MIB verspielt in Fürth seinen guten Ruf

17. Juni 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

Festsaal des Parkhotels (Computerrekonstruktion: Dipl.-Ing. Klaus Heller)

Offener Brief der Bürgerinitiative »Eine bessere Mitte für Fürth« und des Vereins »Wir sind Fürth«:

Herrn
Ulrich Hülsbeck

 
Fürth, den 14. Juni 2013

 
MIB verspielt in Fürth seinen guten Ruf

 
Sehr geehrter Herr Hülsbeck,

wir wenden uns in einem offenen Brief an Sie als Aufsichtsratsmitglied der MIB AG.

Wie Sie wissen, entwickelt MIB in Fürth gerade einen neuen Einkaufsschwerpunkt in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Die Bürgerinitiative »Eine bessere Mitte für Fürth« und der Verein »Wir sind Fürth e. V.« begrüßen ausdrücklich die Impulse, die davon für den Einzelhandel in der Fürther Innenstadt zu erhoffen sind.

MIB ist als Investor bekannt, der in vergleichbaren Projekten groβen Wert auf den Erhalt und die Integration historischer Bausubstanz gelegt hat. Gelungene Beispiele wie die Baum­woll­spinnerei, der Barthels und der Wünschmanns Hof in Leipzig sowie die Anna-Louisa-Karsch-Straße und die Von-Luck-Straße in Berlin zeugen von respektvollem Umgang mit archi­tek­toni­schen Zeugnissen der Vergangenheit bei gleichzeitiger innovativer Nutzung für neue öko­no­mi­sche Zwecke. Diese nachhaltige und seriöse Investitionspolitik von MIB durfte bislang als Markenzeichen Ihres Unternehmens gelten.

Die Erwartungen, dass das Fürther Projekt bei MIB in den richtigen Händen sei, waren ent­spre­chend groß. Im Investorenwettbewerb fiel der Zuschlag für MIB auf der Basis eines Masterplans des Architekten James Craven, der allseits große Hoffnungen auf eine stadtbild- und denk­mal­ge­rec­hte Lösung weckte. Nachdem in den Ausschreibungsunterlagen des Investoren­aus­wahl­ver­fah­rens dem Denkmalschutz ein hoher Stellenwert zukam, war die Enttäuschung umso größer, als ersichtlich wurde, dass MIB keine Bereitschaft zeigt, sich eines architektonisch wie historisch für Fürth bedeutsamen Denkmals anzunehmen, des 125 Jahre alten Festsaals im ehemaligen Park-Hotel.

Der unter Denkmalschutz stehende Festsaal des Park-Hotels bildete für viele Jahrzehnte den gesellschaftlichen Mittelpunkt des 1888 fertiggestellten Neurenaissance-Hotelbaus wie der ganzen Stadt Fürth. Darüber hinaus erinnert das Park-Hotel in Fürth durch seine Lage an der Fürther Freiheit an die Ankunft der ersten deutschen Eisenbahn im Jahre 1835. Der Ludwigs­bahnhof ist längst abgerissen. Geblieben ist das ehemalige Hotel, das die Nähe zum Bahnhof suchte. Es darf als einziges bauliches Denkmal dieses technik-, verkehrs- und kul­tur­ge­schicht­lich bedeutenden Ereignisses verstanden werden.

Wir sind nicht zuletzt aufgrund der Planungen eines Mitbewerbers sowie eines früheren Investors der festen Überzeugung, dass sich der Festsaal in den Einkaufsschwerpunkt gewinnbringend integrieren ließe. Als echtes Alleinstellungsmerkmal würde der Festsaal dem Projekt besondere Attraktivität sichern.

Vor dem Hintergrund dieser Option möchten wir MIB an seine Selbstverpflichtung zu einem »behutsame(n) Umgang mit der Formensprache vergangener Epochen« im auf der Website veröffentlichen Leitbild des Unternehmens erinnern:

»Das Engagement für eine selbstbewusste und respektvolle Architektur des 21. Jahrhunderts und der behutsame Umgang mit der Formensprache vergangener Epochen zur Schaffung ästhetisch-funktionaler Wertigkeit bleibt eine gültige Traditionslinie der MIB, an der die Ent­wicklung des Unternehmens gemessen wird.«

MIB setzt in Fürth seinen guten Ruf aufs Spiel. Es wäre Ihrem Geschäft gewiss nicht zuträglich, wenn die Marke MIB in Zukunft mit der Zerstörung statt der Wahrung historischer Bausubstanz verknüpft würde. Wohlgemerkt, es geht hier um ein Baudenkmal, für dessen Erhalt sich das bayerische Landesdenkmalamt, der bayerische Landesdenkmalrat und das Denkmalnetz Bayern einsetzen. Eine Online-Petition an den Regierungspräsidenten von Mittelfranken fand innerhalb kürzester Zeit mehr als 1700 Unterstützer. Daraus wird ersichtlich, wie stark das öffentliche Interesse am Erhalt des Festsaals ist.

Die Zeit drängt: Die Stadt Fürth hat übereilt eine Abriss-Genehmigung erteilt und möchte Tatsachen schaffen. Deshalb appellieren wir dringend an Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen, um den Abriss des Festsaals in letzter Minute zu verhindern. MIB hat das Know-how und die Mittel, eine optimierte Lösung zu realisieren – zum Vorteil für MIB und zum Vorteil des Stadtbildes von Fürth.

Das Schicksal des Festsaals und des Park-Hotels liegt in Ihrer Hand. Sie sind herzlich zu einem Gespräch und einem Ortstermin nach Fürth eingeladen.

Mit freundlichen und hoffnungsvollen Grüβen

Dr. Thomas Heyden
für die Bürgerinitiative »Eine bessere Mitte für Fürth«

Felix Geismann
für den Verein »Wir sind Fürth«

 
Verteiler des Schreibens:

  • MIB Aufsichtsrat
  • MIB Vorstand
  • Kopie an den Oberbürgermeister der Stadt Fürth
  • Kopie an die Presse
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14 Kommentare zu »MIB verspielt in Fürth seinen guten Ruf«:

  1. Mit Schreiben vom 24.06.2013 antworten die Herren Dr. Alexander Schlag und Uwe Laule von der Fir­ma MIB den Kritikern und werben für den neuen Einkaufsschwerpunkt:

    Herrn
    Dr. Thomas Heyden
    Luisenstraße 9
    90762 Fürth
     
    Herrn
    Felix Geismann
    Gustavstraße 51
    90762 Fürth
     
     
    24. Juni 2013
    AS-UL/aw
     
     
    Neue Mitte Fürth
    Ihr offener Brief vom 14. Juni 2013
     
     
    Sehr geehrter Herr Dr. Heyden,
    sehr geehrter Herr Geismann,
    sehr geehrte Mitglieder der Bürgerinitiative »Eine bessere Mitte für Fürth«
    und des Vereins »Wir sind Fürth e.V.«,
     
    MIB wurde im Rahmen eines 2011 durchgeführten Investorenauswahlverfahrens beauftragt, einen neuen Einkaufsschwerpunkt in der Rudolf-Breitscheid-Straße zu entwickeln und zu realisieren. Auf der Grundlage unseres im Juli 2011 ein­ge­reich­ten Bewerbungskonzepts konnten wir seitdem dieses für uns wie für Fürth so wich­ti­ge Projekt deutlich vorantreiben, weiterentwickeln und, wie wir meinen, verbessern.
     
    Im Nachgang konnte sich ein mehrstufiger Architekturworkshop, dessen Jury breit mit Fachleuten und Vertretern der Stadt Fürth und des Stadtrates besetzt war, mit den unterschiedlichen Ideen der beteiligten Architekturbüros befassen. Die Jury, in der auch ein Vertreter der Bürgerinitiative saß, für die Sie sprechen, hat sich nach leidenschaftlich geführten Diskussionen mit klarer Mehrheit für die Umsetzung des jetzt in Angriff genommenen Konzepts entschieden. Dabei wurden insbesondere auch die Belange des Denkmalschutzes und die Rücksichtnahme auf den vor­han­de­nen Bestand bei der Entscheidungsfindung intensiv diskutiert und abgewogen.
     
