»Die Mie­ten müs­sen wei­ter stei­gen!«

9. April 2014 | von | Kategorie: Politik

Knapp drei­ßig Men­schen lie­fen bei be­stem Wet­ter von der be­leb­ten In­nen­stadt in die Für­ther Süd­stadt. Im Ge­päck hat­ten sie Trans­pa­ren­te, Schil­der, Mas­ken, Sekt und Mu­sik. Ihr Ziel: Ei­ne Mu­ster­woh­nung mit 66,00 m² Wohn­raum, die für knapp 200.000 € ver­kauft wer­den soll. Al­ler­dings han­del­te es sich bei den Be­su­che­rIn­nen nicht um sol­che, die sich tat­säch­lich für die Im­mo­bi­lie in­ter­es­sier­ten. Es wa­ren Ak­ti­vi­stIn­nen aus dem »Für­ther So­zi­al­fo­rum«, wel­che auf stei­gen­de Mie­ten und Zwangs­räu­mun­gen auf­merk­sam ma­chen woll­ten und für be­zahl­ba­ren Wohn­raum ein­tre­ten. Die Ak­ti­on vom 30. März fan­den al­ler­dings nicht al­le Be­tei­lig­ten lu­stig.

»Fette-Mieten-Party« in der Fürther Südstadt (Foto: Timo Müller)

»Fet­te-Mie­ten-Par­ty« in der Für­ther Süd­stadt
(Fo­to: Ti­mo Mül­ler)

Die Im­mo­bi­li­en­fir­ma »P&P Grup­pe Bay­ern« be­wirbt die Woh­nung im In­ter­net mit ei­nem »ver­kehrs­be­ru­hig­ten Be­reich«, dem »großzügige[n] Stadt­park« und der »gu­ten Ver­kehrs­an­bin­dung«. Die La­ge ist gut, der Preis aber vie­len zu hoch und nicht be­zahl­bar. Um auf die kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­den Mie­ten auf­merk­sam zu ma­chen, or­ga­ni­sier­te das »Für­ther So­zi­al­fo­rum« (So­Fo) ei­ne »Fet­te-Mie­ten-Par­ty«. So wer­den sa­ti­ri­sche Ak­tio­nen ge­nannt, bei de­nen meh­re­re Men­schen in schicker Klei­dung und Par­ty­stim­mung un­an­ge­mel­det zu ei­ner Woh­nungs­be­sich­ti­gung er­schei­nen und mit Schil­dern, Flug­blät­tern, Mu­sik und Sekt auf ho­he Mie­ten auf­merk­sam ma­chen. In ganz Deutsch­land ist das The­ma ak­tu­ell, im­mer wie­der wer­den Häu­ser und Woh­nun­gen lu­xus­sa­niert. Die Fol­ge: Die frü­he­ren Be­woh­ne­rIn­nen müs­sen aus­zie­hen, sie kön­nen die Mie­ten nicht mehr be­zah­len.

»So vie­le Leu­te pas­sen hier gar nicht rein!«, sag­te der Ve­tre­ter der Im­mo­bi­len­fir­ma und war sicht­lich von der Si­tua­ti­on über­for­dert. Die rund drei­ßig So­Fo-Ak­ti­vi­stIn­nen ström­ten in die Drei­zim­mer­woh­nung und lie­ßen sich auf den So­fas und Stüh­len nie­der. Aus dem mit­ge­brach­ten Bo­xen dröhn­te Par­ty­mu­sik, Luft­schlan­gen wur­den ver­pu­stet und Schil­der in die Luft ge­hal­ten. Sa­ti­ri­sche State­ments wie »Schützt die Ka­pi­tal­an­la­gen« und »Weg mit dem Ge­sin­del« war dar­auf zu le­sen. Die bei­den P&P- Mit­ar­bei­ter la­sen die Schil­der und wuss­ten noch nicht so ganz, wie sie die Si­tua­ti­on ein­schät­zen soll­ten. Die For­de­run­gen »Zwangs­räu­mun­gen ver­hin­dern« und »Mie­ten müs­sen be­zahl­bar blei­ben« sind auf an­de­ren Schil­dern zu le­sen. »Es ist ei­ne klei­ne nicht- ernst­ge­mein­te Ak­ti­on«, klär­te ei­ne Ak­ti­vi­stin des So­Fo die bei­den Mit­ar­bei­ter auf. Je­mand aus den Rei­hen des So­zi­al­fo­rums hat­te ex­tra ei­nen Blu­men­strauß und Sekt für die P&P‑Leute mit­ge­bracht. An­neh­men woll­ten sie die Blu­men nicht, und ver­such­ten der­weil ein Fern­seh­team aus der Woh­nung zu drän­gen. Wäh­rend­des­sen be­setz­ten an­de­re den Bal­kon und war­fen ei­ge­ne Trans­pa­ren­te über die Bal­kon­brü­stung. »Die Mie­ten stei­gen im­mer wei­ter an, es gibt des­halb im­mer we­ni­ger be­zahl­ba­ren Wohn­raum für Ge­ring­ver­die­ner, Stu­den­ten und Rent­ner«, sagt Ste­phan Stadlbau­er, Spre­cher des So­Fo.

Sekt für alle in der Musterwohnung (Foto: Timo Müller)

Sekt für al­le in der Mu­ster­woh­nung (Fo­to: Ti­mo Mül­ler)

Nach ei­ner gu­ten Vier­tel­stun­de war die Ak­ti­on wie­der vor­bei. Die un­ge­be­te­nen Be­su­che­rIn­nen räum­ten die am Bo­den lie­gen­den Luft­schlan­gen und wei­te­re mit­ge­brach­te De­ko­ra­ti­on wie­der auf und zo­gen sich zu­rück. »Das war ei­ne su­per Sa­che, wir ha­ben auf un­se­re In­hal­te auf­merk­sam ge­macht« meint Stadlbau­er und freut sich über die ge­lun­ge­ne Ak­ti­on, die auch im Haus bei den an­de­ren Mie­te­rIn­nen nicht un­be­merkt blieb. Den bei­den P&P‑Mitarbeitern war die Er­leich­te­rung deut­lich an­zu­se­hen. »Es wä­re ja kein The­ma ge­we­sen, wenn ihr euch an­ge­mel­det hät­tet« sag­te ei­ner der bei­den, ob sie die »Fet­te-Mie­ten-Par­ty« dann hät­ten durch­ge­hen las­sen, lie­ßen sie un­be­ant­wor­tet. Für sie war ihr Ar­beit­ge­ber aber nicht die rich­ti­ge Adres­se, der Pro­test müs­se sich an al­le Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men rich­ten. Das Für­ther So­zi­al­fo­rum möch­te nach der er­sten Par­ty wei­te­re the­ma­ti­sche Ak­tio­nen fol­gen las­sen. Im Mai or­ga­ni­siert das So­zi­al­fo­rum ei­ne ei­ge­ne Ak­ti­on im Rah­men der »Blockupy«-Aktionstage.

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3 Kommentare zu »»Die Mie­ten müs­sen wei­ter stei­gen!««:

  1. Manu sagt:

    Gu­te Ak­ti­on!

    Man soll­te ei­ne Se­rie dar­aus ma­chen. Denn die Woh­nung, die hier her­aus­ge­pickt wur­de, war ja ge­ra­de­zu ein Schnäpp­chen im Ver­gleich zu dem, was man Se­nio­ren an­dre­hen will: Man kann in Fürth näm­lich mitt­ler­wei­le schon 69-qm-Se­nio­ren-Woh­nun­gen für 266.000 Eu­ro kau­fen (»Hop­fen­gär­ten«).

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