Quo vadis, Rundfunk­museum ?

10. März 2014 | von | Kategorie: Politik

Es ist schon länger her, dass der Leiter des Rundfunkmuseums Gerd Walther »Knall auf Fall« seiner Funktion entbunden wurde und Betretungsverbot an der Einrichtung erhielt. Terminiert auf spätestens 12 Uhr am 21.6.2013 (mit Schreiben vom 20.6.2013 der Personal- und Finanzreferentin Frau Ammon). Es gab einen Zeitungsartikel und ein paar kritische Leserbriefe. Das war es dann auch und die Karawane zog weiter.

Rundfunkmuseum - Titelblatt der Abschiedsbroschüre von Gerd Walther

Rundfunkmuseum – Titelblatt der Abschiedsbroschüre von Gerd Walther

Vor ein paar Tagen konnte ich Einsicht in ein Heft nehmen, das für mich die ganze Sache nochmal aufrührte und gerade zu Wahl­kampf­zeiten zu denken gibt: Nach 25 Jahren bedankt sich Gerd Walther darin bei allen Freunden des Rundfunkmuseums…

Mit einem Schuss berechtigten Stolzes dokumentiert er im ersten Teil den Aufbau des momentan meistbesuchten Fürther Museums, von den Anfängen im ehemaligen Marstall des Schlosses Burg­farrn­bach bis zum heutigen Standort ehemalige Direktorenvilla der Firma Grundig. Zur Burgfarrnbacher Zeit konnte ich teilweise miterleben, wie angestrengt das Verhältnis zur damaligen Führung des Stadt­museums im Schloss war, die kein Interesse an innovativer Muse­ums­arbeit hatte.

Im zweiten Teil wird mit einem Schuss berechtigter Bitternis recht gut dokumentiert, welche Querelen es in der Jung-Ära ab 2002 gab. Der Umzug ins Gelände an der Kurgartenstraße 2001 und die Ungereimtheiten der Kämmerei in Bezug auf Einnahmeziele und Defizitberechnung bis 2008 werden recht gut dargestellt. Eine Äußerung des OB, die er in einem Interview am 7.4.2009 gab, zeigt recht gut seine damalige Einstellung: »Wo bleibt mehr für die eigentliche Museumsarbeit? Was die Parties angeht, die jetzt dort gefeiert werden und die Museumsleiter Walther anführt, so zählt dies für mich nicht zum Kernbestand einer Museumsarbeit, mit Steuergeldern subventionierte Parties und Geburtstagsfeiern zu veranstalten.«

(Dazu sollte man vielleicht noch wissen, dass der OB lange verlangt hat, dass das Rundfunkmuseum in die ehemalige Zentralgarage umziehen soll. Durch gute Argumente der Museumsleitung und des Fördervereins und durch ein günstiges Angebot des Eigentümers der alten Grundig-Direktion musste diese Direktive sterben.)

Gerd Walther hat nach dieser sehr abfälligen Äußerung des OB am 25.4.2009 in einem 3-seitigen Brief Herrn Jung sehr fundiert seine sehr umfassende Museumsarbeit erläutert und auch auf Schwierigkeiten hingewiesen, die durch hanebüchene Personalentscheidungen seitens der Stadt entstanden sind.

Die Dokumentation führt dann weiter mit einem Schreiben vom 23.8.2012: Hier geht es um eine Antwort an einen Herrn Mxx (anonymisiert). Recht gut legt er hier wieder ausführlich seine konzeptionellen Gedanken dar, wie ein alltagsgeschichtliches Museum in Fürth orientiert sein sollte. Leitungsstäbe von Fürther Kultureinrichtungen haben intern diskutiert und der Vorwurf stand im Raum, dass beim Rundfunkmuseum Feiern veranstaltet werden, welche den angestammten Gastronomen Gäste wegnehmen. Walther stellt mit einigen Beispielen ausdrücklich klar, dass das Rundfunkmuseum kein Mausoleum, sondern ein lebendiges Museum ist.

Zum Konzept des Museums vielleicht noch ein Interview mit Gerd Walther im Altstadtblättla Heft 39.

Da der Ruhestand des Museumsleiters für Ende 2013 feststand und die erfolgreiche Fortführung der Arbeit gesichert werden sollte, wurde unterstützt vom Förderverein, die Forderung nach einer Weiterführung durch eine eigenständige Leiterstelle und die Beibehaltung der finanziellen Ausstattung aufgestellt. Dazu wurde schon im Juli 2012 dem Kulturreferat eine entsprechende Organisationsstruktur vorgeschlagen.

Von Seiten der Stadt wurde hingegen geplant, die Gesamtleitung von Rundfunkmuseum, Stadtmuseum, Stadt­archiv, Stadtbibliothek und Städtischer Sammlungen dem Historiker und Archivar Dr. Schramm (Interview über seine Arbeit) zu übereignen. Außerdem sollte die Leiterstelle Rundfunkmuseum eingezogen werden und die Stellvertreterin Dr. Falkenberg wie gehabt dort die Arbeit weiterführen.

Die neue Kulturreferentin Reichert wurde in einem Gespräch am 20.2.2013 nochmals über die – nach Meinung von Walther – unsinnige Aufteilung informiert. Am 21.2.2013 hat Walther außerdem noch schriftlich versucht, ein Gedächtnisprotokoll bestätigen zu lassen, in dem seine widersprüchliche Meinung und eine haarige Äußerung der Referentin bezüglich der Qualifikation von Dr. Schramm aufgezeichnet sind. Es erfolgten weder Verifikation noch Falsifikation.

Die Sache eskalierte dann in der ersten Stufe als der Förderverein ohne Diskussion auf die Stadtlinie umgeschwenkt ist. Am 23.4.2013 trat Walther aus dem Förderverein aus – den er 1990 führend mitgegründet hatte.

Die zweite Stufe der Eskalation erfolgte dann am 29. April 2013. Gerd Walther schrieb an den OB eine Mail. Er wies eindringlich darauf hin, dass in einer Beschlussvorlage vom 25. April 2013 über 30.000 € für Personalkosten herausgenommen worden sind. Außerdem machte er nochmal den Versuch, für die Mitarbeiter eine bessere Bewertung ihrer Stellen zu erreichen. Dabei zeigte er recht detailliert auf, wo Verbesserungen nicht nur möglich, sondern auch nötig sind.

Die knappe Antwort am 11. Mai aus der Referentensitzung lautete: TOP 20 – Verschiedenes i) Rundfunkmuseum: RF II klärt die Vorwürfe des Leiters auf; die Vorlage für den Personal- und Organisationsausschuss bleibt bestehen, RFM-Leiter erhält kein Rederecht.

