Jenseits aller Greuther-Euphorie

28. Juli 2012 | von | Kategorie: Vermischtes

Seit jener überwältigenden Aufstiegs­feier vor dem Rathaus haben sich -zigtausende als Spielvereinigungs­fans geoutet. Viele Projekte zur Unterstützung des geliebten Vereins sind im Laufen. Grün-Weiß ist die Farbe der Saison und von SPD-Mehrheit bis zum Neo-Nazi versucht man vom positi­ven Image dieser Kombination zu profitieren. Doch im Verlauf der allumfassenden Euphorie muss man leider, leider einige Abstriche machen und schon jetzt einige Ideen in die Schublade der »Träume« zurücklegen.

Farben der Saison (Foto: A. Schermann)

Farben der Saison (Foto: A. Schermann)

Leider stimmt es nicht, dass im Verlauf der Spiel­vereinigungs-Euphorie die Deutsche Bahn sich bereit erklärt hat den »Kack-Braun« – Lärmschutz im Fürther Bereich auf die neuen Regionalfarben umspritzen zu lassen. Es stimmt nur, dass diese Farben den Augen der Siegelsdorfer Bürger zugestanden wurde. Als Nebeneffekt werden mit der Bahn durchreisende Club­fans aus Neustadt etwas geärgert.

Es stimmt nicht, dass das neue Stadion im Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne auch für Massentaufen vorgesehen ist. Es könnte stimmen, dass himmlischer Beistand durch flackernde Leuchtschrift auf einem Gebäude nebenan bei drohendem Abstieg in die 2. Liga nachts immer gegenwärtig ist – und damit vielleicht die Gebete der schlotternden Fans unterstützt.

Hilfe von oben (Foto: A. Schermann)

Hilfe von oben (Foto: A. Schermann)

Es stimmt nicht, dass der Gefangenentransportwagen aus dem Ronhof als Komfortbus für Grüner-Bier-Leichen zwischen Bahnhof und Ronhof eingesetzt wird. Es stimmt auch nicht, dass der Söder schon mehrere dieser Fahrzeuge zu diesem Zweck in Auftrag gegeben hat. Statt der gegen Vandalismus empfindlichen infra-Busse hätte man ja eine kosten­günstigere Alternative. Denn wenn sich die Vereine nicht an den Kosten für die Polizeieinsätze bei Spielen beteiligen müssen, wäre es eh egal, aus welchen öffentlichen Mitteln präventive Maßnahmen bezahlt werden. Leider wird somit das Bahnhofs­gebäude auch nicht mit Bundesligamitteln für randalierende (sicher wieder nur auswärtige!) Fans als Zellentrakt umgebaut.

Greuther Komfortbus (Foto: A. Schermann)

Greuther Komfortbus (Foto: A. Schermann)

Es stimmt nicht, dass das neue Stadion weiterhin so komische Namen wie Playmobil oder Trolli erhält. Auch Sommer-Arena wurde abschlägig beschieden, da man nie weiß wie er wird und der dann wieder Schuld an einem eventuellen Abstieg aus der ersten Liga hätte.

Nein – nach der mit 90 Prozent Stimmen (von 30 Prozent Wahlberechtigten) gewonnenen Kommunal­wahl könnte es sein, dass nach alter Bescheidenheit nicht die Stadt in Jung-City umbenannt wird – sondern das Stadion in Jung-Brunnen.Das wäre natürlich nur Volksmund!

Der sehnlichst herbei gewünschte Sponsor Tucher könnte zwar wegen der kurzen Wege kostengünstig eine Bierpipeline verlegen und würde dafür auch bundesweit Erwähnung finden. Auch könnte dann Tucher ein neues Bier erfinden, das durch aufgelöste Trolli-Bärchen, nicht-ablösbare Greuther-Aufkleber und Solar-Kronkorken aufgepeppt wird. Junge Leute mögen sowas. Aber alles noch nicht spruchreif….

Public-Viewing-Arena (Foto: A. Schermann)

Public-Viewing-Arena (Foto: A. Schermann)

Im Zuge der Aufstiegseuphorie hat ein Think-Tank noch schnell ein paar Aktionen für das Wirtschafts­referat vorbereitet und ist momentan leider gescheitert: Die Stadtzeitung wird nicht zur Stadionzeitung, die gelb-schwarzen Ortsschilder werden nicht in grün-weiß umgespritzt und auf jeder regionalen Autobahn, jedem überschuldeten Airport und auf jeder Ver­spätungsanzeige der Bahn künden keine Schriften in grün-weiß von der Stadt der Wiedergänger… Das wäre dem Publikum wahrscheinlich sowieso erst im Falle eines Wiederabstiegs plausibel geworden.

Es stimmt leider auch nicht, dass das leerstehende Marktkaufgebäude zu einer permanenten Public-Viewing-Zone umfunktioniert wird. So bestechend diese Idee wäre – man könnte am laufenden Band immer die vorteilhaftesten Torszenen durchbeamen – die Bereitschaftspolizei hat gegen dieses Dauerevent wegen Über­lastung Einspruch eingelegt.

