»Neue Mit­te« – Der Denk­mal-Fre­vel geht wei­ter!

17. Dezember 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

Im Brennpunkt des »Häuserkampfes«: die R-B-S (Foto: Ralph Stenzel)

Pres­se­mit­tei­lung des Ver­eins »Wir sind Fürth«:

Wir sind Fürth e.V.
Gu­stav­stra­ße 53
90762 Fürth
ww.wir-sind-fuerth.de
postfach@wir-sind-fuerth.de

 
 
Fürth, den 17. De­zem­ber 2013

 
Neue Mit­te: Of­fen­sicht­li­cher Wort­bruch der Stadt Fürth und MIB in Sa­chen Denk­mal­schutz

Und wie­der wird die Gei­stes­hal­tung der Stadt­spit­ze of­fen­bar: Wäh­rend man pri­vat­fi­nan­zier­te, denk­mal­schutz­ge­rech­te Sa­nie­run­gen in Fürth über den Klee lobt, scheint man im »ei­ge­nen Haus« eher ge­nau das Ge­gen­teil zu ma­chen. In der letz­ten Bau-und Werks­aus­schuss-Sit­zung des Jah­res wird un­ter dem Punkt »Mit­tei­lun­gen« den an­we­sen­den Stadt­rä­ten mit­ge­teilt, dass das letz­te noch ver­blie­be­ne Ein­zel­denk­mal, Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße 4, kom­plett ent­kernt wer­den soll und so­mit sei­ner Denk­ma­l­ei­gen­schaft gänz­lich be­raubt wird. Gleich­zei­tig un­ter­schlägt der Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Tho­mas Jung den an­we­sen­den Stadt­rä­ten die fach­li­che Stel­lung­nah­me des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge aus dem April (!) die­sen Jah­res und die Stel­lung­nah­me der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de aus dem Sep­tem­ber die­sen Jah­res. Le­dig­lich die SPD-Stadt­rats­frak­ti­on konn­te im Vor­feld die Un­ter­la­gen ein­se­hen und durch ei­nen per­sön­li­chen Vor­trag des Bau­re­fe­ren­ten Krau­ße in der SPD Frak­ti­ons­sit­zung vor dem Bau­aus­schuss über den Sach­ver­halt dis­ku­tie­ren. Da­mit wird ei­nes klar, die Tat­sa­che, dass bei der Aus­schrei­bung zum In­ve­sto­ren­aus­wahl ver­fah­ren zur Neu­en Mit­te aus­ge­rech­net der Satz »der Denk­mal­schutz ist zwin­gend ein­zu­hal­ten« ver­schwun­den ist, war kein Zu­fall, wie die Stadt­spit­ze dies im­mer wie­der dar­stell­te – son­dern hat­te Me­tho­de!

Und die Me­tho­de geht noch wei­ter. Ob­wohl durch den Ab­riss des Fied­ler- und Wöl­fel­are­als meh­re­re Tau­send Qua­drat­me­ter bar­rie­re­frei be­bau­ba­re Flä­che zur Ver­fü­gung ste­hen, wird aus­ge­rech­net ein durch­aus sinn­vol­les »Leuch­turm­pro­jekt« der Le­bens­hil­fe in den l. Stock des letz­ten ver­blie­be­nen denk­mal­ge­schütz­ten Hau­ses ge­plant. Ein Zu­fall? Wohl kaum, denn die­ser Stand­ort wur­de vom Ober­bür­ger­mei­ster per­sön­lich aus­ge­sucht! In der wei­te­ren Vor­ge­hens­wei­se wird an­schei­nend der Päd­ago­gi­sche Lei­ter der Le­bens­hil­fe zum Bau­leit­pla­ner er­nannt – und des­sen Ar­chi­tekt be­kommt von Sei­ten der Stadt bzw. Le­bens­hil­fe kei­ner­lei Auf­la­gen zur Prü­fung der hi­sto­ri­schen Bau­sub­stanz mit der ge­plan­ten künf­ti­gen Nut­zung. So wird die Stadt Fürth nach dem il­le­ga­len Ab­riss des Fest­saals er­neut zürn Leucht­turm in Sa­chen Denk­mal­ab­riss!

