ak­tio­nä­re aus­stan­den. Zu den weit über­wie­gend jü­di­schen An­teils­eig­nern zähl­ten u.a. Mo­ritz Krails­hei­mer, Edu­ard und Fried­rich Farn­ba­cher, Max Il­l­fel­der, Leo­pold und Max Bü­chen­ba­cher, Max Na­than, Dr. Carl Ei­er­mann, Lud­wig und Mey­er Ben­dit, Sig­mund S. Arn­stein, Hein­rich Mai­län­der, Al­bert und Edu­ard Bach, Dr. Ju­li­us Pra­ger, Carl Lo­ewi, Ju­stus Ull­mann, J. Feist­mann so­wie Ga­bri­el Feucht­wan­ger.
     
    Kurz nach dem Er­werb des Ho­tels ver­starb Wil­helm Kai­ser, und sei­ne Wit­we kämpf­te sich über vie­le Jah­re durch die Ge­schäfts­füh­rung. Bei der Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft, Fürth, stan­den ho­he For­de­run­gen aus dem Ver­kauf in den Bü­chern. Ein Ei­gen­tü­mer­wech­sel stand an. Im No­vem­ber 1906 über­nahm der Für­ther Edu­ard von Al­ber­ti das Ho­tel, be­la­ste­te es mit ho­hen Schul­den. Be­reits we­ni­ge Jah­re spä­ter muss­te er »Geld zur Ab­wen­dung des zwangs­wei­sen Ver­strichs des Ho­tel­an­we­sens« auf­trei­ben. Jü­di­sche Kauf­leu­te und Fa­bri­kan­ten spran­gen ihm bei; sie woll­ten »ihr Na­tio­nal« nicht dem Kon­kurs preis­ge­ben.
     
    Die Hil­fe­stel­lung brach­te aber nur Auf­schub: 1913 hat­te von Al­ber­ti ab­ge­wirt­schaf­tet. Die Ver­stei­ge­rung des Ho­tels Na­tio­nal kam auf die Agen­da. Der Zu­schlag fiel auf den Nürn­ber­ger Ho­te­lier Carl Kämpf. Um Fürth ein re­prä­sen­ta­ti­ves Ho­tel zu er­hal­ten, ging es auch dies­mal nicht oh­ne fi­nan­zi­el­le Zu­ge­ständ­nis­se sei­tens der Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft ab. Auf rund 50.000 Mark muss­te man ver­zich­ten und Hy­po­the­ken III. Stel­le ak­zep­tie­ren. Hier­für muss­te sich Kämpf al­ler­dings bei ei­ner Kon­ven­tio­nal­stra­fe von 25.000 Mark ver­pflich­ten, das Ho­tel über »10 Jah­re nach be­währ­ten Grund­sät­zen zu be­trei­ben so­wie den Cha­rak­ter als Ho­tel mit Ca­fé und Re­stau­rant im Erd­ge­schoss und Saal­bau zu be­wah­ren«.
     
    Groß­mut be­wie­sen die Ei­gen­tü­mer der Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft, als sie in der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 14. Ju­li 1913 ent­schie­den, dass die Ho­te­liers­wit­we Kai­ser, die we­gen der schlech­ten Ge­schäfts­füh­rung des Edu­ard von Al­ber­ti 65.000 Mark ein­ge­büßt hat­te, ei­ne jähr­li­che Su­sten­ta­ti­on von 800 Mark über fünf Jah­re er­hal­ten soll­te.

  • En­de 1918 konn­te die Ho­tel-Ac­ti­en­ge­sell­schaft, Fürth, auf­ge­löst wer­den. Carl Kämpf hat­te sei­ne ver­blie­be­nen Hy­po­the­ken­schul­den be­gli­chen. Für die 376 Ak­ti­en wur­den an die Eig­ner je­weils 100 Mark Deut­sche Reichs­an­lei­he her­aus­ge­legt und 23 Mark in bar aus­be­zahlt.

