Lud­wig Er­hard und Fürths Vä­ter des Wirt­schafts­wun­ders in der NS-Zeit

8. März 2016 | von | Kategorie: Der besondere Beitrag

Lud­wig Er­hard, dem zu Leb­zei­ten die Eh­ren­bür­ger­wür­de in Fürth ver­wehrt wur­de, wird der­zeit ein nach ihm be­nann­tes Zen­trum er­rich­tet. Nach­dem ich im Jah­re 2013 mein Ent­set­zen über die Er­geb­nis­se des Ar­chi­tek­ten­wett­be­wer­bes für das Lud­wig-Er­hard-Zen­trum ar­ti­ku­liert hat­te, wur­de ich von ver­schie­de­nen Sei­ten auf Ar­chiv­fund­stücke zu Er­hards Rol­le in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus auf­merk­sam ge­macht.

Ludwig Erhard als Wirtschaftsminister im Jahre 1963 (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F015320-0001 / Patzek, Renate / CC-BY-SA 3.0)

Lud­wig Er­hard als Wirt­schafts­mi­ni­ster im Jah­re 1963
(Fo­to: Bun­des­ar­chiv, B 145 Bild-F015320-0001 / Pat­zek, Re­na­te / CC-BY-SA 3.0)

Drei Vä­ter

Drei gro­ße Na­men wer­den in Fürth mit dem so­ge­nann­ten Wirt­schafts­wun­der ver­bun­den: Max Grun­dig, Gu­stav Schicke­danz und na­tür­lich Lud­wig Er­hard. Vor dem Wun­der stan­den ei­ne Ge­walt­herr­schaft und ein Krieg. Grun­dig wur­de am Ta­ge vor des­sen En­de 37 Jah­re alt, Schicke­danz war 50, Lud­wig Er­hard 48 Jah­re alt, so­mit schon da­mals kei­ne Män­ner oh­ne Ver­gan­gen­heit. Es ist na­he­lie­gend, Fra­gen zu de­ren Ver­hal­ten wäh­rend der NS-Zeit zu stel­len.

Re­la­tiv ein­fach lie­gen die Din­ge noch bei Grun­dig. Er war nie NSDAP-Mit­glied, pro­du­zier­te aber in der Kriegs­zeit in­di­rekt für die Wehr­macht und be­schäf­tig­te Zwangs­ar­bei­ter, die ihm bei­spiels­wei­se von der AEG zu­ge­teilt wur­den. Ei­ne Ba­racke die­ser Zwangs­ar­bei­ter ist im Orts­teil Vach noch zu se­hen. Nach ei­ge­nen An­ga­ben ver­sorg­te er die Zwangs­ar­bei­ter mit Son­der­ra­tio­nen, nach dem Ein­zug der Ame­ri­ka­ner blie­ben sie frei­wil­lig noch ei­ni­ge Zeit in Vach, wo Grun­dig sei­ner­zeit pro­du­zier­te. Ge­gen­tei­li­ges ist nicht be­kannt und kann da­mit auch nicht be­haup­tet wer­den.

Wei­ßer geht´s nicht?

»Stolperstein« Schickedanz (Foto: Alexander Mayer)

»Stol­per­stein« Schicke­danz (Fo­to: Alex­an­der May­er)

Deut­lich kri­ti­scher wird es schon bei Schicke­danz. Auch »Schöll­gens Per­sil­wä­sche«, die viel kri­ti­sier­te Bio­gra­phie des re­nom­mier­ten Er­lan­ger Hi­sto­ri­kers Gre­gor Schöll­gen, konn­te die brau­nen Flecken auf der We­ste von Schicke­danz nicht rand­los aus­wa­schen. Er trat noch vor Hit­lers »Macht­er­grei­fung« der NSDAP bei, war NSDAP-Stadt­rat und pfleg­te den Um­gang mit NS-Grö­ßen wie Ju­li­us Strei­cher. Zwi­schen 1933 und 1938 bau­te Schicke­danz sein Fir­men- und Pri­vat­ei­gen­tum aus. Die Im­mo­bi­li­en und Un­ter­neh­men, die Schicke­danz zwi­schen 1933 und 1938 er­warb, hat­ten zu­vor durch­wegs jü­di­sche Be­sit­zer, auch für sei­ne Er­wer­bun­gen wäh­rend des Krie­ges galt dies über­wie­gend. Um­strit­ten ist da­bei, ob und in­wie­weit er die Not­la­ge der jü­di­schen Be­sit­zer aus­nutz­te, vor al­lem, ob er re­el­le Prei­se für die Un­ter­neh­men und Im­mo­bi­li­en zahl­te. Wenn­gleich Schicke­danz En­de 1945 Be­rufs­ver­bot er­hielt, als Hilfs­ar­bei­ter zwangs­ver­pflich­tet wur­de und der Kla­ge­schrift zu­fol­ge von sei­nem mit 9,3 Mil­lio­nen Mark be­wer­te­ten Be­sitz über 7 Mil­lio­nen aus ur­sprüng­lich jü­di­schem Ei­gen­tum stamm­ten, wur­de er von der Haupt­spruch­kam­mer le­dig­lich als Mit­läu­fer ein­ge­stuft. 41 Zeu­gen und auch Lud­wig Er­hard hat­ten zu sei­nen Gun­sten aus­ge­sagt.

Selbst wenn Schicke­danz bei sei­ner Ein­kaufs­tour fai­re Prei­se ge­zahlt ha­ben soll­te, so hat er mit sei­ner NSDAP-Mit­glied­schaft den »Ari­sie­rungs«-Druck so­wie die Ver­trei­bung und De­por­ta­ti­on gut­ge­hei­ßen, durch den die frag­li­chen Fir­men und Lie­gen­schaf­ten über­haupt erst zum Ver­kauf ka­men. Ab­ge­se­hen da­von war es in Fürth aus­weis­lich bei­spiels­wei­se der Me­moi­ren von Da­ni­el Lot­ter seit 1942 be­kannt, wel­chem Schick­sal die jü­di­schen Bür­ger zu­ge­führt wur­den. Mit­glie­der der NSDAP ha­ben dies al­les schon al­lei­ne mit ih­rer Par­tei­mit­glied­schaft nicht nur still­schwei­gend, son­dern be­ken­nend ge­bil­ligt.

Über­va­ter Lud­wig Er­hard

Das elterliche Geschäft Wilh. Erhard, hier von der Gartenstraße aus gesehen (Foto: Postkarte, Sammlung A. Mayer)

Das el­ter­li­che Ge­schäft Wilh. Er­hard, hier von der Gar­ten­stra­ße aus ge­se­hen (Fo­to: Post­kar­te, Samm­lung A. May­er)

Es gab sehr vie­le Vä­ter und Müt­ter des Wirt­schafts­wun­ders, zwei her­aus­ra­gen­de wur­den schon ge­nannt. Wie sieht es nun mit Lud­wig Er­hard selbst aus, dem al­lei­ne die­ser Ti­tel ganz of­fi­zi­ell zu­er­kannt wird? Die Fra­ge ist schwie­rig zu be­ant­wor­ten, weil bei kei­nem an­de­ren so viel pu­bli­zi­sti­scher Auf­wand be­trie­ben wur­de und wird, sein Wir­ken in der NS-Zeit in ei­nem mil­den Licht, ja so­gar als Wi­der­stand dar­zu­stel­len. Im fol­gen­den be­zie­he ich mich haupt­säch­lich auf ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der For­schungs­er­geb­nis­se von Chri­sti­an Ger­lach, Pro­fes­sor für Neu­este Ge­schich­te und Zeit­ge­schich­te am Hi­sto­ri­schen In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Bern.

1925 be­en­de­te Er­hard sein wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um und nach der Ab­wick­lung des in­sol­ven­ten el­ter­li­chen Be­trie­bes in Fürth trat er in das »In­sti­tut für Wirt­schafts­be­ob­ach­tung der Deut­schen Fer­tig­wa­re« (IfW) in Nürn­berg ein. Dort hat­te er bis 1942 zu­meist füh­ren­de Po­si­tio­nen in­ne. In sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­trat er da­mals kei­ne li­be­ra­le Po­stio­nen, er for­der­te staat­li­che Ein­grif­fe auf den Wirt­schafts­pro­zess, denn in ei­nem »un­ge­zü­gel­tem Ka­pi­ta­lis­mus schaf­fe das Ka­pi­tal nicht Reich­tum, son­dern be­sten­falls wie­der nur Ka­pi­tal«. Die Wirt­schaft sei in je­dem Fal­le nur Mit­tel zum Zweck. Sei­ne wirt­schafts­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen je­ner Zeit wi­der­spra­chen zwar in vie­lem sei­nen spä­te­ren The­sen, so auch je­nen im Klas­si­ker »Wohl­stand für al­le« aus dem Jah­re 1957, aber das ist hier nicht mein The­ma.

Gut­ach­ten über die Ver­wer­tung »volks­feind­li­chen Ver­mö­gens«

»Ludwig Erhard kennenlernen«? Schaufenster in der L.-Erhard-Straße (Foto: Alexander Mayer)

»Lud­wig Er­hard ken­nen­ler­nen«? Schau­fen­ster in der L.-Erhard-Straße (Fo­to: Alex­an­der May­er)

Die Tä­tig­keit des In­sti­tuts und der mit ihm eng ver­knüpf­ten, 1935 ge­grün­de­ten und heu­te noch be­stehen­den GfK (Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung) ex­pan­dier­ten in der NS-Zeit, 1939 wur­den drei neue, »ari­sier­te« Ge­bäu­de be­zo­gen. Nach ei­ge­nen An­ga­ben stell­te Er­hard in den 30er Jah­ren al­le we­sent­li­chen Kon­tak­te des In­sti­tuts zur NS-Wirt­schafts­ver­wal­tung her. In den Jah­ren 1938 bis 1942 lag Er­hards Schwer­punkt auf der Be­ra­tung staat­li­cher Stel­len zu den ge­walt­sa­men An­ne­xio­nen Deutsch­lands. Be­reits im De­zem­ber 1938 wur­de Lud­wig Er­hard von Jo­sef Bürckel, »Reichs­kom­mis­sar für die Wie­der­ver­ei­ni­gung Öster­rei­ches mit dem Deut­schen Reich«, »un­ter die Kom­man­do­stel­le des Gau­lei­ters« als Wirt­schafts­be­ra­ter en­ga­giert. Bürckel in­iti­ier­te 1939 u. a. auch die Mas­sen­de­por­ta­tio­nen von Wie­ner Ju­den. Zur Jah­res­wen­de 1939/40 reich­te Er­hard beim Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um die Denk­schrift »Bei­trä­ge zur Kriegs­wirt­schaft« ein. Zum de fac­to wie­der an­nek­tier­ten fran­zö­si­schen Loth­rin­gen, Bürckel war nun hier Chef der Zi­vil­ver­wal­tung, leg­te Er­hard un­ter an­de­rem ein Gut­ach­ten »über die Ver­wer­tung des volks­feind­li­chen Ver­mö­gens zu be­ach­ten­den Ge­sichts­punk­te« vor, wor­un­ter je­nes von Ju­den und Fran­zo­sen ge­meint war. Im Zu­sam­men­hang mit dem Gut­ach­ten stan­den »Ari­sie­run­gen« so­wie die Aus­wei­sung von 60.000 Loth­rin­gern.

Rest­lo­ser Dienst am Va­ter­land

En­de 1940 be­schaff­te Er­hard dem In­sti­tut ei­nen Auf­trag für ein Gut­ach­ten über die wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten der »ein­ge­glie­der­ten Ost­ge­bie­te«, al­so über die an­nek­tier­ten pol­ni­schen Ge­bie­te. Auf die­se Ex­per­ti­se wird un­ten noch ge­son­dert ein­ge­gan­gen. Auch An­fra­gen des Reichs­mi­ni­ste­ri­ums für Be­waff­nung und Mu­ni­ti­on auf Über­prü­fung der wirt­schaft­li­chen Ef­fi­zi­enz be­stimm­ter Gre­mi­en nahm er er­freut an. Der »vol­le Kriegs­ein­satz« im »ge­wal­ti­gen Ge­sche­hen der Ge­gen­wart« war Er­hard ei­ne Pflicht: »... ich er­ach­te es als mei­ne Pflicht, un­se­re Dien­ste dem Va­ter­land rest­los zur Ver­fü­gung zu stel­len, und kann mit Fug und Recht in An­spruch neh­men, dass das Ge­lin­gen [der Ein­schal­tung des IfW] in er­ster Li­nie mein per­sön­li­ches Ver­dienst dar­stellt«. Nie­mand zwang Er­hard, sol­che Gut­ach­ten zu er­ar­bei­ten, er dräng­te sich da­nach und war nach ei­ge­nem Be­kun­den stolz auf die Er­geb­nis­se, so hielt er sich auch zu­gu­te: »Mit Kriegs­aus­bruch ha­be ich er­reicht die Ein­rei­hung des In­sti­tuts [ge­meint ist das IfW] in den Kreis der kriegs­wich­ti­gen Be­trie­be und die Her­an­schaf­fung von Auf­ga­ben, die die­se Ein­ord­nung sach­lich recht­fer­ti­gen«.

Er­hards Po­len­gut­ach­ten

Be­son­ders ir­ri­tie­rend sind al­ler­dings die Ein­las­sun­gen Er­hards im Vor­be­richt zum schon er­wähn­ten Gut­ach­ten über die »ein­ge­glie­der­ten Ost­räu­me« im Auf­tra­ge der »Haupt­treu­hand­stel­le Ost« (HTO). Die Ori­gi­na­le des noch von Er­hard ver­fass­ten Vor­be­richts sind zwar in der Re­gie­rungs­zeit Er­hards un­ter un­ge­klär­ten Um­stän­den aus dem Bun­des­ar­chiv ver­schwun­den bzw. nicht mehr auf­find­bar, der In­halt konn­te je­doch re­kon­stru­iert wer­den, da ver­schie­de­ne staat­li­che Stel­len an­hand von Text­aus­zü­gen um Stel­lung­nah­men ge­be­ten wur­den. Den Schluss­be­richt er­stell­te Er­hard nicht mehr, da er sich zwi­schen­zeit­lich mit dem IfW über­wor­fen hat­te (sie­he un­ten).