Wir stel­len fest, dass nach dem Ab­riss des Fest­saa­les, der Öff­nung der Haus­fas­sa­den über zwei Stock­wer­ke in der süd­li­chen Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße und der voll­stän­di­gen Ent­ker­nung der Häu­ser Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße 4, 6 und 10 vom Denk­mal­schutz nichts mehr üb­rig bleibt.

Wir schlie­ßen uns des­halb der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de an, die aus fach­li­cher Sicht der vor­ge­leg­ten Pla­nung nicht zu­stim­men kann. Wir schlie­ßen uns wei­ter­hin dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge Bay­ern an, das ge­wich­ti­ge Grün­de ge­gen die Ent­ker­nung spre­chen sieht, da das Bau­denk­mal sei­ner hi­sto­ri­schen Aus­sa­ge und sei­ner künst­le­ri­schen Be­deu­tung be­raubt wür­de – und kon­se­quen­ter­wei­se die Er­laub­nis zur Ent­ker­nung ver­wei­gert.

Des­halb for­dert Wir sind Fürth e.V.:

  • Ei­ne Klä­rung, ob das ge­plan­te Vor­ha­ben der Le­bens­hil­fe nicht an ei­ner an­de­ren (bes­se­ren) Stel­le der Neu­en Mit­te rea­li­siert wer­den kann.

  • Ei­ne Mach­bar­keits­stu­die des ge­plan­ten Vor­ha­bens un­ter »zwin­gen­der Ein­hal­tung des Denk­mal­schut­zes«!

  • Ei­nen so­for­ti­gen Bau­stopp in der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße 4 bis zur Klä­rung der bei­den oben ge­nann­ten Punk­te um si­cher zu stel­len, dass nicht er­neut voll­ende­te Tat­sa­chen ge­schaf­fen wer­den.

Ab­schlie­ßend möch­ten wir noch dar­auf hin­wei­sen, dass selbst die Un­te­re Denk­mal­schutz­be­hör­de zur Ent­ker­nung der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße 4 fest­stellt, »...dass die ge­plan­ten Um­bau­maß­nah­men weit au­ßer­halb des in der Stadt Fürth prak­ti­zier­ten gän­gi­gen Ge­neh­mi­gungs­spek­trums lie­gen.« Dem ist nichts hin­zu­zu­fü­gen!

 
Kam­ran Sa­li­mi 
1. Vor­sit­zen­der
Wir sind Fürth e.V.

 
An­la­ge:
Schrei­ben des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge vom 29. April 2013

 
Ver­tei­ler: 
– Ört­li­che Pres­se 
– Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Tho­mas Jung 
– Bür­ger­mei­ster– und Pres­se­amt 
– SPD-Stadt­rats­frak­ti­on 
– CSU-Stadt­rats­frak­ti­on 
– Bünd­nis 90 / Die Grü­nen-Stadt­rats­frak­ti­on 
– Freie Wäh­ler  
– Die Lin­ken 
– Mo­ha­med You­nis 
– Sieg­fried Tie­fel

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10 Kommentare zu »»Neue Mit­te« – Der Denk­mal-Fre­vel geht wei­ter!«:

  1. Kei­ne Fra­ge, daß ein von Be­hin­der­ten be­trie­be­nes Ca­fé ein wun­der­ba­re Sa­che ist, Stich­wort »In­klu­si­on«. Frag­los be­grü­ßens­wert ist es auch, wenn so ei­ne Ein­rich­tung in be­ster Ci­ty-La­ge be­trie­ben und nicht in qua­si un­sicht­ba­rer und schwach fre­quen­tier­ter Rand­la­ge ver­steckt wird. Toll!

    Völ­lig un­ver­ständ­lich ist mir aber, wenn ei­ne in Denk­mal­schutz­fra­gen of­fen­bar eben­so igno­ran­te wie ar­ro­gan­te Stadt­spit­ze sich ein­mal mehr am bau­hi­sto­ri­schen Er­be ver­ge­hen will, wel­ches Fürth bis­lang zur in Deutsch­land ein­ma­li­gen Denk­mal­stadt ge­macht hat: »‘Ab­riß ver­pflich­tet’ – Vom Krieg ver­schont, vom Stadt­rat nicht« ist kei­ne po­le­mi­sche Zu­spit­zung, son­dern die trau­ri­ge Rea­li­tät im Jah­re 2013!

