»Das Geräusch der anderen« – Rettet die Gustavstraße

26. Juni 2012 | von | Kategorie: Vermischtes

Von einer einst als Bundesstraße geplagten Durchfahrtsschneise hat sich die Gustavstraße längst zu einem werbewirksamen Aushängeschild der Stadt und attraktiven Wohnviertel entwickelt. Doch unser Lebensraum ist in Gefahr. Ein Kommentar von Sarah Stutzmann, Felix Geismann – und Kurt Tucholsky.

Während die zufriedene Mehrheit schweigt, spitzt sich der Streit einzelner Anwohner mit einzelnen Gastwirten zu. Anwohner gegen Wirte? Dazu assoziiert man: Die Bürger mit ihrem geschützten Interesse an Nachtruhe und Gesundheit gegen die scheinbar mafiös-verwobene Gastronomie. Geplagter rechtschaffenener Bürger gegen profitsüchtige Privatwirtschaft. Ein Hauch von David gegen Goliath – vielfältiger Interpretation zugängliche Stereo­typen, mit denen jeder irgendwie etwas anfangen kann. Und so werden die 300 Meter der Gustavstraße zu einer Projektionsfläche für sämtliche abstrakten und konkreten Unzufriedenheiten aus dem Themenkomplex der Nachbarschafts- und Lärmkonflikte zwischen Langenzenn und Nürnberg, einem Basar für Gesellschaftskritik von Oberfürberg bis Poppenreuth, 7.200 Quadratkilometer Mittelfranken. Höchste Zeit, sich als Anwohner der Gustav­straße zu Wort zu melden, um die Diskussion zurück zu stellen vom Kopf auf die Füße.

Das Bellen der anderen. (Foto: Felix Geismann)

Das Bellen der anderen. (Foto: Felix Geismann)

Eine zahlenmäßig schwankende, doch zweifelsohne sehr überschaubare Gruppe von Anwohnern bzw. Immobilieneigentümern kämpft für eine Ausweitung der Sperrzeiten und weitere Einschränkung von Festi­vitäten und Freischankflächen. Zum Schutz der Nacht­ruhe vor dem Lärm, so heißt es. »Lärm« – was ist das eigentlich? Versuchen wir uns dem zunächst begrifflich zu nähern: »Lärm« geht aus dem Wort »Alarm« hervor, das wiederum dem französischen »A l’arme« entstammt: »Zu den Waffen!«. Und so war auch der deutsche Begriff des Lärms über Jahr­hunderte hinweg ein vorwiegend militärischer. »Alarm« – »Zu den Waffen« – Irgendwie ist damit der Stil der selbsternannten Anwohner-Anführer schon treffend beschrieben. Hier wird kein sachlicher Streit geführt, hier geht es um Krieg, um einen Kreuzzug für die Einzelinteressen. Juristisch wird der Lärm als unerwünschter Schall behandelt, der sich physikalisch und medizinisch nach Lautstärke und Charakter einstufen lässt, aber durchaus auch eine gewichtige subjektive Komponente enthält.

Lärm, Schall, Geräusche… Der Mensch, so hat das der berühmte Kurt Tucholsky einmal sarkastisch zusammengefasst, ist »ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.« Das Leben macht eben Geräusche, Geräusche sind Leben. Noch weitaus bekannter ist Tucholskys Feststellung, dass der eigene Hund keinen Lärm macht, »der bellt nur». Viele neigen dazu, Geräusche des Lebens eben nur bei den anderen negativ und beklagenswert zu finden. Fazit – wir bleiben bei Kurt Tucholsky: »Lärm ist das Geräusch der anderen.«

Auch das ist die Gustavstraße: Blick von oben in einen Hof (Foto: Peter Stutzmann)

Auch das ist die Gustavstraße: Blick von oben in einen Hof (Foto: Peter Stutzmann)

