Neu­es zur Für­ther Ver­kehrs- und Stadt­ent­wick­lung

8. Februar 2011 | von | Kategorie: Verkehr

Am 12.01.2011 hat­te der Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD) Fürth sei­ne Mit­glie­der­ver­samm­lung. Die Spre­cher Wer­ner Schmidt und Lo­thar Bert­hold konn­ten ne­ben den Mit­glie­dern den Spre­cher des Kreis­ver­bands Groß­raum Nürn­berg, Bernd Baud­ler be­grü­ßen. An­schlie­ßend ga­ben sie ei­nen Rück­blick auf die Jah­re 2009 und 2010. Schließ­lich wur­den die Schwer­punkt­the­men für 2011 dis­ku­tiert und fest­legt.

Vision: eine Stadtbahn erschließt 2020 die Station »Fürth-Mitte« (Montage: Werner Schmidt)

Vi­si­on: ei­ne Stadt­bahn er­schließt 2020 die Sta­ti­on
»Fürth-Mit­te« (Mon­ta­ge: Wer­ner Schmidt)

Seit letz­ten Herbst hat sich der VCD mit fol­gen­den The­men be­schäf­tigt, die ne­ben dem S‑­Bahn-Ver­schwenk auch Schwer­punkt für 2011 sein wer­den:

durch­ge­hen­de Fuß­gän­ger­ach­se Fürth Hbf – Rat­haus (Gu­stav­stra­ße)

Ver­bes­se­rung des Bus­net­zes

Letzt­ge­nann­ter Punkt ist u.a. des­halb wich­tig, weil man bei ei­ner stär­ke­ren Ver­la­ge­rung auf ko­sten­gün­sti­ge Bus­se den teu­ren U‑Bahnbetrieb z.B. auf 10/20-Min-Takt im Ab­schnitt Hbf-Hard­hö­he re­du­zie­ren könn­te. Die Stadt zahlt für den U‑­Bahn-Be­trieb fast 10 Mio Eu­ro pro Jahr an die VAG; durch ei­ne Re­du­zie­rung um 2 Mio. Eu­ro soll die Ab­schaf­fung des für Fürth wich­ti­gen Kurz­strecken­ta­rifs ver­mie­den wer­den. Der Kurz­strecken­ta­rif ist für den VCD un­ver­zicht­bar.

Der VCD for­dert au­ßer­dem, dass an­log zu Nürn­berg ein Nah­ver­kehrs­ent­wick­lungs­plan für den lang­fri­sti­gen Aus­bau des ÖPNV er­stellt wird. Wie in der Nach­bar­stadt sind hier­bei al­le re­le­van­ten Ver­bän­de zu be­tei­li­gen. Die im Nürn­ber­ger Ent­wurf vor­ge­se­he­ne Stra­ßen­bahn nach Pop­pen­reuth – die min­de­stens bis zum Haupt­bahn­hof fah­ren soll­te – sieht der VCD als mög­li­chen Ein­stieg, die­ses be­lieb­te Ver­kehrs­mit­tel in Fürth wie­der zu eta­blie­ren.

Bei der Stadt­ent­wick­lung gibt es zwei wich­ti­ge The­men:

Für das Ci­ty­cen­ter zeich­net sich ab, dass es end­lich an ei­nen neu­en In­ve­stor ver­kauft wird, wel­cher es bis 2012 voll­stän­dig sa­nie­ren und um­bau­en will.

Auch beim The­ma »Neue Mit­te« gibt es Be­we­gung. Das Pro­jekt ist jetzt of­fi­zi­ell kein Ein­kauf­zen­trum mehr, son­dern wird als »Ein­kauf­schwer­punkt« be­zeich­net. Wie be­rich­tet hat die Stadt Fürth ne­ben dem Fied­ler-Are­al, wel­ches ihr schon seit ei­ni­gen Jah­ren ge­hört, vor kur­zem auch das Wöl­fel-Ge­län­de und das Park­ho­tel ge­kauft. Al­le drei Flä­chen ein­schließ­lich Ge­bäu­den sol­len an ei­nen In­ve­stor wei­ter­ver­kauft wer­den, der dar­auf Ein­zel­han­del ent­wickeln soll.

Die Grü­nen ha­ben nun für ei­nen Eklat ge­sorgt, als sie ein trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren ge­for­dert ha­ben und vor ei­nem »Fürth 21« warn­ten. Sie for­dern »wäh­rend der Pla­nungs­pha­se ei­ne mo­nat­li­che, für al­le of­fe­ne In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung«. Au­ßer­dem wol­len die Grü­nen, dass die »Ru­dolf-Breit­scheid-Stra­ße in vol­ler Brei­te als öf­fent­li­cher Raum be­las­sen wird ... um ei­ne Durch­fahrt für den öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr zu er­mög­li­chen«. Und wei­ter: »Das Cen­ter darf nicht zum rei­nen Kon­sum­tem­pel ver­kom­men – städ­ti­sches Le­ben, Kunst und Kul­tur sol­len dort statt­fin­den kön­nen. Der künf­ti­ge In­ve­stor soll­te et­wa zur Zu­sam­men­ar­beit mit Ak­teu­ren be­reit sein, um das Ge­län­de für Aus­stel­lun­gen und kul­tu­rel­le Events zu öff­nen.«

Fa­zit:

Es ist ver­wun­der­lich, dass die Stadt­spit­ze so ir­ri­tiert auf ei­ni­ge durch­aus be­rech­tig­te For­de­run­gen nach mehr Bür­ger­be­tei­li­gung re­agiert.

Die Bür­ger­be­tei­li­gung ist in Deutsch­land nach wie vor un­zu­rei­chend. Ich ver­wei­se hier im­mer auf die Schweiz, wo laut Ge­setz je­des Pro­jekt von der Grü­ße des ge­plan­ten Ein­kauf­schwer­punk­tes ab­schlie­ßend von der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung be­schlos­sen wer­den muss. Viel­leicht liegt ja hier ein Grund für die im­mer ge­rin­ge­re Wahl­be­tei­li­gung – und die Für­ther Kom­mu­nal­wahl war da mit un­ter 50 % in Bay­ern ein Ne­ga­tiv­bei­spiel.

Wenn schon nicht die Bür­ger von An­fang an be­tei­ligt wer­den, so soll­te die Mehr­heits­frak­ti­on zu­min­dest Mit­glie­der und in­ter­es­sier­te Bür­ger bei der Mei­nungs­fin­dung be­tei­li­gen. Sonst kann es durch­aus pas­sie­ren, dass auch die neu­en Pla­nun­gen von der Bür­ger­schaft nicht ak­zep­tiert wer­den. Zirn­dorf war da sei­ner­zeit vor­bild­lich und hat die Bür­ger bei U‑Bahn und Alt­feld di­rekt ent­schei­den las­sen. Wenn Herr Jung Mut hat, dann gibt er bei Groß­pro­jek­ten auch in Fürth die Ent­schei­dung an die Bür­ger.

 
Der Au­tor ist Spre­cher der Orts­grup­pe Fürth des VCD

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19 Kommentare zu »Neu­es zur Für­ther Ver­kehrs- und Stadt­ent­wick­lung«:

  1. Die Stra­ßen­bahn ist ein »be­lieb­tes Ver­kehrs­mit­tel«? Vor al­lem wohl bei fer­ro­phi­len Schie­nen­fahr­zeug­freaks. Al­le an­de­ren ist doch die Art des Ve­hi­kels weit­ge­hend wurscht, so­lan­ge es zu­ver­läs­sig und leid­lich be­re­chen­bar pünkt­lich ver­kehrt.

    Die Re­ak­ti­vie­rung et­wa noch vor­han­de­ner Stra­ßen­bahn-In­fra­struk­tur wä­re si­cher ei­ne Über­le­gung wert, aber in Fürth gibt’s doch nix mehr. Wer woll­te, wer soll­te aber den Neu­bau von Gleis­an­la­gen und an­de­rer not­wen­di­ger In­fra­struk­tur be­zah­len? Da er­scheint mir der Ein­satz mo­der­ner Nie­der­flur­bus­se als al­le­mal sinn­vol­ler, die kom­men oh­ne go­ße Strecken­in­ve­sti­tio­nen aus, sind ver­mut­lich auch im Un­ter­halt gün­sti­ger und vor al­lem schnell ver­füg­bar!

    P.S.: Am be­sten ist es al­le­mal, sei­nen Wohn­sitz in der Stadt an halb­wegs zen­tra­ler Stel­le zu neh­men: Ge­ra­de in Fürth kann man so gut wie al­les be­quem zu Fuß er­rei­chen (und auf Bus­se & Bah­nen pfei­fen, auf das Au­to so­wie­so)...

  2. Doc Bendit sagt:

    Ach, die­se lie­ben Stadt­bahn-Ver­fech­ter, ir­gend­wie fin­de ich Sie ja lie­bens­wert bis kaut­zig, aber ernst­neh­men kann man sie de­fi­nitv nicht. Be­greift doch end­lich: die Stra­ba ist in Fürth 1981 end­gül­tig ab­ge­fah­ren und kommt auch nicht wie­der ! Die In­fra­struk­tur ist voll­ends auf­ge­löst, und In­ve­sti­tio­nen in neue Glei­se sind we­der sinn­voll noch mög­lich. Au­ßer­dem wür­de wohl nie­mand mehr wirk­lich wol­len, dass ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Ober­flur­bahn durch Fu­zo, Hall­str. oder Kö­nig­str. fährt. Was kann denn ei­ne Stadt­bahn bes­ser als ein Stadt­bus ? Was ist es denn ge­nau, was die Stadt­bahn­freun­de so an ih­re Idee glau­ben lässt ? ich hof­fe nicht nur per­sön­li­che Er­in­ne­run­gen...

  3. Philipp Steffen sagt:

    Mehr Leu­te zum Um­stei­gen in öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel be­we­gen – das soll­te das Ziel sein. Der so­ge­nann­te »Schie­nen­bo­nus« spielt hier ei­ne wich­ti­ge Rol­le: Ne­ben al­len »prak­ti­schen« Er­wä­gun­gen, wie hier von Ralph auf­ge­zählt, ist ei­ne mo­der­ne Stra­ßen­bahn rein emo­tio­nal-iden­ti­fi­ka­to­risch viel at­trak­ti­ver als ein schnö­der Bus.

    Nicht um­sonst ist in vie­len eu­ro­päi­schen Städ­ten, v.a. in Frank­reich seit ei­nem knap­pen Jahr­zehnt vom »re­tour des trams« die Re­de.

    Auch wenn ich nicht im­mer ei­ner Mei­nung bin mit Wer­ner Schmidt: Hier hat er recht. Fürth braucht die Stra­ßen­bahn. Das hat we­ni­ger mit Nost­al­gie, son­dern eher mit Ur­ba­ni­tät und Öko­lo­gie zu tun.

  4. Manu sagt:

    Im­mer­hin muss man kon­sta­tie­ren, dass die Le­ser­brie­fe heu­te in der Zei­tung zu die­sem The­ma durch­weg pro Stra­ßen­bahn wa­ren und dass bei der on­line-Um­fra­ge der NN 60 % für die Stra­ßen­bahn vo­tie­ren. Ganz so egal ist den Leu­ten die Art des Ver­kehrs­mit­tels of­fen­sicht­lich doch nicht.