    Es ist über­haupt nicht ein­zu­se­hen, war­um für das Le­bens­hil­fe-Pro­jekt be­stens er­hal­te­ner Grün­der­zeit-Stuck ge­op­fert wer­den soll: Ein paar Me­ter ne­ben­an, in der Fried­rich­stra­ße, er­freut sich ein Scho­ko­la­den-Ge­schäft mit Ca­fé-Be­trieb größ­ter Be­liebt­heit ge­ra­de we­gen sei­ner pracht­vol­len Decken­ver­zie­rung aus der Bau­zeit!

    Ein paar ein­fach ge­strick­te Ge­mü­ter schei­nen in der öf­fent­li­chen De­bat­te den Denk­mal­schutz und die so­zia­le In­te­gra­ti­on von be­hin­der­ten Men­schen ge­gen­ein­an­der aus­spie­len zu wol­len. Ein eben­so un­lau­te­rer wie ver­ach­tens­wert ma­ni­pu­la­ti­ver Ver­such zur Be­ein­flus­sung der öf­fent­li­chen Mei­nung! Nie­mand stellt den ge­sell­schaft­li­chen Wert des Le­bens­hil­fe-Pro­jek­tes in Fra­ge. Die Fra­ge ist nur, war­um sich auf den ‑zig­tau­send Qua­drat­me­tern der neu­errich­te­ten MIB-Pro­jekt­flä­che kein ad­äqua­ter Stand­ort da­für fin­den soll, der von vor­ne­her­ein bar­rie­re­frei, sprich eben­erdig ist und zu­dem frei von denk­mal­schüt­ze­ri­schen Auf­la­gen?

    Die Ant­wort scheint mir auf der Hand zu lie­gen: Weil in den Pre­mi­um-La­gen eben doch die Ren­di­te-Brin­ger und nicht die Zu­schuß-Pro­jek­te un­ter­ge­bracht wer­den sol­len! MIB be­weist ein­mal mehr, was ihr Be­kennt­nis zur Be­son­der­heit Fürths wert ist: kei­nen Pfif­fer­ling. Und die Stadt­spit­ze er­weist sich er­neut als will­fäh­ri­ger Voll­strecker von In­ve­sto­ren-In­ter­es­sen. Der Ober­bür­ger­mei­ster und sei­ne all­zeit de­vo­te Frak­ti­on prä­sen­tie­ren sich da­mit als lern­re­si­stent und als die ei­gent­lich Rück­stän­di­gen. Ver­mut­lich sind sie auch noch stolz dar­auf.

    Schlimm.

  2. Michael Gründel sagt:

    Die Idee, dass ein Ca­fe von Men­schen mit Han­di­cap ge­führt wird, fin­de ich wirk­lich gut. Es wür­de si­cher ei­ne Be­rei­che­rung für Fürth dar­stel­len. Aber ist das Ge­bäu­de Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße Nr. 4 da­für ge­eig­net? Wie bei je­dem denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­de soll­te am An­fang al­ler Pla­nun­gen die Fra­ge ste­hen, ob die ge­plan­te Nut­zung zum Ge­bäu­de passt. Bei ei­nem Denk­mal hat sich die Nut­zung dem Ge­bäu­de un­ter­zu­ord­nen, nicht das Ge­bäu­de der Nut­zung!

