Im Ant­litz die Ge­schich­te

8. Oktober 2010 | von | Kategorie: Der besondere Beitrag

Das Na­than­stift fei­ert heu­er sein 100-jäh­ri­ges Be­stehen. Zu die­sem An­laß wird Al­fred Na­than, der be­deu­ten­de Wohl­tä­ter Fürths, ge­wür­digt – mit ei­nem far­ben­fro­hen Mo­sa­ik aus Ge­sich­tern ge­bür­ti­ger »Na­tha­nier«. Am 23. Ok­to­ber 2010 um 11 Uhr wur­de das Mo­sa­ik im Ein­gangs­be­reich der neu­en Frau­en­kli­nik ent­hüllt. Au­ßer­dem er­schien ein Buch mit Bei­trä­gen der ehe­ma­li­gen Stadt­hei­mat­pfle­ge­rin Bar­ba­ra Ohm und an­de­ren. Mein ei­ge­ner Text spie­gelt im Fol­gen­den den Blick des Gra­fi­kers auf das Pro­jekt.

 
Vor­ge­schich­te

Ausstellungsplakat für »Andere Umstände« (Grafik: Armin Stingl)

Aus­stel­lungs­pla­kat für »An­de­re Um­stän­de« (Gra­fik: Ar­min Stingl)

Im Jahr 2007 zeig­te das Jü­di­sche Mu­se­um Fran­ken ei­ne von der Na­than­stif­tung ge­för­der­te Aus­stel­lung mit dem Ti­tel »An­de­re Um­stän­de«. »Am Bei­spiel des vor hun­dert Jah­ren ge­grün­de­ten Na­than­stifts«, hieß es im Ein­füh­rungs­text, »nä­hert sich die Son­der­aus­stel­lung den The­men Schwan­ger­schaft und Ge­burt im Spie­gel jü­di­scher und christ­li­cher Tra­di­tio­nen und kon­tra­stiert sie mit den Neue­run­gen des me­di­zi­ni­schen Zeit­al­ters. In ei­nem zwei­ten Teil er­in­nert die Aus­stel­lung an die jü­di­sche Stif­ter­fa­mi­lie Na­than: ›An­de­re‹, durch den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ein­ge­lei­te­te ›Um­stän­de‹, zwin­gen die letz­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­der 1938 in die Emi­gra­ti­on.«

Um die Be­deu­tung der Na­than­stif­tung für Fürth pla­stisch zu ver­an­schau­li­chen, wur­de ei­ne ca. fünf Me­ter brei­te, zwei Me­ter ho­he Rund­wand mit Ab­bil­dun­gen der­je­ni­gen ge­bür­ti­gen Na­than­stift­ler ein­ge­rich­tet, die dem Auf­ruf des Mu­se­ums ge­folgt wa­ren und ih­re Ba­by­fo­tos ein­ge­sandt hat­ten. »Die mei­sten Bil­der er­reich­ten das Jü­di­sche Mu­se­um Fran­ken aus Fürth und Um­ge­bung, ei­ni­ge aus Au­stra­li­en, den USA, Is­ra­el und Eng­land. Dar­un­ter sind auch Bil­der jü­di­scher Bür­ger, die Deutsch­land auf­grund na­tio­nal­so­zia­li­sti­scher Ver­fol­gung ver­las­sen muß­ten. Schwar­ze Leer­stel­len auf der Fo­to­wand ste­hen für die jü­di­schen ›Na­tha­nia­ner‹, die im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus de­por­tiert und er­mor­det wur­den.«

Rundwand und Karteikasten im Jüdischen Museum Franken (Foto: Armin Stingl)

Rund­wand und Kar­tei­ka­sten im Jü­di­schen Mu­se­um Fran­ken
(Fo­to: Ar­min Stingl)

Ge­mein­sam mit dem Ar­chi­tek­tur­bü­ro Koch er­hielt ich den Auf­trag zur Ge­stal­tung der Aus­stel­lung. Für die Prä­sen­ta­ti­on der Fo­tos wähl­te ich ein Ra­ster aus qua­dra­ti­schen Mo­du­len, die so­wohl für hoch- als auch quer­for­ma­ti­ge Bil­der ge­eig­net sind. Ei­ne an­de­re Mög­lich­keit wä­re zum Bei­spiel ei­ne »si­mu­lier­te« Pinn­wand ge­we­sen, die aber – ab­ge­se­hen da­von, daß sie sehr viel mehr Ar­beit be­deu­tet hät­te – wo­mög­lich ei­nen zu bun­ten, zu chao­ti­schen Ein­druck er­weckt hät­te. We­gen der ex­trem un­ter­schied­li­chen tech­ni­schen Qua­li­tät der Fo­tos ver­zich­te­te ich fer­ner auf ei­ne ori­gi­nal­ge­treue Wie­der­ga­be und glich sie ein­an­der an, in­dem ich sie in Schwarz­weiß um­wan­del­te, mit ei­nem dunk­len Farb­ton ein­färb­te und mit ei­nem pas­sen­den hel­len hin­ter­leg­te. Der Fo­to­wand wur­de ein Kar­tei­ka­sten bei­gestellt, der Na­me, Ge­burts­da­tum, Re­pro­duk­tio­nen der un­ver­frem­de­ten Fo­tos und schrift­li­che An­mer­kun­gen der Ein­sen­der ent­hielt.

