Die kleine Geschichte von der Augendusche

15. März 2012 | von | Kategorie: Vermischtes

Es begab sich vor über 15 Jahren, dass eine Hauptschule einen moder­nen Erweiterungs­bau bekam mit einigen Fachräumen und Klassen­zimmern – aber ohne Schülertoiletten. Unter anderem wurde ein Unterrichts­raum und zwei Vorbereitungs­räume für das Fach Physik/Chemie gebaut.

Augendusche (Foto: Alfred Schermann)

Der damalige von der Schulleitung beauftragte Zuständige für den Fachbereich hat es geschafft, dass der Architekt von überzogenen Einrichtungen nach Unistandard absah. Trotzdem wurden dann noch -zig­tausend DM in Elektro- und Gasinstallationen verbuttert. Da dann zu wenig Geld übrig war, um eine grundlegende Neuan­schaffung von Unterrichtsmitteln zu organisieren, wurde in mühevoller Kleinarbeit altes Material mit einigen Neuanschaffungen kombiniert. Das wurde einem sogar gedankt!

Am Lehrertisch mit zentralem Schaltpult wurde auch eine Augen­dusche installiert (siehe Bild). Diese sinnvolle Sicherheitseinrichtung entpuppte sich ziemlich schnell als willkommenes Spielzeug für un­ruhige und neugierige Schülerhände. Nach einigen unwill­kommenen Überschwemmungen wurde der versteckte Absperrhahn geschlos­sen und nur geöffnet, wenn z.B. Experimente mit Säuren und Laugen stattfanden. Dabei ist aber zu bemerken, dass das in der Haupt­schule nur in einer Klassenstufe vorgesehen ist und der Zeit­raum sich vielleicht über 3 Wochen erstreckt.

Weiterhin ist festzustellen, dass auf Schülerversuche mit solchen Materialien schon ziemlich bald verzichtet wurde, da es einfach zu gefährlich war. Die Beobachtung im Kollegium ergab auch, dass die meisten Lehrkräfte auf solcherlei Versuche keinen Wert legten – ob aus mangelnder Kenntnis oder schlichtweg wegen Faulheit sei dahingestellt.

Auch die vorhandene Gasanlage wurde bei der Hauptzufuhr stillgelegt. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass einige Kinder sehr gerne in die Gaszufuhren an den Schülertischen Papier hineinstopften – und das hat ziemlich schnell zu Funktionsstörungen geführt, die mühselig und zeitfressend beseitigt werden mussten. Die Stilllegung der Gasanlage war aber nicht weiter schlimm, da es ja sowieso wesentlich einfacher und handhabbarer ist, wenn man mit Kartuschenbrennern arbeitet. Schon in der 5.Klassenstufe werden die Kinder in die Funktion eingeschult und sie bekommen bei Erfolg einen Brennerführerschein. Außerdem ist so das Ganze wesentlich billiger und konnte deshalb ganz leicht als Standard bei uns eingeführt werden.Zwar hat sich irgendwann einmal die infra gerührt, da der Zähler im Keller kaum mehr Verbrauch anzeigte, aber sonst ergab sich nichts mehr. (Der geringe Verbrauch wurde übrigens durch einige Gaskochstellen in der Küche verursacht, die aber auch nur selten benutzt wurden. Seit einiger Zeit sind diese Herde ausgebaut und so ist auch von dieser Seite kein Bedarf mehr vorhanden!)

Jahrelang ging das gut! Plötzlich stand aber eine Firma da, die vom Amt für Gebäudewirtschaft beauftragt war, eine Sicherheitsüberprüfung durchzuführen. Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen, denn durch technische Mängel sind schon manche Unfälle passiert.

Was aber sehr seltsam ist: Die ganze Gasanlage wurde wieder in Betrieb genommen. Gasventile wurden er­neuert, Magnetventile neu eingebaut, Schaltungen neu konstruiert. Und die ganze Aktion fand ohne Rück­sprache und Einsichtnahme in die Verhältnisse statt. Und niemand braucht in nächster Zukunft diese Anlage!

Die Firma selbst beschaffte sich dabei gleich neue Arbeit: Obwohl die Baumaßnahme jetzt im März stattfand, hat man als nächsten Überprüfungstermin gleich den November 2012 per Plakette bestimmt. Das Non-Plus-Ultra aber war dann noch, dass weitere Augenduschen in allen Räumen installiert wurden.

Mein Vorschlag zur Güte: Augenduschen in sämtliche Räume des Amtes für Gebäudewirtschaft!

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9 Kommentare zu »Die kleine Geschichte von der Augendusche«:

  1. Manu sagt:

    Können wir nicht einfach (stadtgrenzüberschreitend) tauschen? :-)

    Ich warte schon ein paar Jahre auf neue, nichttropfende Augenduschen und bräuchte sie wirklich, weil bei uns in etlichen Jahrgangsstufen tatsächlich dauernd Schülerversuche durchgeführt werden…

  2. @Manu: Müssen derlei Schülerversuche von einer Ethik-Kommission genehmigt werden oder sind die eher unkritischer zu beurteilen als Tierversuche? ;-)

  3. Es scheint überhaupt so zu sein, dass im Schulbereich ständig Menschenversuche veranstaltet werden. Und nicht nur im Schulbereich.

  4. Petra Riazanova sagt:

    Dieses Geld wäre besser angelegt gewesen für die Wiederinstandsetzung des PCB-Saales an unserer Schule. Wir haben nämlich weder Saal, noch irgendeine Räumlichkeit zur Vorbereitung aus Gründen des Platzmangels. Weiterhin möchte ich anmerken, dass Augenduschen so selten benutzt werden, ob neu oder alt, dass sie den idealen Nährboden für Bakterien bieten, die sich keiner im Auge wünscht. Der meist vorhandene Wasserhahn tuts auch!

  5. Na, ich weiß ja nicht: In einem PCB-Saal wären Bakterien für mich eindeutig das kleinere Übel…

  6. @Ralph Na,ja : Es gibt hier keine Polyclorierten – Biphenyl – Räume , sondern Physik / Chemie / Biologie Zimmer. Besser definiert als Naturlehreräume. Aber DB kann ja auch heißen Depp blöder – oder so ähnlich.

    Im Ernst: Das Problem PCB als Chemikalie und Werkstoff ist ja schon länger bekannt und wird auch entsprechend behandelt. Das Problem naturwissenschaftlicher Unterricht für Dummies wird zwar erkannt, aber nicht entsprechend behandelt – besonders in der Ausbildung von All-Round-Lehrkräften wie wir es an der »Mittelschule« sein müssen – und an anderen Schulen vielleicht sein sollten.

  7. MIr war natürlich von Anfang an klar, wofür das »PCB« im vorliegenden Kontext steht, aber ich kann mir selten bis nie verkneifen, verbale Steilvorlagen in Kalauer zu verwandeln. In meinem Blog unter­halte ich dafür sogar eine eigene Rubrik. Ob ich mir damit den Ehrentitel eines depperten Blöden verdient habe, mögen andere beurteilen. Jedenfalls fahre ich keinen Daimler Benz und habe auch kein Konto bei der Deutschen Bank, falls Du darauf angespielt haben solltest…

  8. @Ralph Da bist Du besser mit dem Kalauern als ich – da Du nicht die DB bist, kannst Du auch nicht mit Depp blöder gemeint sein…

    Im Gegenteil: Dein leider eingestellter Blog ist genial…

  9. Danke für die Blumen, aber ich fürchte, Du bist nicht ganz auf dem aktuellen Stand! ;-)

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