MIB ver­spielt in Fürth sei­nen gu­ten Ruf

17. Juni 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

Festsaal des Parkhotels (Computerrekonstruktion: Dipl.-Ing. Klaus Heller)

Of­fe­ner Brief der Bür­ger­initia­ti­ve »Ei­ne bes­se­re Mit­te für Fürth« und des Ver­eins »Wir sind Fürth«:

Herrn
Ul­rich Hüls­beck

 
Fürth, den 14. Ju­ni 2013

 
MIB ver­spielt in Fürth sei­nen gu­ten Ruf

 
Sehr ge­ehr­ter Herr Hüls­beck,

wir wen­den uns in ei­nem of­fe­nen Brief an Sie als Auf­sichts­rats­mit­glied der MIB AG.

Wie Sie wis­sen, ent­wickelt MIB in Fürth ge­ra­de ei­nen neu­en Ein­kaufs­schwer­punkt in der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße. Die Bür­ger­initia­ti­ve »Ei­ne bes­se­re Mit­te für Fürth« und der Ver­ein »Wir sind Fürth e. V.« be­grü­ßen aus­drück­lich die Im­pul­se, die da­von für den Ein­zel­han­del in der Für­ther In­nen­stadt zu er­hof­fen sind.

MIB ist als In­ve­stor be­kannt, der in ver­gleich­ba­ren Pro­jek­ten groβen Wert auf den Er­halt und die In­te­gra­ti­on hi­sto­ri­scher Bau­sub­stanz ge­legt hat. Ge­lun­ge­ne Bei­spie­le wie die Baum­woll­spin­ne­rei, der Bart­hels und der Wün­sch­manns Hof in Leip­zig so­wie die An­na-Loui­sa-Karsch-Stra­ße und die Von-Luck-Stra­ße in Ber­lin zeu­gen von re­spekt­vol­lem Um­gang mit ar­chi­tek­to­ni­schen Zeug­nis­sen der Ver­gan­gen­heit bei gleich­zei­ti­ger in­no­va­ti­ver Nut­zung für neue öko­no­mi­sche Zwecke. Die­se nach­hal­ti­ge und se­riö­se In­ve­sti­ti­ons­po­li­tik von MIB durf­te bis­lang als Mar­ken­zei­chen Ih­res Un­ter­neh­mens gel­ten.

Die Er­war­tun­gen, dass das Für­ther Pro­jekt bei MIB in den rich­ti­gen Hän­den sei, wa­ren ent­spre­chend groß. Im In­ve­sto­ren­wett­be­werb fiel der Zu­schlag für MIB auf der Ba­sis ei­nes Ma­ster­plans des Ar­chi­tek­ten Ja­mes Cra­ven, der all­seits gro­ße Hoff­nun­gen auf ei­ne stadt­bild- und denk­mal­ge­rech­te Lö­sung weck­te. Nach­dem in den Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen des In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­rens dem Denk­mal­schutz ein ho­her Stel­len­wert zu­kam, war die Ent­täu­schung um­so grö­ßer, als er­sicht­lich wur­de, dass MIB kei­ne Be­reit­schaft zeigt, sich ei­nes ar­chi­tek­to­nisch wie hi­sto­risch für Fürth be­deut­sa­men Denk­mals an­zu­neh­men, des 125 Jah­re al­ten Fest­saals im ehe­ma­li­gen Park-Ho­tel.

Der un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­de Fest­saal des Park-Ho­tels bil­de­te für vie­le Jahr­zehn­te den ge­sell­schaft­li­chen Mit­tel­punkt des 1888 fer­tig­ge­stell­ten Neu­renais­sance-Ho­tel­baus wie der gan­zen Stadt Fürth. Dar­über hin­aus er­in­nert das Park-Ho­tel in Fürth durch sei­ne La­ge an der Für­ther Frei­heit an die An­kunft der er­sten deut­schen Ei­sen­bahn im Jah­re 1835. Der Lud­wigs­bahn­hof ist längst ab­ge­ris­sen. Ge­blie­ben ist das ehe­ma­li­ge Ho­tel, das die Nä­he zum Bahn­hof such­te. Es darf als ein­zi­ges bau­li­ches Denk­mal die­ses tech­nik-, ver­kehrs- und kul­tur­ge­schicht­lich be­deu­ten­den Er­eig­nis­ses ver­stan­den wer­den.