Las­sen wir die Fak­ten noch ein­mal Re­vue pas­sie­ren, so kommt dem »Ge­denk­stein« Fest­saal des heu­ti­gen Park-Ho­tels nur ei­ne Be­wer­tung zu: »aus hi­sto­ri­schen Grün­den un­be­dingt er­hal­tens­wert«. Ei­ne her­aus­ra­gen­de Ar­chi­tek­tur ver­bin­det sich hier aufs Eng­ste mit den nam­haf­ten Lei­stun­gen und Tu­gen­den der jü­di­schen Bür­ger­schaft im spä­ten 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­dert. Über 30 Jah­re ha­ben sich ih­re Re­prä­sen­tan­ten für wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und An­se­hen der Stadt ein­ge­bracht. Das »to­le­ran­te« Fürth dankt es ih­nen schlecht.

Als Bür­ger von Fürth se­he ich mich hin­sicht­lich der de­mo­kra­ti­schen Teil­ha­be bei der Ge­stal­tung und Ent­wick­lung un­se­rer Stadt über­gan­gen und ver­höhnt. Die hier auf­ge­zeig­ten As­pek­te ha­ben nie Ein­gang in die öf­fent­li­che Dis­kus­si­on um Er­halt oder Ab­riss des Fest­saals ge­fun­den. Im Ge­gen­teil: Ex­akt die Ar­gu­men­te, mit de­nen vor kur­zem der Auf­nah­me­an­trag in die Li­ste des Unesco-Welt­kul­tur­er­bes in­iti­iert wur­de, wer­den hier mit leich­ter Hand bei­sei­te­ge­scho­ben, ja ge­ra­de­zu mit Fü­ßen ge­tre­ten. Im Auf­nah­me­an­trag geht es näm­lich um Zeug­nis­se jü­di­scher Bür­ger in Form von Stif­tun­gen, ihr En­ga­ge­ment für Bil­dung und Volks­wohl so­wie städ­te­bau­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt. Hier­für wer­den Stadt­thea­ter und Be­rolz­hei­me­ria­num bei­spiel­haft her­an­ge­zo­gen. Ge­ra­de­zu ex­em­pla­risch stellt sich nach mei­ner Mei­nung das Park-Ho­tel mit sei­nem Fest­saal in die­se Rei­he.

Hät­ten Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Jung und Stadt­bau­rat Krau­ße es qua Amt nicht wis­sen müs­sen, was es mit die­sem Zeit­zeug­nis auf sich hat? We­nig­stens hät­ten sie sich von Fach­leu­ten die Hi­sto­rie des Ho­tels ein­mal auf­ar­bei­ten las­sen müs­sen! Ich se­he das als un­um­gäng­lich an bei ei­nem Pro­jekt, wel­ches ei­ne städ­te­bau­li­che Ver­än­de­rung die­ser Grö­ßen­ord­nung nach sich zieht. Und mit ei­ner Po­si­ti­on des Wis­sens hät­ten dann be­reits im Aus­wahl­pro­zess den In­ve­sto­ren kla­re Vor­ga­ben hin­sicht­lich der Be­ach­tung des Denk­mal­schut­zes ge­setzt wer­den müs­sen. Aber die­se Hür­de wur­de ar­gu­men­ta­tiv nicht be­fe­stigt, son­dern im Ge­gen­teil Stück um Stück zu Gun­sten des Bau­trä­gers ab­ge­tra­gen.

 
Quel­len:
Staats­ar­chiv Nürn­berg, AG Fürth (Ab­ga­be 1959), Re­gi­ster­ak­ten, Ho­tel AG Fürth
Staats­ar­chiv Nürn­berg, Grund­steu­er­ka­ta­ster, StG Fürth, Nr. 15/Bd. 4 und Nr. 12/Bd. 4
Hein­rich Ha­bel, Denk­mä­ler in Bay­ern, Stadt Fürth, Mün­chen 1994

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11 Kommentare zu »Der Fest­saal fällt – Fürth gibt auch jü­di­sches Er­be preis«:

  1. Freud sagt:

    Le­sens­wert. Vor al­lem hät­te das, was hier zu­sam­men­ge­tra­gen wor­den ist, ge­le­sen wer­den sol­len, be­vor man sich ans kennt­nis­freie Ab­rei­ßen mach­te.

  2. Manu sagt:

    @Freud:
    Ja, in der Tat. Gänz­lich un­ver­ständ­lich wird das Nicht­wis­sen der Stadt­spit­ze und des Stadt­rats in An­be­tracht der Be­wer­bung zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be. Bei die­ser Be­wer­bung geht es zwar v.a. um das jü­di­sche Stif­tungs­we­sen (was das Ho­tel Na­tio­nal ja als ein von ei­ner AG ge­bau­tes Ge­bäu­de nicht war), aber, wie das häu­fig er­wähn­te Kauf­haus Tiet­ze (am Koh­len­markt) zeigt, nicht nur.

    Ich möch­te au­ßer­dem mit ei­nem Zi­tat aus den FN noch ein­mal fol­gen­des her­vor­he­ben: »Über die re­prä­sen­ta­ti­ven Ob­jek­te jü­di­scher Kul­tur und Ge­schich­te hin­aus geht es bei­den Städ­ten um ar­chi­tek­tur­hi­sto­ri­sche Fra­gen und städ­te­bau­li­che Zu­sam­men­hän­ge. [...] Die Re­vi­ta­li­sie­rung von Bau­denk­mä­lern ge­hört zu den gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen.«. Scha­de, dass das die »Re­vi­ta­li­sie­rung von Bau­denk­mä­lern« of­fen­sicht­lich nur in Hal­ber­stadt von Be­deu­tung zu sein scheint.

    Letzt­end­lich wä­re es egal ge­we­sen, mit wel­chem In­ter­es­se man sich der Ge­schich­te des Ho­tel Na­tio­nal ge­nä­hert hät­te – ob aus In­ter­es­se an der jü­di­schen Ge­schich­te oder aus ar­chi­tek­tur­hi­sto­ri­schem oder städ­te­bau­li­chem In­ter­es­se – man wä­re je­des­mal zum sel­ben Er­geb­nis ge­kom­men: Und zwar, dass es sich um ein für die Stadt Fürth be­deu­ten­des Ge­bäu­de han­delt, das man nicht ein­fach so be­sei­ti­gen darf.

    Dass Stadt­spit­ze, obe­re Stadt­ver­wal­tung und ein Groß­teil des Stadt­rats nicht ein­mal ei­ne Spur von ak­ti­vem In­ter­es­se (egal wel­cher Art) an der Ge­schich­te des Ho­tels zeig(t)en, ist sehr be­denk­lich, denn »Je wei­ter man zu­rück­blicken kann, de­sto wei­ter wird man vor­aus­schau­en.« (Chur­chill)

  3. Siegfried Tiefel sagt:

    Stadt­rä­tin­nen und Stadt­rä­te sind dar­auf an­ge­wie­sen, dass sie von der Stadt­spit­ze und der Ver­wal­tung mög­lichst um­fas­send und se­ri­ös in­for­miert wer­den. Nach­dem ein nicht auf­find­ba­rer Bö­se­wicht die Wan­dor­na­men­te ab­ge­schla­gen hat­te, wur­de der Fest­saal end­gül­tig als wert­los dar­ge­stellt. Das Fachur­teil der Denk­mal­schutz­be­hör­den und die Re­cher­chen der letz­ten Ta­ge er­ge­ben ein völ­lig an­de­res Bild. Der Stadt­rat wur­de un­wis­sent­lich oder gar wis­sent­lich un­zu­tref­fend in­for­miert. MIB hat den Wett­be­werb maß­geb­lich des­halb ge­won­nen, weil man ab­so­lu­te Rück­sicht­nah­me auf die Be­lan­ge des Denk­mal­schut­zes zu­ge­sagt hat­te. Scha­de, dass die Stadt an­schei­nend der­art er­press­bar ist, dass sie das aus öf­fent­lich recht­li­cher Sicht Ge­bo­te­ne nicht mehr ein­for­dern be­zie­hungs­wei­se durch­set­zen kann.

  4. K. Heller sagt:

    Herr Tie­fel, da ma­chen Sie es sich aber sehr ein­fach! Nach mei­ner An­sicht hat ein Stadt­rat sich selbst­stän­dig zu in­for­mie­ren, und In­for­ma­tio­nen ver­such­ten Mit­glie­der der BI Bes­se­re Mit­te Fürth seit dem er­sten In­ve­stor So­nae Si­er­ra zu ge­ben. Al­ler­dings wa­ren die Re­ak­tio­nen von Stadt­rä­ten Des­in­ter­es­se und in den letz­ten Wo­chen so­gar An­fein­dun­gen. Selbst als für den letz­ten of­fen­sicht­lich ei­ne Ab­riss­ge­neh­mi­gung ge­gen je­den ge­re­gel­ten Ver­wal­tungs­ab­lauf er­teilt wur­de, blie­ben al­le ver­stummt. Es ist eben ein­fa­cher den Fin­ger zu he­ben wo es un­ser OB ver­langt um sich dann wie­der in Ru­he in den Ses­sel fal­len las­sen zu kön­nen.

  5. Alexander Clemens sagt:

    Na­tür­lich kann man das Park­ho­tel in kei­ner Wei­se mit den ge­sell­schaft­lich re­le­van­ten Stif­tun­gen wie dem Be­rolz­hei­mer, dem Na­than­stift, den Schu­len, dem Stadt­thea­ter gleich­set­zen. Hier wird in mei­nen Au­gen aus sehr durch­sich­ti­gen Grün­den Ge­schich­te um­ge­deu­tet. Dies ist ab­zu­leh­nen.

  6. - Name entfernt - sagt:

    Kom­men­tar ent­fernt, da nach An­ga­be des Na­mens­trä­gers ge­fälscht und nicht von ihm stam­mend.

  7. - Name entfernt - sagt:

    Ent­fernt, da sich auf den vor­her­ge­gan­ge­nen, ge­lösch­ten Kom­men­tar be­zie­hend.

  8. Ich bin der Her­aus­ge­ber die­ses Blogs und möch­te al­le Teil­neh­mer der Dis­kus­si­on auf­for­dern, hier nicht un­ter fal­schen Na­men Ein­trä­ge zu pla­zie­ren. Der Kom­men­tar #6, der her­aus­ge­nom­men wur­de, ist nach Aus­sa­ge des ur­sprüng­lich an­ge­ge­be­nen Ab­sen­ders nicht von ihm ein­ge­stellt wor­den, son­dern ein FAKE!

    Der Her­aus­ge­ber bit­tet au­ßer­dem, das Ni­veau der Dis­kus­si­on im Au­ge zu ha­ben und Kom­men­ta­re nicht un­ter ei­nem Pseud­onym, son­dern nur un­ter vol­lem (und rich­ti­gem!) Na­men ein­zu­stel­len. An­dern­falls sä­hen wir uns ge­zwun­gen, die Kom­men­tar­funk­ti­on stär­ker zu re­gle­men­tie­ren.

    Be­sten Dank für die Auf­merk­sam­keit.

  9. Michael Gründel sagt:

    Dan­ke für den her­vor­ra­gend re­cher­chier­ten Bei­trag! Er führt an­schau­lich vor, wie die Kri­ti­ker der Neu­en Mit­te mit gut re­cher­chier­ten Sach­ar­gu­men­ten ver­su­chen, ei­nen städt­bau­li­chen Feh­ler im Ent­ste­hungs­pro­zess zu ver­hin­dern. Da­bei er­fah­ren Sie auf brei­ter Front Un­ter­stüt­zung von re­nom­mier­ten Fach­leu­ten der Denk­mal­pfle­ge. Und da­bei geht es eben nicht – wie so oft falsch be­haup­tet – um die Ver­hin­de­rung der Neu­en Mit­te (welch ein­falls­lo­ser Na­me, nach mei­nen Re­cher­chen gibt es be­reits mehr als 10 »Neue Mit­ten« in Deutsch­land) – son­dern um die Auf­wer­tung: Er­halt und In­te­gra­ti­on des Fest­saals als High­light und Haupt­at­trak­ti­on ei­nes neu­en Ein­kaufs­schwer­punk­tes. Die­se kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung wird kon­struk­tiv auf zu­meist ho­hem Ni­veau ge­führt.

    Ein Ni­veau, von dem ei­ni­ge Be­für­wor­ter in Ih­ren zy­ni­schen, po­le­mi­schen und lei­der auch recht pri­mi­ti­ven Kom­men­ta­ren weit ent­fernt sind. Ein be­ach­tens­wer­tes Zeug­nis da­von le­gen zwei Ak­ti­vi­sten von Pro Neue Mit­te mit Ih­rem in­fan­ti­len, hä­men­haf­ten »Schrift­wech­sel« bei Face­book ab. Für ei­ne BUNTE und le­ben­di­ge Klee­blatt­statt! Pas­sen­der Wei­se hat sich ei­ner so­gar als Clown mas­kiert.

    Oje, mit die­ser Äu­ße­rung wer­de ich un­sach­lich. Stopp! Zu­rück zur sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung! Ich wün­sche mir, dass Kri­ti­ker und Be­für­wor­ter re­spekt­voll mit­ein­an­der um­ge­hen. Die­se ist bei ei­ni­gen Pro Neue Mit­te-Ak­ti­vi­sten mit ih­rer »ich will shoppen«-Haudrauf-Mentalität lei­der nicht der Fall. Um­so mehr schät­ze ich Mit­bür­ger, die sich die Zeit neh­men, die Ar­gu­men­te gründ­lich ab­wä­gen, wis­sen­schaft­lich re­cher­chie­ren und ihr ver­fas­sung­mä­ßig ver­brief­tes Recht wahr­neh­men, auch ei­ne kon­trä­re Mei­nung zu ver­tre­ten. Schließ­lich wa­ren es auch die­se Mit­bür­ger, die nach dem Schei­tern der Neu­en Mit­te 1 (die ei­nen ge­wal­ti­gen Scha­den am Stadt­bild ver­ur­sacht hät­te) ge­mein­sam mit Stadt und In­ve­stor nach neu­en Lö­sun­gen ge­sucht ha­ben. Her­aus­ge­kom­men ist ei­ne Ent­wurf, der zwar m. E. ge­wis­se Män­gel, auf­weist, aber al­le­mal bes­ser zu Fürth passt, als die ur­sprüng­li­chen Pla­nun­gen. Auch das soll­te ge­wür­digt wer­den.

  10. André Rupprecht sagt:

    Al­lei­ne schon der Na­me »Neue Mit­te« oder »Ein­kaufs­schwer­punkt« sind doch Gi­gan­to­ma­nie. Da kommt ein­fach ein ba­na­les, bil­li­ges, cha­rak­ter­lo­ses, aus­tausch­ba­res Bü­ro und Ge­schäfts­haus hin, mehr ist das nicht. Das neue Ge­bäu­de ist ein 08/15 Ge­bäu­de aus der MIB-Schub­la­de. So­was steht in je­der grö­ße­ren Stadt. Ein paar Lä­den un­ten drin und oben halt Bü­ros. In ein paar Jah­ren re­det kein Mensch mehr da­von.

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