Die dritte Stufe ergab sich dann am 6. Juni 2013, wobei sich Walther auf seine Tätigkeitsbeschreibung mit dem Recht auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beruft: Er formulierte eine Pressemitteilung. Da diese Presse­mitteilung offensichtlich nirgends redaktionell bearbeitet wurde, möchte ich sie hier wiedergeben:

Quo vadis, Rundfunkmuseum Fürth

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurden von der Stadt Fürth neue Rahmenbedingungen für die Zeit nach meinem Ausscheiden als Leiter des Rundfunkmuseums zum Jahresende festgelegt. Rahmenbedingungen, die die weitere Existenz des Museums in Frage stellen. Was in 25 Jahren als lebendiges Museum der Alltagsgeschichte und größtes Spezialmuseum in Deutschland aufgebaut wurde und zuletzt mit 19000 Besuchern im Jahr (über 90.000 in den letzten 5 Jahren) vom Publikum gut und gerne angenommen wurde, steht scheinbar zur Disposition.

Der Erhalt der organisatorischen Selbständigkeit des Museums war ein Wunsch des Museums, da vor Ort die Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten am besten erkannt und gelöst werden können. Die Stadt hat leider diese Selbständigkeit aufgehoben. Ein Archivar wird jetzt letztendlich Leiter eines Rundfunkmuseums. Ein bürokratischer Wasserkopf, zumal der Archivar nach Aussage der Kulturreferentin »Museum nicht kann«. Das ist museums­didak­tische Steinzeit.

Der 2. Wunsch war, dass die Mittel, die bisher für den Personalbereich ausgegeben wurden, erhalten bleiben. Das war wahrlich nicht viel verlangt, wenn man bedenkt, dass die Besucherzahl seit 2006 um über 5000 Besucher/Jahr bei leicht reduziertem Personalstamm deutlich zugenommen, die Finanzierung des Museums durch diverse Sparrunden aber gravierende Einschnitte erfahren hat.

In der Vorlage der Stadt heißt es zwar »Hervorzuheben ist die Kostenneutralität der gezeigten Maßnahmen«, doch schon ein einfaches Nachrechnen ergibt Kürzungen im bisherigen Personalhaushalt von über 30.000 €, das sind fast 1/5 dieser Ausgaben.

Als ich den Oberbürgermeister auf diesen Sachverhalt am 29.04. aufmerksam machte, heißt es am 11. Mai im Protokoll der Referentensitzung: »TOP 20. Verschiedenes i) Rund­funk­museum : Rf II klärt die Vorwürfe des Leiters auf; die Vorlage für den Personal- und Organisationsausschuss bleibt bestehen, RF-Leiter erhält kein Rederecht.« Entsprechend beschließen der Ausschuss und später auch der Stadtrat.

Dieses Ergebnis war abzusehen. Im Vorfeld fand zwischen dem Organisationsamt, das mit der Planung beauftragt war, und dem Museum keinerlei Kontakt statt. Man hat im Rathaus vom Schreibtisch aus ohne geringste Kenntnisse der Situation am Rundfunkmuseum geplant und festgelegt. Dass hier 25 Jahre Museumsarbeit erfolgreich geleistet wurden, hat nicht interessiert. Es ging offensichtlich nicht darum, im Interesse des Museums zu planen, es wurde ein Einsparziel umgesetzt.

Das hat zur Folge, dass Mitarbeiterinnen trotz gleicher Tätigkeit am Rundfunkmuseum niedriger eingestuft sind als z.B. am Stadtmuseum, obwohl dort nicht einmal die Hälfte des Be­su­cher­aufkommens vorhanden ist. Das geschieht durch falsche Etikettierung: Die Museums­pädagogin erhält das Etikett »Besucherservice«, die Kraft für Kasse/Café/Museumsladen heißt »Ausstellungspflege«. Das hat zwar mit der Realität nichts zu tun, spart aber Geld.

Als Ersatz für meine Museumsleiter-Tätigkeit wird eine neue Stelle »Veranstaltungshilfe« in Entgeltgruppe 1 mit 18 Wochenstunden geschaffen (hier ist nachträglich richtiggestellt worden: Als Ersatz für meine … müsste es heißen: Als teilweisen Ersatz …). Das ist die niedrigste Entgeltgruppe. Laut Vorgabe der Entgeltliste ein »Beschäftigter mit einfachsten Tätigkeiten« , z.B. Spülkraft oder »Wärter/innen von Bedürfnisanstalten«. Begründung: Ich habe ja auch einfache Arbeiten verrichtet, schreibt mir die Kulturreferentin auf Rückfrage.

Diese Veranstaltungshilfe wird finanziert aus dem Topf für die derzeit sieben 450 €-Kräfte, der dadurch auf 4782 € schrumpft. Erst nachdem darauf hingewiesen wurde, dass pro Wochen­ende mindestens 25–30 Arbeitsstunden anfallen, oder man schließt das Museum an Wochenenden, werden zusätzlich 15.000 € bewilligt – allerdings nur für 1 Jahr.

Und die Kulturreferentin schreibt am 29.April, also nachdem die Vorlage längst fertig ist: »Für die weitere Argumentation bitte ich um eine Aufstellung der Tätigkeiten der 400-€-Kräfte …«. Das hätte doch vorher erfolgen müssen!

Eine Stadtverwaltung, die so mit einem Museum umgeht, das in Fürth mit Abstand die meisten Besucher zählt, führt nicht nur das Leistungsprinzip ad absurdum. Sie hat keine Vorstellung davon und auch kein Interesse daran, welche Voraussetzungen Kulturarbeit braucht.

Hier wird ein gut funktionierendes Museum mittel- und langfristig zerstört, indem man bei jeder sich bietenden Gelegenheit Substanz entfernt.

Eine Stadt, die eine kulturelle Einrichtung primär unter dem Aspekt ihres Einsparpotentials betrachtet – das Rundfunkmuseum ist ja nicht das erste Beispiel – entwickelt sich zur Schlafstadt. Eine Stadt in der Größe Fürths braucht eine mittel- und langfristige geplante Kul­tur­politik, die nicht nur vom Engagement der in diesen Einrichtungen tätigen Mit­arbei­ter­Innen lebt.

Mit Interesse lese ich von den Bemühungen, Ludwig Erhard in Fürth angemessen zu würdigen, nachdem dies im gleichnamigen Stadtmuseum offenbar nicht geklappt hat. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass die Einsparungen am Rundfunkmuseum zur Schließung der dort vorhandenen Finanzlücke dienen.

Fürth, 6.6.2013
Gerd Walther
Leiter des Rundfunkmuseums der Stadt Fürth

In der Zwischenzeit hat Gerd Walther versucht, vom Förderverein durch verschiedene Fragestellungen ausführliche Information darüber zu bekommen, wie der Positionswechsel bezüglich der Zukunft des Museums stattgefunden hat – demokratisch oder als Mauschelei? Die Antwort im Juni fand er sehr unbefriedigend und deshalb schrieb er am 17.06.2013 seiner Stellvertreterin Frau Dr. Falkenberg, die auch im Förderverein ist, einen längeren Brief in dem er nun von ihr nähere Informationen und eine ehrliche Stellungnahme verlangte.