Wir sind nicht zu­letzt auf­grund der Pla­nun­gen ei­nes Mit­be­wer­bers so­wie ei­nes frü­he­ren In­ve­stors der fe­sten Über­zeu­gung, dass sich der Fest­saal in den Ein­kaufs­schwer­punkt ge­winn­brin­gend in­te­grie­ren lie­ße. Als ech­tes Al­lein­stel­lungs­merk­mal wür­de der Fest­saal dem Pro­jekt be­son­de­re At­trak­ti­vi­tät si­chern.

Vor dem Hin­ter­grund die­ser Op­ti­on möch­ten wir MIB an sei­ne Selbst­ver­pflich­tung zu ei­nem »behutsame(n) Um­gang mit der For­men­spra­che ver­gan­ge­ner Epo­chen« im auf der Web­site ver­öf­fent­li­chen Leit­bild des Un­ter­neh­mens er­in­nern:

»Das En­ga­ge­ment für ei­ne selbst­be­wuss­te und re­spekt­vol­le Ar­chi­tek­tur des 21. Jahr­hun­derts und der be­hut­sa­me Um­gang mit der For­men­spra­che ver­gan­ge­ner Epo­chen zur Schaf­fung äs­the­tisch-funk­tio­na­ler Wer­tig­keit bleibt ei­ne gül­ti­ge Tra­di­ti­ons­li­nie der MIB, an der die Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens ge­mes­sen wird.«

MIB setzt in Fürth sei­nen gu­ten Ruf aufs Spiel. Es wä­re Ih­rem Ge­schäft ge­wiss nicht zu­träg­lich, wenn die Mar­ke MIB in Zu­kunft mit der Zer­stö­rung statt der Wah­rung hi­sto­ri­scher Bau­sub­stanz ver­knüpft wür­de. Wohl­ge­merkt, es geht hier um ein Bau­denk­mal, für des­sen Er­halt sich das baye­ri­sche Lan­des­denk­mal­amt, der baye­ri­sche Lan­des­denk­mal­rat und das Denk­mal­netz Bay­ern ein­set­zen. Ei­ne On­line-Pe­ti­ti­on an den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten von Mit­tel­fran­ken fand in­ner­halb kür­ze­ster Zeit mehr als 1700 Un­ter­stüt­zer. Dar­aus wird er­sicht­lich, wie stark das öf­fent­li­che In­ter­es­se am Er­halt des Fest­saals ist.

Die Zeit drängt: Die Stadt Fürth hat über­eilt ei­ne Ab­riss-Ge­neh­mi­gung er­teilt und möch­te Tat­sa­chen schaf­fen. Des­halb ap­pel­lie­ren wir drin­gend an Sie, Ih­ren Ein­fluss gel­tend zu ma­chen, um den Ab­riss des Fest­saals in letz­ter Mi­nu­te zu ver­hin­dern. MIB hat das Know-how und die Mit­tel, ei­ne op­ti­mier­te Lö­sung zu rea­li­sie­ren – zum Vor­teil für MIB und zum Vor­teil des Stadt­bil­des von Fürth.

Das Schick­sal des Fest­saals und des Park-Ho­tels liegt in Ih­rer Hand. Sie sind herz­lich zu ei­nem Ge­spräch und ei­nem Orts­ter­min nach Fürth ein­ge­la­den.

Mit freund­li­chen und hoff­nungs­vol­len Grüβen

Dr. Tho­mas Heyden
für die Bür­ger­initia­ti­ve »Ei­ne bes­se­re Mit­te für Fürth«

Fe­lix Geismann
für den Ver­ein »Wir sind Fürth«

 
Ver­tei­ler des Schrei­bens:

  • MIB Auf­sichts­rat
  • MIB Vor­stand
  • Ko­pie an den Ober­bür­ger­mei­ster der Stadt Fürth
  • Ko­pie an die Pres­se
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14 Kommentare zu »MIB ver­spielt in Fürth sei­nen gu­ten Ruf«:

  1. Mit Schrei­ben vom 24.06.2013 ant­wor­ten die Her­ren Dr. Alex­an­der Schlag und Uwe Lau­le von der Fir­ma MIB den Kri­ti­kern und wer­ben für den neu­en Ein­kaufs­schwer­punkt:

    Herrn
    Dr. Tho­mas Heyden
    Lui­sen­stra­ße 9
    90762 Fürth
     
    Herrn
    Fe­lix Geismann
    Gu­stav­stra­ße 51
    90762 Fürth
     
     
    24. Ju­ni 2013
    AS-UL/aw
     
     
    Neue Mit­te Fürth
    Ihr of­fe­ner Brief vom 14. Ju­ni 2013
     
     
    Sehr ge­ehr­ter Herr Dr. Heyden,
    sehr ge­ehr­ter Herr Geismann,
    sehr ge­ehr­te Mit­glie­der der Bür­ger­initia­ti­ve »Ei­ne bes­se­re Mit­te für Fürth«
    und des Ver­eins »Wir sind Fürth e.V.«,
     
    MIB wur­de im Rah­men ei­nes 2011 durch­ge­führ­ten In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­rens be­auf­tragt, ei­nen neu­en Ein­kaufs­schwer­punkt in der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße zu ent­wickeln und zu rea­li­sie­ren. Auf der Grund­la­ge un­se­res im Ju­li 2011 ein­ge­reich­ten Be­wer­bungs­kon­zepts konn­ten wir seit­dem die­ses für uns wie für Fürth so wich­ti­ge Pro­jekt deut­lich vor­an­trei­ben, wei­ter­ent­wickeln und, wie wir mei­nen, ver­bes­sern.
     
    Im Nach­gang konn­te sich ein mehr­stu­fi­ger Ar­chi­tek­tur­work­shop, des­sen Ju­ry breit mit Fach­leu­ten und Ver­tre­tern der Stadt Fürth und des Stadt­ra­tes be­setzt war, mit den un­ter­schied­li­chen Ide­en der be­tei­lig­ten Ar­chi­tek­tur­bü­ros be­fas­sen. Die Ju­ry, in der auch ein Ver­tre­ter der Bür­ger­initia­ti­ve saß, für die Sie spre­chen, hat sich nach lei­den­schaft­lich ge­führ­ten Dis­kus­sio­nen mit kla­rer Mehr­heit für die Um­set­zung des jetzt in An­griff ge­nom­me­nen Kon­zepts ent­schie­den. Da­bei wur­den ins­be­son­de­re auch die Be­lan­ge des Denk­mal­schut­zes und die Rück­sicht­nah­me auf den vor­han­de­nen Be­stand bei der Ent­schei­dungs­fin­dung in­ten­siv dis­ku­tiert und ab­ge­wo­gen.
     
    Da es mög­li­cher­wei­se nicht al­len Le­sern Ih­res Schrei­bens be­wusst ist, dür­fen wir an die­ser Stel­le noch­mals aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass un­ser Be­wer­ber­kon­zept im In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­ren im Ju­li 2011 von vor­ne her­ein ei­ne wei­test­ge­hen­de Neu­be­bau­ung des »Fied­ler­are­als« bei Er­halt le­dig­lich der Fest­saal­fas­sa­de vor­sah. Die Neu­be­bau­ung und die sich hier­aus er­ge­be­nen Flä­chen und Nut­zun­gen in die­sem Are­al sind und wa­ren we­sent­li­cher Be­stand­teil der Funk­ti­ons­fä­hig­keit und wirt­schaft­li­chen Trag­fä­hig­keit des Pro­jekts »Neue Mit­te Fürth«.
     