  5. Fürther Anwohner sagt:

    Wer al­len Ern­stes den Bau ei­ner Stra­ßen­bahn­li­nie zur Ikea über den Stra­ßen­zug Bret­ter­gar­ten­stra­ße – Hans-Böck­ler-Stra­ße – Hans-Vo­gel-Stra­ße vor­schlägt, den la­den wir ger­ne ein, sich selbst ein Bild von der be­reits heu­te stark be­la­ste­ten Ver­kehrs­si­tua­ti­on vor Ort zu ma­chen.

    Doch skiz­zie­ren wir mal die ins Ge­spräch ge­brach­te Si­tua­ti­on: Die Stra­ßen­bahn soll sich al­so auf der an­ge­dach­ten Rou­te vom Nord­west­ring aus auf den Weg ma­chen, sich dann durch den für die­se Art von Ver­kehr räum­lich nicht aus­ge­leg­ten Stra­ßen­zug quä­len, sich in die lan­gen Staus ein­rei­hen, die be­reits heu­te den Stra­ßen­ver­kehr zu Stoß­zei­ten zum Er­lie­gen brin­gen, sich dann ele­gant an dem Zu­fahrts­ver­kehr vor­bei­schlän­geln, der sich an den an­lie­gen­den Tank­stel­len und der ge­plan­ten »Pop­pen­reu­ther Marktecke« auf­staut, und sich dann gleich dar­auf über die kol­la­bie­ren­de Kreu­zung Pop­pen­reu­ther Stra­ße – Hans-Vo­gel-Stra­ße schie­ben, um mehr oder we­ni­ger pünkt­lich kauf­wil­li­ge Kund­schaft, die an dem Tag mal nicht die Bus­li­ni­en 175 oder 178 neh­men woll­te, am Ran­de des Mö­bel­haus mit den vier Buch­sta­ben ab­zu­set­zen.

    Wer dann glaubt, die Kun­den wür­den Bil­ly & Co beim Heim­weg über den Groß­park­platz schlep­pen, in die Stra­ßen­bahn hie­ven, bis zum Nord­west­ring fah­ren und ih­re Ein­käu­fe dann wie­der­um in die U‑Bahn hin­ab­schlep­pen, der ist an Rea­li­täts­fer­ne kaum zu über­tref­fen. Es bie­ten sich da­her un­se­res Er­ach­tens nach nur zwei We­ge an. Ent­we­der man lässt die An­bin­dung an das öf­fent­li­che Be­för­de­rungs­netz wie bis­her, was (an­ge­sichts der Be­su­cher­zah­len) bis­lang ja auch ge­klappt hat. Oder aber wir An­woh­ner be­to­nie­ren un­se­re Vor­gär­ten – als Ein­flug­schnei­se für den in­ter­na­tio­na­len Kun­den­ver­kehr.

  6. Philipp Steffen sagt:

    Bil­ly­re­ga­le wird man viel­leicht nicht gern in die Stra­ba hie­ven – man­che ha­ben aber kein Au­to und müs­sen so­was tun. Au­ßer­dem: viel­leicht ent­la­stet ei­ne An­schluss-Ver­bin­dung Ikea-In­nen­stadt auch den Au­to­ver­kehr, denn H&M‑Tüten und But­ter­bro­te für die Mit­tags­pau­se pas­sen schon viel bes­ser in ei­ne Tram.

  7. Ich blei­be bei mei­ner Ein­schät­zung: Der Neu­bau ei­ner Stra­ßen­bahn­strecke mit­ten in und durch die Stadt mag sinn­voll sein, wenn da­mit – wie ak­tu­ell in Nürn­berg zwi­schen dem Haupt­bahn­hof und der Wölckern­stra­ße – zwei be­stehen­de und be­trie­be­ne Strecken­strän­ge ver­bun­den wer­den kön­nen und der Auf­wand über­schau­bar ist (im Bei­spiel 800 m Gleis die brei­te Pil­len­reu­ther Srra­ße ent­lang). Wo aber nix (mehr) ist, sind der­lei Ge­dan­ken­spie­le il­lu­so­risch! Wer sol­chen kaum fi­nan­zier­ba­ren Träu­me­rei­en nach­hängt, ver­liert den Blick für das rea­li­sti­scher­wei­se Mach­ba­re...

  8. Philipp Steffen sagt:

    Ralph, was die Fi­nan­zier­bar­keit an­geht, magst du recht ha­ben. Aber man braucht nicht nur ei­nen Blick fürs Mach­ba­re, son­dern auch fürs Wün­schens­wer­te ;)

    Au­ßer­dem: Es wür­den bei der Idee des VCD doch zwei be­stehen­de Strecken ver­bun­den: Die U1 am Hbf und die Tram 6 am West­fried­hof. Ein gro­ßer Teil des Für­ther Nor­dens wür­de ins Schie­nen­netz ein­ge­bun­den. Fol­ge: we­ni­ger Au­to­ver­kehr in bei­de (!) In­nen­städ­te. Bei dei­nem Bei­spiel hin­ge­gen gibts be­reits ei­ne U‑Bahn zwi­schen dem Auf­sess­platz und N‑Hbf, die nur ei­ne Mi­nu­te braucht.

  9. Die Nürn­ber­ger Si­tua­ti­on ist mir nicht wirk­lich im De­tail ge­läu­fig, ich ha­be das nur an­ge­führt, weil ich di­rekt ne­ben dem dor­ti­gen Haupt­bahn­of ar­bei­te und die Schie­nen­ver­le­ge­rei am Bahn­hofs­vor­platz live mit­be­kom­men ha­be.

    Den­noch hal­te ich das für ei­nen Klacks im Ver­gleich zu den Für­ther Vi­sio­nen: Da ich im Zi­vil­be­ruf bei der rich­ti­gen Ei­sen­bahn be­schäf­tigt bin und mich pri­vat für Feld­bah­nen in­ter­es­sie­re, ha­be ich ei­ne va­ge Ah­nung da­von, was bei Pla­nung, Bau und Be­trieb von schie­nen­ge­bun­den Ver­kehrs­mit­teln an recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen exi­stiert und zu wel­chen Di­men­sio­nen sich da Auf­wand und Ko­sten auf­schwin­gen kön­nen. Da­her plä­die­re ich al­lent­hal­ben zwar nicht für das Fah­ren­las­sen al­ler Hoff­nun­gen, aber doch für das ge­le­gent­li­che Nach­ju­stie­ren des ei­ge­nen Sinns für die Rea­li­tä­ten... ;-)

  10. Florian H. sagt:

    Be­ruf­lich be­dingt le­be ich der­zeit in un­se­rer Lan­des­haupt­stadt Mün­chen und die Tram ge­hört für mich zur schö­nen Ab­wechs­lung im Ar­beits­all­tag.

    Si­cher­lich wä­re es schön, wenn die »Strassa­boo« (wie­der) durch un­se­re Klee­blatt­stadt rol­len wür­de. Nur lei­der kann ich mir, bei al­ler Lie­be zu die­sem sehr schö­nen Fort­be­we­gungs­mit­tel, kei­ne sinn­vol­le Strecken­füh­rung in Fürth vor­stel­len.

    In den letz­ten Jah­ren wur­de viel Geld in den Stra­ßen­bau in Fürth in­ve­stiert, Geh­stei­ge wur­den ver­brei­tert, Stra­ßen­füh­run­gen »ent­gra­det«, mehr oder we­ni­ger sinn­vol­le Rad­we­ge auf Haupt­aus­fall- und Haupt­ein­falls­stra­ßen ge­pin­selt und so wei­ter... Ich fra­ge mich nur, wo wir plötz­lich den Platz für ei­ne Tram her­neh­men sol­len?

