Bahnsinn 15

25. Januar 2015 | von | Kategorie: Verkehr

Man erinnere sich: Im März 2014 reichten die Stadt Fürth und andere Kläger einen Eilantrag gegen den Verschwenk (Planfeststellung 16 Fürth-Nord) beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein. Im Oktober 2014 wurde dieser Antrag positiv beschieden.

Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach im Januar 2015 (Foto: Alfred Schermann)

Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach im Januar 2015
(Foto: Alfred Schermann)

Wenn nun ein Eilantrag beim Ge­richt bis zur Ent­schei­dung einige Monate braucht, kann man sich vielleicht ausrechnen, wann ein rechts­kräf­ti­ges Urteil gefällt wird. Die Stadt Nürnberg, welche im Bereich Klein­gründ­lach sehr wohl von den Planungen betroffen ist, hat sich übrigens nicht gegen die Durchführung des genehmigten Planfeststellungsbeschlusses gewehrt. Auch die Stadt Erlangen trat der Fürther Klage nicht bei!

Man erinnere sich weiter: Im November 2010 wurde am gut frequentierten Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach (Klinikum West) ein Holz-Bahnsteig eingerichtet, der einen überaus provisorischen Zugang als auch einen nur unzulänglichen Wetterschutz bietet.

Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach im Januar 2015 (Foto: Alfred Schermann)

Haltepunkt Fürth-Unterfarrnbach im Januar 2015
(Foto: Alfred Schermann)

Dieses Provisorium besteht nun schon seit vier Jah­ren, da die geplanten 2 Liniengleise für die S-Bahn und die neue Station nicht eingerichtet wurden. Über die zuletzt schleppend verlaufenen Baumaßnahmen hab ich z.B. hier bereits berichtet. Theoretisch wäre es zwar möglich, den sogenannten Fürther Bogen fertig zu stellen und vor oder nach der neuen Bahnbrücke über die Regnitz alles wieder auf die zweigleisige Be­stands­strecke zu leiten. Die technische Durchführung mit Weichen und Signalen ist kein Klacks. Der fi­nan­zi­el­le Aufwand wäre im Millionenbereich über­schau­bar. Ob das aber zu einem engeren Takt der S-Bahn führen würde ist zu bezweifeln, da hier dann eine Fahr­wegs­kreu­zung vorhanden wäre. Der Fernverkehr hat dort Vorrang!

Die Bahn geht anders vor: Sie lässt von Erlangen aus den genehmigten Abschnitt 17 bauen. Und der sieht große Eingriffe vor. Zwischen Eltersdorf und Kleingründlach ist die Zusammenführung der Fernbahn, der geplanten Güterzugstrecke und der separaten S-Bahn im Bau.

Überwerfung Eltersdorf (Planungsskizze: DB)

Überwerfung Eltersdorf (Planungsskizze: DB)

Momentan wird eine der sogenannten Überwerfungen konstruiert. Eine riesige Rampe ist schon auf­ge­schüt­tet, ein Brückensockel wird betoniert. Auf Nürnberger Gebiet zwischen Kleingründlach und Steinach sind dann nochmals solche Rampen mit Über- und Un­ter­fah­run­gen vorgesehen. Aber hier ist schon der mo­men­tan blockierte Abschnitt 16 Fürth-Nord.

2010 beauftragten ja die Landtagsgrünen die Firma Vieregg-Rössler ein Gutachten zu erstellen. Titel: »Untersuchung der bisherigen Planungen zur Streckenführung von S-Bahn und Güterverkehr zwischen Erlangen und Fürth und Vorschläge zur Optimierung«. Sehr interessant! In der Presse kommuniziert wurde nur ein kleiner Teil, der die prognostizierten Fahrgastzahlen im Bereich Steinach betraf.

Überwerfung Eltersdorf (Foto: Alfred Schermann)

Überwerfung Eltersdorf (Foto: Alfred Schermann)

Die wesentlich umfangreicheren Erörterungen zur Streckenführung der Güterzugstrecke und Flä­chen­op­ti­mie­run­gen mit und ohne Verschwenk wurden einer breiteren Öffentlichkeit nicht vorgestellt. Grund könnte sein, dass man auf Seiten der Grünen wusste, dass diese Vorschläge eine umfassende Neuplanung der Trassierungen und Konzepte erfordert hätte – mit einem mehrjährigen Zeitbedarf (siehe Karten hier. Und wer hätte dem Bundesbahnamt dazu Anweisungen geben können? Also zu den Akten.

Obwohl eine Finanzierung und Planfeststellung des Güterzugtunnels nicht vorhanden ist, verfolgt die Bahn südlich Eltersdorf ihr Gesamtkonzept weiter: Aus­fä­de­lung einer separaten Güterzugstrecke und S-Bahn im Verschwenk.

Endsituation südlich von Kleingründlach (Planungsskizze: DB)

Endsituation südlich von Kleingründlach (Planungsskizze: DB)

Sollte das Gericht das Konzept des Eisenbahn-Bun­des­am­tes befürworten und der Bund die Mittel für das Güterzugtunnel freigeben, wird der dortige Aushub für die benötigten Rampen und Bahndämme der Kreu­zungs­bau­werke und Neustrecken benutzt werden. Und es wird noch einige Jahre dauern. Sollten die Kläger gegen den Verschwenk Recht bekommen, ist eine Neuplanung mit einem langwierigen neuen Ge­neh­mi­gungs­ver­fahren nötig. Fraglich wäre natürlich auch, ob die Bahn versuchen wird, verlorene Planungskosten in Millionenhöhe einzutreiben.

In beiden Fällen werden Pendler und andere S-Bahn-Benutzer weiter auf engere Takte und bequemere Stationen auf dem Nordast warten. Bis dahin können sie sich hier über den Fortschritt der Bauarbeiten informieren oder sich in diesem Forum austauschen.

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6 Kommentare zu »Bahnsinn 15«:

  1. Nachsatz aus der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts:

    »…der Senat wird sich bemühen, die Hauptsacheverfahren bis zum Frühjahr 2016 abzuschließen…«

    Und auch dort nachzulesen:

    Begründung von Seiten Fürths: »Der S-Bahn-Ausbau sei kein vordringliches VDE-Projekt, ihm fehle es zudem an der konkreten Eilbedürftigkeit. Schon bisher finde der S-Bahn-Verkehr auf der Be­stands­strecke statt. Er werde sich dort auch künftig befriedigend abwickeln lassen.«

  2. Steffen sagt:

    gleistreff.de … Die Seite mit der R14 Atzenhof Flugplatz – Unterfürberg – Hafen. Wirklich bahnsinnig …

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