    Ihr of­fe­ner Brief er­weckt lei­der den An­schein, als wür­de die Neue Mit­te Fürth die wich­tig­sten und we­sent­lich­sten An­lie­gen des Denk­mal­schut­zes igno­rie­ren. Da­mit las­sen Sie ins­be­son­de­re die zen­tra­le Rol­le un­ter den Tisch fal­len, die die denk­mal­ge­schütz­ten Alt­bau­ten an der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße, die hi­sto­ri­sche We­ge­be­zie­hung zwi­schen Für­ther Frei­heit und Schwa­ba­cher Stra­ße und der Er­halt der denk­mal­ge­schütz­ten Fas­sa­de an der Most­stra­ße für die Neue Mit­te ein­neh­men. Die Be­wah­rung des denk­mal­ge­schütz­ten Häu­ser­en­sem­bles an der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße do­mi­niert die Lo­gik un­se­res Ent­wurfs. Nicht zu­letzt der Wunsch nach Be­wah­rung an die­ser Stel­le führ­te uns zur Ent­wick­lung ei­nes »Ge­schäfts­haus­mo­dells« an der als Fuß­gän­ger­zo­ne ver­län­ger­ten Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße und zum Ver­zicht auf ein Ein­kaufs­zen­trum mit ei­ner in­ter­nen Mall.
     
    Mit die­sem Kon­zept setzt die Neue Mit­te ei­nen be­wuss­ten Schwer­punkt in Be­lan­gen des Denk­mal­schut­zes. Das Kon­zept greift die in­ten­si­ven po­li­ti­schen und fach­li­chen Dis­kus­sio­nen auf, in de­ren Rah­men das Vor­ha­ben Neue Mit­te von den be­tei­lig­ten Äm­tern und Be­hör­den, ins­be­son­de­re aber von der Stadt Fürth und ih­ren po­li­ti­schen Gre­mi­en selbst be­reits vor der Aus­schrei­bung des In­ve­sti­ti­ons­vor­ha­bens struk­tu­riert wur­de.
     
    Der voll­stän­di­ge Er­halt der Fas­sa­de des Park­ho­tels war wäh­rend des In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­rens kein Dis­kus­si­ons­ge­gen­stand. Nach dem Zu­schlag des Vor­ha­bens an MIB exi­stier­te noch­mals ei­nen groß­zü­gig ge­fass­ter Raum für Dis­kus­sio­nen im Rah­men des Ar­chi­tek­ten­work­shops. Auch dort wur­de der Er­halt des Ho­tels von den Per­so­nen und Stel­len, die sich in der bzw. für die Stadt mit Be­lan­gen des Denk­mal­schut­zes be­fas­sen, nie zur Spra­che ge­bracht.
     
    In den Dis­kus­sio­nen der Teil­neh­mer des Ar­chi­tek­tur­work­shops wur­de so­gar im­mer wie­der, auch von den Ver­tre­tern des Denk­mal­schut­zes, un­ter­stri­chen, dass das Vo­lu­men des heu­ti­gen Park­ho­tels in Ver­bin­dung mit sei­ner Hö­he ei­gent­lich nicht zu der hi­sto­ri­schen Kör­nung des Stadt passt, und uns wur­de ei­ne in Ih­rer Ku­ba­tur und Hö­hen­ab­wick­lung demütige(re) Aus­for­mung der Neu­en Mit­te sehr ans Herz ge­legt. Die­se – auch von dem Ar­chi­tek­ten des Ma­ster­pla­nes Ja­mes Cra­ven ver­tre­te­ne – Wahr­neh­mung des hi­sto­risch rich­ti­gen ar­chi­tek­to­ni­schen Um­gangs mit der Stadt­struk­tur set­zen wir mit den Fas­sa­den­vor­schlä­gen der Ar­chi­tek­ten Weis & Volk­mann um, für die sich die Ju­ry ent­schie­den hat..
     
    Der hi­sto­ri­sche Saal teilt mit dem Ho­tel nicht nur die Hö­he, son­dern ab­sor­biert auch als ge­wal­ti­ger Qua­der na­he­zu 2/3 der Aus­deh­nungs­flä­che, die die Ge­schäf­te auf der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße an die­ser Stel­le nut­zen kön­nen, um sich in die Tie­fe hin­ein zu ent­fal­ten. Als wir un­ser Ge­schäfts­haus­mo­dell vor­ge­stellt ha­ben, muss­ten wir von An­fang an klar­stel­len, dass die Auf­rei­hung der Lä­den ent­lang der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße die­sen im­mer ei­ne Aus­deh­nung in die Tie­fen der Pro­jekt­grund­stücke hin­ein er­mög­li­chen muss. Zen­tra­ler Bau­stein des Pla­nungs­kon­zep­tes der Neu­en Mit­te ist die An­sied­lung von groß­flä­chi­gen, teil­wei­se mehr­ge­schos­si­gen Han­dels­häu­sern in zen­tra­ler La­ge der Stadt, um dem Ent­wick­lungs­de­fi­zit des Für­ther Ein­zel­han­dels zu be­geg­nen. Aus die­sen funk­tio­na­len Zwän­gen her­aus ha­ben wir be­reits in un­se­rer Be­wer­bung im Ju­li 2011 klar­ge­stellt, dass der Er­halt des denk­mal­ge­schütz­ten Saa­les mit dem an­ge­streb­ten Ent­wick­lungs­kon­zept nicht ver­ein­bar ist.
     
