Haus­halts­re­de zum Haus­halt 2013 der Stadt Fürth

14. Dezember 2012 | von | Kategorie: Politik

Re­de des frak­ti­ons­lo­sen Stadt­rats Sieg­fried Tie­fel vom 04.12.2012 zum Haus­halt 2013 der Stadt Fürth:

Sehr ge­ehr­ter Herr Ober­bür­ger­mei­ster,

Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,

er­lau­ben Sie mir ei­nen Streif­zug von der gro­ßen Fi­nanz­po­li­tik hin zu un­se­ren über­schau­ba­ren, al­ler­dings nicht im­mer durch­schau­ba­ren städ­ti­schen Fi­nan­zen.

Im Ju­li-Stadt­rat be­ka­men wir; aus­ge­hend von ei­nem SPD-An­trag, Ein­blick in die Aus­wir­kun­gen des Lan­des­bank­de­sa­sters. Un­ter par­tei­po­li­ti­scher In­stru­men­ta­li­sie­rung der öf­fent­lich-recht­lich or­ga­ni­sier­ten Spar­kas­se wur­de dar­ge­legt, dass das schlim­me Ver­sa­gen der Baye­ri­schen Lan­des­bank der Stadt Fürth seit 2008 Be­la­stun­gen von 30 Mil­lio­nen Eu­ro aus de­ren Ver­lu­sten be­schert hat. Auf Nach­fra­ge des fi­nanz­po­li­ti­schen Spre­chers der SPD-Frak­ti­on, was man mit dem Geld al­les ma­chen könn­te, be­fan­den Sie, Herr Ober­bür­ger­mei­ster, dass man für das ver­plem­per­te Geld un­ter an­de­rem das neue Fuß­ball­sta­di­on hät­te bau­en kön­nen.

Ein­ge­rech­net in die­se Be­la­stung von 30 Mil­lio­nen Eu­ro wa­ren auch 12 Mil­lio­nen Eu­ro ent­gan­ge­ne Ge­winn­aus­schüt­tun­gen. Ge­win­ne, die es ei­gent­lich über­haupt nicht ge­ben dürf­te. Ge­win­ne aus Fi­nanz­spe­ku­la­tio­nen der Lan­des­bank, wel­che nicht nur von ge­stan­de­nen So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­ab­scheut wer­den. Mei­nes Wis­sens hat sich kein So­zi­al­de­mo­krat vor 2008 dar­über be­schwert, dass von der Lan­des­bank sol­che Spe­ku­la­tio­nen ge­tä­tigt wur­den und Ge­win­ne dar­aus auch an die Spar­kas­se Fürth flos­sen.

Das ver­wun­dert auch nicht. Denn jetzt kommt die ganz gro­ße Po­li­tik ins Spiel. Es wa­ren schließ­lich Kanz­ler Schrö­der und Fi­nanz­mi­ni­ster Ei­chel, die sol­che hoch­ris­kan­ten Ge­schäf­te in Deutsch­land erst er­mög­lich­ten. Pein­lich nur Herr Ober­bür­ger­mei­ster, dass die­ses The­ma so­wohl in der Öf­fent­lich­keit als auch vor Gre­mi­en des Baye­ri­schen Städ­te­ta­ges prä­sen­tiert wur­de.

Wes­halb ich die­se Ge­schich­te auf­wär­me? Ihr Vor­ge­hen war ein Ei­gen­tor. Der Re­chen­gang in­des ist hoch­in­ter­es­sant im po­li­ti­schen Wett­be­werb. Be­trach­ten wir den ein­zig­ar­ti­gen Jahr­tau­send­traum der Für­ther Kom­mu­nal­po­li­tik: Un­ser Spaß- und Ther­mal­bad. Wohl­wol­lend an­ge­nom­men 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­ver­lust aus Bau und Be­trieb, macht in 30 Jah­ren zu­züg­lich 10 Mil­lio­nen Dar­le­hens­rest ei­ne Sum­me von 64 Mil­lio­nen Eu­ro. Was könn­te man mit dem Geld al­les ma­chen Herr Trä­ger?

Et­wa 40 Jah­re hält ei­ne Brücke oder Stra­ße, dann muss sie neu ge­baut oder grund­le­gend sa­niert wer­den. Mit dem Geld, wel­ches für das Bad ver­plem­pert wur­de, könn­ten wir un­se­ren ge­sam­ten In­fra­struk­tur­stau ab­ar­bei­ten. Rund 90 Maß­nah­men sind von der Ver­wal­tung auf­ge­li­stet und nicht in der In­ve­sti­ti­ons­pla­nung be­rück­sich­tigt. Da­mit wä­re die kom­mu­na­le Pflicht er­füllt und es blie­be im­mer noch et­was für das Schö­ne üb­rig, ein Sta­di­on zum Bei­spiel. Doch Jam­mern hilft nichts, da bin ich ei­ner Mei­nung mit Ih­nen, Herr Ober­bür­ger­mei­ster.

Schau­en wir uns die Zah­len der Ge­gen­wart an. »Fürth will die Fi­nanz­wen­de« konn­ten wir le­sen. 2014 soll der Schul­den­ab­bau be­gin­nen. Wird hier an ei­nem neu­en Traum ge­strickt? Auch 2011 konn­ten Sie, das zehn­te Jahr in Fol­ge, die Pflicht­zu­füh­rung zum Ver­mö­gens­haus­halt nicht er­rei­chen. Das heißt, die Stadt Fürth konn­te die Til­gungs­ra­ten ih­rer Alt­schul­den nicht er­wirt­schaf­ten. Ei­nem pri­va­ten Schuld­ner wür­den längst sämt­li­che Kre­di­te ge­kün­digt. Die Neu­ver­schul­dung be­trug 8,3 Mil­lio­nen Eu­ro trotz Re­kord­steu­er­ein­nah­men. Gleich­zei­tig wur­den 8,1 Mil­lio­nen Eu­ro zweck­ge­bun­den in die all­ge­mei­ne Rück­la­ge ein­ge­bucht. Das heißt, die­ser Teil der Rück­la­ge wur­de 2011 durch neue Schul­den fi­nan­ziert.

Man braucht kei­ne hell­se­he­ri­schen Fä­hig­kei­ten, um zu er­ken­nen, dass 2014 die zweck­ge­bun­de­nen Rück­la­gen auf­ge­löst wer­den und da­mit die Schul­den des Jah­res 2011 den Schul­den­ab­bau 2014 er­mög­li­chen sol­len. Zu­sam­men mit ei­ner wei­te­ren Luft­bu­chung in der Mit­tel­fri­sti­gen In­ve­sti­ti­ons­pla­nung, näm­lich 7 Mil­lio­nen Eu­ro Ein­nah­men aus dem Bau­ge­biet Ober­für­berg Nord, könn­te der Traum vom Ein­stieg in den Schul­den­ab­bau, wohl­ge­merkt »mit klei­nen Til­gungs­ra­ten«, tat­säch­lich zu Pa­pier ge­bracht wer­den.

Des­halb mei­ne For­de­rung zum Haus­halt 2013. Schluss mit fort­ge­setz­ter Träu­me­rei. Ver­zicht auf das un­ren­ta­ble Bau­ge­biet Ober­für­berg Nord und un­nö­ti­gen Grund­er­werb. Statt des­sen ei­nen Teil des er­spar­ten Gel­des in die Pflicht­auf­ga­ben, Sa­nie­rung von Stra­ßen und Brücken und in den Bau von Rad- und Fuß­we­gen in­ve­stie­ren.

 
Sieg­fried Tie­fel
Stadt­rat

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