Die Ludwig-Erhard-Büste am Wirtschaftsrathaus (Foto: Alexander Mayer)

Die Lud­wig-Er­hard-Bü­ste am Wirt­schafts­rat­haus (Fo­to: Alex­an­der May­er)

Zum Hin­ter­grund: Die Po­li­tik der HTO in den an­nek­tier­ten pol­ni­schen Ge­bie­ten, ge­nannt Wart­he­gau, be­stand in ei­ner so­ge­nann­ten »Ein­glie­de­rungs­po­li­tik«. Als »nicht ein­deut­schungs­fä­hig« ein­ge­stuf­te Per­so­nen, ins­be­son­de­re Per­so­nen jü­di­schen Glau­bens, wur­den von der SS aus dem Wart­he­gau in das nicht un­mit­tel­bar in das Reichs­ge­biet ein­ver­leib­te, öst­lich da­von ge­le­ge­ne Ge­ne­ral­gou­ver­ment de­por­tiert, be­trof­fen wa­ren 280.000 Men­schen. Zu­sätz­lich zur De­por­ta­ti­on pol­ni­scher und jü­di­scher Men­schen aus dem Wart­he­land wur­den im Rah­men des Ho­lo­caust meh­re­re jü­di­sche Ghet­tos er­rich­tet. Im jü­di­schen Ghet­to von Łódź, sei­ner­zeit Litz­mann­stadt, muss­ten ins­ge­samt 160.000 Ju­den un­ter men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen le­ben. Das Ghet­to wur­de 1944 auf­ge­löst, die mei­sten In­sas­sen zur Zwangs­ar­beit im Reich oder in Ver­nich­tungs­la­ger de­por­tiert. Es muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass Er­hard, der viel in Po­len un­ter­wegs war, von den Vor­gän­gen wuss­te. Das geht auch aus sei­nem Gut­ach­ten her­vor, wenn er et­wa von der er­folg­ten »Eva­ku­ie­rung der so­ge­nann­ten Pol­ni­schen In­tel­li­genz« schreibt.

Die HTO gab nun vor die­sem Hin­ter­grund ei­ne Stu­die in Auf­trag, um den Auf­bau der ost­deut­schen Wirt­schaft im Wart­he­gau zu steu­ern. Er­hards Ana­ly­se der pol­ni­schen In­du­strie als rück­stän­dig dürf­te wohl zu­tref­fend ge­we­sen sein, er deu­te­te dies je­doch u.a. als Aus­fluss (Zi­tat) »ras­sisch be­ding­ter Ei­gen­schaf­ten«, so schreibt er zum Bei­spiel: »Nicht wach­sen­der Wohl­stand, son­dern die in­ne­re Un­ge­stört­heit des ein­zel­nen Men­schen wie des gan­zen Vol­kes schei­nen den öst­li­chen Völ­kern er­stre­bens­wert«. In dem Zu­sam­men­hang sei auch er­wähnt, dass Er­hard Än­de­run­gen sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges in Form ei­ner ein­jäh­ri­gen Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fal­le for­der­te, denn er müs­se für die Ar­beit am Gut­ach­ten »in pol­ni­schen Quar­tie­ren schla­fen oder in War­te­sä­len zwi­schen der pol­ni­schen Zi­vil­be­völ­ke­rung über­nach­ten«, wo­durch ein »Schutz vor In­fek­ti­ons­krank­hei­ten nicht ge­währ­lei­stet« sei. – Selbst die NS-Ver­wal­tung emp­fand die­se Aus­füh­run­gen als über­zo­gen.

Die wirt­schafts­po­li­ti­schen Vor­schlä­ge Er­hards für den Ost­raum ent­spre­chen dem­ge­gen­über durch­aus sei­nen spä­te­ren Kon­zep­ten in der Bun­des­re­pu­blik und hin­ter­las­sen zum Teil ei­nen hu­ma­nen Ein­druck. Das kann aber wie­der­um nicht die oben dar­ge­leg­ten Din­ge voll­stän­dig re­la­ti­vie­ren.

»Wi­der­stand« mit Gut­ach­ten?

Eindrücke aus der Ludwig-Erhard-Straße (Foto: Alexander Mayer)

Ein­drücke aus der Lud­wig-Er­hard-Stra­ße
(Fo­to: Alex­an­der May­er)

Er­hard selbst und ein­zel­ne Wis­sen­schaft­ler – wie der SS-Mann Theo­dor Eschen­burg, spä­ter der er­ste Lehr­stuhl­in­ha­ber für Po­li­tik­wis­sen­schaft in der Bun­des­re­pu­blik – ver­kauf­ten Er­hards Denk­schrif­ten so­gar als Ak­te des Wi­der­stands, da er z.B. die Stu­die »Kriegs­fi­nan­zie­rung und Schul­den­kon­so­li­die­rung« auch Carl Fried­rich Goerde­ler zu­kom­men ließ und mit ihm Brief­kon­takt hat­te. Nach der Ver­haf­tung Goerdelers emp­fand aber selbst die Ge­sta­po den Brief­ver­kehr zwi­schen Goerde­ler und Er­hard als un­ver­däch­tig und ließ Er­hard un­be­hel­ligt. Die Zu­sam­men­ar­beit Er­hards mit NS-Grö­ßen wie zum Bei­spiel dem SS-Mann Ot­to Oh­len­dorf, stell­ver­tre­ten­der Staats­se­kre­tär im Reichs­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um und 1951 we­gen Völ­ker­mor­des hin­ge­rich­tet, wird da­ge­gen mög­lichst aus­ge­blen­det. Bei­spiel für bei­des ist z.B. ei­ne von der Lud­wig-Er­hard-Stif­tung (Bonn) her­aus­ge­ge­be­ne Bio­gra­phie.

In der »apo­lo­ge­ti­schen Er­hard-Li­te­ra­tur« (Ger­lach) wird zu­dem u. a. oft be­haup­tet, Er­hard sei 1942 nicht Chef des IfW ge­wor­den, weil er sich ge­wei­gert ha­be, der Deut­schen Art­beits­front und dem NS-Do­zen­ten­bund bei­zu­tre­ten. Da­für fehlt je­der Nach­weis, die Grün­de wa­ren nach Ak­ten­la­ge Que­re­len vor al­lem mit dem Lei­ter Wil­helm Vers­ho­fen über die Aus­rich­tung und die Ar­beits­wei­se des In­sti­tuts, wo­bei Er­hard für den vol­len gut­ach­ter­li­chen Kriegs­ein­satz des In­sti­tuts ein­trat, wäh­rend Vers­ho­fen den Schwer­punkt auf der wis­sen­schaft­li­chen Tä­tig­keit be­hal­ten woll­te und sich durch­setz­te. Die »apo­lo­ge­ti­sche Er­hard-Li­te­ra­tur« scheut auch heu­te nicht da­vor zu­rück, schwer zu be­schaf­fen­de Stu­di­en zu Er­hard sinn­ver­fäl­schend wie­der­zu­ge­ben wie zum Bei­spiel je­ne von Chri­sti­an Ger­lach in ei­ner Ver­öf­fent­li­chung der Lud­wig-Er­hard-Stif­tung (Bonn) im De­zem­ber 2014. Wäh­rend Ger­lach aus der Wort­wahl des Po­len-Gut­ach­tens auf die (Zi­tat) »ras­si­sti­sche Ein­stel­lung« Er­hards schließt, be­haup­tet der Text mit Be­zug auf eben­die­ses Gut­ach­ten und eben­die­ser Stu­die von Ger­lach, dass der »Text kei­ner­lei ras­si­sti­sche Aus­fäl­le« ent­hält. An­hand die­ses Bei­spiels muss ver­mu­tet wer­den, dass an­de­re Quel­len ähn­lich fri­siert wer­den. An­schei­nend spe­ku­liert man dar­auf, dass sich nie­mand die Mü­he macht, die Do­ku­men­te und Stu­di­en im Ori­gi­nal zu be­schaf­fen und nach­zu­le­sen. Wenn doch, dann wird es un­ter den Tep­pich ge­kehrt, was nicht nur in der frü­hen Bun­des­re­pu­blik in Be­zug auf die NS-Ver­gan­gen­heit ei­ne Re­gel war und ist, die von we­ni­gen Aus­nah­men be­stä­tigt wird.

Wirk­lich­kei­ten

Erhardsbüste (Foto: Alexander Mayer)

Er­hards­bü­ste (Fo­to: Alex­an­der May­er)

Auf der Start­sei­te des Lud­wig-Er­hard-In­itia­tiv­kreis Fürth e. V. ist zu le­sen: »Lud­wig Er­hards Ver­dien­ste für Deutsch­land sind un­ver­ges­sen ... Der Ver­ein hat es sich in Lud­wig Er­hards Ge­burts­stadt Fürth zur Auf­ga­be ge­macht, das An­denken an sein Le­ben und Wir­ken zu wür­di­gen und zu för­dern. Da­bei ste­hen sei­ne Bei­trä­ge zur theo­re­ti­schen Kon­zep­ti­on der So­zia­len Markt­wirt­schaft und sei­ne Ver­dien­ste bei der prak­ti­schen Um­set­zung im Vor­der­grund.«

Man­che Pu­bli­ka­tio­nen zu den Ar­chiv­fun­den ge­hen in ih­ren Ur­tei­len sehr weit: »Der Er­hard-My­thos ist ein Ge­misch aus Ver­drän­gung, Ver­schwei­gen, Schutz­be­haup­tun­gen und Halb­wahr­heit ... [die Do­ku­men­te] ver­wei­sen auf ei­nen Öko­no­men, der die Kriegs­wirt­schaft der NS-Dik­ta­tur rück­halts­los be­jah­te und es sich zur Auf­ga­be mach­te, ih­re Struk­tu­ren bin­nen­wirt­schaft­lich wie an­ne­xi­ons­po­li­tisch zu ef­fek­ti­vie­ren.« – Es fällt mir schwer, dem ge­ne­rell zu wi­der­spre­chen.

 
 
 

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5 Kommentare zu »Lud­wig Er­hard und Fürths Vä­ter des Wirt­schafts­wun­ders in der NS-Zeit«:

  1. Der Bei­trag be­darf ei­ni­ger Er­gän­zun­gen zur Rol­le Lud­wig Er­hards nach 1945

    Nach 1945 – Pro­te­ge der al­ten Na­zi­kämp­fer...

    Nach ei­nem kur­zen In­ter­mez­zo als Ver­ant­wort­li­cher für die Für­ther Wirt­schaft setz­te ihn die ame­ri­ka­ni­sche Mi­li­tär­re­gie­rung am 28. Sep­tem­ber 1945 als Wirt­schafts­mi­ni­ster der pro­vi­so­ri­schen baye­ri­schen Re­gie­rung ein. Er­hard selbst hat­te sich so­fort nach dem Ein­marsch der US-Streit­kräf­te in Fürth am 19. April 1945 den neu­en Her­ren an­ge­bo­ten. Das ging oh­ne Schwie­rig­kei­ten, da er trotz Un­ter­stüt­zung des Na­zi-Sy­stems kein Mit­glied der NSDAP war. Dass er »ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Ent­deckung« ge­we­sen sei, ist falsch und ge­hört zu je­nen Le­gen­den, mit de­nen er sich spä­ter schmück­te.

    Nicht oh­ne Iro­nie kom­men­tiert ein na­her Ver­wand­ter, der Für­ther Da­ni­el Lot­ter, in sei­nem Ta­ge­buch, die Me­ta­mor­pho­se Er­hards zum De­mo­kra­ten der er­sten Stun­de: »Unklar ist mir auch, daß un­ser Ver­wand­ter Lud­wig, der ja auch wäh­rend der Na­zi­zeit die Si­tua­ti­on gut zu nut­zen ver­stand, vor den Au­gen der jet­zi­gen Macht­ha­ber Gna­de ge­fun­den hat..., und wir ha­ben bis­her nicht ge­wußt und nicht er­kannt, wel­che Kraft in un­se­rem frü­he­ren Nach­bars­kin­de und jet­zi­gen Vet­ter steckt...«

    Eins der er­sten Zie­le von Lud­wig Er­hard als baye­ri­scher Fi­nanz­mi­ni­ster war es, sei­nen eben­falls von den Ame­ri­ka­nern ein­ge­setz­ten Staats­se­kre­tär Ge­org Fi­scher (KPD) aus dem Amt zu trei­ben. Mit dem neu­en Mi­ni­ster­prä­si­den­ten Hoeg­ner (SPD) ver­band Er­hard ei­ne tie­fe Ab­nei­gung ge­gen die Ge­werk­schaf­ten. Ge­mein­sam sorg­ten sie da­für, dass im Wirt­schafts­bei­rat des Mi­ni­ste­ri­ums, we­ni­ger Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­ti­on als je­ne der Un­ter­neh­mer Stimm­recht be­sa­ßen. Die Ge­werk­schaf­ten boy­kot­tier­ten dar­auf­hin das Gre­mi­um.

    Ge­org Fi­scher über­gab dem Al­li­ier­ten Kon­troll­rat in Ber­lin, Wil­helm Hoeg­ner, Er­hard und dem Ge­werk­schaf­ter Gu­stav Schie­fer ei­ne Zu­sam­men­stel­lung von et­wa drei­ßig im Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um tä­ti­gen ehe­ma­li­gen Na­zis. »Vom Blut­or­dens­trä­ger des Hit­ler­put­sches vom No­vem­ber 1923 bis zum Rü­stungs­be­auf­trag­ten der Hit­ler­schen Kriegs­wirt­schaft war al­les ver­tre­ten«, er­in­nert sich Fi­scher. Nach den Er­mitt­lun­gen wur­den 13 Per­so­nen, un­ter ih­nen 10 lei­ten­de Be­am­te, so­fort ent­las­sen. Ge­gen 41 wei­te­re wur­den Ver­fah­ren auf­grund des »Ge­set­zes Nr. 104 zur Be­frei­ung von Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und Mi­li­ta­ris­mus« vom 5. März 1946 ein­ge­lei­tet. Von meh­ren Zeu­gen wur­de aus­ge­sagt, dass im Mi­ni­ste­ri­um of­fe­ne Stel­len für Na­zis frei­ge­hal­ten wur­den und Er­hard die An­wei­sung gab, de­ren Ent­las­sung als Ver­set­zung oder Pen­sio­nie­rung zu in­ter­pre­tie­ren. »Die Vor­wür­fe, die in der Öf­fent­lich­keit ge­gen das Wirt­schaft­mi­ni­ste­ri­um er­ho­ben wur­den und un­ter an­de­rem zu ei­ner leb­haf­ten Kon­tro­ver­se zwi­schen dem frü­he­ren Wirt­schafts­mi­ni­ster Dr. Lud­wig Er­hard und der Pres­se ge­führt hat­ten, ha­ben sich als be­rech­tigt er­wie­sen. Es war ein of­fe­nes Ge­heim­nis, dass in den Räu­men der Prinz­re­gen­ten­stra­ße [...] ein rück­schritt­li­cher Geist herrsch­te, der von ver­schie­de­nen Per­so­nen in lei­ten­der Stel­lung ge­för­dert wur­de.«

    Auf An­trag der SPD, ver­an­lasst durch mas­si­ve öf­fent­li­che Pro­te­ste, wur­de am 31. Ja­nu­ar 1947 ei­ne Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on ein­ge­setzt. Sie soll­te Kor­rup­ti­ons­fäl­le in Er­hards Mi­ni­ste­ri­um über­prü­fen. Sie kommt zu ei­nem ver­nich­ten­den Er­geb­nis: Zu den Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fen und Schie­be­rei­en in Er­hards Mi­ni­ste­ri­um äu­ßert Dr. Alois Schlö­gel (CSU) im Land­tag: »Er­hard hat in der Baye­ri­schen Wirt­schafts­ver­wal­tung ein Cha­os hin­ter­las­sen, in dem Mil­li­ar­den­wer­te von Rü­stungs- und Wehr­machts­gü­tern un­ter­ge­gan­gen sind. [...] Sei­ne Eig­nung als Mi­ni­ster ist gleich Null.«

    Bei den Land­tags­wah­len am 1. De­zem­ber 1946 er­rang die CSU die ab­so­lu­te Mehr­heit. Für Er­hard ein Glücks­fall, der ihn die pein­li­che Ent­las­sung er­spar­te, da jetzt die Re­gie­rung oh­ne ihn neu ge­bil­det wur­de. Sein Nach­fol­ger Ru­dolf Zorn be­klag­te, Er­hard sei das Op­fer ei­nes aus­ufern­den De­nun­zi­an­ten­tums ge­wor­den, ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on, die von der spä­te­ren Ge­schichts­schrei­bung oft un­ge­prüft über­nom­men wur­de.

    Doch Er­hard soll­te bald ent­schä­digt wer­den. Ei­nen Tag, nach­dem er im Rund­funk sei­ne Kri­ti­ker als »Ver­leum­der, Ehr­ab­schnei­der und Pha­ri­sä­er« be­zeich­net hat­te, wur­de er am 7. No­vem­ber 1947 vom Kul­tus­mi­ni­ster Alois Hund­ham­mer zum Ho­no­rar­pro­fes­sor für Volks­wirt­schafts­leh­re an der Uni­ver­si­tät Mün­chen er­nannt. Auch hier hat­te der Op­por­tu­nist vor­ge­sorgt: Schon wäh­rend sei­ner Für­ther Zeit hat­te er Kon­takt zum Kreis um den Na­tio­nal­öko­no­men Adolf We­ber auf­ge­nom­men. We­ber, seit 1921 Lehr­stuhl­in­ha­ber für Volks­wirt­schaft an der Münch­ner Uni­ver­si­tät, hat­te die Na­zi-Herr­schaft pro­blem­los über­stan­den und galt als kon­ser­va­ti­ver und an­ti­kom­mu­ni­sti­scher Ver­fech­ter der »frei­en Markt­wirt­schaft«.

    Am 2. März 1948 wur­de Er­hard zum Di­rek­tor der bi­zo­na­len Wirt­schafts­ver­wal­tung ge­wählt. Es war kein Zu­fall, dass er sich dort mit Dr. Prent­zel, ei­nem ehe­mals füh­ren­den IG Far­ben-Ver­tre­ter, 1948 als Lei­ter der »Ver­wal­tung Wirt­schaft« in der Bi­zo­ne wie­der­fand und bei­de die Ent­flech­tung der IG Far­ben-In­du­strie im In­ter­es­se der deut­schen Che­mie­kon­zer­ne in An­griff nah­men. Nach al­li­ier­ten Ge­set­zen wa­ren Kriegs­ver­bre­cher für die Be­set­zung sol­cher Po­sten grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen, doch Er­hard, ver­ant­wort­lich für Ent­schei­dun­gen in Per­so­nal­fra­gen, wie­gel­te ab: »... bei vie­len Deut­schen (sei) ei­ne in­ne­re Wand­lung er­folgt. Im Him­mel sei mehr Freu­de über ei­nen reui­gen Sün­der als über 1000 Ge­rech­te.« Sei­nem Für­ther Freund, dem NSDAP-Stadt­rat und Ari­sie­rer Gu­stav Schicke­danz, stell­te er schon im Ju­ni 1946 ei­nen der be­gehr­ten Per­sil­schei­ne aus: »Oh­ne die Ent­schei­dung des Spruch­kam­mer­aus­schus­ses auch nur im ge­ring­sten be­ein­flus­sen zu wol­len, stellt sich mir Herr Schicke­danz als ein ty­pi­scher Mit­läu­fer dar, der aber in je­der Pha­se der Ent­wick­lung dem Sy­stem in­ner­lich wi­der­streb­te.«

    Er­hard er­nann­te 1949 Ernst Kut­scher zu sei­nem per­sön­li­chen Re­fe­ren­ten. Al­le Vor­wür­fe, Kut­scher sei ein hoch be­la­ste­ter Na­zi-Tä­ter, wies Er­hard mit der Be­grün­dung zu­rück, die­ser sei ja von der Spruch­kam­mer ent­la­stet wor­den. Ernst Kut­scher (NSDAP Mit­glied seit dem 1. Mai 1933) hat­te am 3. und 4. April 1944 auf der Ta­gung der Ju­den­re­fe­ren­ten in Krumm­hü­bel, zum The­ma »Die Pro­pa­gan­dathe­sen im Rah­men der an­ti­jü­di­schen Aus­lands­ak­ti­on« ge­spro­chen. Sei­ne Leit­sät­ze »Die Ju­den sind die Ur­he­ber des Krie­ges. Sie ha­ben die Völ­ker in den Krieg hin­ein­ge­trie­ben, weil sie an ihm in­ter­es­siert sind. – Die Ju­den sind das Un­glück al­ler Völ­ker. – Ein jü­di­scher Sieg wür­de das En­de je­der Kul­tur sein (Bei­spiel So­wjet-Uni­on). – Kämpft Deutsch­land ge­gen den Ju­den, so tut es das nicht nur für sich, son­dern für die gan­ze eu­ro­päi­sche Kul­tur.« Auf­grund sei­ner Tä­tig­keit bei den Na­tio­nal­so­zia­li­sten war Kut­scher vom Frank­fur­ter Wirt­schafts­rat schon 1947 sei­nes Po­stens ent­ho­ben wor­den.

    Nicht an­ders ver­fuhr Er­hard im Fall des ehe­ma­li­gen Ober­schar­füh­rers der SA, Fried­rich Lou­is. Ge­gen die Be­den­ken des Bun­des­in­nen­mi­ni­ste­ri­ums wur­de Lou­is Mi­ni­ste­ri­al­rat im Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um. Es hand­le sich um »hoch­qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te« und man müs­se »der all­seits er­streb­ten end­li­chen Be­en­di­gung der Ent­na­zi­fi­zie­rung« Nach­druck ver­lei­hen, no­tier­te Er­hard 1951.

    Im Win­ter 1949/50 wur­de Dr. Lud­ger Westrik Er­hards Staats­se­kre­tär. Wie­der ein al­ter Be­kann­ter aus dem Ar­beits­kreis der »Reichs­grup­pe In­du­strie«: Von 1933 bis 1945 Wehr­wirt­schafts­füh­rer und Ge­ne­ral­di­rek­tor der Ver­ei­nig­ten Alu­mi­ni­um Wer­ke AG (VAW), wur­den un­ter sei­ner Lei­tung Zwangs­ar­bei­ter mit ei­ner selbst für die da­ma­li­ge Zeit un­glaub­li­chen Rück­sichts­lo­sig­keit und Bru­ta­li­tät aus­ge­beu­tet. Un­ter ih­nen Kin­der un­ter 13 und al­te Men­schen über 60 Jah­ren. We­strick 1941: »So­lan­ge die Kriegs­fan­fa­ren dröh­nen, hat die deut­sche Leicht­me­tall­in­du­strie nur ein Ziel [...] Deutsch­lands End­sieg!« Bis 1966 blieb er im Amt. Zu­letzt als Staats­se­kre­tär in Er­hards Bun­des­kanz­ler­amt und Bun­des­mi­ni­ster für be­son­de­re Auf­ga­ben.

    »Wir ha­ben uns doch ganz schön von Ka­ta­stro­phe zu Ka­ta­stro­phe her­auf­ge­rap­pelt«, kom­men­tier­te der »Volks­kanz­ler« wäh­rend sei­ner Amts­zeit von 1963 bis 1966 je­den Hin­weis auf deut­sche Kriegs­schuld und Na­zi-Ver­bre­chen und fand da­mit die Zu­stim­mung der mei­sten Lands­leu­te.

    Auf ei­ne An­fra­ge der Lin­ken zi­tiert die Bun­des­re­gie­rung 2011 aus der Ha­bi­li­ta­ti­ons­schrift von Bern­hard Löff­ler, aus der her­vor­geht, dass von 204 Spit­zen­be­am­ten in Er­hards Bun­des­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um von 1949 bis 1962 mehr als die Hälf­te ei­ne NS-Ver­gan­gen­heit hat­ten. Vier von ih­nen wa­ren be­reits vor 1933 Mit­glied der NSDAP, 29 Pro­zent seit März 1933 und 20 Pro­zent seit 1937. Sie wa­ren im Drit­ten Reich NS-Rot­ten-, bzw. Schar­füh­rer, SA-Ober­sturm­füh­rer und SA-Sturm­bann­füh­rer, vier ge­hör­ten der Rei­ter-SS an und sie­ben der all­ge­mei­nen SS, ein wei­te­rer war SS-Rot­ten­füh­rer. »Ih­re be­ruf­li­chen Kar­rie­ren be­gan­nen und fe­stig­ten über 60 Pro­zent der un­ter­such­ten Mi­ni­ste­ri­al­be­am­ten (von den Ab­tei­lungs- und Un­ter­ab­tei­lungs­lei­tern so­gar fast 85 Pro­zent) in den Reichs­mi­ni­ste­ri­en oder an­de­ren öf­fent­lich recht­li­chen Dienst­stel­len vor 1945, et­wa ein Fünf­tel da­von (von den Ab­tei­lungs- und Un­ter­ab­tei­lungs­lei­tern 45 Pro­zent) war be­reits vor 1933 ein­ge­stellt wor­den.«

    ... und Brem­ser bei Rück­erstat­tun­gen ge­raub­ten jü­di­schen Ver­mö­gens

    Am 19. April 1949 stell­te Phil­ip Ro­sen­thal nach jah­re­lan­ger Ver­schlep­pung sei­ner An­sprü­che bei der ame­ri­ka­ni­schen Mi­li­tär­re­gie­rung und dem Baye­ri­schen Amt für Ver­mö­gens­kon­trol­le den An­trag, die Vor­stands­mit­glie­der sei­nes von den Na­zis ge­raub­ten Un­ter­neh­mens Dr. Al­bert, und Dr. Zöll­ner (CSU) so­wie die Auf­sichts­rä­te Dr. Krä­mer und Frei­herr von der Tann zu ent­las­sen. »Den letz­ten An­schub in die­se Rich­tung dürf­ten Hin­wei­se ge­ge­ben ha­ben, nach de­nen sich be­stimm­te Di­rek­to­ren und Auf­sichts­rats­mit­glie­der noch bis 1948 mit über­zo­ge­nen Ver­gü­tun­gen und Di­vi­den­den ver­sorgt hat­ten und nun ver­such­ten, Ak­ti­en­ver­mö­gen in die fran­zö­si­sche Zo­ne zu ver­schie­ben, um sie da­durch dem Zu­griff der ame­ri­ka­ni­schen Mi­li­tär­re­gie­rung zu ent­zie­hen. Gleich­zei­tig zahl­te man an den An­walt der Fir­ma ei­ne Ver­gü­tung von 10.000 DM und stell­te die­sem 90.000 DM für ei­nen Haus­bau zur Ver­fü­gung.«

    Ver­geb­lich ver­such­te der baye­ri­sche Wirt­schafts­mi­ni­ster Hans Sei­del, die Mi­li­tär­re­gie­rung dar­an zu hin­dern, dem An­trag Ro­senthals statt zu ge­ben. Jetzt trat Lud­wig Er­hard auf den Plan: In ei­nem Brief an das Of­fice of the Mi­li­ta­ry Go­vernment for Ger­ma­ny (US) (OMGUS) in Ber­lin, for­der­te er, die Ent­schei­dung rück­gän­gig zu ma­chen. Die Ro­senthals, so Er­hard, hät­ten durch ih­re An­trä­ge gro­ße Un­si­cher­heit in die deut­sche Wirt­schaft ge­bracht. An der Se­rio­si­tät des jet­zi­gen Auf­sichts­rats ha­be er kei­nen Zwei­fel. Er ver­schwieg, dass er seit 1947 ei­nen Be­ra­ter­ver­trag für die AG in der Ta­sche hat­te und da­für mit 12.000 DM jähr­lich von den al­ten Ka­me­ra­den ho­no­riert wur­de. Das ließ die Mi­li­tär­re­gie­rung er­heb­lich an Er­hards In­te­gri­tät zwei­feln und sie stuf­te ihn als käuf­lich ein.

    Der »Va­ter der D-Mark« war bei ih­rer Zeu­gung gar nicht an­we­send ...

    Hart­näckig hält sich auch die Le­gen­de, Er­hard ha­be mit der Er­fin­dung der D-Mark und der Auf­he­bung der Preis­kon­trol­le ge­gen den Wil­len der Mi­li­tär­ver­wal­tung der Ame­ri­ka­ner, die Deut­schen zu Wohl­stand und Frei­heit ge­führt. Von ihm stammt nicht ein­mal der Na­me der neu­en Wäh­rung.

    Rich­tig ist, im Ok­to­ber 1947 wur­de Er­hard Vor­sit­zen­der der »Son­der­stel­le für Geld und Kre­dit« in Bad Hom­burg. Sie un­ter­stand den Mi­li­tär­be­hör­den und leg­te im Fe­bru­ar 1948 ei­nen er­sten Ent­wurf für ein Wäh­rungs­ge­setz vor. Der Or­ga­ni­sa­tor der Wäh­rungs­re­form war al­ler­dings der 27 Jah­re al­te ame­ri­ka­ni­sche Leut­nant Ed­ward Te­nen­baum. Nicht zu­letzt sei­ne Dok­tor­ar­beit mit dem Ti­tel »Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ge­gen in­ter­na­tio­na­len Ka­pi­ta­lis­mus« hat­te ihn für sei­ne Auf­ga­be qua­li­fi­ziert.

    Im No­vem­ber 1947 traf sich Te­nen­baum mit Er­hard und sei­nen Mit­ar­bei­tern zu ei­nem Ge­spräch über die an­ste­hen­de Wäh­rungs­re­form. Er­hard stimm­te zu, gab al­ler­dings zu ver­ste­hen, dass die Aus­ar­bei­tung der De­tails den Deut­schen zu über­las­sen sei. Dar­in soll­te er sich al­ler­dings gründ­lich ir­ren. Der un­ter sei­ner Ägi­de 1947/48 aus­ge­ar­bei­te­te Hom­bur­ger Plan, der of­fi­zi­el­le deut­sche Wäh­rungs­re­form­plan, wur­de von den Al­li­ier­ten na­he­zu voll­stän­dig über­gan­gen. Er­hard leg­te An­fang März 1948 den Vor­sitz der Kom­mis­si­on nie­der.

    Die deut­schen Ex­per­ten, die sich oh­ne Er­hard von April bis Ju­ni 1948 im »Kon­kla­ve von Roh­we­sten« an der or­ga­ni­sa­to­ri­schen und tech­ni­schen Durch­füh­rung der Wäh­rungs­re­form für West­deutsch­land be­tei­lig­ten, glaub­ten an­fäng­lich, de­ren in­halt­li­che Be­stim­mun­gen im Sin­ne des Hom­bur­ger Plans be­ein­flus­sen zu kön­nen. Groß war des­halb die Er­nüch­te­rung auf deut­scher Sei­te, als Te­nen­baum ei­nen zwi­schen den Al­li­ier­ten aus­ge­han­del­ten Ent­wurf zur Wäh­rungs­re­form so­wie der ent­spre­chen­den Ge­set­ze vor­leg­te, nach de­nen die Ar­bei­ten zu ge­stal­ten wa­ren. »Er­hard er­fuhr«, so der heu­ti­ge Lei­ter des Mu­se­ums »Wäh­rungs­re­form«, Bernd Nie­sel, »ver­mut­lich wie je­der an­de­re Deut­sche von der Ein­füh­rung der DM durch den Rund­funk.«

    Das hin­der­te Er­hard al­ler­dings nicht dar­an, sich selbst den Or­den des Va­ters der DM an die Brust zu hef­ten. Mit dem si­che­ren Ge­spür ei­nes durch­trie­be­nen Ab­stau­bers, das ihm schon bei sei­ner Kar­rie­re un­ter den Na­zis ge­hol­fen hat­te, be­grüß­te er als er­ster Po­li­ti­ker die neue Wäh­rung in ei­ner Rund­funk­an­spra­che, oh­ne mit ei­nem Wort zu er­wäh­nen, wie und durch wen sie zu­stan­de ge­kom­men war.

    Die von Er­hard an­geb­lich ge­gen den Wil­len der Ame­ri­ka­ner auf­ge­ho­be­nen Preis­kon­trol­le kom­men­tiert der ehe­ma­li­ge CIA-Mit­ar­bei­ter in der Wirt­schafts­ver­wal­tung der Mi­li­tär­re­gie­rung, Pe­ter Si­chel: »Er­hard hät­te oh­ne die Zu­stim­mung der Ame­ri­ka­ner gar nichts durch­set­zen kön­nen. Sei­ne Rol­le bei der Wäh­rungs­re­form war al­len­falls zweit­ran­gig.«

    ... und ein er­klär­ter Feind der Ge­werk­schaf­ten und In­tel­lek­tu­el­len

    Als Di­rek­tor der Ver­wal­tung für Wirt­schaft star­te­te Er­hard ab März 1948 sei­ne wirt­schafts-li­be­ra­le Of­fen­si­ve. »Nichts ist in der Re­gel un­so­zia­ler als der so­ge­nann­te Wohl­fahrts­staat, der die mensch­li­che Ver­ant­wor­tung er­schlaf­fen und die in­di­vi­du­el­le Lei­stung ab­sin­ken läßt«, war sein Cre­do für ei­ne un­ge­brem­ste Markt­wirt­schaft.

    Die Prei­se stei­gen, die Ver­brauch­steu­ern wer­den er­höht. Er­hards Po­li­tik dien­te al­lein dem Ziel, die Ka­pi­tal­bil­dung der Un­ter­neh­men zu för­dern. Dar­in sah er den Kö­nigs­weg zu dy­na­mi­schem Wirt­schafts­wachs­tum. Die Kauf­kraft der Be­völ­ke­rung wur­de rasch ab­ge­schöpft. »Das ist das prak­ti­sche Re­sul­tat Ih­rer Po­li­tik, dass Sie die Men­schen zur Ver­zweif­lung trei­ben durch das, was Sie Frei­heit nen­nen«, be­grün­de­te der SPD-Ab­ge­ord­ne­te Er­win Schoett­le im Wirt­schafts­rat den An­trag sei­ner Frak­ti­on, Er­hard aus dem Amt zu ent­las­sen. Ge­schäfts­boy­kotts und Mas­sen­kund­ge­bun­gen er­schüt­ter­ten die West­zo­nen. Er­hard je­doch weist die Kri­tik als »hy­ste­ri­sches Ge­kei­fe der Kol­lek­ti­vi­sten al­ler Sor­ten« zu­rück. Dar­auf­hin rie­fen die Ge­werk­schaf­ten am 12. No­vem­ber 1948 zum bis­her ein­zi­gen Ge­ne­ral­streik in der Bun­des­re­pu­blik auf. Das Ziel: Schluss mit der Preis­trei­be­rei, Sturz des »Wirt­schafts­dik­ta­tors«.

    Am 21.3.1962 ver­kün­de­te Er­hard sei­nen »Ap­pell zum Maß­hal­ten« mit ei­ner Rund­funk­an­spra­che. Er warn­te vor ei­ner an­geb­lich ag­gres­si­ven Lohn­po­li­tik, die ein un­ver­kenn­ba­res Da­hin­schwin­den der in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­kraft un­se­rer Wirt­schaft zur Fol­ge ha­be. Das hat­te er un­ter dem Bei­fall sei­ner christ­de­mo­kra­tisch-christ­so­zia­len Par­tei­gän­ger schon ei­ne Wo­che vor­her im Bun­des­tag be­haup­tet. Die Stoß­rich­tung war klar: Es ging ge­gen die Ge­werk­schaf­ten, ge­gen de­ren, wie der Wirt­schafts­mi­ni­ster es sah, Macht­ge­lü­ste. Gleich­zei­tig in­iti­ier­te er das Ber­lin­hil­fe­ge­setz, das Spe­ku­lan­ten durch Son­der­ab­schrei­bun­gen traum­haf­te Ge­win­ne be­scher­te.