Die Lebenssituation Lärm ist also zum Glück überall, wo Menschen sind. Und die Gustavstraße ist ein erfreulich intaktes gesell­schaft­liches Gefüge, ein Miteinander beinahe dörflichen Charakters. Wenn wir uns so entschieden von den selbsternannten »Anwohner-Rädelsführern« distanzieren, dann eben auch, weil es nicht nur um das Auskommen der Gastwirte geht, es geht uns vielmehr um unser aller Recht auf dieses Miteinander, diesen Erholungs- und Feier­abendraum. Ist es nicht viel schöner, unter Menschen zu sein, seine Nachbarschaft zu kennen und sich gegenseitig auszuhelfen, statt sich auf den mittlerweile in jeden Hinterhof gezwängten Balkonen anonym zu verschanzen? Den Wert dieser Strukturen sollte man erkennen. Sie zu schätzen, ist man nicht gezwungen, Integration ist wünschenswert, aber in einer freiheitlichen Welt kein Zwang. Aber man sollte sie respektieren, sie zu bekämpfen verbietet sich. Wie viel Sinnvolles ließe sich mit all‘ der, auf den – für manche längst Selbstzweck gewordenen – Streit verwendeten, Energie anstellen? Welches Glück vielleicht an anderer Stelle finden? Und da müssen wir ein letztes Mal unseren großen deutschen Schriftsteller bemü­hen: »Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.«

Selbstverständlich soll trotzdem nicht in Abrede gestellt werden, dass es Lärm nicht hinnehmbaren Ausmaßes gibt, doch wir als zufriedene Anwohner wehren uns dagegen, dass dies von unserer Straße behauptet wird. Wir wehren uns als wachsamer Teil unserer Gesellschaft auch besonders deswegen dagegen, weil die Inszenierung dieses angeblichen Lärmproblems besonders rücksichtslos allen Aktivisten in den Rücken fällt, die an Flughafen, Frankenschnellweg und Nürnberger Straße leiden, an großen giftigen und lauten Industrieanlagen im Schichtbetrieb. Da erblöden sich Einzelne, das Gefahrenpotenzial des Gustavstraßenlärms in einem Atemzug mit Atomkraftwerken, Autobahnen und Güterbahntrassen zu nennen. Die wahren Probleme unserer Stadt­gesellschaft werden von viel Lärm um Nichts überschrien. Aber Lärm, das wissen wir ja, ist nur das Geräusch der anderen.

Die Autoren wohnen und leben gerne in der Fürther Gustavstraße.

Stichworte: , ,

55 Kommentare zu »»Das Geräusch der anderen« – Rettet die Gustavstraße«:

  1. Vince sagt:

    Sehr geehrte Autoren,

    ich wohne, seit 4 Jahren, in der Gustavstraße und teile Ihre Meinung!

    Ich wäre bereit, den »Geräusch der Anderen« Belästigten, einmalig Ohrenstöpsel vorbeizubringen, da ich es erstens für wichtig halte, eine gepflegte Nachbarschaft zu führen und ich diese zweitens nicht benötige, obwohl wir keine schallisolierten Fenster besitzen ;).

    Freundliche Grüße aus dem Herzen von Fürth

  2. Vielen Dank für diesen sinnigen Beitrag!

  3. Gerd sagt:

    Ich stimme dem Artikel inhaltlich voll zu. Als »Schallschutzwandbewohner« (Stadtmauer) unterhalb der Michelskirche wohnt man auch nicht in einer Ruheoase – trotzdem wohne ich sehr gerne hier. Gründe? Viele…

    Nahe am Stadtzentrum und U-Bahn, Ruck-Zuck im Grünen oder auf der Autobahn, Schulen (Grundschule, Gymnasium) in Laufweite usw.

    Gründe, welche auch für die Gustavstraße gelten. Die Nachteile – Feste und Kneipen in der Gustav­straße bzw. B8, Parkplatzsucher und BRK-Fahrzeuge an der Stadtmauer – kennt man vorher und wägt diese vor einem Umzug ab.

    Fazit: Meine Frau und ich sind wohnen auch nach fast 14 Jahre noch sehr gerne im Altstadtviertel.

  4. Martina Scharinger sagt:

    Vielen Dank für diesen wohltuendenen Beitrag, Sie sprechen mir aus dem Herzen.

    Eine Anwohnerin

  5. Ich wohnte jahrelang hinter dem Pillenstein mit Blick auf die Kreuzung an der Stadtgrenze, dahinter U-Bahn, DB, Abfahrt zum Frankenschnellweg etc. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals irgendwer auf die Idee gekommen wäre, die Sperrung der Kreuzung ab 22 oder 23 Uhr zu verlangen oder Verkehrsteilnehmer zu schikanieren. In der Gustavstraße herrschen vergleichsweise paradiesische Zustände. Die Gustavstraße ist seit Jahrhunderten, wenn nicht, dann seit mehr als einem Jahr­tausend Kneipenstraße. Wem das nicht gefällt, sollte sich überlegen, was er dort zu suchen hat.

  6. Dieser Beitrag zeigt: »Die Anwohner« sind eben nicht mehrheitlich gegen nächtliche Feste und Kneipenleben in der Gustavstraße. Im Gegenteil: Sie schätzen eine lebhafte Innenstadt und sehen dies als Pluspunkt. Nur einige wenige regen sich auf und sind in der Diskussion leider überreprä­sentiert.

  7. Ich bin als Südstädtler zwar nicht betroffen, habe aber in einer der letzten von mir besuchten Stadt­teilversammlungen mitgekriegt, daß es offenbar mal einen allseits (= von Wirten wie Anwohnern der Gustavstraße gleichermaßen) akzeptierten Kompromiß hinsichtlich Außenbestuhlung, Schankzeiten, Sperrstunde etc. gegeben hat. Der dann freilich nicht eingehalten wurde, weshalb die Auseinander­setzung in die nächste Runde ging. Was spräche denn dagegen, städtischerseits die Befriedung aller Parteien zu betreiben, indem die Einhaltung der ausgehandelten Kompromiß-Konditionen von Amts wegen überprüft und auch durchgesetzt wird? Da könnte doch eigentlich keiner was dagegen haben?

  8. lisa lerch sagt:

    danke ralph stenzel. denn nichtsdestotrotz gbt es tatsächlich auch situationen, die gerne-gustav­straßen-bewohner wie mich manchmal an den rand des wahnsinns treiben. :-) ich wohne sehr gern hier, auch weil es eine kneipenstraße mit dorfcharakter ist. was aber spricht dagegen, die kneipentür zu schließen, so dass man die nächtliche spielende band weniger hört, als sie ständig offen stehen zu lassen? in der ganzen diskussion die sich um vermögende immobilieneigentümer, gentrifzierung etc. dreht, wird oft mal gern vergessen, dass es tatsächlich situationen gibt, die über die schmerz­grenze gehen und die nun so weggewischt werden. beispiel kneipentür. lasst sie zu und meine kinder können schlafen und ich bin nicht völlig gerädert in der arbeit! stellt mir einen heringsgrill einen halben meter vor die eingangstür, so dass sie nicht mehr aufgeht? schmeißt mir einen tag vorher einen infozettel in den briefkasten und ich bin zufrieden! trinkt gern euer bier auf der straße nachts, aber zerschmeißt es doch einfach nicht an meiner hauswand unter dem schlafzimmerfenster, und ich bin schon zufrieden!

    es könnte so einfach sein…

    eine gustavstraßen-liebhaberin…

  9. Helmut Ell sagt:

    Hallo Ralph Stenzel,
    wer sagt denn, dass der Kompromiss von den Wirten nicht eingehalten wurde? Ich selbst war ein Jahr lang als Wirt im gelben Löwen aktiv und Sie können mir glauben, dass wir sehr genau darauf geachtet haben, dass ab 23.00 Uhr im Freien kein Ausschank mehr stattfindet. Ich will hier gar nicht wiederholen was man sich da so alles hat anhören dürfen wenn man seine Gäste zum verlassen des Aussenplatzes aufforderte. Nicht alle Gäste waren über den Kompromiss informiert und die Wirte waren dann natürlich die Sündenböcke. ok, da mussten wir dann durch, dass jetzt aber behauptet wird der Kompromiss wäre von Seiten der Wirte nicht eingehalten worfen ist schlicht und einfach eine Lüge und sunst nix!

  10. Rolf Wolle sagt:

    Wir suchen das Gespräch, den Plausch, das Schwätzchen, die Biertischpolitik, die Kurzerbostheit, die Minutenphilosophie, die gemütlichen Momente des Schweigens. Deshalb gehen wir ins Gasthaus. Um den anderen etwas zu sagen. Und mehr noch: eine Antwort haben wollend. Analog. In beide Rich­tungen. Das unterscheidet uns vom Fernsehenden, vom Internetverzehrer. Und wir wissen, durchs Fortgehen verpassen wir mit jedem Besuch Billionen kurzfristiger digitaler Informationen.

    Doch welch ein Genuss, wenn unsere »Dorf«wirte wissen, was wir trinken werden. Dort trauern wir. Dort feiern wir. Derhamm halt. Heimat. Und die Gustavstraße ist – nach wie vor – die dichteste Anhäu­fung von Heimatinseln. Aus ganz Fürth kommt man. Und nicht nur, wie man an den einbuchstabigen Kennzeichen nervös durchfahrender abendlicher Motoristen sieht.

    Doch habt ihr bemerkt, wie in den vergangenen Jahren so so so viele Wirte ihr Gasthaus zum letzten Mal zugesperrt haben? Habt ihr in der Südstadt mal nach den verschlossenen Wirtshäusern ge­schaut? Oder in der Oststadt? Oder, oder oder… Sie gezählt?

    Gleich um die Ecke auf ein Bierchen einzukehren ist ein rares Gut geworden. Lautlos, schleichend, wie ein Geschwür hat sich das Sterben der Nachbarschaftskneipen und damit auch der Nachbar­schaften eingefressen in die Stadtteile. Und rückt immer näher. So wundert’s nicht, dass die Gustavs­traße gefüllter ist.

    Doch auch hier: der Schein trügt. Schaut euch mal sonntags oder montags abends »die Meile« an. Das ist auf dem besten Weg die Auszeichnung »Friedhofsruhe« zu erlangen. Da sind die Einheimi­schen unter sich.

    Und dass anderer Tage zwischen drei und sechs Gröhlende und Notdurftverrichtende ihren Nachtbus erreichen wollen, gehört eben zum Leben im Zentrum einer Ortschaft genauso mit dazu. So ist das nun mal in einer Gemeinschaft, in der man lebt. Da wird man und muss man jeden Tag etwas dazu­lernen – ob mit Wohneigentum oder ohne.

  11. @Helmut Ell: Wie ich ja schon schrieb, wurde die Beschwerde über den »Kompromißbruch« auf einer Stadteilversammlung laut, zu der ich hingegangen war, weil neben der Innenstadt und anderen Quar­tieren Fürths auch mein südstädtisches Revier mit einbezogen war. An die Person des »Klägers« in Sachen Gustavstraße kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern: Erstens ist das nun schon wieder einige Monate her, zweitens habe ich mich als Nicht-Anlieger und Nicht-Kneipenhocker für das Thema zugegebenermaßen nur oberflächlich interessiert. Jedenfalls dachte ich mir damals in meiner jugendlichen Naivität, daß ein leidlich harmonisches Miteinander doch so schwierig nicht sein kann, wenn sich alle Betroffenen im Grundsatz schon mal auf einen gemeinsamen Nenner verstän­digt hatten. Aber vermutlich klaffen da wie so oft im Leben Theorie und Lebenspraxis ein wenig ausein­ander…

  12. Helmut Ell sagt:

    Lieber Ralph Stenzel,
    ist schon ok, ich weiß genau wer die Behauptung aufstellt der Kompromiss würde nicht eingehalten. Ich wollte nur aufzeigen wie perfide hier vorgegangen wird. Der Hauptbeschwerdeführer, welcher sich im übrigen bei einem Fürth Festival in das »fast schon südländische Flair« der Fürther Altstadt verliebte und gerade deswegen beschloss hier herzuziehen, geht hier sehr geplant vor. Es wird Gesprächs- und Kompromissbereitschaft signalisiert nur um im Nachhinein dann zu behaupten die Abmachungen wurden einseitig nicht eingehalten. Legendär auch sein Verhalten beim Fürth Festival im letzten Jahr. Nachdem seine Gattin noch fröhlich tanzend beim Auftritt der Hot Rod Gang zu sehen war, schrieb er noch in der selben Nacht seine Beschwerde ans Ordnungsamt wegen der immensen Lautstärke eben dieser Band. Noch Fragen?

