Stellungnahme des Vereins »Wir sind Fürth e.V.« zum Vorschlag eines »Schna­bu­lier­marktes«

16. Mai 2014 | von | Kategorie: Häuserkampf

»Wir sind Fürth e. V.« begrüßt den Impuls, den Herr Schreier mit seinem Vorschlag eines »Schna­bu­lier­mark­tes« zur Diskussion der Frage gegeben hat, wo der Fürther Wochenmarkt einen dauer­haften Platz finden kann. Aller­dings müssen wir allen Gedankenspielen, die den Stadtgarten antasten, aus unserer Sicht eine klare Absage erteilen. Dieser Ort der Erholung ist in vielerlei Hinsicht zu wertvoll, um ihn durch ein Ex­pe­ri­ment zu gefährden, dessen Ausgang ökologisch wie ökonomisch vollkommen offen ist.

Schon um 1950 eine Attraktion: Der Fontänenhof im Stadtgarten (Foto: historische Postkarte, Urheber unbekannt)

Schon um 1950 eine Attraktion: Der Fontänenhof im Stadtgarten (Foto: historische Postkarte, Urheber unbekannt)

Der vielen Fürthern noch immer als »Konrad-Adenauer-Anlage« bekannte Park darf nicht zur Kulis­se einer Schlemmermeile degradiert werden. Ob mit oder ohne Schattensegeln verkäme die älteste städtische Grünanlage der Stadt Fürth innerhalb kürzester Zeit zu einer unansehnlichen Trampelfläche. Mit großer Weitsicht schuf der Fürther Magistrat schon 1827 mit der sogenannten »Englischen Anlage« eine grüne Lunge für die Stadt, die erst noch um diesen Park herum wachsen sollte. Heute ist der kleine Park nicht nur für spielende Kinder eine grüne Oase in der östlichen Innenstadt. Sie hätte eine gärtnerische Auf­wertung verdient, statt sie einem Projekt zu opfern, das einen der letzten innerstädtischen Freiräume kom­mer­ziali­siert und instrumentalisiert.

Die elegante, großstädtisch anmutende Fontänenanlage längs der Friedrichstraße ist die Hauptattraktion des Stadtgartens. Das beruhigende Rauschen des Wassers mindert den Verkehrslärm und signalisiert schon akustisch einen Ort der Entspannung und der Muße. Anstelle der Brunnenanlage, wie es Oberbürgermeister Dr. Jung vorschlägt, Marktbuden zu errichten, erscheint uns völlig abwegig. Der gesamte Stadtgarten würde an Aufenthaltsqualität und Charakter verlieren.

Im Kontext der Kommerzialisierung städtischer Freiräume fällt zusätzlich an dem Konzept das bislang unbeachtet gebliebene Detail einer Ausweitung des Parkplatzangebots negativ auf, von der insbesondere die von Herrn Schreier betriebene Apotheke profitieren würde. Dem als »Brachfläche« geschmähten Grünstreifen entlang der Königswarter- und Rudolf-Breitscheid-Straße würde statt noch mehr Asphalt für PKWs eine Aufwertung gut zu Gesichte stehen!

Es wäre verhängnisvoll, würde sich die von Herrn Schreier angestoßene Diskussion auf lediglich zwei Alter­na­tiven konzentrieren. Zu naheliegend – auch im wörtlichen Sinne – sind andere Lösungen, die wir mit allem Nachdruck in die Debatte einbringen möchten. Das ist zum einen der Bahnhofsvorplatz, der sich aus Sicht der Marktbeschicker hervorragend als provisorischer Marktplatz bewährt hat. Hier ließe sich unseres Erachtens mit übersichtlichem Aufwand in einer der beiden seitlichen, kleinen und eher unansehnlichen Parkflächen ein permanenter Markt mit festen Ständen installieren. Zum anderen bietet sich auch das Areal zwischen Kleiner Freiheit und Gabelsbergerstraße an. Die von Architekt Dr. Christofer Hornstein vorgeschlagene Markthalle nach französischen Vorbildern könnte Richtung ehemaliger Marktkauf verschoben werden, um den von Max Grundig gestifteten Brunnen an seinem Standort belassen zu können, wenn die Geldmittel für eine Verlagerung des Brunnens nicht ausreichen sollten.

Die geplanten Veränderungen am Hauptbahnhof und Wöhrlgebäude, bei gleichzeitiger Fertigstellung der Neuen Mitte und Wiederbelebung des Marktkaufes müssen städteplanerisch ineinandergreifen. Die Frage des Stand­ortes eines attraktiven Wochenmarktes ist somit keine Einzelfrage, sondern mitentscheidend für eine künftige Stärkung der gesamten Innenstadt. Deshalb fordern wir die Stadtgremien auf, eine nachhaltige Standortwahl – ausschließlich unter den Alternativen, die die bestehenden innenstädtischen Grünanlagen unangetastet lassen – nicht als Einzelentscheidung zu sehen, sondern stadtplanerisch im Hinblick auf ein ganzheitliches innen­städti­sches Entwicklungsziel zu treffen.

Egal, welche Lösung letztendlich gefunden wird – sie darf nicht zu Lasten der Konrad-Adenauer-Anlage gehen.

 
Wir sind Fürth e.V.
gez. Kamran Salimi
Vorstand

AG Stadtenwicklung & Denkmalschutz
i.A. Dr. Thomas Heyden

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21 Kommentare zu »Stellungnahme des Vereins »Wir sind Fürth e.V.« zum Vorschlag eines »Schna­bu­lier­marktes««:

  1. An dieser Stelle möchte ich daraufhin weisen, dass die von mir vorgeschlagene Markthalle städte­bau­lich NUR am jetzigen Standpunkt des Paradiesbrunnens funktionieren kann. Ein überdimensionierter und ganzjährig betrachtet eher mäßig frequentierter Brunnen, die meiste Zeit des Jahres ohne Was­ser, vor einer Markthalle wäre ein No-Go!!! Den Wochenmarkt – wie auch immer gestaltet – am Bahn­hofs­vor­platz zu etablieren, halte ich ebenfalls für falsch. Für mich ist es eine Grundvoraussetzung in der Diskussion, dass ein Wochenmarkt zwischen den neuen Magneten Neue Mitte und ehemaligem Marktkaufgebäude liegen muss!

    Mein Vorschlag einer Markthalle an der Stelle des Paradiesbrunnens entstand in erster Linie als Reaktion auf die anfänglich für mich sehr überraschend positive Reaktion auf den Schna­bu­lier­markt­vor­schlag. Unter der Voraus­setzung, dass es eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit für einen Fein­kostmarkt wie von Herrn Schreier vorgeschlagen bestehen würde und unter der zweiten Voraus­set­zung, dass seriöse Gutachten, eine langfristige Wirtschaftlichkeit für einen solchen Feinkostmarkt nachweisen, hielt und halte ich die Markthalle am Paradiesbrunnen für besser als einen Schnabulier­markt auf der Konrad-Adenauer-Anlage. Wenn ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet würde, müsste man selbstverständlich ausgiebig und ergebnisoffen mit den Grundig-Erben reden.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn zunächst einmal eine gründliche Diskussion geführt würde, was Fürth überhaupt braucht und was wirtschaftlich langfristig funktioniert. Ich persönlich bezweifle den Bedarf nach einem Angebot, welches über einen klassischen Wochenmarkt hinausgeht. Das ist aller­dings eher ein Bauchgefühl, ich bin kein Wirtschaftsfachmann. Dass Fürth einen schönen klassi­schen Wochenmarkt an einem festen Standpunkt braucht, ist dagegen meine klare Überzeugung. In meinen Augen ist der traditionell angestammte und richtige Standort hierfür die Fürther Freiheit. Die Maxime, dass dieser Platz für Veranstaltungen o.ä. ganzjährig komplett freibleiben muss, teile ich nicht.

    Sollte sich herausstellen, dass in Fürth »nur« ein traditionell-klassischer Wochenmarkt langfristig Erfolg hat, plädiere ich für ein zeitlos nachhaltig und sorgfältig gestaltetes Budenkonzept auf der Für­ther Freiheit, in das sich andere Märkte und andere »Events« integrieren lassen und das für die zwei Wochen im Jahr während der Kirchweih demontiert werden kann. Zwei Wochen im Jahr ohne Wochen­markt sind meiner Ansicht nach zu verkraften. Ob alle Events in der Form wie sie in den letzten Jahren auf der Frei­heit veranstaltet worden sind, dort und genau so stattfinden müssen, sollte diskutiert wer­den und bedarf vielleicht auch einer ausführlicheren Grundsatzdiskussion.

    Parallel dazu sollte die Adenauer-Anlage besser gepflegt und aufgewertet werden. So könnten die Grünflächen besser geschützt werden und auch die Spiegelstele braucht kein Mensch. Flankierend sollte überlegt werden , wie man die am Platz befindliche Tagesgastronomie unterstützen und noch besser in den Gesamtplatz integrieren könnte.

    Das Budenkonzept eines Wochenmarktes sollte auch ein Faciltymanagement – Konzept beinhalten, also Müllentsorgung, verdeckte Kühlaggregate, geregelte Zulieferung, Parkierung u.a., damit die Markt­rückseiten nicht den Gesamteindruck eines gestalteten Wochenmarktes konterkarieren. Auch ein solches Konzept will gut überlegt sein und wird es nicht zum Nulltarif geben.

    Die Adenauer-Anlage inkl. Fontänenhof bleibt für mich tabu. Eine solche Grünoase in der Innenstadt, für die uns viele Städte in Deutschland (z.B. Nürnberg) beneiden, aufzugeben, zu verdichten, in der Nutzung zu intensivieren oder auch nur anzutasten, halte ich für falsch.

  2. Manu sagt:

    Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Kommentar, der bei mir zumindestens noch ein paar Verständnislücken geschlossen hat. Denn das Konzept der Markthalle (Was wäre das für eine feine Sache!) hat mich fast so überrascht wie das Konzept des Schnabuliermarkts. Doch der Reihe nach:

    Das Argument gegen einen Brunnen, der quasi als Wegblocker VOR der Markthalle stünde, kann ich nachvollziehen.

    Warum der Bahnhofsvorplatz so ganz falsch sein sollte, verstehe ich aber immer noch nicht, denn wirtschaftliche Gründe können es nicht sein: Den Marktleuten geht es dort finanziell besser als an manch anderen Aushilfsplätzen; sie sind also nicht zwingend auf die neue »Einkaufsachse RB-Straße« angewiesen. Der neue Edekamarkt wird alleine groß genug, da finden die Leute auch ohne verbindenden Wochenmarkt hin; auch hierfür ist die neue Achse also nicht zwingend. Und die Neue Mitte? Die wurde damals ausdrücklich für die jetzige Stelle empfohlen, damit die Leute eben nicht aus der Fußgängerzone abgezogen werden. Wenn diese drei Bestandteile also nicht zwingend auf­ein­an­der angewiesen sind, warum müssen sie dann unbedingt zu einer Achse verbunden werden?

    Völlig d´accord bin ich mit allem anderen geschriebenen und möchte auch noch einmal ausdrücklich unterstützen:

    1) Die Forderung nach einem seriösen Gutachten, das eine langfristige Wirtschaftlichkeit für einen solchen Feinkostmarkt nachweist. Im entsprechenden Teilabschnitt des Konzepts des Schnabulier­markts steht dazu nicht sonderlich viel, sondern quasi nur, dass die Ausgaben durch die Einnahmen wieder ausgeglichen werden. Und es ist die Rede von »der Ausschöpfung der zusätzlichen Park­optio­nen«. Hm. Es sollen also mehr Parkplätze in der Innenstadt den Schnabuliermarkt finanzieren? Außer­dem wird daraufhingewiesen, dass bei vergleichbaren Märkten in europäischen Metropolen bis zu 50% aller Marktbesucher regional auswärtige Kunden und Touristen sind. Wie wird das dann in der europäischen Metropole Fürth? Ernsthaft: Was braucht Fürth und was trägt Fürth?

    2) Forderung nach einem festen Standpunkt.

    3) Auch ich bin der Überzeugung, dass die große Fürther Freiheit der eigentlich richtige Platz ist (an­ge­stamm­ter Platz; Aufwertung der Pflasterwüste). Die ganze Umherzieherei und Suche nach Alternativ­plätzen ergibt sich nur aus der Zunahme der Großevents auf diesem Platz.

    4) Und am wichtigsten: Die Adenauer-Anlage muss geschützt werden.

  3. GünniS sagt:

    Aus meiner Sicht wird die ganze Diskussion bereits eine Ebene zu hoch geführt. Anscheinend geht es schon gar nicht mehr um das Ob sondern nur noch um das Wie und Wo.

    Nur um noch mal herauszustellen was hier gerade grundsätzlich passiert: ein Privatmann versucht einen öffentlichen Raum nach seinem Gusto umzugestalten! Und nicht mal das ist der eigentliche Skandal, sondern dass die Stadtverwaltung sich in dieser Sache überhaupt diskussionsbereit zeigt. Lassen wir so etwas nur einmal zu, gibt es für das Kapital kein Halten mehr und sehr schnell werden weitere Begehrlichkeiten geweckt. Das Argument der mangelnden Frequentation ließe sich genauso gut auf Stadtpark, Südstadtpark und die meisten anderen Freiräume in der Stadt anwenden, diese Büchse der Pandora bekäme man nie wieder zu.

    Zur Sache selbst halte ich die Fürther Freiheit immer noch als die beste Lösung für einen dauerhaften Sitz eines klassischen Wochenmarktes ohne dekadenten Beigeschmack, ebenso wären die Rest­flächen der Bahnhofsanlage links und rechts neben dem Centaurenbrunnnen denkbar.

  4. Peter Krauß sagt:

    Stichpunktartig zum Thema Wochenmarktkonzepte:

    Wochenmarkt als Schnabuliermarkt/Schreier-Konzept:

    professionell und detailliert ausgearbeitet inkl. Parkplatzangebot (auch zwischen Kirchenstr. und Luisenstr.), passt von der Lage und dem Konzept perfekt zur MIB-Neuen-Mitte und als kommerzielles Zugpferd viel besser als der nicht dauerhafte Wochenmarkt bei dem MIB-Projekt / Wittenberg (wo aber der Wochenmarkt dem Einkaufsschwerpunkt dort trotzdem heftige Umsatzzuwächse zu bringen scheint).

    Wirkungsvoller und damit positive Signalwirkung, dass der Vorschlag und die detaillierte Ausarbeitung von einem waschechten, engagierten Fürther kommt und nicht von MIB. ; )

    Ohne die Segel ein wirklich interessantes Konzept. Aber eben ein hochkommerzielles Konzept; von der Philosophie der »englischen Anlage« bleibt nichts.

    Ähnliches Konzept für den Fontänenhof:

    Noch näher an der Neuen-Mitte! Wahrscheinlich nur dazu gedacht eine zweite oder dritte Alternative für eine Abstimmung im Stadtrat zu schaffen.

    Alter Standort Fürther Freiheit:

    Altes Problem: aufgrund der über das Jahr stattfindenden Veranstaltungen (insbesondere Kärwa) muss der Wochenmarkt immer wieder umziehen, somit keinerlei Ausbaupotential. Im Hinblick auf die Neue-Mitte ist sicher ein kurzfristiger Anstieg der Anbieter und damit auch ein attraktiveres Markt­an­ge­bot zu erwarten, aber stünde dann auch ein Ausweichquartier mit dem dann erweiterten Platzbedarf zur Verfügung? Oder man verzichtet auf ein Ausweichquartier (wie von C. Hornstein schon vor­ge­schla­gen).

    Standort Bahnhof:

    Wahrscheinlich die finanziell günstigste Möglichkeit mit kleineren Umgestaltungen den bisherigen Wochenmarkt besser in den Platz zu inte­grie­ren und damit dauerhaft dort zu installieren. So wie er sich jetzt darstellt, möglicherweise (noch) lukrativ für die Beschicker, aber optisch sehr bescheiden (freundlich ausgedrückt). Kaum Ausbaupotential.

    Markthalle auf der kleinen Freiheit:

    Eigentlich die Ideallösung, wie im »Konzept Hornstein« vorgestellt, vor allem hinsichtlich In­te­grie­rbar­keit an der Kärwa, Offenheit (dadurch Flexibilität), niedrige Bauweise, großzügier Platzcharakter bleibt erhalten und wird strukturiert und nicht zu vergessen: auf halbem Wege zwischen zwei Einkaufs-Schwerpunkten!

    Es könnte ein mehr organisch gewachsener Wochenmarkt entstehen mit ähnlich vielfältigem Angebot wie bei Schreier’s Schnabuliermarkt. Problem: Die großzügige Stiftung unseres Max Grundig, der Paradiesbrunnen, müsste umziehen. Ist das wirklich ein so großes Opfer für die voraussichtlich beste Lösung?

  5. Manu sagt:

    Das komplette Konzept zum Centaurenmarkt siehe hier:

    http://www.wir-sind-fuerth.de/2014/12/wochenmarkt-konzept-centauren-markt/

  6. Vorgestern veröffentlichte der Verein »Wir sind Fürth« anläßlich der neuesten Entwicklungen zu die­sem Thema eine erneute Stellungnahme, die hier heruntergeladen werden kann.

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