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5 Kommentare zu »Jenseits aller Greuther-Euphorie«:

  1. Was aber stimmt: »Greuther« ist ein dem echten Fürther fremdes Wort. Er bevorzugt die Bezeichnun­gen »Spielvereinigung« oder »Kleeblatt«. Als offizieller Vereinsname allenfalls toleriert wird noch »Spielvereinigung Greuther Fürth«. »Greuther« allein ist definitiv falsch.

  2. Bin halt doch kein echter Fürther… (Kein Wunder bei der Vergangenheit in der Leichtathletikabteilung des Club)… Jedenfalls haben Hack und »seine« Greuther einige Bedeutung für den ehemals bankrotten Verein:

    Zitat aus dem Artikel »Der lange Weg der SpVgg Fürth«:

    Während die SpVgg Fürth bis Mitte der 90er Jahre ums Überleben kämpfte, hatte man beim TSV Vesten­bergsgreuth im Erlanger Hinterland ganz andere Probleme. Nach dem spektakulären Sieg im DFB-Pokal über den FC Bayern München 1994 war man plötzlich bekannt geworden in der Fußball­landschaft und strebte nach mehr. Vom Stellenwert eines Dorfvereins kam man aber nicht weg.

    1995 dann kam es zu einem folgenschweren Treffen der beiden Vereinsbosse Edgar Burkart und Helmut Hack. Man stellte dabei fest, daß beide Vereine sich gut ergänzen würden. Während Fürth Tradition, eine geeignete Spielstätte und ein gewisses Stamm­publikum vorweisen konnte, hatte man auf Seiten der Vestenbergsgreuther gute Kontakte zur Wirtschaft und eine solide Finanzbasis zu bieten. »Wenn zwei Kranke zusammengehen, kannst’ keinen Gesunden machen. Aber bei uns hat’s gerade zusammengepasst«, kommentierte Edgar Burkart einst, was später be­schlossen wurde. Es war der Beitritt der Fußball­abteilung des TSV Vestenbergsgreuth zur SpVgg Fürth und die damit einhergehende Umbenennung der SpVgg Fürth in SpVgg Greuther Fürth, welche ab der Spielzeit 1996/97 erstmals unter diesem Namen antrat. Der neue Präsident dieser »neuen« SpVgg wurde Helmut Hack, Edgar Burkart wurde Vize-Präsident.

    Mit dem Beitritt der Vestenbergsgreuther begann für die Fürther Fußballgeschichte eine neue Zeit­rechnung. Zwar war der klangvolle Name der »alten« SpVgg Fürth durch die Zwangsumbenennung passé und alles sprach nur noch von »den Greuthern«, doch sportlich gesehen ging es ab sofort wieder bergauf.

    Egal: Korrekt oder nicht korrekt – Mal sehen wie diese »Greuther« das Millionenspiel bestehen… Erfolg sei ihnen gegönnt.

  3. Peuplier sagt:

    Muss man diesen »Beitrag« verstehen?

    Falls es Ihr Anliegen war, ein größt mögliches Portfolio an Themen anzureißen ohne diese in kausa­len Zusammenhang zu bringen und oder diese tatsächlich zu bearbeiten.

    »Erfolg sei ihnen gegönnt«

    na anscheinend nicht von Ihrer Seite, sonst würden Sie ja nicht eine solche abstruse Provokation niederschreiben…

    Oder hab nur ich die Pointe verpasst?

  4. @Peuplier
    Tja, so kann das mit »Beiträgen« sein: Über Ecken gedacht könnte es einige Pointen geben…

    Und ich gönn es den »Greuthern«. Besonders weil der Hack ein kluger Kaufmann ist…

    Weiteres »Denkeck« : Fußball ist ein Spiel – nur nehmen es viele zu ernst !

  5. Und nun endlich ein echtes Dementi: Das neue Stadion wird nicht gebaut.Der Ronhof wird weiter erneuert. Laut Jung die beste Entscheidung der letzten 10 Jahre. (Warum muss da die Stadt Unterschriften leisten? Etwa weil sie einen Teil der Pacht zahlt?)

    Und diese abrupte Kehrtwendung liegt nicht – so jedenfalls hoch und heilig versichert – an den Kiebitzen. Die sind ja momentan auch nicht da. Dafür einige Enten, Gänse und Möwen. Wenn der Herr Mederer jetzt das Ganze planieren lassen würde, würden sich die Vögel bestimmt selbst andere Plätze suchen. Ist ja keine Brutzeit und sie können fliegen….

    Es liegt auch nicht daran, dass die erste Mannschaft der Spielvereinigung momentan Kellerfensterln spielt. Da kann sich ja noch einiges ändern.Und bis 2040 ist ja lange hin.

    Übrigens wäre das Marktkaufgebäude wirklich gut als Veranstaltungsort für Dauerfans – oder?

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