Sein eigenes »Todesurteil« hat er wahrscheinlich mit folgender Formulierung gefällt:

»Um es deutlich zu machen, es geht hier um eine eklatante, mutwillige und böswillige Beschädigung des Betriebsfriedens, wenn mit falschen und verdrehten Behauptungen ein Keil zwischen mich (Chef) und meinen MitarbeiterInnen zum Nachteil des Museums getrieben werden soll. In jedem Betrieb wird das mit Hinauswurf geahndet. Ich werde deshalb Grete Schwarz und Robert Vogel (Fördervereinsvorsitzende) mit einem Hausverbot belegen. Wir sind ein Museum, kein Tollhaus. Ich erwarte als dein Chef (tut mir leid, aber einfach nur abtauchen geht nicht!) eine Antwort.«

Am 21. Juni 2013 kam die Antwort von der Personal- und Finanzreferentin in Form einer Abmahnung, Versetzung auf eine Stelle im Archiv und Streichung von Zulagen… Dazu der Zeitungsartikel in den FN.

Um es nun noch ganz kurz zu machen:

Am 10. September 2013 kam es vor dem Arbeitsgericht zu einem Vergleich: Gerd Walther wurde in seine ursprüngliche Position eingesetzt und gleichzeitig freigestellt. Die Vergütung wurde nicht reduziert. Frau Dr. Falkenberg übernimmt nun ab 1. März 2014 die Leitung des Spielzeugmuseums Nürnberg.

In einem Artikel der FN vom 18.12.2013 dazu kann man eine Äußerung von ihr nachlesen, die doch zu einiger Verwunderung Anlass geben:

(Zitat) Falkenberg: »Es ist ein tolles Team (die Mitarbeiter des RF), wir arbeiten seit einem halben Jahr intensiv und demokratisch-konstruktiv« – War es denn wirklich so, dass seit 2006 sie als stellvertretende Leiterin mit dem Team einschließlich des Leiters nicht demokratisch-konstruktiv arbeiten konnte? Hier scheint eine Sprachreglung getroffen worden zu sein, welche so einiges unter den Teppich kehrt.

Ferner war in dem Zeitungsartikel folgende Passage nachzulesen:

»In die … Wissenschaftlerin – … hatte nicht nur das Kulturreferat alle Hoffnungen gelegt. Aus guten Gründen, denn das Verhältnis zwischen Stadt und Museums-Gründer Walther war 25 Jahre lang von einigen Zerwürfnissen und juristischen Scharmützeln geprägt.« Gerd Walther also der Querulant und ewige Nein-Sager?

Gerd Walther schließlich verfasste am 19.12.2013 einen offenen Brief an die Stadt Fürth, in dem er das Vorgehen der Kulturreferentin stark kritisiert und sogar ihren Rücktritt verlangt. Über diesen offenen Brief wurde in den FN wiederum nicht berichtet, sondern nur in der Nürnberger Zeitung.

Hier die Abschrift des Offenen Briefes:

Treten Sie zurück, Frau Reichert!

Nun ist schneller eingetreten als befürchtet, wovor ich Mitte dieses Jahres schriftlich und mündlich gewarnt hatte: Die Existenz des Rundfunkmuseums ist durch Maßnahmen der Stadt, für die Frau Reichert federführend ist, ernsthaft in Gefahr.

Statt gemeinsam eine neue Struktur nach meinem Ausscheiden (am 01.01.2014) aufzubauen, haben Sie, Frau Reichert, rigide einen Sparkurs durchgezogen. Über 30.000 € sind dem Personalhaushalt entzogen worden, das sind fast 20%. Das hat Sie nicht davon abgehalten, in der Stadtratsvorlage zu schreiben: »Hervorzuheben ist die Kostenneutralität der gezeigten Maßnahmen.« Damit haben Sie nicht nur die Öffentlichkeit getäuscht, Sie haben den Stadtrat belogen.

Ein über mich verhängtes Redeverbot sollte wohl diesen Sachverhalt vertuschen, schließlich sind im März Wahlen. Als ob damit das Problem des Kaputtsparens beseitigt wäre. Als ich mich nicht daran hielt, gab man mir nach fast 30 Jahren bei der Stadt Fürth gerade einmal 30 Minuten Zeit, meinen Arbeitsplatz zu räumen. Ein Schlüsseldienst tauschte die Schlösser aus, ich durfte das Museum nicht mehr betreten, inklusive »der dazugehörigen Außenflächen«. Die zentrale Kraft plötzlich aus nichtigem Grund herauszureißen, war gegenüber dem Museum völlig verantwortungslos gehandelt.

Erst das Arbeitsgericht Nürnberg rückte die Verhältnisse wieder ins rechte Lot und setzte mich bis zu meinem geplanten Ausscheiden am 01.01.2014 wieder als (freigestellter) Museumsleiter ein. Wo ein sensibler Umgang mit dem Museum im geplanten Umbruch nötig gewesen wäre, dachten Sie, es genüge, die Muskeln spielen zu lassen, kräftig auf den Tisch zu hauen, um zu zeigen, wer der Herr/die Frau im Hause ist. Das ist zu wenig.

Wer so mit Leistungsträgern umgeht, wird bald keine mehr haben, nur noch Jasager.

Aber es kommt noch toller. Nach über 20 Jahren verliert das Museum seine Eigenständigkeit, rückt in die zweite Reihe. Ein Archivar wird oberster Museumsleiter, der über Finanzen und Rahmenbedingungen bestimmt. Die anderen dürfen die Arbeit machen. Über diesen Archivar sagten Sie am 20.2.2013, er »kann keine Museen leiten, kann er nicht«. Wie pervers, bitte, darf denn Kulturpolitik in Fürth sein?

In mühevoller und liebevoller Kleinarbeit wurde das Rundfunkmuseum in den letzten 25 Jahren aus dem Nichts aufgebaut. Es ist gut angekommen bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht nur in Fürth. Seit Jahren hat das Rundfunkmuseum fast so viele Besucher wie Stadtmuseum, Jüdisches Museum und Galerie zusammen, 2012 über 19.000 Gäste.

Sie bringen es fertig, dies innerhalb eines halben Jahres zu zerstören. Aber da wird von Ihrer »herben Niederlage« berichtet, als ob es darum ginge. Ihre »tiefe Betrübung«, Ihre »bittere Enttäuschung« sind Ihr Thema. Armes, armes Rundfunkmuseum.

Ihnen fehlt jegliche Befähigung zur Personalführung, jegliche Qualifikation, jede Sensibilität zur Lösung kulturpolitischer Aufgabenstellungen. Kulturreferentin, das ist deutlich ein paar Nummern zu groß für Sie, auch wenn Sie in der richtigen Partei sind.

Ich fordere Sie deshalb auf, von Ihrem Amt zurückzutreten. Sie schaden Fürth.

Gerd Walther
Leiter des Rundfunkmuseums (freigestellt)
19.12.2013

Die Dokumentation in meinen Händen schließlich endet nochmals mit einer Pressemitteilung vom 20.12.2014, die bis zum 12.1.2014 keine Resonanz erfahren hat. Deshalb auch hier eine Abschrift:

Auch Ihre Lügen haben kurze Beine, Frau Reichert

Am 20.12.2013 brachte die NZ einen Artikel von Frau Julia Vogl betreffs meiner Rück­tritts­forderung an die Fürther Kulturreferentin Elisabeth Reichert.

Darin heißt es u.a.: »Zudem, so Walther, soll Reichert über Schramm gesagt haben, er könne keine Museen leiten. Diese Äußerung von sich gegeben zu haben, streitet Frau Reichert ab.«

Das ist gelogen. Am 20.2.2013 fand eine Besprechung von Frau Reichert und mir zur Zukunft des Rundfunkmuseums statt. In dieser Besprechung war die Qualifikation des Archivars bzw. deren Fehlen ein zentrales Thema. Die Äußerung von Frau Reichert fiel nicht in irgendeinem Nebensatz. Ich fertigte kurz nach der Besprechung ein Gedächtnisprotokoll an, das ich am nächsten Tag Frau Reichert (Referat 4) mit der Bitte um Verifikation/Falsifikation mailte. Frau Reichert sprach mich einige Tage später bei einem zufälligen Zusammentreffen zwischen Tür und Angel an, sie sei nicht mit allen Formulierungen ganz einverstanden und werde in Kürze schriftlich antworten. Dies erfolgte nicht, so dass ich davon ausgehe, dass Frau Reichert die Änderungswünsche nicht als gravierend betrachtete. Das Gedächtnisprotokoll sowie der Mailbeleg befinden sich völlig unverändert im Anhang.

Falsch ist auch die Behauptung, meine Überstunden- und Wochenendpauschale von ca.16.000.- E werde für die »Schaffung einer Zuarbeiterstelle« verwendet. Die 13.000 Euro für diese Stelle wurde der Kostenstelle für die 450-€-Kräfte entnommen, die dadurch auf 4.800 € sank. Erst als ich darauf aufmerksam machte, dass allein an Wochenenden jährlich ca. 1.500 Personalstunden im 450-€-Bereich anfallen, wurden für 2014 einmalig 15.000 € hinzugefügt.Es bleiben die 13.200.- € aus der Zeit, als ich auch Leiter des Stadtmuseums war. Frau Reichert weiß, dass auch für diesen Betrag reale Arbeitsleistung ins Museum geflossen ist. Schließlich musste sie meinen monatlichen Stundenzettel gegenzeichnen, ehe er ans Personalamt ging. Von Mai 2007 bis April 2013 fielen 1.359 Überstunden über die 30 Überstunden hinaus an, die durch die Überstundenpauschale bezahlt wurden. Schließlich haben Sie im August 2012 schriftlich von mir Vorschläge gewünscht, wie ich meine Überstunden bis zum Renteneintritt abbaue.

Insgesamt wurden so über 30.000 € pro Jahr ersatzlos gestrichen, für die zuvor eine (hochqualifizierte) Arbeitsleistung ins Museum eingebracht wurde. Obwohl ich darauf hinwies, brachten Sie die falsche Vorlage in den Stadtrat mit der Bemerkung »Hervorzuheben ist die Kostenneutralität der gezeigten Maßnahmen«.

Etwas verwundert war ich über die Aussage, dass es keinen Grund gebe zurückzutreten, »Das Team des Rundfunkmuseums steht hinter mir.« Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Und, Frau Reichert, hätten Sie dieses Team nicht zumindest fragen sollen, bevor Sie solche Aussagen machen? Unabhängig davon, was die Antworten wert sind? Das hätten der Anstand und der Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rundfunkmuseums schon erfordert.

Treten Sie zurück!

Gerd Walther
Leiter des Rundfunkmuseums Fürth (freigestellt)
Fürth, 21.12.3013

Dieses Abschiedsheft zeigt noch einmal, welch Herzblut in dieser 25-jährigen Arbeit für den Aufbau und die Leitung des Rundfunkmuseums steckt. Jeder bürokratische Ja-Sager hätte sich mit den Entscheidungen der Stadtspitze arrangiert, denn die baldige Rente stand in Aussicht und »nach mir die Sintflut«… Man kann ihm nicht vorwerfen, keine Argumente geliefert zu haben, oder sich um einen Diskurs gedrückt zu haben. Sehr diplomatisch ging er nicht vor, aber was blieb ihm denn übrig, wenn die Verwaltung (und der OB?) nicht diskutiert, sondern bestimmt?

Die politisch Verantwortlichen scheinen aber nicht nur das Amtsblatt der Stadt Fürth (sprich Stadtzeitung) mit Hilfe des Presseamts als ihre Präsentationswiese zu benutzen. Das Lokalblatt FN folgt meist auch sehr rasch den ausgegebenen Parolen. Die Fäden werden recht geschickt gezogen und die Provinz-Marionetten tanzen nett. Da passt halt jemand, der eigenständig denkt und versucht, ohne Scheu zu handeln, nicht rein.

Die Frage ist berechtigt: Quo vadis, Rundfunkmuseum? Aber gräme Dich nicht, lieber Gerd Walther: Dein Baby ist erwachsen und nun sind andere verantwortlich! Auch ohne Urkunde von der Stadt wirst Du als Vater eines erfolgreichen Konzepts nicht vergessen sein. Es ist zu hoffen, dass der neue Stadtrat auf die Weiterentwicklung ein wachsames Auge wirft. Besonders ist dabei zu beobachten, wie dieses neue Ludwig-Erhard-Haus behandelt wird, denn nicht nur architektonisch, sondern auch funktionell und finanziell erscheint es mir als Klotz; vielleicht auch als Kropf…

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20 Kommentare zu »Quo vadis, Rundfunk­museum ?«:

  1. GünniS sagt:

    »Aber gräme Dich nicht, lieber Gerd Walther: Dein Baby ist erwachsen und nun sind andere verant­wort­lich!« Tut mir leid, aber so zuversichtlich bin ich da nicht. Es kann durchaus auch so kommen, dass das Museum jetzt eine zeitlang so vor sich hin dümpelt und dann als Wurmfortsatz des Stadtmu­se­ums langsam verkommt. Seinen Zenit wird es mit dem Ausscheiden Walthers definitiv überschritten haben.

