Aus­trei­bung der bö­sen Gei­ster der Ge­schäf­te­ma­che­rei und Pri­va­ti­sie­rung

27. Februar 2017 | von | Kategorie: Politik

Am 23. Fe­bru­ar 2017, dem dies­jäh­ri­gen Wei­ber­fa­sching, hat das Für­ther So­zi­al­fo­rum die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft der Stadt Fürth, die WBG, heim­ge­sucht. Et­li­che He­xen dran­gen dort ein, um mit ih­ren Be­sen die bö­sen Gei­ster der Pri­va­ti­sie­rung und Ge­schäf­te­ma­che­rei aus den Räu­men und aus den Hir­nen der Ge­schäfts­füh­rung zu ver­trei­ben.

Hexen-Einsatz in dern Geschäftsräumen der WBG (Foto: privat)

He­xen-Ein­satz in dern Ge­schäfts­räu­men der WBG (Fo­to: pri­vat)

Die WBG ist als städ­ti­sche Ge­sell­schaft ein­mal da­für an­ge­tre­ten, die Woh­nungs­not zu be­en­den. Der Ge­schäfts­füh­rer, Herr Perl­ho­fer, ver­weist nun auf die Bau­tä­tig­keit auf Grund­stücken ehe­ma­li­ger So­zi­al­woh­nun­gen und nennt 68 neue ge­för­der­te, grö­ße­re Wohn­ein­hei­ten. Wenn die Bau­vor­ha­ben mit die­ser Ge­schwin­dig­keit vor­an­schrei­ten, wä­re das Pro­blem in 10 Jah­ren bei­na­he ge­löst. Lei­der nimmt aber zu­sätz­lich die Zahl der So­zi­al­woh­nun­gen kon­ti­nu­ier­lich ab, weil vie­le Woh­nun­gen in den näch­sten Jah­ren aus der Miet­preis­bin­dung fal­len. Dar­über hin­aus ent­steht wei­te­re Woh­nungs­not durch die Zu­nah­me der Al­ters­ar­mut in­fol­ge ei­ner Po­li­tik, die den Reich­tum We­ni­ger ver­grö­ßert und die Zahl der Ar­men er­schreckend wach­sen lässt. Zu­sätz­li­cher Be­darf ent­steht durch die not­wen­di­ge Ver­sor­gung von Neu­für­thern.

Mehr als 700 An­trä­ge für ei­ne So­zi­al­woh­nung ste­hen der­zeit auf der War­te­li­ste in Fürth. Aber hin­ter die­sen 700 An­trä­gen steht ei­ne weit grö­ße­re An­zahl von Men­schen, die in viel zu klei­nen Woh­nun­gen in be­eng­ten Ver­hält­nis­sen le­ben müs­sen. Teil­wei­se le­ben sie in Woh­nun­gen mit un­ge­nü­gen­den, ge­sund­heits­schäd­li­chen Stan­dards. Oft sind sie ge­zwun­gen in für ih­re Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se viel zu teu­ren Woh­nun­gen zu le­ben. Das birgt die Ge­fahr der Über­schul­dung.

Fröhliche Demonstration gegen höchst unlustige Zustände (Foto: privat)

Fröh­li­che De­mon­stra­ti­on ge­gen höchst un­lu­sti­ge Zu­stän­de (Fo­to: pri­vat)

Statt auf die­se Pro­ble­ma­tik ent­spre­chend zu re­agie­ren, wird die WBG durch die ei­gens da­für ge­grün­de­te WBG-Toch­ter »Wohn­fürth« in ei­nem Be­reich ak­tiv, in dem oh­ne­hin schon eif­rig von pri­va­ten In­ve­sto­ren ge­baut wird. Die For­de­rung nach So­zi­al­woh­nun­gen wur­de mit dem Ver­weis auf an­geb­lich feh­len­de Grund­stücke ab­ge­wim­melt. Al­ler­dings wur­de zum Bau von 48 Ei­gen­tums­woh­nun­gen knap­pes städ­ti­sches Bau­land der Pro­fit­ma­che­rei ge­op­fert. Die »Wohn­fürth« wirbt mit dem Zi­tat der Stadt Fürth: »Es sol­len aus­schließ­lich Grund­stücke be­baut und ver­wal­tet wer­den, die sich in städ­ti­schem Be­sitz be­fin­den. Dar­aus re­sul­tiert ei­ne ganz be­son­de­re Ver­ant­wor­tung für das Stadt­bild und das Ge­mein­wohl der Bür­ger.« Wenn die WBG aber Ei­gen­tums­woh­nun­gen auf Grund­stücken in städ­ti­schem Be­sitz ver­kauft, han­delt sie nicht im Sin­ne des Ge­mein­wohls der Bür­ge­rIn­nen, son­dern pri­va­ti­siert da­mit sy­ste­ma­tisch öf­fent­li­ches Ei­gen­tum.

Die He­xen der Wei­ber­fast­nacht ha­ben mit ih­rer Ak­ti­on dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne so­zi­al­de­mo­kra­tisch re­gier­te Stadt wie Fürth ver­hin­dern muss, dass ih­re WBG städ­ti­sche Grund­stücke mit Ei­gen­tums­woh­nun­gen be­baut und da­mit öf­fent­li­ches Ei­gen­tum pri­va­ti­siert. Statt­des­sen müs­sen in der WBG wie­der Plä­ne für den Bau von So­zi­al­woh­nun­gen ge­macht und auch rea­li­siert wer­den.