    Die­se Aus­sa­ge ha­ben wir uns gleich­wohl nicht leicht ge­macht, son­dern ha­ben sehr früh bei Vor­ort­ter­mi­nen die Geo­me­trie des Saals ge­mein­sam mit Fach­leu­ten be­wer­tet.
     
    Die Für­ther In­nen­po­li­tik wie auch die be­tei­lig­ten Be­hör­den, aber auch die be­tei­lig­ten Ver­tre­ter des Denk­mal­schut­zes, ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren mehr­fach mit dem von uns vor­ge­leg­ten Pla­nungs­kon­zept und dem not­wen­di­ger­wei­se ver­bun­de­nen Ab­riss des Saals be­fasst.
     
    So wur­de das vor­ge­stell­te Kon­zept, wie oben be­reits aus­ge­führt, zu­erst in­ten­siv im Zu­sam­men­hang mit der Ver­ga­be des In­ve­sti­ti­ons­vor­ha­bens an MIB in der Stadt Fürth dis­ku­tiert, dann wie­der im Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges, und schließ­lich noch­mal be­son­ders ein­ge­hend und un­ter aus­drück­li­cher Ein­bin­dung der Be­wah­rer die­ser An­lie­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­chi­tek­ten­work­shop und sei­nen Er­geb­nis­sen.
     
    Die brei­te Ak­zep­tanz un­se­res Ge­schäfts­haus­mo­del­les be­ruh­te da­bei in un­se­rer Wahr­neh­mung auch auf der Wer­tung, dass der Er­halt der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße und sei­nes denk­mal­re­le­van­ten Haus­ensem­bles Vor­rang vor dem Er­halt des Saals hat. So hat auch zu­letzt der von Ih­nen an­ge­führ­te baye­ri­sche Lan­des­denk­mal­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me in der Ge­samt­schau die denk­mal­schüt­ze­ri­schen Qua­li­tä­ten un­se­res Pro­jek­tes aus­drück­lich ge­wür­digt.
     
    Die Er­geb­nis­se die­ser Dis­kus­sio­nen hat die Stadt schließ­lich in Ver­trä­gen zu­sam­men­ge­führt, die uns auf den Bau der Neu­en Mit­te in der vor­ge­leg­ten Ge­stalt fest­le­gen. Auf Ba­sis die­ser Ver­trä­ge und im Ver­trau­en auf de­ren Be­stand sind wir un­se­rer­seits be­reits zahl­rei­che Ver­pflich­tun­gen ein­ge­gan­gen; vor al­lem ge­gen­über Mie­tern, Pla­nern und Bau­un­ter­neh­men. Wir müs­sen es lei­der so deut­lich sa­gen: Die­ser er­reich­te Stand des Vor­ha­bens lässt die Dis­kus­si­on Ih­rer Be­lan­ge al­lei­ne schon un­ter dem As­pekt der von Ih­nen stra­pa­zier­ten Zeit­ach­se ab­so­lut und beim be­sten Wil­len nicht mehr zu. Wir müs­sen auch noch­mals aus­drück­lich be­to­nen, dass es nie­mals ei­nen »Plan B zum Er­halt zu­min­dest des Saa­les« ge­ge­ben hat, auf den wir zu­rück­grei­fen könn­ten. Im Ge­gen­teil, ein Er­halt des Saa­les un­ter wel­chen Be­din­gun­gen auch im­mer wür­de heu­te zwin­gend zum Schei­tern des ge­sam­ten Pro­jek­tes füh­ren.
     
