»Abriß verpflichtet« – Vom Krieg verschont, vom Stadt­rat nicht

13. Juni 2013 | von | Kategorie: Häuserkampf

»Abriß verpflichtet« - Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht (Bild Nr. 15)

Unter diesem plakativen Motto stand die – ebenso in­offi­zielle wie mut­maß­lich letzte – Geburtstagsfeier für das Fürther Park-Hotel. Mitglieder der Bürger­ini­tia­tive »Eine bessere Mitte für Fürth« und des Vereins »Wir sind Fürth« machten dabei auf die unselige Fürther Tradition des Abreißens alter Gebäude­sub­stanz im Namen eines falsch verstandenen Fort­schritts auf­merksam.

Als einzige Großstadt Bayerns verzeichnet die Klee­blattstadt eine positive Einwohnerbilanz: Seit Jahren hält der Zuzug – nicht nur aus dem näheren Umland – ungebrochen an. Die Gründe dafür sind vielfältig, die im Vergleich zu den Nachbarstädten immer noch günstigen Mieten spielen dabei sicherlich eine große Rolle. Darüber hinaus aber speist sich die Attraktivität Fürths aus dem architektonischen Charakter der Stadt: Mit über 2000 erhaltenen Baudenkmalen bietet Fürth ein in dieser Form einmaliges Lebens-Umfeld, mit dem weder das unspektakuläre Erlangen noch das von den Verheerungen des Bombenkriegs nie wieder zu alter Pracht ge­ne­se­ne Nürnberg konkurrieren können.

Dennoch ist auch Fürth keine Insel der Glückseligkeit: Viele Zugezogene und insbesondere die jüngeren Neu­bürger wissen meist gar nicht, welche Wunden im Stadtbild nicht der Krieg, sondern die unreflektierte Bauwut der Nachkriegszeit geschlagen hat. Längst nicht alle heute als unverzeihlich empfundenen »Bausünden« stehen näm­lich auf Ruinen und Bombenkratern, nein: Der Abriß ehemaliger Wahrzeichen der Stadt liegt mitunter keine zwei Jahrzehnte zurück, und auch in der Gegenwart werden weiterhin steinerne Zeugen der Größe Fürths un­wie­der­bringlich den Gewinnmaximierungs-Interessen von – oft auswärtigen – Investoren geopfert.

Nachfolgend die von BI und WsF dokumentierte »Abriß-Bilanz« der letzten Oberbürgermeister und ihrer Stadträte. Ein Klick auf eines der kleinen Vorschaubilder öffnet eine Galerie zum Durchblättern…

(Fotos: Dr. Alexander Mayer (Nr. 13), WsF (Nr. 15), Archiv Lothar Berthold (alle anderen))

Immer wurden und werden Einzelabrisse oder Flächensanierungen wie der brachiale Kahlschlag am ehe­mali­gen »Gänsberg« als alternativlos hingestellt: Stets bedauerten und bedauern Stadtspitze und andere öffentliche Amts- und Würdenträger, daß sie selbst ja gerne für den Erhalt eingetreten wären, aber die Rechtslage, die Abwägung, die Fürsorgepflicht gegenüber der Bürgerschaft, und, und, und … ihnen leider und schweren Herzens keine andere Wahl gelassen habe… Die Wirklichkeit ist vermutlich banaler: Lobbyisten setz(t)en knallhart ihre wirtschaftlichen Interessen durch, auch war der Zeitgeist nicht immer dem Alten gewogen, mitunter handelten die amtlichen Abreißer vermutlich sogar aus inniger Überzeugung, damit etwas Gutes zu tun. Manch ein Ober­bürger­meister hat sich vielleicht auch lieber selbst ein Denkmal setzen als vorhandene erhalten und renovieren lassen wollen…

Dennoch: Alternativlos ist selten etwas, Wahlmöglichkeiten bestehen fast immer. Womöglich sogar noch in Sachen Park-Hotel und Festsaal. Auf jeden Fall aber bei den nächsten Kommunalwahlen!