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3 Kommentare zu »Aus­trei­bung der bö­sen Gei­ster der Ge­schäf­te­ma­che­rei und Pri­va­ti­sie­rung«:

  1. FuertherCrossi sagt:

    Das mit den (un)bezahlbaren Woh­nun­gen ist vor al­lem so ein The­ma weil al­le jun­gen Men­schen mei­nen sie müs­sen stu­die­ren, auch wenn es ih­nen kei­nen Spaß macht. So­mit sind die Städ­te über­füllt. Das Bil­dungs­sy­stem hat mit Si­cher­heit auch Schuld an die­ser Ent­wick­lung. Tol­ler Bei­trag!

  2. Peter A. Lefrank sagt:

    Stimmt. Die Woh­nungs­mi­se­re er­wischt auch die Stu­die­ren­den, be­son­ders die we­ni­ger Be­tuch­ten. Al­ler­dings trifft der Man­gel an be­zahl­ba­rem Wohn­raum am schlimm­sten die Be­zie­he­rin­nen von Grund­si­che­rungs­lei­stung, die Klein­rent­ne­rin und al­le Nied­rig­ver­die­ner, kurz die Ärm­sten der Ar­men, und das ist in er­ster Li­nie das Re­sul­tat jah­re­lan­ger kurz­sich­ti­ger und ver­ant­wor­tungs­lo­ser So­zi­al­po­li­tik.

    Was den Spaß am Stu­die­ren an­geht, so ist das ei­ne trü­be Ent­wick­lung, nicht zu­letzt, weil die Leu­te nicht stu­die­ren, was wirk­lich nö­tig wä­re. Un­se­re Wis­sen­schafts- und Tech­no­lo­gie­ge­sell­schaft be­nö­tigt drin­gend In­ge­nieu­re und Na­tur­wis­sen­schaft­ler. Den­noch wol­len nur noch 15% der Schul­ab­gän­ger die­se Fä­cher stu­die­ren, be­stimmt auch weil da sehr viel ver­langt wird. In den 60er Jah­ren kur­sier­te der bö­se Witz, bei dem der Va­ter zum Sohn sagt: »Du sollst es ein­mal bes­ser ha­ben als dein Ar­bei­ter-Va­ter, du darfst stu­die­ren.« Ei­ni­ge Ge­nera­tio­nen spä­ter sagt der Va­ter dann zum Sohn: »Du sollst es ein­mal bes­ser ha­ben als dein Aka­de­mi­ker-Va­ter, du darfst Ar­bei­ter wer­den.« So­viel zum Bil­dungs­sy­stem.

  3. michael schirmer sagt:

    wohn­raum in städ­ten wird zum lu­xus ge­macht. für die wohl­ha­ben­den und gut­ver­die­ner ei­ne trag­ba­re ent­wick­lung mit aus­sicht auf pro­fit. und um den geht es da­bei. ei­ne wei­le wird das noch an­dau­ern, da­mit bla­sen­ka­pi­tal zu ei­gen­tum um­ge­wan­delt wird. aber leu­te, was wollt ihr in den städ­ten? da wird es in zu­kunft im som­mer zu heiß und im win­ter zu naß, das jahr über mit fein­staub be­la­stet und ste­ti­gem stress be­legt – im mo­ment zie­hen vie­le nach fürth, weil er­lan­gen und nürn­berg voll und noch teu­rer sind, und vie­le spe­zi­al­bran­chen boo­men und brau­chen jun­ge fach­leu­te für die um­stel­lung auf com­pu­ter­ge­steu­er­te an­wen­dun­gen und me­cha­tro­nik. über­all wird mo­der­ni­siert und die mensch­li­che ar­beits­kraft durch ro­bo­ter und com­pu­ter er­setzt – und man setzt fi­nan­zi­ell auf die men­schen, die die­ses ding in­stal­lie­ren und in gang set­zen, da sie na­tür­lich hoch­be­zahlt sind und auch fa­mi­li­en ha­ben. da­ge­gen wä­re gar nichts ein­zu­wen­den. die ur­sprüng­li­che form von fürth, als ar­bei­ter-und sol­da­ten-künst­ler-stadt aber ist zer­fal­len und ver­wan­delt sich in ein gen­tri­fi­zie­rungs­pro­jekt oh­ne so­zia­len plan, wenn wir nicht da­für ein­ste­hen. nun al­le alt-ein­ge­ses­se­nen aufs land schicken, um sie dort an­zu­sie­deln, weil dort an­geb­lich die wohn-und le­bens­ko­sten ge­rin­ger sind- wä­re ei­gent­lich der osten an­ge­sagt. für al­le exil­für­ther dann ein ent­wick­lungs­land, mit gro­ssen chan­cen auf er­folg. denn wir wä­ren na­tür­lich ar­beits­wil­lig und zu­packend, wie im­mer und wür­den dort so­fort ei­nen für­ther fuss­ball­ver­ein grün­den, mit tä­to­wier­ten klee­blatt über dem herz­cha­kra und ir­gend­wie die fahr­ko­sten und en­er­gie­ko­sten und die mie­ten im­mer teue­rer ma­chen, weil wir färd­der sind.

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