    So­weit Sie uns an un­se­ren Ruf er­in­nern, was den be­hut­sa­men Um­gang mit der For­men­spra­che ver­gan­ge­ner Epo­chen be­trifft, so er­lau­ben wir uns ab­schlie­ßend, Sie auf ak­tu­el­le Er­fah­run­gen zu ver­wei­sen, die wir ge­ra­de in der Lu­ther­stadt Wit­ten­berg sam­meln durf­ten. Dort wa­ren wir bei Er­rich­tung ei­nes groß­flä­chi­gen Cen­ters ge­for­dert, mit dem Sta­tus der Stadt als UNESCO-Welt­kul­tur­er­be um­zu­ge­hen. Un­ser Bau­vor­ha­ben am Markt­platz ge­gen­über der Kir­che, in der Lu­ther ge­pre­digt hat, wur­de auch dort an­fangs von in­ter­es­sier­ten Krei­sen miss­trau­isch kom­men­tiert. Auch in Wit­ten­berg ha­ben wir ei­ne be­hut­sa­me Ein­bet­tung in die vor­han­de­ne Stadt­struk­tur emp­foh­len, hier wie dort ver­tre­ten und ge­stal­tet von dem Ar­chi­tek­ten­team Ja­mes Cra­ven und Gun­nar Volk­mann. Seit das Cen­ter er­öff­net ist, er­le­ben wir ei­nen ho­hen Grad an Zu­frie­den­heit der Wit­ten­ber­ger mit dem Ge­schaf­fe­nen und sei­ner in Denk­mä­ler ein­ge­bet­te­ten Ar­chi­tek­tur.
     
    Auch für die Neue Mit­te Fürth er­hof­fen wir uns, dass die Ar­chi­tek­tur und die Um­set­zung am En­de auch die­je­ni­gen mit­neh­men und über­zeu­gen kön­nen, de­ren Herz heu­te noch an an­de­ren Nut­zungs- und Ge­stal­tungs­kon­zep­ten hängt.
     
    Bit­te blei­ben Sie trotz die­ser Ent­wick­lung der Neu­en Mit­te Fürth ge­wo­gen.
     
    Mit freund­li­chen Grü­ßen
     
    MIB AG
    Im­mo­bi­li­en und Be­tei­li­gun­gen
     
    Dr. Alex­an­der Schlag     Uwe Lau­le
     
     
    zu­gleich für die wei­te­ren Adres­sa­ten Ih­res of­fe­nen Brie­fes vom 14. Ju­ni 2013
     
     
    Ko­pie an:
    Herrn Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Tho­mas Jung
    Herrn Wirt­schafts­re­fe­rent Horst Mül­ler
    Frau Su­san­ne Kra­mer, Amts­lei­te­rin und Pres­se­spre­che­rin Stadt Fürth
    Frau Ka­rin Hack­barth-Herr­mann, Pro­jekt­be­auf­trag­te für den Ein­zel­han­del in der In­nen­stadt
    Herrn Ger­hard Fuchs, Ge­schäfts­füh­rer IHK-Ge­schäfts­stel­le Fürth
    Herrn Wolf­gang Hän­del, Für­ther Nach­rich­ten

  2. Auf den of­fe­nen Brief hat zwar nicht Herr Hüls­beck, aber im­mer­hin Dr. Alex­an­der Schlag und Uwe Lau­le in ei­nem lan­gen Brief ge­ant­wor­tet. Vie­les, was dort steht, ist rich­tig. Man­ches aber auch nicht.

    So schrei­ben die Her­ren: »Der voll­stän­di­ge Er­halt der Fas­sa­de des Park­ho­tels war wäh­rend des In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­rens kein Dis­kus­si­ons­ge­gen­stand« – Zwar kön­nen das die Ver­tre­ter von MIB nicht wis­sen, aber im Pro­jekt­bei­rat wur­de die­se Mög­lich­keit sehr wohl von mei­ner Sei­te an­ge­spro­chen und da­bei vor­ge­schla­gen, ei­ne Son­die­rung an der Fas­sa­de vor­zu­neh­men, was ein­stim­mig im Pro­jekt­bei­rat be­für­wor­tet, aber vom Bau­amt nicht aus­ge­führt wur­de.

