Die Für­ther Kom­mu­nal­fi­nan­zen: Struk­tu­ren und In­hal­te

28. November 2011 | von | Kategorie: Politik

An­fang De­zem­ber 2011 ste­hen wie­der ein­mal Haus­halts­be­ra­tun­gen im Für­ther Rat­haus an. Die­se ver­spre­chen span­nend zu wer­den. Nach­dem sich in den letz­ten bei­den Jah­ren die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung von ih­rer Son­nen­sei­te ge­zeigt hat, dürf­ten die Haus­halts­ein­nah­men zu­letzt kaum Ent­täu­schun­gen ge­bracht ha­ben. Zu­ge­win­ne bei den Ein­nah­men ge­ben dem Stadt­rat da­mit die Mög­lich­keit, an der ei­nen oder an­de­ren Stel­le den Aus­ga­ben­hahn zu öff­nen oder zu dros­seln bzw. um­zu­len­ken in Rück­la­gen oder Kre­dit­ver­zicht zu üben. Bei den Ent­schei­dun­gen über den rich­ti­gen Weg wer­den sich ver­mut­lich im­mer wie­der die »Gei­ster schei­den«. Für 2012 ist für die Pla­nung auf­grund der wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on auf je­den Fall Vor­sicht an­ge­sagt.

Aus schwerer Zeit: Fürther Notgeld von 1923

Aus schwe­rer Zeit: Für­ther Not­geld von 1923

Spä­te­stens hier soll­te sich der Bür­ger zu Wort mel­den. Für ein Gut­hei­ßen der Pla­nung oder be­rech­tig­te Kri­tik an den Stadt­rats­ent­schei­dun­gen be­nö­tigt der am Fi­nanz­ge­sche­hen der Stadt in­ter­es­sier­te Für­ther je­doch ei­ne Be­ur­tei­lungs­platt­form. Das sind In­for­ma­tio­nen über Struk­tur, Qua­li­tä­ten und Quan­ti­tä­ten der Haus­halts­plä­ne sei­ner Stadt.

Wie wich­tig Bür­ger­infor­ma­ti­on und Bür­ger­be­tei­li­gung ist, zeigt sich ge­ra­de in die­sen Ta­gen. Vol­ler Dra­ma­tik wer­den die Dis­kus­sio­nen über die eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se ge­führt. Und Deutsch­land ist nicht aus­ge­nom­men. Schul­den la­sten auf al­len fö­de­ra­len Ebe­nen, beim Bund, den Län­dern und den Kom­mu­nen. Die Fol­gen für die Men­schen sind ein­schnei­dend. Dem Bür­ger wird da­mit je­den Tag ge­zeigt: Wohl­do­sier­tes Ver­trau­en ist gut; um »Über­ra­schun­gen« zu ver­mei­den, sind je­doch In­for­ma­ti­on und früh­zei­ti­ge Ein­fluss­nah­me un­um­gäng­lich. Be­gin­nen soll­te das auf der er­sten fö­de­ra­len Ebe­ne, in der Kom­mu­ne des Wohn­or­tes, dort wo der Le­bens­mit­tel­punkt liegt.

Die hier an­ge­spro­che­nen In­for­ma­tio­nen ste­hen je­dem Bür­ger zur Ver­fü­gung. Am 10. Au­gust 2011 wur­de im Für­ther Amts­blatt die Haus­halts­sat­zung der Stadt Fürth für das Haus­halts­jahr 2011 be­kannt­ge­macht, ein­zu­se­hen im Amts­ge­bäu­de Süd. In der Haus­halts­sat­zung wer­den Haus­halts­vo­lu­men, vor­ge­se­he­ne Kre­dit­auf­nah­men, Höchst­be­trä­ge der Kas­sen­kre­di­te, Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen und He­be­sät­ze für Grund- und Ge­wer­be­steu­er pu­bli­ziert. Da die Zu­kunft sich aus der Ver­gan­gen­heit ent­wickelt, wer­den im Fol­gen­den wich­ti­ge Da­ten der Haus­halts­sat­zung 2011 zu­sam­men­ge­fasst dar­ge­stellt und kurz kom­men­tiert. Sie sol­len Grund­la­ge der Er­ör­te­rung und Be­ur­tei­lung von voll­zo­ge­nen Haus­halts­ab­schlüs­sen im Plan-/Ist-Ver­gleich und künf­ti­ger Haus­halts­plä­ne sein.

