Der Altstadtverein nimmt Stellung zum geplanten Ho­telneubau auf dem Paisley­platz

9. Mai 2015 | von | Kategorie: Häuserkampf

Der Altstadtverein Fürth hat über die Presse Kenntnis von der geplanten Überbauung des Paisleyplatzes mit einem lang­ge­streck­ten Hotelbau-Riegel mit Flachdach und zu­rück­ge­setz­tem Laternengeschoss erhalten und nimmt dazu wie folgt Stellung:

So soll der Hotelneubau aussehen (Simulation: Seemüller GmbH)

So soll der Hotelneubau aussehen
(Simulation: Seemüller GmbH)

Bedauerlich ist zunächst der Verlust des Paisley­platzes, der sich in Fürth als Freiluft-Ver­an­stal­tungs­ort durchaus eta­bliert hat und durch den die Stadthalle als Solitärbau einen städtebaulich wohltuenden Abstand zur an­gren­zen­den dichten Wohnbebauung wahrt.

Grundsätzlich sieht aber auch der Altstadtverein, dass es einen gewissen Hotelbettenmangel in Fürth bzw. in der Metropolregion gibt und dass sich der Standort Paisleyplatz aus funktionell-wirtschaftlichen Gründen gut für ein Hotel eignen würde.

An der bisher in der Öffentlichkeit bekanntgewordenen architektonisch-städtebaulichen Ausgestaltung übt der Altstadtverein allerdings erhebliche Kritik und mahnt eine deutliche Umplanung an.

Hauptkritikpunkt: Die jetzt vorliegende Planung nimmt keinerlei erkennbaren Bezug auf die umgebende Be­bau­ung des Ortes und steht weder mit der Stadthalle noch mit der angrenzenden alten und neuen Bebauung der Altstadt in gestalterischem Dialog. Gerade aufgrund der Gebäudegröße mit 200 vorgesehenen Betten hat das auf das Erscheinungsbild der Altstadt eine negative Signalwirkung, vor der wir als Altstadtverein warnen.

Unbestritten ist der Ort ein städtebaulich schwieriger Ort und es bedarf großer Anstrengungen, hier überhaupt Architektur zu realisieren, die dem Ort gerecht wird. Dies kann nur gelingen, wenn folgende Fragen befriedigend beantwortet und abgearbeitet werden:

  • Wozu gehört das Hotel und worauf bezieht es sich in seiner Architektursprache, zum Solitär Stadthalle oder zur östlich angrenzenden Wohnbebauung?
  • Welche Form, welche Proportionen, welches Dach, welche Fassade (Material, Oberfläche, Farbig- bzw. Helligkeit, Öffnungen, Rhythmus, u.a.) stärkt diesen Bezug?

Verweis auf bing.com: Luftbild von Stadthalle und Paisleyplatz im Kontext der Umgebung

Blick vom Rathausturm auf die Dächer der Altstadt (Foto: Wikipedia, Lizenz CC-BY-SA-2.0-DE)

Blick vom Rathausturm auf die Dächer der Altstadt
(Foto: Wikipedia, Lizenz CC-BY-SA-2.0-DE)

Der jetzt vorliegende Entwurf stellt sich als lang­wei­li­ger, auslastungsoptimierter Funktionsbau mit un­de­fi­nier­ter Mischfassade (modisch stockweise versetzter Loch­fassade an den Längsseiten und Röhrenoptik mit Pfosten-Riegel-Glasfassade an den Endstücken) und ohne Dach dar. Gerade Letzteres hat für die Dach­land­schaft, der reizvollen »fünften Fassade« der Altstadt, unangenehme Folgen, dabei gibt es gerade in letzter Zeit wieder gute Beispiele für moderne Architektur mit Dach in historischen Innenstädten.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur historischen Alt­stadt bedarf es unserer Meinung weit höherer Sen­si­bi­li­tät, als im vorliegenden Fall erkennbar ist. Der Alt­stadt­verein wünscht sich, dass die Stadtverwaltung diese Sen­si­bi­li­tät von willkommenen Investoren und deren Entwurfsverfassern einfordert, um die Schönheit der Stadt zu bewahren und, wenn irgendwie möglich, zu mehren.

Stichworte: , , , ,

6 Kommentare zu »Der Altstadtverein nimmt Stellung zum geplanten Ho­telneubau auf dem Paisley­platz«:

Kommentar-Feed RSS-Feed für Kommentare nur zu diesem Beitrag

Kommentar abgeben: