Ein Lob für den sozialen Wohnungsbau in Fürth – oder lieber nicht?

14. Januar 2018 | von | Kategorie: Politik

Lob oder Tadel, darum ging es unter anderem in der letzten Sitzung des Stadtrates im abgelaufenen Jahr am 20. Dezember 2017. Das Fürther So­zial­fo­rum hatte zu diesem Thema einen offenen Brief an den Ober­bür­ger­mei­ster, den Aufsichtsratsvorsitzenden der WBG und die Fraktionen im Stadtrat sowie die Fürther Nach­rich­ten ge­rich­tet. Darin wurde auch um Hilfe für eine direkt betroffene Familie gebeten.

Etikettenschwindel entlarvt: Das Sozialforum bei einer Demo (Foto: Marion Denk)

Etikettenschwindel entlarvt: Das Sozialforum bei einer Demo
(Foto: Marion Denk)

Als Antwort darauf wurde dem So­zial­fo­rum und den FN vom OB die Pres­se­in­for­ma­tion »Aktuelle Fakten zur Mie­ter­woh­nungs­si­tua­tion in Fürth« übergeben. Die Er­läu­te­rung schließt mit den Worten: »Selbstverständlich kann und soll das Fürther Sozialforum Missstände kri­ti­sie­ren. Aber die vorbildliche Woh­nungs­bau­po­li­tik der Stadt Fürth mit dem niedrigsten Mietniveau und den wenigsten Woh­nungs­su­chen­den im Stadtgebiet an­zu­pran­gern, statt das En­ga­ge­ment der Stadt, der Bau­ge­nos­sen­schaf­ten und weiterer Bauträger an­zu­er­ken­nen, ist schwer nach­voll­zieh­bar.«

So einfach ist die Sache aber wirklich nicht. Bei ge­nau­e­rem Durchlesen der »Fakten« wird schnell klar, dass hier fahrlässig mit Zahlen und Begriffen jongliert und durch Schönfärberei der dringende Han­dlungs­be­darf vertuscht wird. Das Sozialforum hat daher mit einem zweiten offenen Brief geantwortet, in dem die »Fakten« ohne Schön­fär­bung aufgezeigt werden.

Der beste Beweis dafür, dass es auch in Fürth Verbesserungen gäbe, die nicht genutzt werden, ist die Ablehnung des Antrags der GRÜNEN, bei der Ge­neh­mi­gung von Bauprojekten eine Mindestquote von 25 % der vorgesehenen Wohn­bau­flä­chen für den geförderten Miet­woh­nungs­bau vorzuschreiben. Selbst unsere Nach­bar­städte Erlangen und Nürnberg haben vergleichbare Regelungen längst eingeführt.

Auf den Vorwurf des Sozialforums, dass von der WBG Tochter »Wohnfürth« auf den wenigen Grundstücken, die noch in städtischem Besitz sind, keine So­zial­woh­nun­gen, sondern ausschließlich Ei­gen­tums­woh­nun­gen gebaut werden, wird in der Presseinformation gar nicht erst eingegangen. Das Sozialforum bestreitet in seinem Brief nicht, dass auch die WBG Anstrengungen für bezahlbaren Wohn­raum unternommen hat, un­ter­streicht aber noch einmal: Bezahlbarer Wohn­raum ist Daseinsvorsorge und darf nicht für den Profit missbraucht werden! Zu­sam­men­fas­send wird für Un­vor­ein­ge­nom­me­ne – meiner Ansicht nach – leicht nach­voll­zieh­bar, warum das Sozialforum nicht in das offizielle Fürther Eigenlob einfallen will.

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4 Kommentare zu »Ein Lob für den sozialen Wohnungsbau in Fürth – oder lieber nicht?«:

  1. Ute Schlicht sagt:

    Bezahlbarer Wohnraum wird in Fürth m.E. nicht nur durch fehlende Neubauwohnungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus knapp, sondern auch durch Umwidmung von Wohnungen in bezahlbarer Lage in Ferienwohnungen, Monteurzimmer, etc…

    Eine Statistik (mit Lageplan) über solche Umwidmungen im Fürther Stadtgebiet in den letzten 10-15 Jah­ren wäre sicherlich – nicht nur hinsichtlich des OB-Statements – interessant.

  2. Peter A. Lefrank sagt:

    Ich werde den Hinweis gern direkt ans Sozialforum weiter leiten. Vielen Dank!

  3. Ute Schlicht sagt:

    … aus aktuellem Anlass ein besonders (un-)schönes Beispiel der »Wohnungs(aus)bauverhinderung« in Fürth: In der letzten Sitzung des Bau- und Werkausschusses wurde – laut Sitzungsvorlage, die im In­ter­net einzusehen ist – doch tatsächlich dem BWA empfohlen, GEGEN eine Genehmigung von Woh­nun­gen in einem Haus an der (realen! ;-)) Fürther Freiheit zu stimmen. Als Begründung wurden mögliche An­woh­ner­be­schwer­den wegen häufig stattfindender Events auf dem Platz genannt.

    (»Netterweise« führt man das Beispiel Gustavstraße in der Begründung an … wobei schon ein gewisser Zusammenhang besteht: – aber: dort veräppelte man erst die Hauskäufer und Mieter mit einem Be­bau­ungs­plan, den die Stadt Fürth nun ändern will, in der Hoffnung, die Anwohner und Hausbesitzer möchten dazu schweigen und/oder sich, samt ihrer berechtigten Beschwerden, »in Luft auflösen«; an der Freiheit vermeidet man wohl lieber »unangenehme«, weil – notwendigerweise – auch hin und wieder Ruhe suchende, Bewohner gleich von Anfang an.)

    Studiert man nun aber den Bauplan des Hauses an der Fürther Freiheit genauer, könnte man sich noch eine andere – nicht erwähnte – Begründung denken: In diesem Haus soll wohl in Zukunft (tägliche?) »Verkostung« (samt angrenzender Freischankfläche) angeboten werden.

    Die Empfehlung an den Ausschuss verstehe ich so: Wo Gastronomie (im weitesten Sinne) sich aus­brei­ten will, hat Wohnen wenig bzw. keine Chancen. Das kann noch »lustig« werden ….

  4. Ute Schlicht sagt:

    … ja, nun ist das »Kätzchen« aus dem Sack gesprungen: Die FN berichten nun, dass der Laden in dem oben erwähnten Gebäude nun eine nagelneue Gastro-Erlaubnis erhalten hat. Man darf sich auf die wei­te­re Entwicklung freuen … falls man mehr Interesse an Events als an der Schaffung von in­ner­städ­ti­schem Wohnraum hat.

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