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18 Kommentare zu »»Abriß verpflichtet« – Vom Krieg verschont, vom Stadt­rat nicht«:

  1. […] hingegen ist mir was eingefallen, wenngleich nichts, was zum Frohsinn Anlaß gäbe: »‘Abriß verpflichtet’ – Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht« ist mein Beitrag in der »Fürther Freiheit« […]

  2. Als ich 1973 als Nürnberger nach Fürth kam, erschien mir diese Stadt recht verrottet. Wenn Ralph Stenzel nun z.B. den brachialen Kahlschlag am Gänsberg als Beispiel für unreflektierte Bauwut hinstellt, muss ich dem widersprechen: Durch Erhalt einiger Fassaden z.B. in der Unteren Königstr. , der Sanierung des Fravelliershofes oder eines Barockbaus am Löwenplatz ist eine recht angenehme Mischung entstanden. Auch die intelligente Aufteilung von Eigentumswohnungen und sozialem Woh­nungs­bau nebst Verkehrsberuhigung und Tiefgaragen sind doch auch heute noch Glanzlichter. Statt Ratten- und Wanzenburgen ist doch ein recht lebenswertes Wohnquartier entstanden.

    Dass damals Stadtsparkasse, Commerzbank, Dresdner Bank, die Bundespost und Schickedanz unsägliche Bausünden verbrochen haben, darf man nicht den Oberbürgermeistern anlasten – wenn schon dem Stadtrat, der alternativ- und hilflos einem Zeitgeist folgte, der auch andernorts seine Spuren hinterlassen hat. Und siehe, diese Spuren sind dann oft schon wieder denkmalgeschützt…

    Ob nun so ein Festsaal erhaltenswert ist oder nicht erscheint mir genauso unwichtig wie der Erhalt jenes jämmerlichen Lokschuppens mit fabelhafter Verkehrsanbindung. Leute, man sollte vielleicht immer auch überlegen, ob es auch sinnvolle Nutzung für solche Denkmäler gibt. Da dürfte die Ent­wicklung eines schlüssigen Konzepts z.B. für den Bahnhof wesentlich wichtiger sein!

    Es ist auf alle Fälle erfreulich, dass an anderen Stellen in der Stadt teilweise durch Privatinitiative aber auch mit öffentlichen Mitteln einiges an Erhaltenswertem hergerichtet wurde.

  3. Naja, was soll ich die Gänsberg-Geschichte zum x-ten Male erzählen, bitte lesen:

    http://www.altstadtverein-fuerth.de/blaeddla/Sonderausgaben/Gaensberg.htm

    Lokschuppen ist bzgl. der Erreichbarkeit leider richtig, er ist aber ein geschichtlich einzigartiges Bau­werk.

    Bahnhof: Da gibt es Spielraum, nur die Vorhalle abreißen und gegen einen Glaskubus eingetauscht (wie in der Vergangenheit angedacht), das gibt es nicht.

    Parkhotel-Festsaal: Da gibt es schon Möglichkeiten, siehe z.B.

    http://www.markthalle-stuttgart.de/

    Inwieweit man das alles den OBs zuordnen kann oder muss, darüber kann man geteilter Meinung sein… In jedem Fall haben sie wesentlichen Einfluss auf alle kommunalen Entscheidungen.

  4. Wie Alex Mayer grüßt auch mich täglich das Murmeltier, wenn die Anti-Gänsberg-Platitüden sich un­reflektiert ins Jahr 2013 retten, obwohl die dem Märchen entgegenstehenden Fakten seit Jahrzehnten bekannt sind. Nur als kurzes Stakkato verweise ich auf die zugrundeliegenden Gutachten, die wie die vermeintliche »Wanzen- und Rattenburg« Gänsberg auch das Altstadtviertel St. Michael und die Regensburger Altstadt der totalen Zerstörung anheim geben wollten. Schaut man sich die sanierte Gustavstraße und das Weltkulturerbe Regensburg im Vergleich zum Gänsberg heute an, dann ist eigentlich schon alles gesagt.