    Bei ei­ner sinn­vol­len Lö­sung be­darf es ei­ner Dop­pel­gleis­an­la­ge, für die schlicht­weg der Platz in der In­nen­stadt (und auch in der Hans-Vo­gel-Stra­ße) nicht vor­han­den ist. Auch möch­te ich die­je­ni­gen Haus­be­sit­zer in der In­nen­stadt er­le­ben, die ihr denk­mal­ge­schütz­tes Haus sa­niert ha­ben und als Dank da­für ei­nen Stra­ba-Strom­ab­neh­mer vors Haus ge­pflanzt be­kom­men.

    So­fern wir in Fürth ei­ne sinn­vol­le Strecken­füh­rung fin­den soll­ten, kann man die­ses Ver­kehrs­pro­jekt si­cher­lich wei­ter ver­fol­gen. In Mün­chen steigt man der­zeit bei Bau­vor­ha­ben im ÖPNV von der U‑Bahn auch wie­der auf die Tram um, da die­se in Bau und Un­ter­halt gün­sti­ger ist. Hier wer­den aber bis­her vom ÖPNV voll­kom­men ver­nach­läs­sig­te Wohn­ge­bie­te er­schlos­sen und nicht Ge­bie­te, die der­zeit schon mit 2 Bus­li­ni­en er­reich­bar sind.

    Ver­steht mich bit­te nicht falsch, ich bin a Färd­der mit gan­zem Her­zen, aber war­um müs­sen wir un­ent­wegt im­mer den ver­gan­ge­nen Zei­ten in Fürth nach­wei­nen? Die »Strassa­boo« ist Ge­schich­te, ge­nau­so wie der Geismann-Saal, das Ca­fé Fürst oder der Goons­berch... Scha­de ei­gent­lich, aber es ist halt so.

  11. Manu sagt:

    Das stimmt schon.

    Scha­de halt, dass den Für­thern im­mer erst dann däm­mert, wie schön ih­re Stadt war oder oder hät­te sein kön­nen, wenn wie­der ein Teil da­von der Ab­riss­bir­ne zum Op­fer ge­fal­len ist.

    Ler­nen wir ir­gend­et­was dar­aus?

  12. Stra­ßen­bah­nen mit Ab­riß­bir­nen er­le­di­gen? Das klingt nach »Spiel oh­ne Gren­zen«, »Wet­ten, daß?« oder ei­nem coo­len neu­en Nin­ten­do-Spiel... Wo kann man mit­ma­chen? ;-)

  13. Philipp sagt:

    Wie schon ge­sagt, geht es mir nicht um Nost­al­gie, denn ich hab die Strassa­boo nie sel­ber mit­er­lebt. Mal ganz groß ge­dacht, so bis 2035: Ei­ne ein­zi­ge Li­nie ist dann viel­leicht so­gar zu we­nig, auch Sta­deln und die Süd­stadt bräuch­ten ei­ne Schie­ne in die – bis da­hin hof­fent­lich wie­der­be­leb­te – In­nen­stadt.

  14. Florian H. sagt:

    Ob wir et­was dar­aus ler­nen, das weiß ich nicht! Oft lie­gen zwi­schen den Ent­schei­dun­gen 1 oder 2 Stadt­rats-Ge­nera­tio­nen mit un­ter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen und Um­welt­ein­flüs­sen zur Stadt­ent­wick­lung. Auch än­dern sich die Vor­stel­lun­gen der Für­ther über das, was als »schön« und »er­hal­tens­wert« be­zeich­net wird.

    Wir ha­ben in un­se­rer schö­nen Klee­blatt­stadt nur lei­der der­zeit weit­aus grö­ße­re Haus­halts­sor­gen, als die Sor­gen, wie wir ei­nen ver­lust­träch­ti­gen ÖPNV at­trak­ti­ver ge­stal­ten. Das sind al­les Pro­jek­te für un­se­re Phan­ta­sie, für un­se­ren »Alt-Fürth-Bumm­mel« an ei­nem Früh­lings­tag oder für ein In­ter­net­fo­rum. Wir müs­sen in der Rea­li­tät an­kom­men und fest­stel­len, so leid wie es mir auch tut (ei­ne »Strassa­boo« ist für mich, wie oben be­schrie­ben, sehr reiz­voll), dass wir der­zeit vor viel grö­ße­ren und schwie­ri­ge­ren Pro­ble­men ste­hen.