    Da es möglicherweise nicht allen Lesern Ihres Schreibens bewusst ist, dürfen wir an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass unser Be­wer­ber­kon­zept im Investorenauswahlverfahren im Juli 2011 von vorne herein eine wei­test­ge­hen­de Neubebauung des »Fiedlerareals« bei Erhalt lediglich der Festsaal­fassade vorsah. Die Neubebauung und die sich hieraus ergebenen Flächen und Nutzungen in diesem Areal sind und waren wesentlicher Bestandteil der Funk­tions­fähigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts »Neue Mitte Fürth«.
     
    Ihr offener Brief erweckt leider den Anschein, als würde die Neue Mitte Fürth die wichtigsten und wesentlichsten Anliegen des Denkmalschutzes ignorieren. Damit lassen Sie insbesondere die zentrale Rolle unter den Tisch fallen, die die denk­mal­ge­schütz­ten Altbauten an der Rudolf-Breitscheid-Straße, die historische Wege­be­ziehung zwischen Fürther Freiheit und Schwabacher Straße und der Erhalt der denk­malgeschützten Fassade an der Moststraße für die Neue Mitte einnehmen. Die Be­wah­rung des denkmalgeschützten Häuserensembles an der Rudolf-Breitscheid-Straße dominiert die Logik unseres Entwurfs. Nicht zuletzt der Wunsch nach Be­wah­rung an dieser Stelle führte uns zur Entwicklung eines »Ge­schäfts­haus­mo­dells« an der als Fußgängerzone verlängerten Rudolf-Breitscheid-Straße und zum Verzicht auf ein Einkaufszentrum mit einer internen Mall.
     
    Mit diesem Konzept setzt die Neue Mitte einen bewussten Schwerpunkt in Belangen des Denkmalschutzes. Das Konzept greift die intensiven politischen und fachlichen Diskussionen auf, in deren Rahmen das Vorhaben Neue Mitte von den beteiligten Ämtern und Behörden, insbesondere aber von der Stadt Fürth und ihren politischen Gremien selbst bereits vor der Ausschreibung des Investitionsvorhabens struk­tu­riert wurde.
     
    Der vollständige Erhalt der Fassade des Parkhotels war während des In­ve­sto­ren­aus­wahl­ver­fah­rens kein Diskussionsgegenstand. Nach dem Zuschlag des Vor­ha­bens an MIB existierte nochmals einen großzügig gefasster Raum für Diskussionen im Rahmen des Architektenworkshops. Auch dort wurde der Erhalt des Hotels von den Personen und Stellen, die sich in der bzw. für die Stadt mit Belangen des Denk­mal­schutzes befassen, nie zur Sprache gebracht.
     
    In den Diskussionen der Teilnehmer des Architekturworkshops wurde sogar immer wieder, auch von den Vertretern des Denkmalschutzes, unterstrichen, dass das Volumen des heutigen Parkhotels in Verbindung mit seiner Höhe eigentlich nicht zu der historischen Körnung des Stadt passt, und uns wurde eine in Ihrer Kubatur und Höhenabwicklung demütige(re) Ausformung der Neuen Mitte sehr ans Herz gelegt. Diese – auch von dem Architekten des Masterplanes James Craven vertretene – Wahrnehmung des historisch richtigen architektonischen Umgangs mit der Stadt­struk­tur setzen wir mit den Fassadenvorschlägen der Architekten Weis & Volkmann um, für die sich die Jury entschieden hat..
     
    Der historische Saal teilt mit dem Hotel nicht nur die Höhe, sondern absorbiert auch als gewaltiger Quader nahezu 2/3 der Ausdehnungsfläche, die die Geschäfte auf der Rudolf-Breitscheid-Straße an dieser Stelle nutzen können, um sich in die Tiefe hinein zu entfalten. Als wir unser Geschäftshausmodell vorgestellt haben, mussten wir von Anfang an klarstellen, dass die Aufreihung der Läden entlang der Rudolf-Breitscheid-Straße diesen immer eine Ausdehnung in die Tiefen der Pro­jekt­grund­stücke hinein ermöglichen muss. Zentraler Baustein des Planungskonzeptes der Neuen Mitte ist die Ansiedlung von großflächigen, teilweise mehrgeschossigen Handelshäusern in zentraler Lage der Stadt, um dem Entwicklungsdefizit des Für­ther Einzelhandels zu begegnen. Aus diesen funktionalen Zwängen heraus haben wir bereits in unserer Bewerbung im Juli 2011 klargestellt, dass der Erhalt des denk­mal­geschützten Saales mit dem angestrebten Entwicklungskonzept nicht ver­einbar ist.
     
    Diese Aussage haben wir uns gleichwohl nicht leicht gemacht, sondern haben sehr früh bei Vorortterminen die Geometrie des Saals gemeinsam mit Fach­leu­ten be­wer­tet.
     
    Die Fürther Innenpolitik wie auch die beteiligten Behörden, aber auch die beteiligten Vertreter des Denkmalschutzes, haben sich in den vergangenen zwei Jahren mehr­fach mit dem von uns vorgelegten Planungskonzept und dem not­wen­di­ger­weise verbundenen Abriss des Saals befasst.
     
    So wurde das vorgestellte Konzept, wie oben bereits ausgeführt, zuerst intensiv im Zusammenhang mit der Vergabe des Investitionsvorhabens an MIB in der Stadt Fürth diskutiert, dann wieder im Zusammenhang mit dem Abschluss des Kauf­ver­tra­ges, und schließlich nochmal besonders eingehend und unter ausdrücklicher Ein­bindung der Bewahrer dieser Anliegen im Zusammenhang mit dem Archi­tekten­work­shop und seinen Ergebnissen.
     
    Die breite Akzeptanz unseres Geschäftshausmodelles beruhte dabei in unserer Wahrnehmung auch auf der Wertung, dass der Erhalt der Rudolf-Breitscheid-Straße und seines denkmalrelevanten Hausensembles Vorrang vor dem Erhalt des Saals hat. So hat auch zuletzt der von Ihnen angeführte bayerische Landesdenkmalrat in seiner Stellungnahme in der Gesamtschau die denkmalschützerischen Qualitäten unseres Projektes ausdrücklich gewürdigt.
     
    Die Ergebnisse dieser Diskussionen hat die Stadt schließlich in Verträgen zu­sam­men­ge­führt, die uns auf den Bau der Neuen Mitte in der vorgelegten Gestalt fest­legen. Auf Basis dieser Verträge und im Vertrauen auf deren Bestand sind wir unsererseits bereits zahlreiche Verpflichtungen eingegangen; vor allem gegenüber Mietern, Planern und Bauunternehmen. Wir müssen es leider so deutlich sagen: Dieser erreichte Stand des Vorhabens lässt die Diskussion Ihrer Belange alleine schon unter dem Aspekt der von Ihnen strapazierten Zeitachse absolut und beim besten Willen nicht mehr zu. Wir müssen auch nochmals ausdrücklich betonen, dass es niemals einen »Plan B zum Erhalt zumindest des Saales« gegeben hat, auf den wir zurückgreifen könnten. Im Gegenteil, ein Erhalt des Saales unter wel­chen Bedingungen auch immer würde heute zwingend zum Scheitern des ge­sam­ten Projektes führen.
     
    Soweit Sie uns an unseren Ruf erinnern, was den behutsamen Umgang mit der Formensprache vergangener Epochen betrifft, so erlauben wir uns abschließend, Sie auf aktuelle Erfahrungen zu verweisen, die wir gerade in der Lutherstadt Witten­berg sammeln durften. Dort waren wir bei Errichtung eines großflächigen Centers gefordert, mit dem Status der Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe um­zu­ge­hen. Unser Bauvorhaben am Marktplatz gegenüber der Kirche, in der Luther gepredigt hat, wur­de auch dort anfangs von interessierten Kreisen misstrauisch kommentiert. Auch in Wittenberg haben wir eine behutsame Einbettung in die vorhandene Stadtstruktur empfohlen, hier wie dort vertreten und gestaltet von dem Architekten­team James Craven und Gunnar Volkmann. Seit das Center eröffnet ist, erleben wir einen hohen Grad an Zufriedenheit der Wittenberger mit dem Geschaffenen und seiner in Denk­mäler eingebetteten Architektur.
     
    Auch für die Neue Mitte Fürth erhoffen wir uns, dass die Architektur und die Um­set­zung am Ende auch diejenigen mitnehmen und überzeugen können, deren Herz heute noch an anderen Nutzungs- und Gestaltungskonzepten hängt.
     
    Bitte bleiben Sie trotz dieser Entwicklung der Neuen Mitte Fürth gewogen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    MIB AG
    Immobilien und Beteiligungen
     
    Dr. Alexander Schlag     Uwe Laule
     
     
    zugleich für die weiteren Adressaten Ihres offenen Briefes vom 14. Juni 2013
     
     
    Kopie an:
    Herrn Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung
    Herrn Wirtschaftsreferent Horst Müller
    Frau Susanne Kramer, Amtsleiterin und Pressesprecherin Stadt Fürth
    Frau Karin Hackbarth-Herrmann, Projektbeauftragte für den Einzelhandel in der Innenstadt
    Herrn Gerhard Fuchs, Geschäftsführer IHK-Geschäftsstelle Fürth
    Herrn Wolfgang Händel, Fürther Nachrichten

  2. Auf den offenen Brief hat zwar nicht Herr Hülsbeck, aber immerhin Dr. Alexander Schlag und Uwe Laule in einem langen Brief geantwortet. Vieles, was dort steht, ist richtig. Manches aber auch nicht.

    So schreiben die Herren: »Der vollständige Erhalt der Fassade des Parkhotels war während des Investorenauswahlverfahrens kein Diskussionsgegenstand« – Zwar können das die Vertreter von MIB nicht wissen, aber im Projektbeirat wurde diese Möglichkeit sehr wohl von meiner Seite an­ge­spro­chen und dabei vorgeschlagen, eine Sondierung an der Fassade vorzunehmen, was einstimmig im Projektbeirat befürwortet, aber vom Bauamt nicht ausgeführt wurde.

    Unrichtig ist auch die Aussage: »Auch dort [im Architektenworkshop] wurde der Erhalt des Hotels von den Personen und Stellen, die sich in der bzw. für die Stadt [sic!] mit Belangen des Denkmalschutzes befassen, nie zur Sprache gebracht». – Selbstverständlich habe ich explizit Herrn Dr. Schlag im Ar­chi­tek­ten­work­shop zur Erhaltung des Festsaals aufgefordert, der Teil des Parkhotels ist, und in diesem Fall machte ich nicht den (im Nachhinein: naiven) Fehler vom 7. Juli 2011, das nur im Zwie­gespräch zu tun (seinerzeit mit James Craven, der eine wohlwollende Überprüfung zusagte).

    »Die Bewahrung des denkmalgeschützten Häuserensembles an der Rudolf-Breitscheid-Straße do­mi­niert die Logik unseres Entwurfs« – Das ist sicherlich einer der großen Vorzüge des MIB Entwurfs und für mich der wesentlichste Pluspunkt. Allerdings ist auch das bei genauerem Hinsehen nicht ganz richtig. MIB hält sich in dem Brief auch explizit zugute, in Wittenberg Erfahrungen im Denkmalschutz gesammelt zu haben. Dann müsst man bei MIB aber auch wissen, dass »Bewahrung« im Sinne des Denkmalschutzgesetzes auch das Innere der Häuser mit einschließt. Davon und auch von den Rück­ge­bäu­den wird aber in den genannten Häusern nicht viel übrig bleiben, wenn auch nun dan­kens­wer­ter­weise immerhin ein einzelner wichtiger Bestandteil (ein sehr schönes Treppenhaus) erhalten bleibt.

    Nicht ganz richtig ist auch, dass »unser [MIBs] Bewerbungskonzept im Investorenauswahlverfahren im Juli 2011 von vorne herein …, [einen] Erhalt lediglich der Festsaalfassade vorsah». Im schriftlichen Bewerbungskonzept vom 1. Juli war der Saal enthalten, im mündlichen Vortrag eine Woche später wurde der Abriss angekündigt. Beim MIB Architektenbüro DunnetCraven ist der Festsaal auch heute noch im Konzept enthalten: Siehe rechts auf Bild Nr. 3.