    Entmietung, Investitions- und Sanierungsstau erzeugen nach Jahren natürlich leicht ein herunter­ge­kommendes Bild. Der Sanierungsfähigkeit und Wertigkeit der historischen Bausubstanz, ihrer Leben­digkeit, ihrem einzigartigen Charme widerspricht das aber kein bisschen. Commerzbank, Dresdner Bank, Marktkauf, City-Center und Sozialrathaus würden nach ähnlich langer Investitonsverweigerung definitiv erbärmlicher aussehen.

    Fatal war seinerzeit die staatliche Förderung, die keine Objektsanierungen sondern nur kriegsgleiche Totalzerstörungen mit anschließendem Neubau förderte. Das man diese Staatsagenda seinerzeit in Fürth dankbar umgesetzte, wohl auch um die städtebaulichen Spuren der vernichteten jüdischen Gemeinde zu verwischen und dem Wahn von der autogerechten Stadt zu fröhnen ist durchschaubar, heutzutage aber nicht mehr zu rechtfertigen. Seit Jahrzehnten sind Denkmalschutz und Objekt­sanie­rung in Rechtssetzung und Rechtssprechung angekommen, wenn auch viel zu oft nicht im real-exi­stie­renden Handeln der Stadt Fürth. Um pseudo-mediterane Einfamilien-Fincas, rustikale Doppel­haus­hälften im Voralpen-Jodler-Stil und Discounter-Klötzchen zu klonen braucht es wenig Geistesleistung – Nicht nur deshalb hat die Avantgarde der Architektur den Fokus ihrer Kreativität längst auf das Bauen im Bestand gelegt: Wir wissen, dass Brandrodung und endlose Müll-Produktion verwerflich sind, doch ausgerechnet etwas so kostspieliges und energieaufwendiges wie Bauwerke verschrotten wir ohne mit der Wimper zu zucken, ohne über ihre Potentiale und ihren volkswirtschaftlichen Wert, wie den Unwert ihrer Zerstörung nachzudenken. Als »ewig-gestrig« werden manchmal immer noch Fans historischer Bausubstanz tituliert, ewig gestrig sind in Wahrheit längst die Abbruch-Fans der Ge­ne­ra­tion Betonbrutalismus. Haltbarkeit und Flexibilität von Jahrhundertwende-Bauwerken wie dem Park-Hotel und seinem Festsaal sind 08/15-Zweckbauten von heute endlos überlegen. Das beweisen die als Nobel-Wohnungen genutzten Pferdeställe in der Südstadt, die als Arztpraxen genutzten Herr­schafts­wohnungen der Hornschuchpromenade, das Kulturforum, vormals Schlachthof…

    An die Stelle des 125-jährigen Park-Hotels soll eine Bankfiliale treten – Wer behauptet diese sei im Bestandsgebäude nicht zu realisieren, macht sich lächerlich. Der (wie der Geismann-Saal) vom Fürther Star-Architekten Fritz Walter realisierte Festsaal weicht trotz mittlerweile weit verbreiteter Geis­mann-Saal-Romantik und dem oft benannente Mangel an mittelgroßen Veranstaltungsräumen einer Tiefgaragen-Zufahrt und Filialisten. Der Kahlschlag sei erforderlich um in der Kleinteiligkeit der hi­sto­ri­schen Innenstadt größere Einheiten zu schaffen, behaupten die Verantwortlichen. In Wahrheit ver­schwin­den – wie schon beim City-Center – großzügig geschnittene, repräsentative Räumlichkeiten zu Gunsten von gesichtslosem Klein-klein.

    Denk mal, Stadt.

  5. Ich danke allen für die Formulierung ihrer Ansichten. Persönlich teile die Meinung von Alexander Mayer und Felix Geismann und schließe mich ihren Ausführungen an.

  6. Einladung zu einer speziellen RUNDGANGSAKTION in Fürth:

     
    Sonntag, 23. Juni 2013
    11-15 Uhr
    RUNDGANGSAKTIONSTAG zum Thema
    »Diese Freiheit nehm‘ ich mir!«
    Stadtplanung und Bauprojekte rund um die Fürther Freiheit

    Der Abriss des Fürther Parkhotels steht unmittelbar bevor. Geschichte Für Alle e.V. will mit diesem Rundgangsaktionstag die Diskussion um den Erhalt des historischen Festsaals in einen histori­schen Kontext setzen und eine weitere Möglichkeit zur Information bieten. Ziel des Rundgangs ist es, die Geschichte der Fürther Freiheit und ihres unmittelbaren Umfeldes zu beleuchten und in Erin­ne­rung zu rufen.