    Un­rich­tig ist auch die Aus­sa­ge: »Auch dort [im Ar­chi­tek­ten­work­shop] wur­de der Er­halt des Ho­tels von den Per­so­nen und Stel­len, die sich in der bzw. für die Stadt [sic!] mit Be­lan­gen des Denk­mal­schut­zes be­fas­sen, nie zur Spra­che ge­bracht«. – Selbst­ver­ständ­lich ha­be ich ex­pli­zit Herrn Dr. Schlag im Ar­chi­tek­ten­work­shop zur Er­hal­tung des Fest­saals auf­ge­for­dert, der Teil des Park­ho­tels ist, und in die­sem Fall mach­te ich nicht den (im Nach­hin­ein: nai­ven) Feh­ler vom 7. Ju­li 2011, das nur im Zwie­ge­spräch zu tun (sei­ner­zeit mit Ja­mes Cra­ven, der ei­ne wohl­wol­len­de Über­prü­fung zu­sag­te).

    »Die Be­wah­rung des denk­mal­ge­schütz­ten Häu­ser­en­sem­bles an der Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße do­mi­niert die Lo­gik un­se­res Ent­wurfs« – Das ist si­cher­lich ei­ner der gro­ßen Vor­zü­ge des MIB Ent­wurfs und für mich der we­sent­lich­ste Plus­punkt. Al­ler­dings ist auch das bei ge­naue­rem Hin­se­hen nicht ganz rich­tig. MIB hält sich in dem Brief auch ex­pli­zit zu­gu­te, in Wit­ten­berg Er­fah­run­gen im Denk­mal­schutz ge­sam­melt zu ha­ben. Dann müsst man bei MIB aber auch wis­sen, dass »Be­wah­rung« im Sin­ne des Denk­mal­schutz­ge­set­zes auch das In­ne­re der Häu­ser mit ein­schließt. Da­von und auch von den Rück­ge­bäu­den wird aber in den ge­nann­ten Häu­sern nicht viel üb­rig blei­ben, wenn auch nun dan­kens­wer­ter­wei­se im­mer­hin ein ein­zel­ner wich­ti­ger Be­stand­teil (ein sehr schö­nes Trep­pen­haus) er­hal­ten bleibt.

    Nicht ganz rich­tig ist auch, dass »un­ser [MIBs] Be­wer­bungs­kon­zept im In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­ren im Ju­li 2011 von vor­ne her­ein …, [ei­nen] Er­halt le­dig­lich der Fest­saal­fas­sa­de vor­sah«. Im schrift­li­chen Be­wer­bungs­kon­zept vom 1. Ju­li war der Saal ent­hal­ten, im münd­li­chen Vor­trag ei­ne Wo­che spä­ter wur­de der Ab­riss an­ge­kün­digt. Beim MIB Ar­chi­tek­ten­bü­ro Dun­net­Cra­ven ist der Fest­saal auch heu­te noch im Kon­zept ent­hal­ten: Sie­he rechts auf Bild Nr. 3.

    So­weit für´s Er­ste.

  3. GünniS sagt:

    Al­so kurz zu­sam­men­ge­fasst heißt Be­ach­tung des Denk­mal­schut­zes für MIB: 1. wir las­sen ei­ne Stra­ße ei­ne Stra­ße sein, 2. wir bau­en ei­nen Ku­bus der sich un­ge­fähr an den Trauf­hö­hen der um­lie­gen­den Be­bau­ung ori­en­tiert, und 3. las­sen wir von den in ih­rer Ge­samt­heit un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­den Ge­bäu­den nur Fas­sa­den­re­ste für die Op­tik ste­hen. Und da­für hats ei­nen Star­arch­ti­tek­ten ge­braucht? Da­für??