  2. Hans-Peter Miksch sagt:

    Sehr geehrter Herr Schermann,

    natürlich gibt es Interna und Externa, natürlich gibt es ein Fachwissen und ein Alltagswissen. Aber auch jemandem, der nicht im Kulturbetrieb arbeitet, sollte einleuchten, dass es Rosstäuscherei ist, wenn ein Museumsleiter die Besucherzahlen hochtreibt, indem er am Abend Privatpersonen den Schlüssel für das Museum gibt, damit die dort dann für eine relativ geringe Raummiete ihre Feiern abhalten. Die Behauptung, das ganze Museum stünde ja offen, die Menschen könnten sich die Aus­stellung ansehen, macht(e) die Sache nur noch schlimmer: Das ist absolut verantwortungslos. Ein öffentliches Haus war zigmal der Gefahr ausgesetzt, dass es während einer privaten Feier zu einem Unglück kommt, ohne dass eine hauptamtliche Kraft oder ein Vertreter der Leitung vor Ort Schlimm­stes verhindern hätte können. Und die Behauptung, es wäre nie zu Beschädigungen oder Diebstählen gekommen, ist lächerlich und weltfremd. Nur weil solche Beschädigungen und Diebstähle nicht ange­zeigt wurden, heißt das nicht, dass sie nicht vorkamen. Und was manchmal an Verschmutzung auf Grund alkoholischer Exzesse passierte, kommt doch erst jetzt ans Licht nach dem Weggang des Herrn Walther.

    Ich habe, das haben Sie ja gemerkt, kein Problem damit, dass hinter dem »anonymisierten Herrn Mxx« ich selbst »stecke«. Allerdings wird das ja klar, weil in meiner freundlichen Mail und der Antwort von Herrn Walther von damals die Galerie (kunst galerie fürth) auftaucht. Da muss man kein Detektiv sein, um zu erkennen, wer mit wem gesprochen hat.

    Dass ein Forum wie die »Fürther Freiheit« immer für nicht recherchierte private Meinungsäußerungen funktionalisiert wird, die dann stolz unter der Flagge einer Gegenöffentlichkeit segeln, ist so bedauer­lich wie schwer zu verhindern. Trotzdem würde ein wenig Nachdenken und Abwägen nicht schaden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans-Peter Miksch
    Leiter kunst galerie fürth
    Tel.: 0911 / 974 – 1690
    Fax: 0911 / 974 – 1692

  3. Alois M. sagt:

    @ Hans-Peter Miksch. Jetzt zunächst mal ganz unabhängig vom sonstigen Inhalt des Artikels: Wollen Sie ernsthaft, dass das Museum das Erfoglskonzept aufgibt und das Museum nicht mehr vermietet? Der Preis dafür könnte sein, dass sich die Besucherzahlen an jenen der Galerie und des Jüdischen Museums angleichen – und wer kann das weswegen wollen? (Außer vielleicht jenen, denen das im Vergleich peinlich ist).

  4. Auch ohne gefragt worden zu sein: Es ist ein Unterschied, ob man Museumsräume unter Aufsicht für private Zwecke vermietet oder ob man Fremde ohne jede Kontrolle ins Haus läßt: Da spielen Unfall­verhütung und versicherungsrechtliche Aspekte ebenso mit hinein wie Beschädigungsvermeidung und Diebstahlsprävention. Das eine zu tun (für ordentliche Verhältnisse zu sorgen) muß nicht heißen, das andere (Fremdvermietung) gänzlich zu lassen!

  5. Alois M. sagt:

    @Ralph Stenzel: Eben.

    Und ansonsten konnte ich im Heft von Gerd Walther noch folgende Zahlen zu den Besuchszahlen 2011 finden:

    Rundfunkmuseum: 18.509.
    Jüdisches Museum Franken 8.385.
    Kunstgalerie: 7.188.
    Stadtmuseum L.-Erhard: 5.552.

  6. Man könnte auch die Besucherzahlen von

    Trolli Arena
    Fürthermare
    Stadttheater
    Eisdiele am Rathaus

    vergleichend nebeneinander (resp. untereinander) hinschreiben. Und was beweist das dann?

    @Alois M.: Eben.

  7. Alois M. sagt:

    Man könnte auch Äpfel mit Birnen vergleichen. Beweist, dass man sie nicht vergleichen kann.

    Die Besucherzahlen der Kultureinrichtungen der Stadt Fürth zeigen, dass das Rundfunkmuseum unangefochten Spitzenreiter ist (bzw.: war). Dass Gerd Walther nun über sein Ziel hinausschießt, sein Erbe zu bewahren, will ich gar nicht abstreiten. Aber dass er nach seiner Lebensleistung so abserviert bzw. aus seinem Museum abgeführt wird und dann noch Herr Miksch an seinen Erfolgen herum­mäkelt, empfinde ich abstoßend. Auch und gerade, weil der Galerieleiter damit im Mainstream der Fürther VIP-Kultur liegt. (z:B.: Umgang mit abweichenden Meinungen in der »Neue Mitte« – Diskussion u.ä.).

    Jedenfalls ist es gut, dass die FF im Sinne des Meinungspluralismus auch eine von der offiziellen Sichtweise abweichende Meinung bringt und sich so von der Hofberichterstattung in Fürth abhebt.

  8. MIt dem Vergleichen verschiedener Obstsorten habe nicht ich angefangen…

    Man kann die Fürther Kultureinrichtungen weder inhaltlich miteinander vergleichen noch sollte man sie nach nur scheinbar objektiven Kriterien gegeneinander auszuspielen versuchen. Die außer­ordent­lich professionell geführte kunst galerie fürth zum Exempel mag eher überschaubare Besucherzahlen haben, aber sie befördert das Image der Stadt auf besondere Weise. Das sage ich übrigens als einer, der eine hohe Affinität zum Rundfunkmuseum hat, dessen Website über Jahre hinweg mit Herzblut aufgebaut und gepflegt hat und der daheim selbst ein kleines Rundfunkmuseum unterhält (Beispiele gefällig? Hier, da, dort, viertens, fünftens, sechstens, siebtens, achtens und neuntens).

    Ein »Herummäkeln« an Erfolgen kann ich aus dem Kommentar von Herrn Miksch nicht herauslesen: Daß die Gäste von Raumvermietungen anläßlich privater Feiern seriöserweise nicht der Besucher­statistik zugeschlagen werden dürfen, ist doch wohl selbstverständlich. Ebenso, daß eine unbeauf­sichtigte (!) Überlassung des Hauses an Dritte ebenso fahrlässig wie unprofessionell wäre…

    Einig sind wir uns indes in der Ansicht, daß Meinungspluralismus gut und richtig ist. Diesem eine Plattform zu bieten ist die erklärte Mission der Herausgeber hier.

  9. Alois M. sagt:

    Natürlich kann man Kultureinrichtungen vergleichen, u.a. über ihre Kostendeckung und über ihre Be­sucherzahlen. Wird doch ständig gemacht, zum Beispiel von unserer Kämmerin. Und ich kann aus Herrn Mikschs Kommentar sehr wohl ein kleinliches Herummäkeln herauslesen. Abgesehen davon: Lieber Zonebattler, ich beobachte ihr segensreiches Wirken für Fürths Internetöffentlichkeit sehr wohl und schon bald ein Jahrzehnt, allerdings vergrault man mit ständigen Oberkommentaren andere Leute, die hier erstmalig kommentieren. Da kann ich gleich wieder bei NN-online meinen Mitteilungs­bedarf befriedigen, hier ist es auch nicht viel besser – nur anders.