Bei ei­nem Aus­stel­lungs­be­such wur­de die­se Fo­to­wand vom Chef­arzt der Frau­en­kli­nik Dr. Hanf und Herrn Sa­li­mi von der Öf­fent­lich­keits­ar­beit als de­ko­ra­ti­ve Mög­lich­keit (de­ko­ra­tiv im po­si­ti­ven Sinn) für den Neu­bau der Frau­en­kli­nik ent­deckt.

 
Gra­fi­sche Um­set­zung

Die­se neue, völ­lig an­de­re Raum­si­tua­ti­on im künf­ti­gen Ein­gangs­be­reich mach­te al­ler­dings ei­ni­ge Ver­än­de­run­gen er­for­der­lich. Es galt dort ei­ne sechs mal sie­ben Me­ter gro­ße Wand in ih­rer ge­sam­ten Flä­che zu be­spie­len. Die mei­sten der Fo­tos wür­de man nicht mehr be­quem in Au­gen­hö­he be­trach­ten kön­nen; bei ei­nem Be­trach­tungs­ab­stand von zehn Me­tern wür­de man von den oft vor viel Hin­ter­grund ab­ge­lich­te­ten Per­so­nen dann nichts mehr er­ken­nen.

Module im Größenvergleich (Grafik: Armin Stingl)

Mo­du­le im Grö­ßen­ver­gleich (Gra­fik: Ar­min Stingl)

Ich er­höh­te die Sei­ten­län­ge der Mo­du­le von 12 auf 30 cm, leg­te den Fo­kus auf die Ge­sich­ter und wähl­te ei­nen drei- bis vier­fach über­le­bens­gro­ßen Aus­schnitt. Zur bes­se­ren In­te­gra­ti­on des Mo­sa­iks in die Wand­flä­che und um dem er­schla­gen­den Ein­druck ei­nes rie­si­gen Ta­fel­bil­des ent­ge­gen­zu­wir­ken, rück­te ich die Bil­der et­was aus­ein­an­der und ließ in un­re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Leer­stel­len, die sich zum Rand hin häu­fen und ei­ne Aus­dün­nung des Mo­tivs be­wir­ken sol­len. So­mit ver­wan­del­ten sich nun die­je­ni­gen Stel­len, die ich im Jü­di­schen Mu­se­um als Platz­hal­ter für die er­mor­de­ten »Na­tha­nier« ge­schwärzt hat­te in – wenn man so will – das glat­te Ge­gen­teil: Leer­stel­len, die dar­auf war­ten, von künf­ti­gen Ge­nera­tio­nen ein­ge­nom­men zu wer­den. Such­te man ei­ne übers Prak­ti­sche hin­aus­ge­hen­de In­ter­pre­ta­ti­on, wä­re das ei­ne schö­ne, phil­an­thro­pi­sche Les­art; aus­schlag­ge­bend für die wei­ßen Lö­cher wa­ren aber tat­säch­lich rein äs­the­ti­sche Er­wä­gun­gen.

Weil ei­ne Zu­ord­nung von Fo­tos und Na­men mit ei­nem zu­sätz­li­chen Kar­tei­ka­sten »in si­tu« nicht mög­lich war, ver­sah ich die Bil­der de­zent mit Na­men und Ge­burts­da­tum. Au­ßer­dem wür­de ei­ne »Le­gen­de« in Au­gen­hö­he an­ge­bracht wer­den, die ei­ne Zu­ord­nung, wenn auch lei­der mit ei­ner ge­wis­sen An­stren­gung, er­mög­licht. Et­wai­ge Ti­tel ließ ich still­schwei­gend, aber mit vol­ler Ab­sicht weg: kein Mensch wird als Dok­tor oder Pro­fes­sor ge­bo­ren; eben­so un­ter­schlug ich das Ster­be­da­tum der­je­ni­gen, die nicht mehr un­ter uns wei­len: Nie­mand soll­te an die­sem Ort, der sei­ne Exi­stenz dem Wer­den und Ge­bo­ren­wer­den ver­dankt, die glanz­lo­se Rück­sei­te der Me­dail­le se­hen müs­sen.