    Um ein bar­rie­re­frei­es Ca­fe ein­zu­rich­ten, ist der er­ste Stock ei­nes denk­mal­ge­schüt­zen Hau­ses der wohl denk­bar pro­ble­ma­tisch­ste Ort. Mas­si­ve, ko­sten­in­ten­si­ve Um­bau­ten wä­ren not­wen­dig. Um­bau­ten, die in die­sem kon­kre­ten Fall of­fen­bar nicht mit dem Denk­mal­schutz in Ein­klang zu brin­gen sind. Das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge hat be­reits im April 2013 fol­gen­de Stel­lung­nah­men zu den Pla­nun­gen ab­ge­ge­ben:

    »Das Ge­bäu­de (Ru­dolf-Breit­scheidt-Str. 4) ge­hört auf­grund sei­ner Zu­schnit­tes und Über­lie­fe­rungs­gra­des zu den be­son­de­ren Bau­denk­mä­lern Fürths. Fol­ge die­ser (Um­bau-) Maß­nah­me wä­re ein ar­chi­tek­to­nisch ent­bein­tes und sei­ner hi­sto­ri­schen Aus­sa­ge und künst­le­ri­schen Be­deu­tung völ­lig be­raub­tes Bau­werk. Da­ge­gen spre­chen ge­wich­ti­ge Grün­de des Denk­mal­schut­zes. Die Maß­nah­me ist nach den Vor­ga­ben des Baye­ri­schen Denk­mal­schutz­ge­set­zes nicht er­laub­nis­fä­hig.«

    In un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft wer­den Neu­bau­ten er­rich­tet, die we­sent­lich ein­fa­cher für Men­schen mit Be­hin­de­rung nutz­bar wä­ren. Auch an an­de­rer pro­mi­nen­ter Stel­le, bei­spiels­wei­se im ge­plan­ten Lud­wig-Er­hard-Zen­trum, könn­te ein bar­rie­re­frei­es Ca­fe ein­ge­rich­tet wer­den. War­um al­so muss aus­ge­rech­net hier das Ca­fe ent­ste­hen?

    Ganz ein­fach: MIB und sei­nen Ge­schäfts­part­nern geht es nicht um Chan­cen­gleich­heit oder In­te­gra­ti­on be­hin­der­ter Men­schen, es geht um knall­har­te wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen! Das Ge­bäu­de soll für die zu­künf­ti­ge Nut­zung im Ein­zel­han­del vor­be­rei­tet wer­den, die Denk­ma­l­ei­gen­schaft be­sei­tigt wer­den. Das be­rech­tig­te In­ter­es­se be­hin­der­ter Men­schen wird als mo­ra­li­sches Ar­gu­ment ge­gen den Denk­mal­schutz miss­braucht. Ei­ne im Kern sehr gu­te Idee wird per­ver­tiert und ge­schickt in­stru­men­ta­li­siert – Bür­ger­mei­ster und Stadt­rat wer­den re­gel­recht er­presst. Aber las­sen sie sich auch wirk­lich er­pres­sen?

    MIB lässt nur die Wahl zwi­schen Pest und Cho­le­ra: Ent­we­der wird die wert­vol­le, ge­schütz­te In­nen­ein­rich­tung des Ge­bäu­des zer­stört oder die er­hal­tens­wer­te Fas­sa­de durch ei­nen Schau­fen­ster­ein­bau mas­siv ent­stellt. In bei­den Fäl­len wür­de das Haus sei­ner ar­chi­tek­to­ni­schen und künst­le­ri­schen Qua­li­tät be­raubt. Fürth wür­de ein bau­li­ches Klein­od ver­lie­ren. Das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge hat den Um­bau­ten der be­nach­bar­ten Ge­bäu­de nur un­ter der Vor­aus­set­zung zu­ge­stimmt, dass das Haus Nr. 4 voll­stän­dig er­hal­ten bleibt.

    Der Ruf der »Denk­mal­stadt Fürth« ist seit dem Ab­riss des hi­sto­ri­schen Park­ho­tel-Fest­saals deutsch­land­weit schwer be­schä­digt. Aber ist der Ruf erst rui­niert, lebt’s sich... Nein, stopp! Dr. Jung und der Stadt­rat ha­ben die Chan­ce, dies­mal Rück­grad zu be­wei­sen. Die Chan­ce, sich zu wi­der­set­zen und zu zeigt, dass sie nicht er­press­bar sind.