  15. 100% Zu­stim­mung! In Zei­ten knap­per Kas­sen (und nicht nur dann!) muß die öf­fent­li­che Hand die ver­füg­ba­ren (Steuer-)Mittel so ef­fek­tiv und se­gens­reich wie mög­lich aus­ge­ben. Der Auf­bau spä­ter hoch de­fi­zi­tä­rer Stra­ba-In­fra­struk­tur in be­reits vom ÖPNV gut er­schlos­se­nen Ge­bie­ten fällt de­fi­ni­tiv nicht dar­un­ter.

  16. Werner Schmidt sagt:

    Lie­be Leu­te,

    vie­len dank für die vie­len Kom­men­ta­re zum The­ma Stra­ßen­bahn.

    Im ur­sprüng­li­chen Ar­ti­kel war die Stra­ßen­bahn ja nur ein klei­ner As­pekt. Mit­tel-lang­fri­stig soll sie den Für­ther Nah­ver­kehr at­trak­ti­ver ma­chen. Das wird frü­he­stens in 10 Jah­ren so weit sein. Ich bit­te fol­gen­des zu be­ach­ten:

    - die U‑Bahn konn­te sich vor 40 Jah­ren si­cher auch noch nie­mand vor­stel­len. Seit et­wa 30 Jah­ren fährt sie in Fürth...

    - ei­ne mo­der­ne Stadt­bahn ist beim Bau und Un­ter­halt we­sent­lich gün­sti­ger als ei­ne U‑Bahn und ab et­wa 5000 Fahr­gä­sten pro Tag auch gün­sti­ger als ein Bus – ei­ne Aus­sa­ge von Fach­leu­ten!

    - in 10–15 Jah­ren wird das Au­to­fah­ren we­gen knap­pen Ben­zin zig mal teu­rer sein als heu­te – da wird dann viel Platz auf den Stra­ßen sein.

    Des­we­gen muß man heu­te schon an die Zu­kunft den­ken – dann ist die Stadt­bahn ab­so­lut kei­ne Phan­ta­ste­rei...

    Wer­ner Schmidt (VCD Fürth)

  17. Klaus Heller sagt:

    Von Stra­ßen­bah­nen in Fürth hal­te ich nichts, aber was sprä­che ge­gen die schö­ne Al­ter­na­ti­ve ei­nes Ober­lei­tungs­bus­ses?

  18. Philipp Steffen sagt:

    @Klaus Wenn man eh schon Ober­lei­tun­gen baut, kann man auch gleich ein paar Glei­se ver­le­gen. Stra­ßen­bahn-Fah­ren ist we­ni­ger image­be­la­stet als Bus, bringt al­so mehr Leu­te da­zu, ihr Au­to ste­hen zu las­sen. So ein­fach ist das. Und wenn Wer­ner recht hat, ist die Fi­nan­zie­rung gar nicht so schwie­rig.

  19. Sor­ry Phil­ipp, aber mit der flot­ten Ein­las­sung »...kann man auch gleich ein paar Glei­se ver­le­gen« dis­qua­li­fi­zierst Du Dich als ernst­zu­neh­men­den Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer. Auch wenn hier nicht die EBO, son­dern »nur« die BO­Strab gäl­te: Du re­dest den bau­li­chen wie fi­nan­zi­el­len Auf­wand in ab­so­lut un­zu­läs­si­ger Wei­se klein! Doch schnell ist die Ju­gend mit dem Wort und das ist ja auch gut und rich­tig so... ;-)

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