  13. Alex Schulz sagt:

    In dem Zusammenhang folgendes Zitat von Juli Zeh, über das ich gerade gestolpert bin:

    »Jeder weiß, daß es kein Leben und schon gar kein Zusammenleben frei von Nebenwirkungen gibt. Ein freiheitliches System setzt Freiwilligkeit voraus, ein ungeschriebenes Agreement aller mit allen, sich trotz räumlicher und geistiger Enge möglichst wenig auf die Nerven zu gehen. Dafür braucht man normalerweise keine Polizei, sondern Taktgefühl und die Fähigkeit, eigene Grenzen höflich abzu­stecken und zu verteidigen. Ohne Vertrauen in verantwortungsbewußtes Verhalten und die selbst­regulierenden Kräfte einer Gesellschaft können wir den Laden gleich dicht machen.«

    (aus »Alles auf dem Rasen«)

  14. Innenstädterin sagt:

    Sehr schöner Artikel! Da könnten sich die hiesigen Medien mal dicke Scheiben davon abschneiden, da wird das Thema nämlich sehr stiefmütterlich behandelt wie ich finde.

    ♥ Pro lebendiger Gustav! ♥

  15. Schulz sagt:

    Lieber Herr Stenzel,

    vielen Dank für den wohltuenden Artikel, der die Proportionen zurechtrückt.

    Krankhafte Egomanen verhindern auch in anderen Stadtteilen (gepflegtes) öffentliches Leben. Die Konsequenzen sind Vereinsamung Alleinstehender, Verlust an Lebensfreude und abnehmende Kontaktfreude. Alles, was wir an emotionalen Defiziten gegenüber der Bevölkerung in Italien, Frank­reich, Spanien usw. empfinden, entspringt letztlich aus der gesetzlichen Unterstützung der Egomanie. Man sollte deshalb den »Lärm«, der sich aus abendlicher Geselligkeit ergibt, wie »Kinderlärm« als sozialadäquate Geräusche klassifizieren. Auswüchse bei Einzelfällen waren und bleiben immer ein verfolgbares Delikt.

    Fürth fehlt es an Vielem (Einkaufsmöglichkeiten, Kino usw.) – es macht es durch Lebensgefühl wieder wett.

    Das werden die Miesepeter aber nie begreifen.

  16. Danke für die Blumen, die ich jedoch sogleich an Felix Geismann weiterreiche, den (ganz oben auch namentlich genannten) Verfasser des Artikels! Zwar stelle ich als Herausgeber diese Plattform hier zur Verfügung, die Lorbeeren für die Inhalte verdienen sich aber die jeweiligen AutorInnen. Ich selbst zeichne nur für die unter meinem Namen veröffentlichten Artikel und Kommentare verantwortlich…

  17. Michael Bengl sagt:

    Zitat aus einem Kommentar: »Und dass anderer Tage zwischen drei und sechs Gröhlende und Notdurftverrichtende ihren Nachtbus erreichen wollen, gehört eben zum Leben im Zentrum einer Ortschaft genauso mit dazu».

    Das sehe ich anders, je dichter Menschen zusammen leben, desto mehr Rücksicht gehört zum Umgang miteinander.

    Und die Gegenüberstellung mit anderen Geplagten versteh ich auch nicht. An einem Flughafen ist mit dem ein oder anderem Flugzeug zu rechnen. Unschön ist beide Male, das Betroffene gestört werden.

  18. K. Heller sagt:

    Ihr letzter Satz, Herr Bengl, lässt sich auch auf die Gustavstraße anwenden. In einer Kneipenstraße ist mit dem ein oder anderem Gröhlenden zu rechnen. Somit lassen sich sehr wohl die unterschiedli­chen Lärmquellen gegenüberstellen.

    Die gröhlen und pinkeln übrigens in der Südstadt weiter.

  19. Oststadtwolfi sagt:

    Seit 1997 lebe ich in Fürth; zuerst suchte ich mir ein Domizil in der Schwabacher Strasse, direkt in der Fussgängerzone.

    Ich wollte am städtischen Leben teilhaben.

    Die Straßenmusikanten spielten grauenhaftes Liedgut und die »Besitzer« der auf der Straße aufge­stellten Bänke, sprachen des Nachts eine für mich nicht verständliche Sprache. Später spielten die Musikanten nur noch leise und ganz vereinzelt eine Melodie. Die Bänke verschwanden – die Men­schen verschwanden – ich verschwand.

    Ich wollte am städtischen Leben teilhaben und fand am Bahnhofplatz eine Unterkunft.