  10. Gerd Walther sagt:

    Sehr geehrter Herr Stenzel,

    ich bitte mich nicht misszuverstehen, ich will Ihnen Ihre Freude an der hübschen kleinen Sammlung von Radiogeräten überhaupt nicht nehmen, aber ein Rundfunkmuseum haben Sie da nicht zu Hause. Und vielleicht ist diese Unkenntnis, was überhaupt ein Museum ist, die Ursache vieler Ihrer Irrtümer, zumal ja auch Ihre Tätigkeit für das Museum, was ich in keiner Weise klein reden will, schon 8 Jahre zurückliegt..

    Zunächst zur »fahrlässigen und unprofessionellen, weil unbeaufsichtigten (!) Überlassung des Hau­ses an Dritte«:

    Das Rundfunkmuseum hat 5 Etagen Ausstellung mit drei schwer zu überprüfenden Zugängen. Selbst Einzelbesucher wären da nicht zu beaufsichtigen, es sei denn, wir würden neben jeden Besucher ei­nen Aufseher stellen, mindestens jedoch auf jede Etage einen. Da macht die Stadt aus Kostengrün­den nicht mit, und das Museum wollte es sowieso nicht, denn wir sind kein Knast.

    Also haben wir ein Sicherungssystem entwickelt, das im Prinzip nach dem Motto verfährt: »Wo man sich wohl fühlt, da klaut man nicht und macht auch nichts kaputt«. Das ist extrem kostengünstig und hat – allen Unkenrufen zum Trotz – bisher sehr gut funktioniert. (Natürlich gibt es kein Sicherungs­system, das 100% klappt). Auch wenn’s äußerlich einfach aussieht, es steckt schon ein großes Be­mü­hen dahinter. Das betrifft die Grundatmosphäre im Rundfunkmuseum.

    Zum anderen sprechen Sie von Raumvermietungen, was nicht richtig ist, wir haben immer bewusst ein Museum vermietet. Im Museum hatten wir um die 100 – 120 Vermietungen im Jahr, insgesamt also wohl über 1000.

    Ich weiß ja nicht, was Sie und Herrn Miksch – beide keine häufigen Besucher des Rundfunkmuseums – zu einem so negativen Bild von Museumsbesuchern veranlasst, dass Sie diese von vornherein pau­schal diskreditieren, ohne sie auch nur ansatzweise zu kennen. Ich würde das nicht tun.

    Das sind Leute, die einen runden Geburtstag feiern wollen, meist 40, 50, 60 Jahre, Firmenfeiern, einige Hochzeiten etc. Das sind keine verkappten Räuber, Diebe und Mörder, sondern ganz normale Leute aus dem Großraum.

    Sie sind in erster Linie fürchterlich nervös und aufgeregt, ob’s denn klappen wird mit ihrer Feier. Da setzt unser Sicherheitssystem ein. Den Menschen Vertrauen geben. Deshalb habe ich die Beratung und Vorbesprechungen meist selbst durchgeführt, weil ich auch derjenige war, der an dem Tag der Feier zugegen war. Möglichst nur ein kompetenter Ansprechpartner. Und ich war zu Beginn der Feier in aller Regel noch anwesend, um aktuelle Fragen zu klären, war über eine Rufbereitschaft ständig erreichbar und konnte innerhalb von 10 Minuten im Museum sein. (Ist ganz selten passiert, einmal hat’s nicht geklappt, da ist bei ca -28° mein Auto nicht angesprungen und die Taxis waren lange be­legt).

    Und natürlich gab’s einen Vertrag mit den Mietern, der Rechte und Pflichten festlegte und natürlich stellte sich heraus, soweit das Thema Beschädigung angesprochen wurde – was seitens der Mieter oft der Fall war – dass alle Mieter für entsprechende Fälle versichert waren. Und die Mieter konnten auch MitarbeiterInnen des Museums als Kellner mieten (keine Schwarzarbeit, alle mit Gewerbe­an­mel­dung) so dass oft auch jemand vom Haus anwesend war.

    Aber, um das noch einmal deutlich zu machen, die Leute kamen zum Feiern in angenehmer Umge­bung. Dazu gehörte auch, dass man nicht festsaß wie in einen Wirtshaus-Nebenzimmer, sondern sich im Museum die Beine vertreten konnte, was auch eifrig getan wurde.

    Es ist nicht so wichtig, dass ca. 40 % der Vermietungen eine Führung gebucht hatten. Es ist dieses entspannte Herumgehen ohne enges Zeitfenster, evtl mit einigen Freunden oder Verwandten, das die Qualität dieses Museumsbesuchs ausmachte. Denn wir zeigen ja die Geschichte unserer Besucher. Und natürlich durfte man tanzen – das haben auch oft Einzelbesucher zur Musikbox gemacht – denn zu Schlagermusik aus dem Radio oder von der Platte hat man zu allen Zeiten, die wir beleuchten, ge­tanzt. Als ob ein Museumsbesuch keinen Spaß machen darf.

    Ich habe dies Art des Museumsbesuchs immer sehr hoch geschätzt, meist höher als bei Schul­klas­sen, Reisebussen, anderen Gruppen oder auch vielen Einzelbesuchern mit einem oft eng getakteten Besuch.

    Und natürlich (außer bei einigen Antialkoholiker-Gruppen, die auch bei uns feierten) wurde auch Alko­hol getrunken im Rundfunkmuseum, auf Feiern oder auch sonst im Café. Aber angesichts des Alters unsere Besucher spielte das keine negative Rolle.

    Allerdings waren wir bei der Vermietung an Personen unter 35 Jahren sehr zurückhaltend und haben intensiv darauf aufmerksam gemacht, dass das Museum offen bleibt und dass wir wert darauf legen, dass die Gastgeber alle ihre Gäste kennen. Ich habe auch alle Interessenten, die das Museum noch nicht kannten, erst einmal ins Museum geschickt.

    In meinem von Hucky Schermann erwähnten Schreiben an den Oberbürgermeister vom 25.4.2009 befand sich ein Anhang mit meiner Antwort an die SMV des Helene-Lange-Gymnasiums, bzgl der Möglichkeit der Anmietung von Räumen zu Feiern. Ich erläuterte, dass wir ein Museum vermieten, keine Räume, in denen die Gefahr besteht, dass man sich rel. billig volllaufen lassen kann. Das war immer unser Standpunkt.

    Ich den 17 Jahren, in denen wir das Museum zur Vermietung anboten, gab es meines Wissens nur einen Fall, der diesbezüglich grenzwertig zu nennen ist. Es kam aber zu keinen Schäden und die Be­treffenden putzten noch vor Museumsöffnung am nächsten Tag die Verschmutzungen durch umges­chüt­tete Getränke selbst weg.

    Wozu also das Ganze? Wenn ich die Äußerungen von Herrn Miksch richtig lese, so heißt das künftige Programm der Stadt Fürth für das Rundfunkmuseum: „Preise rauf, Leistung runter.“ Das ist nun nicht sonderlich originell, bedarf aber wohl – wir haben es mit Politikern zu tun – Begründungen, die jetzt schon gerüchteweise aufgebaut werden und vor allem eine klare Schuldzuweisung aufweisen.

    Ich habe erfolgreich ein schönes und offenes Museum aufgebaut und auch fast 25 Jahre geleitet mit fast durchgängig sehr angenehmen und interessierten BesucherInnen. Für die jetzigen politischen Tricksereien stehe ich nicht zur Verfügung.

    Gerd Walther
    Ehem. Leiter des Rundfunkmuseums Fürth

  11. Werter Gerd Walther,

    ich habe es leider verabsäumt, in meinem Kommentar #8 die Bezeichnung »Rundfunkmuseum« in Hinblick auf meine eigene Geräte-Kollektion in relativierende »Gänsefüßchen« zu setzen: Selbstver­ständlich ist mir klar, daß mein nach höchst subjektiven Kritererien zusammengetragener Geraffel-Haufen nichts mit einem Museum zu tun hat und weder zeitgeschichtliche noch industriehistorische Relevanz beanspruchen kann. Seit fast 20 Jahren bin ich hauptberuflich in der Erwachsenenbildung tätig, da ist mir durchaus bewußt, daß zu einem (musems-)pädagogischen Konzept mehr gehört als eine bloße An­häufung von Artefakten (mit erläuternden Schildchen daneben)…

    Aber darum ging und geht es hier ja auch überhaupt nicht, ich wollte nur herausstellen, daß ich trotz nachweislicher Affinität zum Thema Rundfunk explizit auch der kunst galerie fürth hohen Stellenwert beimesse und mich nicht in die Niederungen einer polarisierenden »Entweder/oder«-Diskussion be­geben will, in der die eine Kultur-Einrichtung glorifiziert wird, indem auf den anderen herumgehackt wird. Insbesondere habe ich mich gegen das Aufrechnen von Besucherzahlen ausgesprochen, die für sich genommen weder Relevanzindikator noch Qualitätsmaßstab sein können.

    Zum Thema Vermietung habe ich mich mangels eigenen Wissens selbst nicht positioniert, sondern nur auf die vorherigen Äußerungen von Herrn Miksch und dem halbanonymen »Alois M.« Bezug ge­nom­men. Und das noch dazu im Konjunktiv (»… fahrlässig wie unprofessionell wäre …«), eben weil mir dazu als uninformierten Außenstehenden kein eigenes Urteil zusteht. Über das, was war und das, was künftig sein wird, mögen andere befinden…

    Ich wünsche mir für die Zukunft eine konstruktiv-kreatives Koexistenz von Jüdischem Museum, kunst galerie fürth, Rundfunkmuseum und Stadtmuseum (Reihenfolge alphabetisch und keineswegs prio­risie­rend), Einrichtungen, die allesamt auf ihre individuelle Art wichtig (und richtig) für Fürth sind.

  12. Alois M. sagt:

    Herumgehackt auf andere hat hier weder der halbanonyme Alois noch der weniger anonyme Gerd W., sondern nur Herr MIksch (mit voller Signatur, ich erstarre vor Ehrfurcht), und zwar

    a) auf das Rundfunkumuseum
    b) auf die Fürther Freiheit.

    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen auf andere werfen. Die nächste Sparrunde kommt be­stimmt und die Affinität von Dres. Jung/Ammon zur Kultur ist bekanntlich nicht allzu groß.

  13. Paul Pesel sagt:

    Eigentlich wollte ich mich aus dem Öffentlichen Debakel heraushalten.

    Als ehemaliger Grundig-Angehöriger, pausenloser Fanatiker dieser in meiner Heimatstadt statt­ge­hab­ten Elektronik-Schmiede, Mitglied des Fördervereins, schmerzen mich jedoch einige Dinge.

    Da gab es plötzlich Überschwinger auf allen Seiten, auch unter Zuhilfenahme der lokalen Presse. Ein schlechter Stil, wenn man plötzlich nicht mehr direkt miteinander reden kann (will?) und dies mittels Offener Briefe und Broschüren durchführt.

    Beginnen wir mit dem OB. Unser OB hat eine besondere Fürsorgepflicht für die gesamte Kommune. Und ich bin davon überzeugt, dass er ab einer erreichten Grenzlinie – die nicht er überschritten hat – nicht mehr anders handeln konnte.

    Leider ist dem – hochverdienten – Museumsleiter, der das Museum mit gewissem Recht auch als sein Lebenswerk betrachten kann, etwas die Realität entglitten. Verständlich, dass unter diesem Aspekt Sorge für das »aufgezogene Kind« besteht; doch bleibt man als Angestellter auch weisungs­gebunden und – man sollte auch allgemeingültige Regeln beachten. Diplomatie ist eben eine Kunst, die nicht jeder beherrscht.

    Die in den Kommentaren aufgestellte Behauptung, »der Förderverein sei umgeschwenkt«, ist eine Beleidigung.

    Der Förderverein, allen voran die verdiente Vorsitzende Grete Schwarz, war stets um Ausgleich be­müht – und dies immer im Sinne einer positiven Fortführung des Rundfunkmuseums. Auch die Mit­glie­der im Ausschuss – manch ein Verein könnte sich glücklich schätzen, solche engagierten Mit­glieder zu haben – haben stets die Belange des Museums im Blickfeld gehabt.

    An der letzten Hauptversammlung habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Verdienste der »Ehe­maligen« ausreichend gewürdigt wurden und mit der künftigen, nachfolgenden/bestehenden Mann­schaft eine gute Zukunft mittelfristig – wenn die Kommunalleitung mitspielt, auch langfristig – bevor­steht.

    Keiner braucht sich beim anderen zu entschuldigen (kann man sich einer Schuld entledigen?) – sondern man begräbt das Kiegsbeil, reicht sich die Hände – und:

    Auf gehts. Anpacken. An einem Strang ziehen.
    Das Leben ist kurz – der Aufgaben sind viele.

    So sollten wir die Kräfte bündeln und die nun einmalige Möglichkeit nutzen, ein Museum als Konzen­trat der Unterhaltungs- und Professionellen Elektronik in Deutschland, fortzuführen und aus­zu­bauen.

  14. Paul Pesel sagt:

    Ich hatte meinen ersten Kommentar geschrieben, nachdem ich die erste Stellungnahme gelesen habe.