eingereichtes Kinderbild (Foto: privat)

ein­ge­reich­tes Kin­der­bild (Fo­to: pri­vat)

Wie schon bei der »Mu­se­ums­wand« wa­ren die Fo­tos tech­nisch ge­se­hen oft von – zwangs­läu­fig – min­de­rer Qua­li­tät. Auch dies­mal wan­del­te ich al­le Bil­der in schwarz­weiß um und ließ au­ßer­dem über die schar­fen, al­so die »zu bril­lan­ten«, ei­nen Un­schär­fe-Fil­ter lau­fen, da­mit sie sich nicht all­zu sehr von den un­schar­fen un­ter­schie­den. Zu­sätz­lich er­höh­te ich dies­mal den Kon­trast und ver­sah sie mit ei­nem ex­trem gro­ben Ra­ster, der sich al­ler­dings – je wei­ter man sich da­von ent­fernt – op­tisch in ein Halb­ton­bild »zu­rück­ver­wan­delt«. Die­sen »Trick« ha­be ich üb­ri­gens bei ähn­lich pro­ble­ma­ti­schen Ma­te­ri­al­la­gen schon öf­ter an­ge­wen­det, noch nie aber als kon­sti­tu­ie­ren­des Stil­mit­tel. Auch hat­te ich bis­her noch nie aus ei­nem schar­fen Fo­to – aus äs­the­ti­schen Grün­den wohl­ge­merkt! – ein un­schar­fes ge­macht.

Um ei­nen le­ben­di­gen, op­ti­mi­sti­schen Ein­druck zu evo­zie­ren, er­setz­te ich Schwarz und Weiß durch Pa­stell­tö­ne und kräf­ti­ge Tö­ne aus dem je­weils glei­chen Farb­spek­trum. Da­bei muß­te der Kon­trast­ab­stand ei­ner­seits groß ge­nug sein, um das Mo­tiv deut­lich her­vor­tre­ten las­sen, an­de­rer­seits klein ge­nug, um ei­ne mo­no­chro­me grü­ne, blaue, ro­te usw. Farb­flä­che zu er­zie­len.

 
Ein (Kunst)Werk oh­ne Künst­ler

eingereichtes Kinderbild (Foto: privat)

ein­ge­reich­tes Kin­der­bild (Fo­to: pri­vat)

Es gibt vie­les, was mir an die­sem Auf­trag sehr ge­fal­len hat. Am mei­sten die gleich­sam or­ga­ni­sche Ent­ste­hungs­wei­se die­ser »Ar­beit«, wie man so et­was im Kunst­jar­gon nennt – vor­aus­ge­setzt, es stammt von aus­ge­wie­se­ner Künst­ler­hand. Am An­fang stand bei die­sem Pro­jekt eben nicht die Fra­ge: Hier ha­ben wir ei­ne lee­re Wand, au­ßer­dem müs­sen wir noch ein biß­chen Geld für »Kunst am Bau« aus­ge­ben – was ma­chen wir da­mit?

Mit noch so­viel Hirn­schmalz und krea­ti­vem Brain­stor­ming hät­te man kei­ne bes­se­re Idee ent­wickeln kön­nen. Sie ist so ein­fach wie ge­ni­al und ich scheue mich, sie über­haupt als Idee zu be­zeich­nen: Die Ver­bin­dung des Orts mit je­nen Men­schen, die aus ihm her­vor­ge­gan­gen sind. Denn ge­nau dar­in be­steht ja sei­ne Auf­ga­be: Lau­ter mun­te­re klei­ne Für­ther in die Welt zu set­zen...

Farbkonzept für die Mosaikwand im Klinikum (Grafik: Armin Stingl)

Farb­kon­zept für die Mo­sa­ik­wand im Kli­ni­kum (Gra­fik: Ar­min Stingl)

Die kon­kre­te Her­stel­lung des Mo­sa­iks folg­te im Grun­de lau­ter simp­len Not­wen­dig­kei­ten. Ei­ne Men­ge klei­ner, haupt­säch­lich for­ma­ler Ent­schei­dun­gen hat zu ei­nem ganz be­stimm­ten, im Rück­blick ge­ra­de­zu zwangs­läu­fi­gen Er­geb­nis ge­führt:

Ganz am An­fang stand die Idee von Da­nie­la Ei­sen­stein, der Lei­te­rin des Jü­di­schen Mu­se­ums: Ei­ne Vi­sua­li­sie­rung, um die Be­deu­tung des Stifts zu ver­an­schau­li­chen; dann die gei­sti­ge Trans­fer­lei­stung, die Fo­to­wand »zweck­ent­frem­det« ein­zu­set­zen; wei­ter­hin die An­pas­sung an die neue Raum­si­tua­ti­on und zu gu­ter Letzt die ar­chi­tek­to­ni­sche Um­set­zung durch An­dre­as Pietsch, der mir üb­ri­gens nicht nur bei den tech­ni­schen, son­dern auch bei al­len ge­stal­te­ri­schen De­tail­fra­gen zur Sei­te stand.

Es kommt mir fast so vor, als wä­re das Mo­sa­ik wie von selbst ent­stan­den und ich hät­te sei­ner Ent­ste­hung le­dig­lich bei­gewohnt, ver­gleich­bar der wohl­wol­len­den Be­glei­tung und Be­ob­ach­tung ei­nes Kin­des (oder an­de­ren Le­be­we­sens), das, ob­zwar sein Ur­sprung durch ei­ne mi­ni­ma­le Ak­ti­on ge­setzt sein mag, im Gro­ßen und Gan­zen doch aus sich selbst her­aus wächst und ge­deiht.

 
Ei­ne Men­ge Men­schen – ei­ne Men­schen­men­ge

Fotomontage mit den tatsächlich verwendeten Bildern (Grafik: Armin Stingl)

Fo­to­mon­ta­ge mit den tat­säch­lich ver­wen­de­ten Bil­dern
(Gra­fik: Ar­min Stingl)

Die alt­backe­nen und fri­schen Vä­ter, die wer­den­den und ge­wor­de­nen Müt­ter, die Be­su­cher wer­den hier von ei­ner re­gel­rech­ten Men­schen­men­ge be­grüßt, der es of­fen­sicht­lich ge­lun­gen ist, das Licht der Welt zu er­blicken und die sich, wie man an den Bil­dern der Äl­te­ren sieht, zu­min­dest ei­ne ge­wis­se Zeit lang er­folg­reich in ihr be­haup­tet hat. Trifft man nor­ma­ler­wei­se auf der­ar­ti­ge Rei­hun­gen von Na­men und Ge­sich­tern, hat man es meist mit Din­gen zu tun, die we­ni­ger er­freu­li­che Ge­füh­le in uns her­vor­ru­fen: mit Krie­ger­denk­mä­lern, Ho­lo­caust-Ge­denk­stät­ten und exi­sten­ti­el­len, mit­un­ter schockie­ren­den Kunst­wer­ken, zum Bei­spiel de­nen von Chri­sti­an Bol­t­an­ski. Im­mer lie­gen ih­nen Er­eig­nis­se zu Grun­de, bei de­nen vie­le Men­schen ums Le­ben ge­kom­men sind, meist im glei­chen Atem­zug, oft als na­men- und schick­sals­lo­se, ent­in­di­vi­dua­li­sier­te Op­fer ei­nes Un­glücks oder Ver­bre­chens. Ich hof­fe ehr­lich, daß die­se An­samm­lung von Ge­sich­tern kei­ne der­ar­ti­gen, son­dern aus­nahms­wei­se ein­mal nur po­si­ti­ve Ge­füh­le her­vor­ruft.

216 Men­schen­bil­der blicken ei­nem ent­ge­gen, Men­schen, die, wenn sie al­le ein­mal zu Per­so­nen ge­wor­den sind, hof­fent­lich ihr Po­ten­ti­al aus­zu­schöp­fen ver­moch­ten bzw. in Zu­kunft noch ver­mö­gen. Wei­te­ren 92 Por­träts be­geg­net man in den Gän­gen und War­te­be­rei­chen der Frau­en­kli­nik, al­ler­dings in klei­nen, leich­ter über­schau­ba­ren Grup­pen. Der Ein­druck dort wird si­cher ein an­de­rer sein, ein sehr viel in­di­vi­du­el­le­rer.

 
Me­lan­cho­li­sche Schluß­be­trach­tung

Den Fo­to-Ein­sen­dun­gen war oft ei­ne kur­ze No­tiz bei­gelegt, die ich teils mit Rüh­rung ge­le­sen ha­be (»Hier ein Bild, als ich noch jung und schön war.«). Wenn mich bei der Ar­beit am Com­pu­ter ein Ge­sicht aus dem Mo­ni­tor her­aus an­strahl­te, lä­chel­te ich un­will­kür­lich zu­rück. Manch­mal spür­te ich aber auch ei­ne ge­wis­se Weh­mut.

eingereichtes Kinderbild (Foto: privat)

ein­ge­reich­tes Kin­der­bild
(Fo­to: pri­vat)

Es kommt nicht oft vor, daß man als – wie man frü­her sag­te – Ge­brauchs­gra­fi­ker, der haupt­säch­lich Pro­duk­te ge­stal­tet, die nach ei­ner Wo­che im Pa­pier­korb lan­den oder bald schon wie­der aus dem Netz ver­schwun­den sind, die Ge­le­gen­heit er­hält, an et­was Be­stän­di­ge­rem mit­zu­wir­ken, an et­was, das ei­nen wo­mög­lich selbst über­le­ben wird. Schließ­lich be­stehen die ein­zel­nen Mo­sa­ik­tei­le aus 2 mm star­kem Stahl­blech und ei­ner 1 mm dicken Email­le-Schicht – lich­techt, säu­re­fest, al­les in al­lem un­ver­wüst­lich, so­fern man sie nicht mit ei­nem Ham­mer mut­wil­lig zer­stört. Wenn sie nicht ir­gend­wann ein­mal ein­ge­stampft und ein­ge­schmol­zen wer­den, könn­ten sie oh­ne wei­te­res die mo­men­ta­ne Mensch­heit über­dau­ern und – wenn man den Ge­dan­ken wei­ter­spinnt – von ei­ner künf­ti­gen ent­deckt wer­den, der die Ta­feln zu al­ler­lei Spe­ku­la­tio­nen An­laß ge­ben könn­ten. (»Sind die et­wa we­gen die­ser merk­wür­di­gen ra­ster­för­mi­gen Pocken aus­ge­stor­ben?«)

Nichts währt ewig. Ich für mei­nen Teil trö­ste mich mit der Phan­ta­sie, daß aus­ge­rech­net die Ta­fel mit mei­nem ei­ge­nen Kon­ter­fei in hun­dert Jah­ren im Frei­zeit­kel­ler je­nes Hand­wer­kers lan­det, der mich – aus Grün­den, die ich mir heu­te noch nicht vor­stel­len mag – ab­mon­tiert hat, dem ich je­doch zu scha­de zum Weg­schmei­ßen war. Mein Ant­litz wä­re wo­mög­lich noch ver­schö­nert von ei­ner Pa­ti­na oder ei­nem Craque­lé-Ef­fekt, der von den Pfei­len her­rührt, die beim Spickern da­ne­ben ge­gan­gen sind...

 
Ar­min Stingl ist Frei­er Gra­phi­ker, Für­ther aus Lei­den­schaft und selbst ein »Na­tha­nier«.

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10 Kommentare zu »Im Ant­litz die Ge­schich­te«:

  1. Der Ver­ein Me­di­en PRAXIS e.V. dreht der­zeit ei­ne TV-Do­ku­men­ta­ti­on zum 100-jäh­ri­gen Be­stehen des Na­than­stifts. Die Ent­ste­hung des be­schrie­be­nen Mo­sa­iks kommt dar­in auch vor. Ob­wohl der Aus­strah­lungs­ter­min der Pro­gramm­vor­schau zu ent­neh­men sein wird, darf ich hier schon den Sonn­tag, den 31. Ok­to­ber 2010 als ge­plan­ten Ter­min der Erst­aus­strah­lung ver­ra­ten...

     
    Nach­trag vom 3. De­zem­ber 2010:

    Der knapp halb­stün­di­ge Film ist ist in­zwi­schen im Han­del er­hält­lich, Be­zugs­quel­len sie­he hier.

  2. Wäh­rend Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald von der Me­di­en PRAXIS der­zeit in­ten­siv an ih­rem Do­ku­men­tar­film über die Ge­schich­te des Na­than­stifts ar­bei­ten, su­che ich als ihr ge­wähl­tes Ver­eins­ober­haupt fie­ber­haft nach einem/einer an der Me­di­en­ar­beit in­ter­es­sier­ten Vor­stands-Kol­le­gen/-Kol­le­gin. Nä­he­res da­zu füh­re ich im Blog der Me­di­en PRAXIS aus...

  3. [...] den Na­men Na­than­stift tra­gen. Für den Ein­gangs­be­reich hat der Gra­fi­ker Ar­min Stingl ein Fo­to­mo­sa­ik ent­wor­fen. Der Film por­tai­tiert den Men­schen Al­fred Na­than und sein se­gens­rei­ches Han­deln für die Stadt Fürth und [...]

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