    Al­le – Bür­ger­mei­ster, Bau­re­fe­rent und Stadt­rat – wä­ren gut be­ra­ten, ih­ren ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Auf­trag end­lich wahr­zu­neh­men und dem Rat des Baye­ri­schen Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge zu fol­gen. Sprich: Dem Ge­mein­wohl zu die­nen und da­mit dem In­ve­stor sub­stan­ti­el­le Ein­grif­fe an der hi­sto­ri­schen Bau­sub­stanz gänz­lich zu un­ter­sa­gen und da­mit die Vor­ga­ben des Baye­ri­schen Denk­mal­schutz­ge­set­zes ein­zu­hal­ten.

    Soll­te MIB mit sei­nem Vor­ha­ben Er­folg ha­ben, bleibt doch ein ne­ga­ti­ves »Ge­schmäck­le« am Stadt­rat haf­ten. Der Ti­tel »Denk­mal­stadt Fürth« wä­re end­gül­tig ad ab­sur­dum ge­führt und soll­te des­halb aus dem Port­fo­lio der Stadt und von den Au­to­bahn­weg­wei­sern ge­stri­chen wer­den.

    Ich wün­sche mir, dass es nicht so­weit kommt. Ich wün­sche mir, dass Fürth mit Stolz sein kul­tu­rel­les Er­be ver­tei­digt. Ich wün­sche mir, dass sich Bür­ger­mei­ster, Stadt­rat und al­le be­tei­lig­ten Gre­mi­en lo­kal­pa­trio­tisch im Sin­ne Fürths han­deln und sich nicht mehr vor den Kar­ren ei­nes von wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen ge­lei­te­ten In­ve­stors span­nen las­sen.

    Zahl­rei­che Bei­spie­le wie die »Sü­ße Frei­heit« in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft oder Ga­stro­no­mie und Ge­schäf­te in der Alt­stadt zei­gen, dass sich Denk­mal­schutz und wirt­schaft­li­che Nut­zung nicht wi­der­spre­chen müs­sen. Es sind zu­meist die klei­nen, pri­va­ten In­ve­sto­ren, die mit viel Herz­blut und fi­nan­zi­el­len Auf­wand Denk­mal­schutz­auf­la­gen er­fül­len. Sie sind es, die ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zum Er­halt un­se­res kul­tu­rel­len Er­bes lei­sten, nicht In­ve­sto­ren wie MIB! Da­bei ent­ste­hen oft Or­te mit ho­her Qua­li­tät, an de­nen man ger­ne ver­weilt. Or­te, die von vie­len Men­schen ge­schätzt und ge­liebt wer­den. Or­te, die Fürth ein­zig­ar­tig ma­chen Or­te, de­rent­we­gen ich ger­ne in Fürth le­be!

  3. Manu sagt:

    Ich ge­be mei­nem Vor­schrei­ber ger­ne in al­len Punk­ten Recht, muss ihm aber lei­der gleich­zei­tig al­le Hoff­nun­gen neh­men.

    In der Stadt­rat­sit­zung am Mitt­woch wur­den in der Dis­kus­si­on – wie be­fürch­tet – Denk­mal­schutz und In­klu­si­on ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt. Die Al­ter­na­ti­ven lau­te­ten »Denk­mal­schutz ODER Le­bens­hilfe­ca­fé« so­wie »zer­stör­te Fas­sa­se ODER ab­ge­ris­se­ne Stuck­decke« (auf die Idee, bei­des zu er­hal­ten, ist man nicht ge­kom­men.) Die Fra­ge, war­um das Le­bens­hilfe­ca­fé aus­ge­rech­net in Haus Nr. 4 ein­zie­hen soll, wur­de nicht be­ant­wor­tet. Die For­de­rung, die Zwi­schen­decke des Neu­baus an die des Alt­baus an­zu­pas­sen, wur­de als uto­pisch ver­wor­fen. Die Fra­ge, was denn pas­siert, wenn die Decke um 76 cm an­ge­ho­ben wird, der Fuß­bo­den des 1. Stockes da­mit selt­sam na­he an die Fen­ster her­an­rückt, wur­de erst gar nicht ge­stellt. Die Abstimmung/Empfehlung fiel – an­ge­sichts der oben ge­nann­ten Al­ter­na­ti­ven – er­war­tungs­ge­mäß ge­gen die denk­mal­ge­schütz­ten Stuck­decken aus.