    Soweit für´s Erste.

  3. GünniS sagt:

    Also kurz zusammengefasst heißt Beachtung des Denkmalschutzes für MIB: 1. wir lassen eine Straße eine Straße sein, 2. wir bauen einen Kubus der sich ungefähr an den Traufhöhen der umliegenden Bebauung orientiert, und 3. lassen wir von den in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden nur Fassadenreste für die Optik stehen. Und dafür hats einen Stararchtitekten gebraucht? Dafür??

  4. Tja. »Beachtung des Denkmalschutzes« ist eine dehnbare und vielfältig interpretierbare Vorgabe…

  5. Peter Kunz sagt:

    Glückwunsch an MIB und Thomas »Bomber« Jung, die hier gerade Fakten schaffen – am Bürger­wil­len und jeder historischen Verantwortung der »Denkmalstadt« vorbei und uns das nächstes innen­städti­sche Juwel, à la Gänsberg, Citycenter und Marktkauf bescheren – warum baut ihr eure Neue Mitte denn eigentlich nicht dort? EURE Neue Mitte, denn unsere ist das nicht! Fürther mit Pietätsgefühl und Geschichtsbewusstsein werden in dieser Totgeburt nicht einkaufen.

    Ach ja, hat eigentlich jemand bemerkt, dass all die tollen »Denkmalstadt Fürth«-Schilder inzwischen fast alle durch »Wissenschaftsstadt Fürth« ersetzt wurden?

  6. Der Fairneß halber sei klargestellt, daß »Wissenschaftsstadt Fürth« auf den gelben Ortsschildern steht, der Schriftzug »Denkmalstadt Fürth« hingegen jene braunen Bildtafeln ziert, die am Rand der Autobahnen stehen. Lustig ist allerdings die Auswahl der darauf stilisiert abgebildeten Gebäude: Da ist nämlich auch die gläserne Pyramide am Europa-Kanal mit dabei…

  7. Dr. Frede sagt:

    Ich halte dieses Vorgehen iherseits für sehr gefährlich. Mich würde interessiere, wie sich Ihr Verein positionieren möchte für den Fall, dass der Investor abspringt… Bei einer Millionenklage gegen die Stadt Fürth möchte ich nicht in Ihrer Haut stecken. Kommen Sie zur Vernunft bevor es zu spät ist.

  8. Fotos vom mittlerweile teilweise wieder freigelegten Saal gibt es in einem eigenen Artikel zu sehen.

  9. Manu sagt:

    @Dr. Frede:

    Kennen Sie denn die Verträge? Ich jedenfalls nicht.

    Schießen hier nur wilde Spekulationen ins Kraut oder können Sie Ihre Befürchtung irgendwie be­leg­en? Ist diese mittlerweile schon mehrfach angedeutete »Millionenklage« eine reelle Gefahr oder nur eine leere Drohung?

    Allein schon die Tatsache, dass niemand genaueres über die Verträge weiß, spricht Bände: Soviel zur dauernd beschworenen »Demokratie« und »Transparenz« bei diesem Verfahren… In Wirklichkeit hat viel zu viel hinter verschlossenen Türen und unter größter Geheimhaltungspflicht stattgefunden.

    Ich halte dann schon eher das Vorgehen der Stadt für sehr gefährlich, um nicht zu sagen fahrlässig: Wie kann sie sich denn, wenn es so sein sollte, in einen Vertrag hineinmanövrieren, nach dem eine »Millionenklage« zu befürchten wäre, wenn ein denkmalgeschütztes Gebäude (!) nicht abgerissen werden dürfte? Denkmalschutz hat in Bayern Verfassungsrang!

    Ich könnte ja auch noch ein bißchen weiterspekulieren: Wurde gar der Abriss schon im Vorfeld – also vor jeglicher Abwägung oder einem Stadtratsentschluss – heimlich genehmigt? Sind die Verträge damit überhaupt rechtens?

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