    Sein ge­stör­tes Ver­hält­nis zu In­tel­lek­tu­el­len aus dem lin­ken La­ger be­le­gen Er­hards be­rüch­tig­te Schimpf­ka­no­na­den mit de­nen er 1965 die Li­te­ra­ten, die zur Wahl der SPD auf­ge­ru­fen hat­ten, ver­un­glimpf­te: »Es gibt ei­nen In­tel­lek­tua­lis­mus, der kippt um in Idio­tie.« Rolf Hoch­huth, der in sei­nem Thea­ter­stück »Der Stell­ver­tre­ter« die Kum­pa­nei zwi­schen Va­ti­kan und Na­zis the­ma­ti­siert hat­te, fer­tig­te er rü­de mit »Da hört der Dich­ter auf, da fängt der ganz klei­ne Pin­scher an«, ab.

  2. […] Lud­wig Er­hard in der NS-Zeit […]

  3. Auf­grund von Nach­fra­gen:

    Der Ar­ti­kel von Chri­sti­an Ger­lach ist zwar nicht on­line, aber im Buch­han­del in ei­nem er­schwing­li­chen Sam­mel­band er­hält­lich:

    - Mat­thi­as Ha­mann, Hans As­beck (Hrsg.): Bei­trä­ge zur Ge­schich­te des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Heft 13: Hal­bier­te Ver­nunft und to­ta­le Me­di­zin. ISBN 3–924737-30–4 (Ver­lag as­so­zia­ti­on-a), dort auf S. 241–276.: Lud­wig Er­hard und die »Wirt­schaft des neu­en deut­schen Ost­raums«. Ein Gut­ach­ten aus dem Jah­re 1941 und Er­hards Be­ra­ter­tä­tig­keit bei der deut­schen An­ne­xi­ons­po­li­tik 1938–43.

    Der Ar­ti­kel, in dem Prof. Ger­lachs Ar­beit sin­nen­stel­lend wie­der­ge­ge­ben wird, ist als PDF ab­ruf­bar:

    - Horst Fried­rich Wün­sche: Lud­wig Er­hards Gut­ach­ten für Dienst­stel­len im Drit­ten Reich. In: Lud­wig-Er­hard-Stif­tung: Ori­en­tie­run­gen Nr. 140, Dez 2014, S. 16 f.

    Die eben­falls im Ar­ti­kel er­wähn­te Bio­gra­phie, in der Er­hards Rol­le in der NS-Zeit ver­kürzt und ein­sei­tig dar­ge­stellt wird, ist eben­falls on­line als PDF er­hält­lich, wes­we­gen sie sich in vie­len schlecht re­cher­chier­ten Dar­stel­lun­gen wi­der­spie­gelt:

    - Karl Hoh­mann: Lud­wig Er­hard (1897–1977). Ei­ne Bio­gra­phie.

  4. Ute Schlicht sagt:

    Nun hat Herr Prof. Ger­lach auch in Fürth sei­ne Er­kennt­nis­se re­fe­riert.

    Be­mer­kens­wert da­zu: Kei­ne der »gro­ßen« Par­tei­en sprach da­zu die Ein­la­dung aus, wie man ei­nem Ar­ti­kel der Für­ther Nach­rich­ten ent­neh­men konn­te. Der Ver­an­stal­tungs­ort war der Kul­tur­ort Bad­stra­ße, nicht ein der – an­geb­li­chen – Be­deu­tung Er­hards ent­spre­chend gro­ßer Saal.

    Par­al­lel zu die­sem Er­eig­nis ent­fach­ten die FN mit ei­nem Ar­ti­kel und ei­ner On­line-Um­fra­ge zur Ar­chi­tek­tur des Lud­wig-Er­hard- Zen­trums ei­ne »Dis­kus­si­on«. Ein Schelm, ...

    In die­sem Fall bin ich gern der Schelm und ha­be mir fol­gen­den Le­ser­brief an die FN er­laubt:

    Die ak­tu­el­le Be­richt­erstat­tung und die Um­fra­ge der FN zur Ar­chi­tek­tur des LEZ be­trach­te ich als Schein­ge­fecht und Ab­len­kungs­ma­nö­ver. War­um wird nicht die Mei­nung der Bür­ger zu Er­hards Ver­hal­ten in der Na­zi-Zeit er­fragt?

    An der Ar­chi­tek­tur kön­nen die Bür­ger nichts mehr än­dern, zum Um­gang mit Er­hards Ver­gan­gen­heit im LEZ wie in den Me­di­en soll­ten, bes­ser: müss­ten sie ih­ren Bei­trag, zu­min­dest ei­ne Mei­nungs­äu­ße­rung, lei­sten dür­fen. Wird ih­nen das – in der Öf­fent­lich­keit – ver­sagt oder mit Vor­wür­fen wie dem der »Nest­be­schmut­zung« (s. On­line-Kom­men­ta­re, die die »Ne­ti­quet­te« pas­sie­ren durf­ten) ab­ge­wer­tet, ist der gan­ze Bau nicht nur ar­chi­tek­to­nisch, son­dern auch ide­ell ein to­ta­ler Fehl­griff.

    Kei­ne de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Par­tei kann sich wün­schen, dass die Bür­ger die in­ter­es­sier­te Be­schäf­ti­gung mit der Stadt­ge­schich­te al­lein ei­nem Häuf­lein »Ex­per­ten« über­las­sen. Dass sich die »gro­ßen« po­li­ti­schen Par­tei­en in Fürth bzgl. der dunk­le­ren Stel­len in Er­hards Bio­gra­fie so be­deckt hal­ten, spricht Bän­de... Der Um­gang der »vier­ten Ge­walt«, in die­sem Fall der re­gio­na­len Pres­se, mit die­sem The­ma al­ler­dings auch.

  5. Ute Schlicht sagt:

    Emp­feh­lens­wert er­scheint mir zum The­ma »Er­hards Um­gang mit der ‘brau­nen’ Ver­gan­gen­heit« auch die ak­tu­el­le Aus­stel­lung im Nürn­ger­ger Do­ku­zen­trum, die das Le­ben und die – ver­ant­wor­tungs­vol­le – Tä­tig­keit des Staats­an­walts Fritz Bau­er be­han­delt.

    Er­hard wur­de, so zeigt es ei­ne Sta­ti­on die­ser Aus­stel­lung, in der Nach­kriegs­zeit ein Schrei­ben zu­ge­sandt, das die nicht un­er­heb­li­che »brau­ne« Ver­strickung und Ver­gan­gen­heit ei­ner hoch­ran­gi­gen Per­son der jun­gen Bun­des­re­pu­blik be­wei­sen soll­te. Er­hard hat die An­nah­me die­ses Schrei­bens ver­wei­gert. Man könn­te die­ses Ver­hal­ten so deu­ten: »Was ich nicht se­hen will, exi­stiert nicht ...«

    Lei­der war es mir nicht mög­lich, die­se Do­ku­men­te zu fo­to­gra­fie­ren. Ich er­war­te al­ler­dings, dass – zwecks un­ge­schön­ter Prä­sen­ta­ti­on von Er­hards Bio­gra­fie – die­se und evtl. exi­stie­ren­de ähn­li­che Do­ku­men­te auch im Für­ther LEZ zu se­hen sein wer­den.

    Ich hof­fe, das bleibt kein »from­mer Wunsch«.

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