    Nun, nachdem ich alle Kommentare durchlas, muss ich sagen, eine öffentlich ausgesprochene Unterstellung (das Internet hier ist die blanke Öffentlichkeit!), oder gar den Eindruck zu erwecken, im Museum herrsche »Sodom und Gomorrha«, ist schlichtweg eine Unverschämtheit.

    Das Konzept, dieses Museum einer breiten Öffentlichkeit zuzuführen, hat sich sich positiv bestätigt. Dies ist eine Konzept-Realisierung des ehemaligen Leiters und seiner Stellvetreterin.

    Haben Sie das Rundfunkmuseum schon einmal besucht?

    Haben Sie bereits an einer Führung im Museum teilgenommen?

    Haben Sie einer Führung mit Schulkindern teilgenommen? [Da wundern Sie sich, wie Frau Brigitte Zeder den Sack Flöhe beherrscht und auch noch das bleibende Interesse an den Museumsstationen weckt; das Kultusministerium kann sich hier ein Beispiel an Vermittlung von Lehrinhalten nehmen.]

    Haben Sie das Museum während der »Langen Nacht der Wissenschaften« besucht? Da bekommen Sie nur andeutungsweise einen Eindruck, mit welcher Akribie die einzelnen Stationen geplant, auf­ge­baut und betreut werden – und Sie als Besucher fachkundig informiert werden über das gesamte Spektrum der Eunterhaltungselektronik.

    Haben Sie schon einem Kindergeburtstag beigewohnt, an dem die Kinder mit Elektronik beschäftigt werden, ein Hörspiel produzieren und dieses als CD zu Hause abspielen können?

    Haben Sie schon mal das Museum privat gemietet? Sie werden sich wundern, was Ihnen a priori ge­boten wird und was Sie trotzdem noch selbst organisieren müssen. Und Sie werden sicherlich keine Diebe und Betrüger in Ihrem Bekanntenkreis haben, die sie dazu einladen. Außerdem schließen Sie vor der Vermietung einen Vertrag ab, in dem auch eindeutig Haftungsfragen geregelt sind.

    Haben Sie sich mal im Café entspannt – auch das können Sie. Es gibt prima Kuchen und sie werden freundlich bedient.

    Also – summa summarum – bitte den Ball flach halten, bevor Sie derartig unhaltbare, unbewiesene, provokative Behauptungen aufstellen.

    Wollen Sie also diese Leistungen, diesen Status in aller Öffentlichkeit anzweifeln, kleinreden?

    Respectfully –

  15. Nach gut nach gut siebenjähriger Pause (die Gründe dafür tun hier nichts zur Sache) war ich gestern erstmals wieder im Rundfunkmuseum zu Besuch und gleich in mehrfacher Hinsicht verblüfft:

    – Insgesamt hat sich in all der Zeit arg wenig getan in der Dauerausstellung (Ausnahme: Telegraphie)
    – vielen Exponaten fehlt jegliche Beschriftung, von der Einordnung in einen Kontext gar nicht zu reden
    – Die Audio-Geräte-Sammlung ist teils willkürlich anmutend, ein »roter Faden« ist nicht erkennbar
    – diverse Funktionsmodelle sind ohne Funktion
    – Gimmicks wie Flugsimulator und großes Adler-Lokmodell sind ohne rechten Bezug zum Thema
    – völlig ausgeblichene Transparente / Leuchttafeln (Grundig-Firmenfotos im Treppenhaus)
    – teils amateurhaft gebastelt wirkende Schautafeln / Poster / Präsentationen
    – Spuren längerfristiger Vernachlässigung sind unübersehbar (verstaubte Vitrinen und Exponate)

    Alles in allem ein etwas angegrautes Gesamtkunstwerk mit deutlichem Steigerungspotential: Ich bin gespannt, was der neue Chef daraus macht resp. im Rahmen der Möglichkeiten machen kann!

  16. Alois M. sagt:

    Kann ich bestätigen. Da sieht es aus wie einst in einem DDR Museum.

  17. Gutes Stichwort: Eine Sonderschau über den Karl-Eduard von Schnitzler und seinen manipulativen »Schwarzen Kanal« hätte einigen Unterhaltungs- und Erkenntniswert und wäre in einem Rund­funk­museum von Format bestens aufgehoben!

  18. Jörg Schötz sagt:

    Ich bin nun -nach dem Lesen des Artikels, der offenen Briefe und aller Kommentare- einigermaßen verblüfft, wie sehr sich das »aneinander-Vorbeireden« und »nicht-zuhören-weil-man-blind-auf-sei­nem-Standpunkt-verharrt« etabliert hat – nicht nur im privaten, sondern ganz offenbar auch im öffent­lichen und politischen Bereich.

    Ich war also am Sonntag in der genannten Bedürfnisanstalt (muss ich nun wohl so annehmen, nach der Besoldungsgruppe lt. offenem Brief vom 6.6.2013 von Gerd Walther. s. o.) und war zwiespältigem Eindruck ausgesetzt: teils sind die ausgestellten Exponate eine Augenweide (schöne Designikonen ihrer Zeit), teils erinnern sie an die eigene vergangene Jugend, teils sind sie aus Dokumentationen bekannt, aber größtenteils ist es eine unbetitelte, unbekannte und evtl. auch nichtssagende und lieb­los wirkende Ansammlung verbrauchter Altgeräte – und das ist schade, wenn doch jedes Trumm eine Geschichte erzählen soll und kann.

    Ralph Stenzels Kommentar kann ich in dieser Hinsicht nur bestätigen: hätte mich nicht ein be­wan­der­ter Freund in das Museum geschleppt und mir eine private Führung gegeben, wären weniger als die Hälfte der Exponate (mangels eigener Aussagekraft) für mich von Interesse gewesen.

    Und gerade in einem Museum, das von (betagter) Technik geprägt ist, erwarte ich auch einiges an modernen Features: so könnte ich mir außer verstaubender Täfelchen mit 5-Wort-Erklärungen (und schon die gibt es selten) gut 5-Wort-Täfelchen mit einem QR-Code vorstellen, der auf die (künftig) gepflegte Internetseite des Rundfunkmuseums verlinkt um dort detaillierte Informationen zu erhalten. An Besucher ohne Smartphone könnten einfache Tablets verliehen werden…

    Entschuldigung, ich schwoff ab: einigen mag ein Museum, welches der Technik gewidmet ist, weniger wertvoll und erhaltenswert erscheinen, als welche, die sich z. B. der Kunst widmen, weil diese per se als edel gilt. Rundfunk-Technik ist hier wohl noch zu jung, zu wenig fein, zu wertlos (oder gibt es eine Mona Lisa der Technik?), aber sie prägt unsere Gegenwart, wie nichts anderes! Und schon aus die­sem Grund wäre es schade, wenn es in weiteren 25 Jahren hieße: »Fürth hatte mal ein tolles Rund­funk­museum…«

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