  4. Tja. »Be­ach­tung des Denk­mal­schut­zes« ist ei­ne dehn­ba­re und viel­fäl­tig in­ter­pre­tier­ba­re Vor­ga­be...

  5. Peter Kunz sagt:

    Glück­wunsch an MIB und Tho­mas »Bom­ber« Jung, die hier ge­ra­de Fak­ten schaf­fen – am Bür­ger­wil­len und je­der hi­sto­ri­schen Ver­ant­wor­tung der »Denk­mal­stadt« vor­bei und uns das näch­stes in­nen­städ­ti­sche Ju­wel, à la Gäns­berg, Ci­ty­cen­ter und Markt­kauf be­sche­ren – war­um baut ihr eu­re Neue Mit­te denn ei­gent­lich nicht dort? EURE Neue Mit­te, denn un­se­re ist das nicht! Für­ther mit Pie­täts­ge­fühl und Ge­schichts­be­wusst­sein wer­den in die­ser Tot­ge­burt nicht ein­kau­fen.

    Ach ja, hat ei­gent­lich je­mand be­merkt, dass all die tol­len »Denk­mal­stadt Fürth«-Schilder in­zwi­schen fast al­le durch »Wis­sen­schafts­stadt Fürth« er­setzt wur­den?

  6. Der Fair­neß hal­ber sei klar­ge­stellt, daß »Wis­sen­schafts­stadt Fürth« auf den gel­ben Orts­schil­dern steht, der Schrift­zug »Denk­mal­stadt Fürth« hin­ge­gen je­ne brau­nen Bild­ta­feln ziert, die am Rand der Au­to­bah­nen ste­hen. Lu­stig ist al­ler­dings die Aus­wahl der dar­auf sti­li­siert ab­ge­bil­de­ten Ge­bäu­de: Da ist näm­lich auch die glä­ser­ne Py­ra­mi­de am Eu­ro­pa-Ka­nal mit da­bei...

  7. Dr. Frede sagt:

    Ich hal­te die­ses Vor­ge­hen iher­seits für sehr ge­fähr­lich. Mich wür­de in­ter­es­sie­re, wie sich Ihr Ver­ein po­si­tio­nie­ren möch­te für den Fall, dass der In­ve­stor ab­springt... Bei ei­ner Mil­lio­nen­kla­ge ge­gen die Stadt Fürth möch­te ich nicht in Ih­rer Haut stecken. Kom­men Sie zur Ver­nunft be­vor es zu spät ist.

  8. Fo­tos vom mitt­ler­wei­le teil­wei­se wie­der frei­ge­leg­ten Saal gibt es in ei­nem ei­ge­nen Ar­ti­kel zu se­hen.

  9. Manu sagt:

    @Dr. Fre­de:

    Ken­nen Sie denn die Ver­trä­ge? Ich je­den­falls nicht.

    Schie­ßen hier nur wil­de Spe­ku­la­tio­nen ins Kraut oder kön­nen Sie Ih­re Be­fürch­tung ir­gend­wie be­le­gen? Ist die­se mitt­ler­wei­le schon mehr­fach an­ge­deu­te­te »Mil­lio­nen­kla­ge« ei­ne re­el­le Ge­fahr oder nur ei­ne lee­re Dro­hung?

    Al­lein schon die Tat­sa­che, dass nie­mand ge­naue­res über die Ver­trä­ge weiß, spricht Bän­de: So­viel zur dau­ernd be­schwo­re­nen »De­mo­kra­tie« und »Trans­pa­renz« bei die­sem Ver­fah­ren... In Wirk­lich­keit hat viel zu viel hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren und un­ter größ­ter Ge­heim­hal­tungs­pflicht statt­ge­fun­den.

    Ich hal­te dann schon eher das Vor­ge­hen der Stadt für sehr ge­fähr­lich, um nicht zu sa­gen fahr­läs­sig: Wie kann sie sich denn, wenn es so sein soll­te, in ei­nen Ver­trag hin­ein­ma­nö­vrie­ren, nach dem ei­ne »Mil­lio­nen­kla­ge« zu be­fürch­ten wä­re, wenn ein denk­mal­ge­schütz­tes Ge­bäu­de (!) nicht ab­ge­ris­sen wer­den dürf­te? Denk­mal­schutz hat in Bay­ern Ver­fas­sungs­rang!

    Ich könn­te ja auch noch ein biß­chen wei­ter­spe­ku­lie­ren: Wur­de gar der Ab­riss schon im Vor­feld – al­so vor jeg­li­cher Ab­wä­gung oder ei­nem Stadt­rats­ent­schluss – heim­lich ge­neh­migt? Sind die Ver­trä­ge da­mit über­haupt rech­tens?

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