    Der Rundgang gibt einen geschichtlichen Überblick über Architekturgeschichte rund um die Fürther Freiheit, zeigt den historischen wie aktuellen Umgang mit bedeutender historischer Bausubstanz in Fürth auf und informiert über den Denkmalwert des Parkhotels mit seinem historischen Festsaal. Dazu gibt der Rundgang Einblicke in die verschiedenen historischen und aktuellen Formen bürger­schaftlichen Engagements zur Erhaltung von Baudenkmälern in Fürth und will dazu anregen, den Titel Fürths als Denkmalstadt zu hinterfragen bzw. neu zu füllen.

    Die Veranstaltung findet in Kooperation mit den Bürgerinitiativen Bessere Mitte und Wir sind Fürth , sowie dem Stadtheimatpfleger, Dr. Alexander Mayer, statt, der vor Ort über den Denkmalwert des Parkhotels informiert.

    Treffpunkt: Infostand auf der Fürther Freiheit (gegenüber Casa Pane)
    Dauer: ca. 1 Stunde
    Die Führungen starten nach Bedarf immer zur vollen und halben Stunde!

    EINTRITT FREI!

    Bitte geben Sie diese Information auch an andere Interessierte weiter.

    Falls Sie noch nicht unterzeichnet haben, hier noch einmal der Link zur Online-Petition – Jede Stimme zählt!

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Herzliche Grüße
    Katrin Kasparek


    Geschichte Für Alle e.V. – Institut für Regionalgeschichte
    Wiesentalstraße 32
    90419 Nürnberg
    Tel 0049 911 – 30 736 0
    FAX 0049 911 – 30 736 16
    http://www.geschichte-fuer-alle.de

    Bürozeiten: Mo-Do 9-12:30 Uhr und 14-17 Uhr, Fr 9-14 Uhr

  7. Lothar Berthold sagt:

    Einladung an Hucky Schermann, in mein Verlagsbüro zu kommen und dort Einblick in TAUSENDE von Gänsberg-Fotos zu nehmen, als dieser noch intakt war. Ebenso gibts bei mir alte Texte über be­son­ders wichtige Gebäude, die später dem pauschalen Abriss zum Opfer fielen. Wenn Herr Schermann 15 bzw. 18 Euro dabei hat, kann er auch ein oder zwei Gänsberg-Bücher mit den schönsten Auf­nah­men und mit Kurzbeschreibungen und Abbildungen aller Häuser direkt bei mir erwerben. Bitte vorher anrufen und Termin vereinbaren unter Tel. 77 31 92. Dies gilt auch für alle anderen, die den alten Gänsberg nicht oder nicht richtig gekannt haben, und für alle, die auch Fotos von anderen verschwun­de­nen Häusern sehen wollen. Insbesondere sei auch Tucher-Geschäftsführer Fred Höfler eingeladen (FN-Artikel von heute), sich Fotos vom ehemaligen Geismannsaal anzusehen, sofern er diese nicht schon von Felix Geismann gezeigt bekommen hat.

  8. @ Alexander Mayer
    Betr.: Gänsberg

    Erst mal vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel im Altstadtbläddla.

    Meine Eindrücke vom desolaten Zustand des Sanierungsgebiets Gänsberg fußen vor allem auf Erzäh­lun­gen damaliger Bewohner und Anwohner. Auch im Artikel sind dazu Zahlen genannt. Zu berück­sich­tigen ist natürlich auch die akute Wohnungsnot. Die »Zwangsumsiedlung« auf die Hardhöhe, aber auch ins Eigene Heim fand aber nicht nur in Wohnsilos statt. Jedenfalls haben sich in Anbetracht allein der hygienischen Verhältnisse wesentliche Verbesserungen ergeben.

    Dazu ist zu bemerken, dass ich als Kind in Hersbruck sehr wohl erlebt habe, was es bedeutet, wenn allerlei Getier in feuchten, dunklen Behausungen als Mitbewohner vorhanden sind. Auch das Plumps­clo im Hinterhof war nicht zu verachten. Welch Palast war dann unter diesen Umständen diese Woh­nung der WBG in Nürnberg: Klein, aber fein…

    Dass damals der Altstadtverein mit dazu beigetragen hat, das neue Viertel so (für mich angenehm) zu gestalten wie es sich heute darstellt, ist wirklich ein Verdienst. Auch dass dann im Michaelsviertel anders vorgegangen wurde – und heute noch wird – ist hoch anzurechnen. Wie man aber sehen kann, braucht die Einzelsanierung Zeit, Engagement der Eigentümer und ein für alle Seiten trag­fä­hi­ges Konzept. Dass aus der »Scherzerwüste« von damals ein -für mich- annehmbares Wohnviertel entstand, ist natürlich auch den hohen Zuschüssen zu verdanken. Das wird zum Schluss des Artikels noch erwähnt.

     
    Betr.: Markthalle Stuttgart
    Dieses Ensemble war schon immer Markthalle und ist wesentlich größer als der »Festsaal«. Das Warenangebot ist interessant, aber eher im höheren Preissegment angesiedelt ( exquisit ). Ob so ein Konzept in Fürth aufginge ist fraglich. Das Beispiel »Grüne Halle« zeigt doch einiges!

    Die Ideen z.B. in der Adenauer-Anlage oder auf der Freiheit eine Markthalle in Art eines Viktualien­marktes gab es ja schon öfter, aber schon die ach so geliebte Kirchweih stand einer Planung im Wege…

     
    @ Felix Geismann

    Schon der Anfang Ihres Kommentars zeigt, dass Eloquenz zwar vorhanden ist, aber recht von oben herab rüber kommt (man nannte das mal Arroganz). Das führt dann auch oft dazu, dass sich potentiell Verbündete für ein berechtigtes Anliegen eher zurückziehen oder einfach raushalten.

    Die Sanierung der Regensburger Altstadt in einem Atemzug mit dem Gänsberg zu vergleichen ist hanebüchen. Denn auch in dieser Stadt ist nicht alles Gold! Kaufhof und Umgebung dort – schreckli­ches Kulturerbe. Wenn man etwas außerhalb der Touristenzone rumschaut, findet man sog. Graddel genauso wie moderne Bausünden. Aber das ist ja in jeder Ortschaft zu finden, die für ihren Kernbereich Sanierungsgelder bekam.

    Auch die Behauptung, dass mit der Flächensanierung in Fürth damals das jüdische Erbe ausgelöscht werden sollte ist nicht nachvollziehbar. Dafür allerdings der damalige Trend zur autogerechten Stadt.

    Recht haben Sie auch, dass wir viele Beispiele haben, die zeigen, dass es möglich ist (mit viel Geld und Steuererleichterungen) alte Substanz ansprechend zu erhalten und zu sanieren. Neu ist mir, dass für das Parkhotel nach dem Abriss eine Bankfiliale entstehen soll.

    Ihr Rundumschlag gegen gewisse Häuslebauer und Betonfetischisten sei genehmigt. Doch ist Ihr Engagement zum Erhalt der Bausubstanz des Parkhotels wahrscheinlich überholt. Man muss auch mal (wieder) verlieren können…

  9. @Hucky Schermann:

    Die von Felix Geismann erwähnte »Bankfiliale« ist ein Bezug auf die in der Tagespresse veröffent­lich­te Ankündigung von MIB, wonach die Geschäftsstelle der Sparda-Bank (bis dato in der Gustav-Schicke­danz-Straße am Bahnhofsplatz beheimatet), in den Neubau an der Stelle des Park-Hotels ziehen wird. Auch ansonsten wird sich da kaum nennenswert Neues einfinden, sondern fast nur Filialisten, die bisher schon in Fürth vertreten sind (und mit ihrem Umzug anderswo Brachen hinterlassen werden).

  10. GünniS sagt:

    Hallo Herr Schermann, das Barockhaus ist leider kein saniertes Original sondern eine Betonreplika. Der Gänsberg hätte unter einer »sanften« Sanierung, sprich Erhalt der ursprünglichen Strukturen (Verlauf von Straßen und Plätzen) und einem Erhalt der markanten Gebäude (Experten sprechen von gut 20% der vorhandenen Bausubstanz) wahrlich ein Glanzlicht städtebaulicher Erneuerung werden können. Die Flächensanierung aber pauschal mit den damals zweifellos schlechten sanitären und infrastrukturellen Problemen des Viertels zu rechtfertigen, wird dem Wert dieses Areals nicht gerecht. Das Ergebnis dieser bis dato beispiellosen Abrissorgie ist ein, durchaus nettes, aber gesichtsloses Wohnquartier ohne Bezug zur Stadt , welches so überall in Deutschland stehen könnte. Lebenswerter, anziehender oder gar attraktiver hat der neue Gänsberg Fürth sicherlich nicht gemacht.

  11. Habe soeben wieder einmal das Buch »Gänsebergerinnerungen« (Gerd Walter / Roland v. Franken­berg) durchgeblättert, das ich seit 1989 besitze. Ich sehe bei sehr vielen Häusern nicht nur bröckeln­den Putz, sondern diese aufsteigende Feuchtigkeit. Grausam!

    Der sehr romantisierende Epilog kann so wahrscheinlich nur von Leuten verfasst werden, die dort nicht leben mussten. Gleiches scheint für die Kommentatoren zu gelten. Damit möchte ich nicht be­haup­ten, dass man es nicht besser oder anders hätte machen können. Ich empfinde das Ergebnis immer noch als Kompromiss, der für die Bewohner tragbar ist.Licht, Luft und Bäume haben auch einen Wohnwert. Heute kann man es (ohne Beton) mit hohem finanziellen und zeitlichen Aufwand anders machen.

    Eine »Stadtregierung« ist oft auch in Zugzwang, besonders wenn die finanziellen Mittel knapp sind.

  12. GünniS sagt:

    hallo Herr Schermann, was heißt denn tragbarer Kompromiss für die Bewohner? So gut wie niemand von den ursprünglichen Bewohnern ist doch heute noch am Gänsberg angesiedelt. Und dass die da­ma­li­ge »Stadtregierung« durch eine jahrelange Veränderungssperre dem Verfall Vorschub geleistet hat ist Ihnen schon bekannt, oder? An die Neubauten hat man dann verschämt Erker, Torbögen, Vor­sprünge und anderen Zierrat gepappt, damit es nicht ganz so schlimm aussieht – die ursprünglichen Pläne mit Hochhäusern (so wie an der Katharinenstraße) waren dann sogar den modernsten Mo­der­ni­sie­rern zu viel. Es ist schon bezeichnend wenn in zeitgenössischer Literatur vom »neuen Gänsberg« die Rede ist, und so gut wie immer die erhaltenen oder rekonstruierten Fassaden der Altbauten im Vordergrund stehen anstatt die die modernen Neubauten. Apropos modern: wenn 1980 noch Woh­nun­gen ohne zentrale Warmwasserversorgung gebaut wurden, sondern mit Wasserboilern in Bad und Küche, dann frage ich mich schon nach der Bauqualität – die Folgen sind bereits deutlich zu sehen, das Viertel ist wieder auf dem besten Wege ein Arme-Leute-Ghetto zu werden.

  13. […] Auf der andere Seite der Stadtgrenze schreibt Bloggerkollege Ralph Stenzel sehr treffend: “Abriß verpflichtet – Vom Krieg verschont, vom Stadtrat nicht” – ich bin zu jung und zu weit weg von Fürth auf­gewachsen, um dieser traurigen Bilanz eigene […]

  14. […] plakativ und leicht faßlich erhalten und nicht wie in unserer heimischen »Denkmalstadt« mutwillig plattgemacht (was – soviel sei der Gerechtigkeit halber konzediert – selbstredend auch auf Malta in […]

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