  4. Me­di­en PRAXIS e.V. hat die Stadt­rat­sit­zung vom 18.12.2013 auf­ge­nom­men, ei­ne Zu­sam­men­fas­sung an­ge­fer­tigt und als Vi­deo-Clip ins Netz ge­stellt:

    »Neue Mit­te Fürth: Denk­mal­schutz oder ein in­te­gra­ti­ves Ca­fé der Für­ther Le­bens­hil­fe?«

  5. An­ge­sichts der Fei­er­ta­ge von mei­ner Sei­te vor­erst nur drei Din­ge hier­zu:

    1. Ei­ni­ge Stadt­rä­te in­klu­si­ve Stadt­bau­rat Krau­ße mein­ten im Stadt­rat, dass die Ent­fer­nung der Decke u.a. den gro­ßen Vor­zug ha­be, dass so die Fas­sa­de er­hal­ten wer­den kön­ne. Zi­tat aus den Für­ther Nach­rich­ten vom 17.12.13 (»Wie­der Streit mit dem Denk­mal­schutz«): »Pro­ble­ma­tisch wird es, weil der MIB-Neu­bau, der auf dem Wöl­fel-Are­al von hin­ten an die al­ten Häu­ser an der Breit­scheid­stra­ße an­docken wird, ei­ne an­de­re Raum­hö­he hat. Der Fuß­bo­den des er­sten Stocks ist ex­akt um 76 Zen­ti­me­ter hö­her als im Alt­bau.« In ih­rer »fach­li­chen Stel­lung­nah­me« nennt ei­ne päd­ago­gi­sche Fach­kraft (die bei der Le­bens­hil­fe of­fen­sicht­lich auch gleich die ar­chi­tek­to­ni­sche Pla­nung mit über­nimmt) ei­ne Lö­sung: »Die Erd­ge­schoss­decke müss­te auf das Ni­veau des Neu­baus an­ge­ho­ben wer­den, was al­ler­dings zur Fol­ge hät­te, dass sich Be­su­cher die Köp­fe an der Decke des er­sten Stocks sto­ßen wür­den«. Die­se müss­te al­so raus, die Räu­me wür­den dann »durch die Decke der ehe­ma­li­gen zwei­ten Eta­ge ab­ge­schlos­sen«. »Wir wür­den trä­nen­den Au­ges den Ab­riss der Decke in Kauf neh­men, da­für aber die Fas­sa­de er­hal­ten«, so Krau­ße. – An­ge­sichts die­ser ein­fühl­sa­men Wor­te kom­men mir auch die Trä­nen der Rüh­rung, denn: Wenn der Bo­den des 1. OG um 76 cm an­ge­ho­ben wird, ist die Fen­ster­brü­stung le­dig­lich ca. 14 cm vom Fuß­bo­den ent­fernt, bei ei­ner Fen­ster­hö­he von ge­schätzt 1,2 bis 1,3 m. Es sä­he in ei­nem Ca­fé äu­ßerst selt­sam aus, wenn die Fen­ster auf Bauch­na­bel­hö­he en­den wür­den, ver­mut­lich ist das bau­recht­lich über­haupt nicht zu­läs­sig. Folg­lich müs­sen die Fen­ster ver­grö­ßert oder in der La­ge ver­än­dert und da­mit die Fas­sa­de auf­ge­ris­sen wer­den.

    2. Ei­ne ne­ga­ti­ve Stel­lung­nah­me der Un­te­ren Denk­mal­schutz­be­hör­de Fürth lag schon vor, wird aber nun für nich­tig, für nie da­ge­we­sen er­klärt, busi­ness as usu­al in Fürth. Die Pla­nung von MIB sah schon im­mer die Ent­fer­nung der Decke vor, von da­her ist es für den In­ve­stor schon ein Glücks­fall (Glücks-Zu­fall?), dass man die Le­bens­hil­fe mit ins Boot ho­len konn­te. In der jet­zi­gen Kon­stel­la­ti­on wird die per­fi­de Stim­mungs­ma­che ge­gen den Denk­mal­schutz in Fürth um die ef­fek­ti­ve Kom­po­nen­te »Denk­mal­schutz ge­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung« er­gänzt. In­so­fern be­dan­ke ich mich bei Dr. Joa­chim Schmidt für sei­nen Re­de­bei­trag in der Stadt­rats­sit­zung (»Die­je­ni­gen, die sich mehr für den Denk­mal­schutz ent­schei­den, sind nicht ge­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung«).