    Die alten Busse »dieselten« lautstark vor sich hin; die Kommunikation der potentiellen Fahrgäste übertönend. Die alten Züge rumpelten durch den Bahnhof, die Trinker zechten am Centaurenbrunnen und entledigten sich Ihrer Notdurft auf der Bahnhofstoilette.

    Bald wurden die Busse durch eine technische Innovation namens »Citaro« ersetzt und meiner einer musste einen Wecker erwerben. Die Bahnhofstoilette wurde geschlossen, die Bahnhofgaststätte ebenso und die Trinker verzogen sich auf die Adenauer-Anlage.

    Da ich den Wecker nicht mochte und am städtischen Leben teilhaben wollte, zog ich in die Oststadt.

    Schon morgens um 6:00 rauschten die Arbeitswütigen der Quelle auf Ihren Parkplatz; ein permanen­tes Kommen und Gehen.

    Eines Tages kehrte Ruhe ein, die Quelle war verschwunden und mit ihr verschwanden die Menschen.

    Nun denke ich, wäre es an der Zeit wieder am städtischen Leben teilzuhaben und vielleicht in der Altstadt nach einer Bleibe zu suchen. Die Gustavstraße vielleicht ?

    Wie Sie gelesen haben möchte ich gerne am städtischen Leben teilhaben; aber egal wo ich hinziehe, das städtische Leben verschwindet…

  20. Da kann man sich jetzt natürlich fragen, was (oder wer) Ursache und was Wirkung ist… ;-)

  21. Ron sagt:

    Ich finde Helmut hat alles gesagt. Wenn ich in die Wüste ziehe muß ich damit rechnen das es sehr heiß ist.

    Lieben Dank an die Verfasser des Artikels. Kann sich die Presse mal ne Scheibe abschneiden.

  22. beedä sagt:

    vielleicht sollte man die Handvoll Streithanseln (die meines Wissens alle noch nicht recht lange dort ansässig sind) zur Kiebitzpflege auf die Trolli-Baustelle in den Fürther Süden verbanen und wenn sie keine ordentliche Pflegearbeit verrichten, bekommen sie das Gebräu von nebenan intravenös verab­reicht – »dann is filleichd endlich a rou – seid mä ned bäis«

  23. Ich neige ja selber zu Ironie und Sarkasmus, aber irgendwie finde ich den Kommentar vom beedä nicht wirklich passend oder auch nur lustig. Ob es nun tatsächlich nur um eine »Handvoll Streithan­seln« geht, sei mal dahingestellt (angesichts der vielen haßerfüllten Kommentare anderswo könnte es ja durchaus sein, daß es noch eine Anzahl Gustavstraßen-Anwohner gibt, die auch alles andere als glücklich mit ihrer Wohnsituation dort sind, sich aber angesichts der hochemotional geführten Diskussion schlicht nicht trauen, sich entsprechend zu artikulieren). Kann ich freilich nicht beurteilen, also kann und will ich mir dazu keine eigene Meinung anmaßen.

    Mich ärgert aber vor allem der Verweis auf die »Kibitz-Diskussion« am geplanten Standort des neuen Stadions. Es geht nämlich m.E. dabei nicht (nur) um den Erhalt von Brutplätzen von seltenen Vögeln, es geht vor allem auch um die Anwendung und Durchsetzung geltenden Rechts. Wenn da einer mit Bulldozern Tatsachen schafft, um ein »Problem« aus der Welt zu schaffen, dann hat das die gleiche Qualität wie das Zerstören der Medaillons im alten Festsaal des Park-Hotels: Hier wie da wollte sich jemand mit Brachialgewalt über geltendes Recht und bestehende Vorschriften hinwegsetzen, um seine eigene Situation (und Verhandlungsposition) günstig zu beeinflussen. Das aber ist – ganz unab­hängig von der Schwere des Verstoßes – in einem Rechtsstaat nicht hinnehmbar! Auch wenn man im Einzelfall anderer Meinung sein mag, der Schutz von Rechtsgütern, die Abwägung von Bedürfnissen gegeneinander und die ggf. langsam mahlenden Mühlen der Bürokratie sind der Preis, den man in einem freien, demo­kratischen Gemeinwesen für die Rechtsstaatlichkeit zu zahlen hat! Wer so eine Sache kleinredet, zur Lappalie macht und ins Lächerliche zieht, der hört mit großer Wahrscheinlichkeit dennoch auf zu lachen, wenn der Nachbar ihm die Planierraupe ins eigene Grundstück schickt, wäh­rend die Behörden-Vertreter achselzuckend und gleichgültig zur Seite schauen…

    Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Wer das eine will (Schutz der eigenen Rechte), muß das andere (konsequente Rechtsanwendung) mögen. Gerechtigkeit gibt es nicht zum Nulltarif.