Hin­ter die­sem Vor­ge­hen steht die Idee, mög­lichst vie­len Für­thern ei­nen be­que­men und sub­stan­ti­el­len Ein­blick in das kom­mu­na­le Fi­nanz­ge­sche­hen zu ge­ben. Die »Für­ther Frei­heit« ist hier­zu ei­ne ge­eig­ne­te Platt­form. Kom­men­ta­re und Stel­lung­nah­men sind mög­lich und er­wünscht. Das Vor­ha­ben ist vor­aus­sicht­lich ei­ne nicht ganz leich­te Kost für den Le­ser. Mit vie­len Zah­len kon­fron­tiert, wird er sich in zahl­rei­che neue Be­griff­lich­kei­ten ein­le­sen müs­sen. Um die­sen Pro­zess zu er­leich­tern, ist vor­ge­se­hen, das Vor­ha­ben in Pa­ke­te auf­zu­tei­len, die in zeit­li­chen Ab­stän­den vor­ge­stellt wer­den. Da­zu ge­hört z. B. der Haus­halts­plan 2012.

Le­sen Sie wei­ter im PDF-Do­ku­ment: Mi­cha­el Mül­ler: Die Für­ther Kom­mu­nal­fi­nan­zen – Struk­tu­ren und In­hal­te

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10 Kommentare zu »Die Für­ther Kom­mu­nal­fi­nan­zen: Struk­tu­ren und In­hal­te«:

  1. Pres­se­spie­gel: »Wir rech­nen mit al­lem« (brand eins)

  2. Hier hat uns Dr. Mül­ler als Fi­nanz­ex­per­te ei­ne um­fang­rei­che Über­sicht über die Haus­hal­te 2007 – 2010 und die Haus­halts­plä­ne der Jah­re 2011 / 2012 ge­lie­fert.

    Die­ses Werk ist recht schwe­re Kost und für mich als Lai­en war ei­ni­ges Re­cher­chie­ren nach mir frem­den Be­griff­lich­kei­ten nö­tig. Wo­bei ich be­zweif­le, ob denn al­le Mit­glie­der des Stadt­rats den Haus­halt der Stadt durch­blicken.

    Letz­ten En­des blie­ben bei mir noch recht vie­le Fra­gen zu­rück, die sich viel­leicht in ei­ner nach­fol­gen­den Ar­ti­kel­se­rie klä­ren las­sen.

    Kann man den An­stieg der Deckungs­lücke im Jahr 2009 als Über­schul­dung be­zeich­nen?

    Wie sieht es aus mit der fi­nan­zi­el­len Ver­flech­tung der Son­der­ver­mö­gen und dem Stadt­haus­halt? Gibt es hier »Ver­schie­be­bahn­hö­fe« von Kre­di­ten und Lei­stun­gen?

    Ei­nes­teils will man of­fen­sicht­lich Tei­le der Pflicht­auf­ga­ben ( Kran­ken­haus / Stadt­ent­wäs­se­rung ...) ei­gen­stän­dig wirt­schaf­ten las­sen. D.h. Ein­nah­men sind ori­en­tiert an Aus­ga­ben... Stei­gen die Aus­ga­ben – er­hö­hen sich die Ge­büh­ren ... An­dern­teils wer­den Deckungs­lücken wie­der dem städ­ti­schen Haus­halt an­ge­la­stet.

    Voll­kom­men un­ver­ständ­lich ist mir der Teil be­rei­nig­te Ein­nah­men und Aus­ga­ben. Wo­her kom­men hier Dop­pel­zäh­lun­gen und wie sind die zu­grun­de lie­gen­den Fi­nan­zie­rungs­vor­gän­ge auf­ge­baut?

    Es gibt Steu­er­aus­fäl­le beim An­teil der Ein­kom­mens­steu­er – in der kon­kre­ten Aus­zah­lung erst zeit­ver­setzt um 3 Jah­re ( d.h. spe­ku­la­ti­ve An­nah­men). Krankt es hier am Be­rech­nungs­sy­stem?

    Es scheint ein sehr kom­pli­zier­tes Sy­stem von Be­rech­nung an Steu­er­an­tei­len und für zweck­freie und zweck­ge­bun­de­ne Zu­wei­sun­gen zu ge­ben. Soll­te das nicht ver­ein­facht wer­den?

    Wor­in lie­gen die Ur­sa­chen der städ­ti­schen Schul­den­fal­le? Gab es zu vie­le frei­wil­li­ge Lei­stun­gen? Lag un­nö­ti­ge Ver­schwen­dung von Gel­dern vor? Hat man Wahl­ge­schen­ke ge­tä­tigt? Gab es ei­ne Aus­wei­tung von Ge­schäfts­be­rei­chen? La­gen Fehl-In­ve­sti­tio­nen in die Zu­kunft vor? Oder wur­de man ein­fach von nicht steu­er­ba­ren Ent­wick­lun­gen über­rollt?

    Ist der Ver­mö­gens­haus­halt viel­leicht auch der Spie­gel von Ent­schei­dun­gen frü­he­rer Zei­ten, die ih­re Män­gel erst jetzt in im­mensen Nach­fol­ge­ko­sten zei­gen (z.B. nö­ti­ge Be­ton­sa­nie­run­gen / Lei­stun­gen für das Um­land oh­ne Ko­sten­be­tei­li­gung / In­fra­struk­tur­maß­nah­men)?

    Hier stellt sich auch die Fra­ge, wel­che Stel­lung Fürth in­ner­halb die­ser Me­tro­pol­re­gi­on in­ne­hat. Vie­les muss ja in grö­ße­rem Rah­men be­trach­tet wer­den. Da­zu ge­hört eben auch die Durch­for­stung des ge­sam­ten Fi­nan­zie­rungs­sy­stems der Kom­mu­nen und die Neu­ge­stal­tung ih­rer Auf­ga­ben.

  3. Michael Müller sagt:

    Nach ei­nem aus­führ­li­chen Ge­spräch mit Herrn Scher­mann heu­te nun – mit ei­ni­ger Ver­zö­ge­rung – »kur­ze« Ant­wor­ten zu den zahl­rei­chen Fra­gen vom 12. Dez. 2011:

    1. Die Deckungs­lücke im Jah­re 2009 ist kei­ne Über­schul­dung. Mit 8,8 Mio. € wird hier ei­ne nicht fi­nan­zier­te Deckungs­lücke auf­ge­zeigt, weil die Aus­ga­ben die Ein­nah­men über­schrit­ten ha­ben. Mit Ge­neh­mi­gung der Re­gie­rung von Mit­tel­fran­ken er­folgt der »Ab­bau« die­ser Deckungs­lücke in künf­ti­gen Haus­halts­jah­ren und stellt so­mit ei­nen Vor­griff auf kom­men­de Ein­nah­men dar.

    2. Der Be­griff »Ver­schie­be­bahn­hö­fe« zur Cha­rak­te­ri­sie­rung der Ver­flech­tung von städt. Haus­halt und Son­der­ver­mö­gen ist nicht ziel­füh­rend. Auf der ei­nen Sei­te sol­len Son­der­ver­mö­gen die Mög­lich­keit bie­ten, ein­zel­ne Ar­beits­ge­bie­te qua­si pri­vat­wirt­schaft­lich zu füh­ren. Die­ser Weg wur­de viel­fach ein­ge­schla­gen und er­folg­reich be­schrit­ten. Auf der an­de­ren Sei­te bie­ten sich mit den Son­der­ver­mö­gen auch Ge­stal­tungs­mög­lich­kei­ten, wie das Bei­spiel Stadt­ent­wäs­se­rung (StEF) zeigt: Mit ei­nem Trä­ger­dar­le­hen von gut 80 Mio. € sei­tens der Stadt Fürth im Jah­re 2004 aus­ge­stat­tet, zahlt die StEF die­ses Dar­le­hen seit Jah­ren »in den Haus­halt der Stadt« schritt­wei­se zu­rück, fi­nan­ziert mit Bank­kre­di­ten. Das be­deu­tet Er­hö­hung der Ver­schul­dung bei der StEF, bei neu­em Aus­ga­ben­spiel­raum im Ver­wal­tungs­haus­halt der Stadt.

    3. Die Über­lei­tung vom Haus­halts­vo­lu­men zum ei­gent­li­chen Haus­halt be­deu­tet für Nicht­fach­leu­te ein un­durch­sich­ti­ges Zah­len­ge­flecht. Hier wer­den zum ei­nen Dop­pel­zäh­lun­gen bei Ein­nah­men und Aus­ga­ben be­rei­nigt (der Fach­mann sagt kon­so­li­diert) und zum an­de­ren be­son­de­re Fi­nan­zie­rungs­vor­gän­ge (Dar­le­hen, Til­gun­gen, Rück­la­gen u.ä.) ab­ge­bil­det. Al­les ist nach­voll­zieh­bar, be­darf aber ei­ni­ger Mü­hen und Rück­fra­gen.

    4. Der Er­mitt­lung des An­teils der Kom­mu­nen an der Ein­kom­men­steu­er liegt ein schein­bar kom­pli­zier­ter Re­chen­vor­gang zu Grun­de. Da al­le ge­zahl­ten Ein­kom­men­steu­ern (inkl. Lohn­steu­er, inkl. Ab­gel­tungs­steu­er) für al­le Ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen im­mer erst nach Jah­ren vor­lie­gen (nicht al­le Steu­er­pflich­ti­gen ge­ben ih­re Er­klä­rung gleich im Fol­ge­jahr ab), er­folgt die Er­mitt­lung der Schlüs­sel­zah­len für die Zu­ord­nung auf Kom­mu­nen

    - mit ei­nem Zeit­ver­zug von drei Jah­ren und
    – wird nur al­le drei Jah­re we­gen des Auf­wands ak­tua­li­siert.

    De­tails las­sen sich – et­was müh­sam – un­ter www.bundesfinanzministerium.de im In­ter­net fin­den. Dis­kus­si­ons­fä­hig sind die An­tei­le von 15% bzw. 12% für die Kom­mu­nen, d.h. die Fra­ge, ob die­se An­tei­le aus­rei­chend für die Er­le­di­gung ih­rer Auf­ga­ben sind.

    5. Ähn­lich wie bei den Steu­er­an­tei­len ver­hält es sich mit den zweck­frei­en und zweck­ge­bun­de­nen Zu­wei­sun­gen. Ih­re ex­ak­te Hö­he wird teil­wei­se erst sehr zeit­nah vor der Um­set­zung des Haus­halts­pla­nes fest­ge­legt. Hier han­delt es sich ver­mut­lich um ei­nen »Ge­stal­tungs­platz« der Po­li­tik der hö­he­ren fö­de­ra­len Ver­wal­tungs­stu­fen ggb. den Kom­mu­nen.

    6. Städ­ti­sche Schul­den­fal­le, das ist ein mar­kan­tes Stich­wort. Ob die Ver­schul­dung von Fürth in ei­ne Fal­le führt, das wird die Zu­kunft zei­gen. Denn was öf­fent­li­che Schul­den aus­lö­sen kön­nen, das se­hen wir der­zeit in Grie­chen­land, Spa­ni­en, Por­tu­gal usf. Und hier hat auch Fürth Hel­den­haf­tes voll­bracht. Der CSU-Stadt­rat und Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Dr. Joa­chim Schmidt for­mu­liert in sei­ner Haus­halts­re­de zum Etat 2012: »Seit Be­ginn Ih­rer Amts­zeit, Herr Dr. Jung, ha­ben sich die städ­ti­schen Schul­den ver­dop­pelt: von 180 Mil­lio­nen Eu­ro im Jah­re 2002 auf ak­tu­ell über 370 Mil­lio­nen Eu­ro! Noch nie wur­de, seit Sie OB sind, die Min­dest­zu­füh­rung zum Ver­mö­gens­haus­halt er­reicht!« (Fürth Amts­blatt vom 21. Dez. 2011, Sei­te 31).

    Hin­ter die­ser Ent­wick­lung steht u.a. der Stadt­rat. Er hat sie ab­seg­net, Jahr für Jahr. Wo­für die Gelder/Schulden in der Ver­gan­gen­heit ausgegeben/gemacht wur­den, dar­über be­rich­ten die Haus­hal­te der Ver­gan­gen­heit. Was nö­tig, was er­for­der­lich, was zweck­mä­ßig, was groß­zü­gig war, dar­über wird mög­li­cher­wei­se zu ele­gant Re­chen­schaft ab­ge­legt, von der Stadt, von der Pres­se. Kri­tisch wird es erst, wenn die Schul­den­fal­le die Men­schen auf die Stra­ße treibt, wie in Grie­chen­land und Spa­ni­en.

    7. Ver­mö­gens­haus­hal­te sind si­cher auch ein Spie­gel von Ent­schei­dun­gen frü­he­rer Jah­re. Viel­fach ent­schei­det die Qua­li­tät von Stra­ßen, Geh­stei­gen, Ge­bäu­den, In­fra­struk­tu­ren usf. über die in­stand­set­zungs­freie Nut­zungs­zeit. Aber das ist ein schwie­ri­ges Ka­pi­tel. Da gibt es Aus­schrei­bungs-vor­schrif­ten, in­di­vi­du­el­le und haus­halts­be­ding­te Prio­ri­tä­ten und Ein­schrän­kun­gen – ein Feld für Fach­leu­te und end­lo­se Dis­kus­sio­nen.

    8. Die Po­si­ti­on von Fürth in der Me­tro­pol­re­gi­on: Ein in­ter­es­san­tes The­ma mit zahl­rei­chen Fa­cet­ten. Wett­be­werb und Ar­beits­tei­lung mit den Nach­bar­städ­ten und Um­land­ge­mein­den be­stim­men u. a. hier das Ter­rain. Und da­bei geht es im­mer auch um Geld. Be­trach­tun­gen zum Haus­halt soll­ten hier­von aber zu­nächst ein­mal frei blei­ben.

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