    3. Im Sep­tem­ber 1984 war ich bei der Er­öff­nung der in­te­gra­ti­ven Knei­pe »Lenny´s Hüt­te« in der Fried­rich-Ebert-Stra­ße (ge­schlos­sen im Ju­li 1993), weil ein Freund dort Zi­vil­dienst ab­lei­ste­te. Von den et­wa 100 zur Er­öff­nung ein­ge­la­de­nen Nach­barn kam kein ein­zi­ger. Die Hemm­schwel­le war ein­fach zu hoch. Ich bin Ca­fé-Lieb­ha­ber und ha­be auf der gan­zen Welt von Ka­li­for­ni­en bis Neu­see­land, von Ir­land bis Ne­pal, von Kai­ro bis Li­ma Ca­fés be­sucht. Ei­nem Ca­fé, das sich nicht im Erd­ge­schoss ein­la­dend öff­net, ge­be ich we­ni­ge Chan­cen. Ich glau­be nicht, dass das so ge­plan­te Sa­moc­ca-Ca­fé die In­te­gra­ti­on und In­klu­si­on in Fürth be­deu­tend wei­ter­brin­gen wird.

  6. Michael Gründel sagt:

    @manu @alexander may­er

    Las­sen Sie doch die gu­ten Ar­gu­men­te, die hier an­ge­führt wer­den, den Ent­schei­dungs­trä­gern zu­kom­men! Auf die­ser Platt­form ver­hal­len sie!

    Wir sind Fürth e.V. ha­be ich vor­ge­schla­gen, al­les Fak­ten, die dem Ver­ein über den Vor­gang RBS 4 und Fest­saa­l­ab­riss vor­lie­gen, z. B. der Re­dak­ti­on von »quer« des Baye­ri­scher Rund­funk, zu po­sten und so­mit ei­ne brei­te Öf­fent­lich­keit zu schaf­fen.

    An­son­sten bleibt nur zu sa­gen: Ar­mes Fürth – Denk­mal­schutz ist ein rei­nes Lip­pen­be­kennt­nis oh­ne je­de Sub­stanz, so­bald die Stadt­spit­ze die Fin­ger im Spiel hat. Selbst vor be­son­ders qua­li­täts­vol­len Denk­mä­lern macht OB Jung und sein Bau­re­fe­rent nicht halt, wenn es dar­um geht, ma­te­ri­el­le In­ter­es­sen von In­ve­sto­ren zu be­frie­di­gen und dann bei der näch­sten Kom­mu­nal­wahl als Ret­ter des Ein­zel­han­dels da­zu­ste­hen. Ich den­ke, OB, Bau­re­fe­rent und nicht zu­letzt der Stadt­rat ma­chen es sich nur all­zu leicht. Und dass nun die In­klu­si­on be­hin­der­ter Mit­men­schen als Ar­gu­ment ge­gen den Denk­mal­schutz her­hal­ten muss, ist ei­ne ein­zi­ge Schwei­ne­rei!

    Die Kalt­schnäu­zig­keit, mit der hier be­nach­tei­lig­te Men­schen in­stru­men­ta­li­siert wer­den ist wirk­lich un­ge­heu­er­lich! Eben­so wie die Kalt­schnäu­zig­keit, den Stadt­rat viel zu spät in letz­ter Mi­nu­te mit un­ab­än­der­li­chen Fak­ten zu kon­fron­tie­ren. Das Ur­teil der ober­sten baye­ri­schen Denk­mal­schüt­zer wird in Fürth qua­si von »Got­tes Gna­den« über­gan­gen! Das ist ein Po­li­tik­stil, den ich be­sten­falls der CSU zu FJS-Zei­ten zu­ge­traut hät­te!

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