  24. Julia Thomas und Thomas Steigerwald von Medien PRAXIS e.V. haben eine TV-Reportage über die Gustavstraße gedreht: Der erste Teil des Films mit dem Titel »A bissla wos vo Färdd« – Die Gustav­straße wird am kommenden Sonntag erstmalig ausgestrahlt. Die Sende-Frequenzen und -termine sind der Programm­vorschau zu entnehmen.

  25. Medien PRAXIS e.V. hat über die Zustände und Entwicklungen in der Gustavstraße eine zweiteilige TV-Reportage gedreht, die an den ersten beiden Februar-Sonntagen erstmals ausgestrahlt werden wird (siehe Programmvorschau).

  26. Nürnberger sagt:

    Wir haben in Deutschland augenscheinlich ein Problem. Wir leben in einer Demokratie, d.h. die Mehr­heit entscheidet. In Sachen Anwohner sieht die Sache völlig anders aus. Einzelne können gegen die Interessen der Mehrheit vorgehen und bekommen völlig undemokratisch auch noch recht.

    In der Gustavstraße hat eine kleine Minderheit neu Hinzugezogener dem funktionieren Miteinander den Krieg erklärt und schafft es vielleicht, diesem lebendigen Stück Stadtleben den Garaus zu ma­chen.

    Das kann doch wirklich nicht wahr sein! Wie borniert müssen Menschen sein, die in eine belebte Straße ziehen um dann gegen dieses Leben vorzugehen? Dass die Gustavstraße keine tote Wohn­wüste ist, war doch vorher bekannt!

    In Nürnberg z.B. hat es in der einst lebendigen Weißgerbergasse auch so angefangen, heute ist jeg­liches Leben daraus verschwunden. Auch hier haben einige neu Hinzugezogene recht bekommen. Warum?

    Die Gesetzgeber sollten sich Gedanken über das demokratische Prinzip machen und den Klagenden die Frage stellen warum sie sich in einer ach so lauten Umgebung niederlassen, wenn sie sich da­von gestört fühlen!!

  27. Gerd Scherm sagt:

    Ich wurde 1950 in der Gustavstraße geboren, bin dort aufgewachsen und ging meine ersten vier Schul­jahre in Michela. Damals war die Gustavstraße die B8, befahren von zig PKWs, schweren LKWs jeden Tag, manchmal auch amerikanische Panzern und die Häuser waren rußgeschwärzt. Das Fachwerk der Häuser konnte man unter der öligen Schmutzschicht der Hauswände nur erahnen. Diese Lärm­be­lästigung führte bei mir zu Mittelohrentzündungen, höchstwahrscheinlich, weil ich nichts mehr hören wollte.

    Trotz dieser extremen Verkehrsbelastung war »die Gustav« eine, wenn nicht DIE Kneipenstraße von Fürth – vom Königsplatz bis zum Heiligenberg und Drumherum eine Kneipe neben der anderen. Auch damals war es laut, auch damals stand im Sommer manche Wirtshaustür offen und der Lärm drang auf die Straße, aber der Verkehrslärm hat wohl das Meiste übertönt. So gerne ich mich an die alten Zeiten erinnere, diesen Geräuschpegel und Abgasgestank wünsche ich keinem, nicht einmal den Stänkeren.

    Wer wissen will, wie es damals war, kann ja in meinem Büchlein »Hoffen kostet nichts« nachlesen – garantiert nicht mit der rosaroten Brille geschrieben.

  28. Könich sagt:

    Hallo Liebhaber unsrer schönen, lebendigen Gustavstraße :-)
    hier gibts ne Möglichkeit sich einzutragen, damit´s nicht noch schlimmer bzw wieder besser wird…
    http://www.change.org/de/Petitionen/unsere-gustavstra%C3%9Fe

Kommentar-Feed RSS-Feed für Kommentare nur zu diesem Beitrag

Kommentar abgeben: