Neonazidemonstration in Fürth

19. Februar 2012 | von | Kategorie: Politik

Knapp achtzig Neonazis aus den Reihen des Freien Netz Süd (FNS) marschierten am Samstag, den 18.02.2012 unter dem Motto »Gegen linke Gewalt« von 13-15 Uhr durch Fürth. Angemeldet hat diesen Aufmarsch, der als Eilversammlung deklariert wurde, der FNS Führungskader Norman K. aus Nürnberg. Das Freie Netz Süd ist eine bayernweit agierende Neonazikameradschaft, der sich etliche Kameradschaften aus verschiedenen Städten angeschlossen haben. So unter anderem auch rechte Kameradschaften aus Nürnberg, Fürth und Erlangen.

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Dass es sich bei der Demonstration nicht um eine Eilversammlung handelte, wurde deutlich, da die Demonstration sich auf die Bombardierung Dresdens bezog, aber gerade kein aktueller Bezug da war, den die Anmelder erst am Freitagabend hätten anzeigen können. Inhaltlich bezogen sich die Neonazis auf die Bombardierung Dresdens vor über 67 Jahren, am 13.02.2012.

Die Nazis trafen sich ab 11 Uhr an der Fürther Stadthalle, um dort Flyer an die vorbeilaufenden BürgerInnen zu verteilen. Für die Flugblätter verant­wortlich im Sinne des Presserechts zeichnet Sebastian Schmaus, Anti-Antifa-Aktivist und Stadtrat der Bürgerinitiative Ausländerstopp Nürnberg (BIA). In dem Flyer werden 300.000 Opfer durch die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 herbei-halluziniert (Historische Untersuchungen belegen 22.700 Tote). Ebenfalls schreiben die FNS-AktivistInnen in dem Flyer von einer Vernichtungspolitik Ostdeutschlands. Dass Dresden aber keine unschuldige Stadt ist, wie es die GeschichtsrevisionistInnen gerne darstellen, zeigt der gute Kommentar der Journalistin des Hessischen Rundfunks (HR) Esther Schapira, die Dresden nicht als »unschuldige Stadt« sieht, sondern als Rüstungsstadt mit acht KZ-Außenlagern (ARD Tagesthemen vom 13.02.2012). Wie sie ebenfalls richtig feststellt, geht es den Nazis nicht um die Erinnerung an die Bombardierung Dresdens, sondern an die Umdeutung der Geschichte.

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Schon an der Stadthalle griffen einzelne Neonazis aus den Reihen der Anti-Antifa Nürnberg und des Freien Netz Süd einzelne JournalistInnen tätlich an und versuchten diese durch Tritte, schubsen und hinterher rennen, einzuschüchtern. Als sich ein Journalist zu einer Polizeistreife retten konnte, forderten einzelne Neonazis auch noch einen Platzverweis des Presse­vertreters.

Die anwesenden Neonazis sind aus ganz Bayern und teilweise aus Baden-Württemberg angereist. So fanden sich neonazistische AktivistInnen aus Ober- und Niederbayern, Mittel- und Unterfranken und Schwaben ein. Der verurteilte Rechtsterrorist Thomas Schatt, der zusammen mit Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger einen Bombenanschlag auf das jüdische Zentrum in München plante, war ebenfalls auf dem Aufmarsch anwesend. Alle drei verurteilten Rechtsterroristen sind mittlerweile fest in die Strukturen des Freien Netz Süd (FNS) eingebunden. Die Moderation übernahm der in Stadeln wohnhafte Matthias Fischer. Dieser war führender Kopf der »Fränkischen Aktionsfront« (FAF). Die FAF wurde 2004 aufgrund von Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus vom bayerischen Innenminister verboten.

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Mit Parolen wie »Aktion Widerstand – Rote raus aus unserem Land», »Nationaler Sozialismus jetzt« und »Wer Deutschland nicht liebt soll Deutschland verlassen« liefen die rechten Demonstrations­teil­nehmerInnen von der Stadthalle am Rathaus vorbei zum Bahnhof. Auf zwei Transparenten war zu lesen »Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens – Freie Kräfte Schweinfurt/Haßberge – Freies Netz Süd». Eine Delegation aus Baden-Württemberg trug das Spruchband »Kein Ver­geben kein Vergessen des alliierten Bomben­terrors – JN BW». Als die Neonazis an der Fürther Freiheit angekommen waren, hielt der lokale Nachwuchskader des FNS Kai Z. einen Redebeitrag, in dem er einen gesetzlichen Feiertag am 13.02. foderte. Am Bahnhof ergriff dann der Rechte-Szene-Publizist Jürgen Schwab das Wort.

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Nazidemo in Fürth (Foto: Timo Müller / a.i.d.a.)

Matthias Fischer zeigte sich erfreut über die knapp 100 anwesenden AntifaschistInnen, da er nicht mit so we­nig Gegenprotest gerechnet hat. Seinen Kamera­den schrie er zu »Heute sehen wir es! Fürth ist unsere Stadt!». Dass nur so eine geringe Anzahl an Gegen­demonstrantInnen vor Ort war ist dem Umstand geschuldet, dass knapp dreihundert NazigegnerInnen am Samstag nach Dresden gefahren sind. Am Wochen­ende nach dem 13. Februar hatten die Neo­nazis in den letzten Jahren immer wieder in Dresden den größten Naziaufmarsch Europas organisiert. Aufgrund der massiven Gegenproteste und Blockaden der vergangenen Jahre haben die FaschistInnen den traditionellen Naziaufmarsch dieses Jahr abgesagt. Dafür marschierten sie bundesweit in mehreren Städten auf. In Dresden fand eine antifaschistische Demonstration gegen Polizeirepression gegen Nazi­gegnerInnen und das sächsiche Demokratieverständnis statt.

Etliche AntifaschistInnen berichteten, dass sie immer wieder versuchten, an den Aufmarsch der Neonazis heranzukommen, ihnen dies aber nicht gelang, da sie immer wieder von Einsatzkräften des bayerischen Unterstützungskommandos (USK) aufgehalten und eingekesselt wurden.

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14 Kommentare zu »Neonazidemonstration in Fürth«:

  1. Zum gleichen Thema erschien gestern bereits ein anderer Artikel.

  2. Peter sagt:

    Ist ja toll, wenn in Fürth so unbürokratisch »Eilveranstaltungen« möglich sind, da kommt doch gerne wieder!

  3. Gert sagt:

    Meiner Meinung nach widerspricht die Anmeldung als Eilversammlung in der Tat dem entsprechen­den Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1991. Von daher würde mich schon interessieren, welche Eilbedürftigkeit in der Anmeldung genannt wurde. Denn dass Mitte Februar in Dresden der Luftangriffe gedacht wird bzw. seitens der Neonazis diese Angriffe zu propagandistischen Zwecken instrumentalisiert werden, ist allgemein bekannt.

  4. Schuldig oder unschuldig können nur Menschen sein, Städte nicht. Wie auch? Ob Dresden seinerzeit nun Rüstungsstadt war oder nicht, ist völlig unerheblich: Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung ist immer ein Verbrechen! Wie das geht, haben deutsche Piloten der Legion Condor in Guernica und der Luftwaffe in Coventry vorexerziert, die Engländer haben die lodernde Fackel dann u.a. nach Dresden zurückgetragen, die Amerikaner schließlich haben in Hiroshima und Nagasaki die donnernden Schlußakkorde gesetzt. Jedes dieser Fanale war und ist durch nichts zu rechtfertigen, jedes Kriegs­verbrechen jeder beteiligten Partei schreit zum Himmel, da gibt es kein Vergleichen, kein Aufrechnen, kein Relativieren und kein Rechtfertigen.

    Dresden taugt daher nicht als Argument, weder für die einen noch für die anderen. Es dient indes uns allen zur Mahnung, daß sowas nicht mehr passieren darf, nirgendwo auf dieser Welt.

  5. Hier kann ich Ralph nur beipflichten! Auf den Punkt gebracht! Es gibt keine »schuldigen Städte«!….Den gleichen »Grummel« im Bauch hatte ich auch beim Lesen des obigen Artikels…..

  6. Timo Müller sagt:

    Ich möchte darauf hinweisen, dass von Seiten der Nazis Dresden immer als »unschuldige Stadt« hingestellt wird. Jeder Bombenangriff ist zu verurteilen, aber wenn ich eine KZ Überlebende zitieren darf »Ich habe geweint, als ich hörte Dresden steht in Flammen. Das hieß für uns die Befreier sind nicht weit«. Jede Bombardierung die Todesopfer fordert sollte verurteilt werden, aber wenn eine solche Bombardierung die Menschen vom Faschismus befreit, dann muss man da leider Gottes differenzieren.

    Hier übrigens der, wie ich finde, sehr gute Kommentar in der Tagesschau.

  7. Timo Müller sagt:

    Zu dem strittigen Thema Eilversammlung hat die Polizei eine mittlerweile sehr interessante Stellung­nahme veröffentlicht:

    »Aktueller Anlass dieser Eilversammlung war laut Anmelder, dass ihm am Freitagabend (17.02.2012) bekannt wurde, dass es offensichtlich gegen eine ordnungsgemäß angemeldete Demonstration in Dresden zu Blockaden kommen solle.«

    Da ist der Fürther Polizei aber ein gewaltiger Fehler unterlaufen. Anstatt die Aussage des Rechten zu überprüfen haben die zuständigen BeamtInnen ihm anscheinend einfach geglaubt.

    Denn in Dresden war am Samstag, den 18.02.2012 zwar ein rechter Aufmarsch angemeldet worden. Nur wurde dieser schon vor Monaten abgesagt. Somit ist der Neonaziaufmarsch von Fürth rechtswidrig gewesen. Wers nicht glaubt liest es selbst nach:

    »Naziaufmärsche in Dresden – alles konzentriert sich auf den 13. Februar« (LVZ online)

    »POL-MFR: (318) Versammlungsgeschehen am 18.02.2012 in Fürth« (news aktuell presseportal)

  8. Carsten sagt:

    Neonazi-Angriff und die Vertuschung der Polizei

    Sa. 18.02.2012
    Wie jeden Samstag machte ich mit ein paar Freunden eine Jamsession bei mir zuhause, die um 14 Uhr anfing. Gegen 22:30 Uhr sind wir Musiker in eine benachbarte Kneipe, Musikclub gegangen, um gut gelaunt unsere Session dort fort zu setzen. Wir setzten uns an einen Tisch und begannen abwech­selnd mit dem Musik machen, wodurch immer wieder ein anderer Platz frei wurde.

    So. 19.02.2012
    Im laufe des voran geschrittenem Abend setzen sich zwei kurzhaarige mit ihren Freundinnen und ein Junger Punk zu uns an den Tisch. Ich lobte noch das eine Mädchen, wegen ihrem aussehen, worauf­hin sie sich bedankte. »Ich war wirklich höflich« Ich begrüßte auch den Nachbarn und er erwiderte meinen Gruß. Als ich den einen ganz Glatzkopf normal, wie in einem Gasthaus üblich begrüßt habe, antwortete er. »Ich rede nicht mit Zecken«

    Ich dachte mir der ist schlecht drauf, nahm meine Jacke mit 3 gegen Rechts Buttons darauf, die ich an meinem Stuhl hängen hatte und stellte mich danach an den Tresen um mir mein drittes Bier zu bestellen und möglichem Ärger aus dem Weg zu gehen. Mit der Zeit merkte ich, das meine Hose hinten nass war und ging auf die Toilette um nach zu sehen warum.

    Als ich wieder den Gastraun betrat und mich zurück zu meinem Bier bewegte wurde ich von einem der »Rini Tussen« massiv zurück geschubst und bin direkt in die Faust des ganz Kurzhaarigen gefallen, ich ging zu Boden.

    Nachdem ich realisiert habe was passiert ist, bin ich wieder aufgestanden und wurde sofort vom Wirten zurück gehalten den Angreifern eine zu langen, denn ich war auf 180. Der Wirt meinte noch ich soll nicht die Polizei rufen, was ich aber unbedingt wollte und mich beruhigen. Wehre doch eigentlich seine Aufgabe gewesen. Mir wurde auch das Handy von der einen »Rini« aus der Hand gerissen, was ich mir aber sofort zurück geholt habe.

    Nach ca. 5 Minuten verließ ich das Lokal mit den Händen über dem Kopf um auch lauthals zu signa­lisieren das ich keinen Streit will und nur nach hause. Ich wollte nur nach hause und kontrollieren wo ich im Mund blute.

    2. Angriff
    Zuhause stellte ich fest das ich mir kräftig auf die Lippe gebissen habe (meine Schuld). Um mit jemanden über diesen Vorfall reden zu können beschloss ich in ein Restaurant in meinem Haus zu gehen, wo ich einen befreundeten Musiker vermutete. Kaum bog ich bei mir zuhause um die Ecke rannten 6 oder 7 Leute auf mich zu und rissen mich auf den Boden und stiefelten von allen Seiten auf mich ein. Ich erkannte sie als die selben wie zuvor und rief mehrmals nur »Hilfe Hilfe Polizei« bevor ich ohnmächtig wurde.

    Der Vertuschungsversuch der Polizei

    Im Krankenwaagen kam ich wieder zu mir und wurde von, ich glaube Sanitäter gefragt wo ich bin und woher ich komme, was ich noch nicht wusste. Die Alkoholkontrolle ergab einen Wert von 0,5 Promille was mein Bruder und meine Mutter bestätigen kann weil ich sie vor dem Krankenwaagen neben einem Polizisten stehen sah. Ich rief dem Polizisten zu, das es Nazis waren und das ich sie beschreiben kann, doch er antwortete nur »Sie werden erst einmal im Krankenhaus behandelt«

    Ich rief ein zweites mal »Herr Polizist, das waren Neonazis, ich weiß wie die ausgesehen haben, die haben meine gegen Nazis Buttons geklaut« Darauf hin kam der Polizist in den Wagen, baute sich vor mich auf und wiederholte seine Aussage mit Nachdruck. »Jetzt langt es aber«

    Ich wurde ins Krankenhaus gebracht.

    01:52:00 Uhr
    Im Krankenhaus liesen die Polizisten mich am Schalter stehen und unterhielten sich mit den Sanitätern. »Versicherungskarte« usw. Ich setzte mich dann auf den Boden weil mir Schwarz vor Augen wurde aber die Polizei war nicht da um meine Aussage auf zu nehmen. Mir wurde nur gesagt ich werde schriftlich zur Aussage eingeladen.

    Es wurde der Arm und Thorax geröntgt, meine Platzwunde am Kopf genäht. Der P.A. fragte mich ob ich mir den Arm die letzten 2 Jahre schon einmal gebrochen hätte, was ich aber verneinte. Daraufhin sagte er »Der Arm ist nicht gebrochen« was ich aber auch wieder verneint, den ich habe mir schon öfters was gebrochen und weiß wie das tut. Auch den Arm. Nach der Behandlung war ich allein im Krankenhaus. Keine Polizei.?!

    Sonntag morgen
    Ich konnte nur am Sofa schlafen, denn dort konnte ich mich an der Rückenlehne mit der rechte Hand hochziehen. Mein Bauch sowie mein ganzer Körper tat weh und war mit Blutergüssen übersät. Beim hinsetzen oder legen wurde mir schwindelig und schwarz vor Augen.

    Mo. 20.02.2012
    Ich stellte Bluteiweiß in meinem Urin fest.

    Ärztebesuch 1. Teil

    Arztbesuche stehen an, denn ich bin im Arsch!

    Fangen wir mit dem Arm an. Der erste Knochendoktor hat mich gleich zur Radiologie geschickt und mir gesagt ich soll gleich danach zur Armchirurgie, wo der Arm nun möglicher weise Operiert wird, doch nun nur wöchentlich kontrolliert wird.

    Mo. ca. 17:30
    Nach 9 Stunden Arztbesuchen zu Fuß, Schmerzen am ganzen Körper und vor allem mit geschwol­lenem Zeh und Jesus schlappen, ging ich zur Polizeidirektion um meine Aussage zu vervollständigen.

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    Es hieß an der Pforte:
    Polizei: »Es wurde schon eine Anzeige gemacht!«
    Ich: »WAS- nicht von mir!«
    Polizei: »Sind Sie schon schriftlich eingeladen worden?«
    Ich: »NEIN«
    Polizei: »Dann warten Sie darauf«
    Also ging ich nach Hause.
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    In der Zeitung sah ich dann diesen Bericht.

    »Neonazis zogen durch Fürths«

    Rechte hatten über Nacht eine Demonstration angemeldet – Scheibe eingeworfen

    FÜRTH – Völlig überraschend hat am Samstagmittag in der Fürther Innenstadt eine Demonstation von rund 100 Neonazis aus dem süddeutschen Raum stattgefunden, die durch die Straßen zogen und Parolen skandierten. Nach Auskunft der Polizei war eine Eilanmeldung für die Veranstaltung in der Nacht zuvor bei der Fürther Inspektion eingegangen. Nach dem Versammlungsrecht habe man die Demonstration genehmigen müssen, sagte Polizeisprecher Robert Sandmann im Gespräch mit den FN Man habe lediglich mit Auflagen reagieren können; so sei die gewünschte Route durch die Fußgängerzone abgelehnt worden, stattdessen zogen die Rechten von der Stadthalle aus durch Hirschenstraße und Maxstraße über den Bahnhofplatz bis zur Freiheit. Angemeldet worden sei die Demo von einem bekannten Vertreter des »rechten Spektrums im Großraum«,so Sandmann, dessen Narnen er indes nicht nennen wollte. In den Reihen der Teilnehmer befanden sich allerdings etliche Vertreter des Rechts·extremen »Freien Netzes Süd« um den Stadelner Matthias Fischer. Hintergrund war ein für den Samstag in Dresdetl geplanter Aufmarsch von Neonazis, gegen den Tausende auf die Straße gingen und der wieder abgesagt worden war. In Fürth war deshalb auch die Bombardierung Dresdens vor 67 Jahren zentrales Thema auf Spruchbändern und in einschlägigen Redebeiträgen. Die Veranstaltung in Fürth sei »störungsfrei« verlaufen, so die Polizei, bei der Bevölkerung sei sie »nur auf geringes Interesse« gestoßen. Wegen der Kurzfristigkeit kam es offenbar auch nicht zu Gegendemonstrationen im üblichen Ausmaß – der Auftritt der rechten Szene war schlichtweg kaum bekannt. Lediglich an der Fürther Freiheit hätten laut Polizei etwa 50 Passanten ihrem Unmut durch Zwischenrufe Luft gemacht.

    Vorwürfe aus Antifa-Kreisen, die Polizei habe versucht, den Gegenprotest im Keim zu ersticken«, weist Sprecher Sandmann, der selbst vor Ort war, zurück. Davon könne nach seinen Erkenntnissen keine Rede sein. Bestätigen kann Sandmann dagegen, dass In der Nacht zum Sonntag eine Scheibe des Infoladen »Benario«, eines Treffs der Fürther Antifa-Szene in der Nürnberger Strasse eingeworfen wurde.

    Für die Betreiber steht fest, dass die Täter aus dem Neonazi -Lager stammen. Die Polizei hat Spuren gesichert und ermittelt auch in diese Richtung, hieß es gestern auf FN-Anfrage. In den vergangenen Monaten waren, wie berichtet, auf das Eigentum von Antifaschisten in der Region mehrere Anschläge verübt worden, die dem rechten Spektrum zugerechnet werden.

    WOLFGANG HANDEL

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    Di. 21.02.2012
    Ärztebesuch 2. Teil

    Ich lies mich beim Hausarzt durchchecken und informierte Ihn das ich Blut im Urin habe. Er wird auch einen Attest ausschreiben. Ich ging gleich zum Urologen und machte schnellst möglich einen Termin bei ihm. Zuhause sah ich dann den Bericht im Franken TV (FrankenTV_Nazis in Fürth)

    Und von meiner fast Tötung NIX! Und ich hatte Schmerzen am ganzen Körper und den Gedanken von Blut im Urin, was ich Montags schon feststellte!

    Mi. 22.02.2012
    Ärztbesuch 3. Teil. Es wird interressant.

    8:30
    Urologe → Ultraschall wegen Blut im Urin → Kontrolle bedürftig.

    9:00
    Rathaus im Büro des Oberbürgermeisters

    Ich möchte den OB sprechen, es geht um einen Neonazi Angriff! Eine halbe Minute später war ich beim Bürgermeister und erklärte ihm was passiert war. Er sagte mir, er nehme es sehr ernst und ruft mal bei der Polizei an, dann informiert er mich. DANKE und auf wieder sehen.

    9:30
    Ich ging zum Amtsgericht Fürth, wo mir schnell und ich glaube kompetent weiter geholfen wurde um eine Gerichtshilfe zu beantragen. Darauf folgten die »Fürther Nachrichten« wo ich von dem der den Zeitungsbericht am Montag geschrieben hatte um Rückruf gebeten habe.

    10:00:30
    Es ruft der Herr Exxxxxxx von der Polizeidirektion an. »Ähh ich habe sie schriftlich eingeladen, aber erst für nächste Woche das habe ich ihnen per Post zu geschickt doch können sie morgen schon vorbei kommen?«

    »Nein, morgen habe ich Geburtstag, warum treffen wir uns nicht gleich?«

    »OK«

    Endlich konnte ich bei der Polizei aussagen!

    Meine Polizeivernehmung

    Ich erklärte Herrn Exxxxxxx meine Geschichte und wollte wissen, was ich im Krankenwaagen an diesem Abend ausgesagt habe, doch das durfte er mir nicht sagen.

    Wir gingen hoch damit ich mir ein paar Bilder ansehen kann und habe dort die Täter Frauen genau beschrieben. Rechtsradikale Rinis. Daraufhin wurden mir ca. 24 Foto von Frauen gezeigt. Die eine war schwarzer Hautfarbe und hatte Rastas, die andere kam aus anscheinend Indien, wieder eine andere war vom Chrystal gezeichnet und ist bestimmt schon tot.

    Was soll das, fragte ich und wollte mir weitere Fotos ersparen.

    (Skinheads und sie zeigen mir Fotos von Langhaarigen, weil sie ja heute kurz tragen könnten?)

    Wir gingen wieder runter und fingen mit meiner Zeugenbefragung an. Ich sollte aber noch was von wegen Foto Gegenüberstellung oder so was unterschreiben, was ich nicht tat.

    Der Herr Exxxxxxx und sein Kollege stellten sich echt dumm. Meine Einladung zum Verhör soll an des Haus Nr.3 geschickt worden, ich wohne aber Nr.7. Rangers, Docmartens Schuhe was ist das und was ist eine Rini usw.

    Nun kam noch ein dritter Polizist dazu, von der Soko 5 (oder so) und nahm sich den schon fertigen Stapel Papiere um ihn zu lesen, setzte sich zur Seite und las. Ich fuhr mit meiner Geschichte fort.

    An der Stelle, wo ich aus dem Krankenwaagen gerufen habe es waren Neonazis, sprach mich der Soko Beamte an »Hallo, ich bin usw. ermittele gegen Rechts und sie haben aber im Krankenwaagen ausgesagt, Sie wissen von nichts, sie haben nichts gehört, gesehen und wissen nicht wer sie angegriffen hat.«

    Er sagte, das werden wir schon aufklären und ich lade sie nochmal zur Aussage ein. (Haus Nr.3 oder 7. dachte ich mir) Ich beendete meine Aussage, ging heim und freute mich auf meinen ersten Geburtstag in meinem neuen Leben.

    Mi. Abend
    Von einem Gast erfuhr ich, daß mir eine von den »Rini Tussen« Bier oder so hinten in die Hose rein geschüttet hat. Deswegen war ich dort nass und mein Handy ist kaputt. Geld. Egal!

    Do.23.02.2012
    Um 11:00 rief die FN an, sagte sie haben es schon Gestern versucht mich zu erreichen, da war ich aber gerade bei der Polizei zum Verhör und die Polizei, hatte das anders dargestellt, ich wäre betrunken gewesen usw. Ich sagte: »Na klar, mit 0,5 Promille nachts um halb 2 an einem Samstag Abend ohne Auto im Kneipenviertel und ich habe ein Alkoholproblem.«

    um 11:30 erzählte ich ihnen meine Geschichte der FN mit Krankenhaus Bericht und sie gaben mir den Eindruck, richtig empört über die Aktion der Polizei zu sein. Sie melden sich, wenn der Artikel gedruckt wird.

    Der Stein sollte rollen. FEIERABEND!

    Am 10.03.2012 dann der Zeitungsartikel mit der Überschrift

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    »Nach Schlägerei: Kritik an der Polizei«

    FÜRTH – Nach einer Schlägerei am Grünen Markt übt das Opfer Kritik am Verhalten der Polizei. Der 37-Jährige, der in der Nacht auf den 19. Februar von mehreren Jugendlichen angegriffen, geschlageh und getreten wurde, hat sich kürzlich bei Oberbürgermeister Thomas Jung über die Beamten be­schwert. Er wirft ihnen vor, seine Vermutung, dass die Täter aus der Neonazi-Szene stammen, ignoriert zu haben. Seines Wissens nach sei der Hinweis in jener Nacht nicht ins Protokoll mit aufgenommen worden. Auf FN-Nachfrage versichert Polizeichef Peter Messing, dass sich die Aussage durchaus in den Akten finde. Man habe den 37-Jährigen in der Tatnacht aber nicht ausführlicher befragt, da er merklich alkoholisiert gewesen sei; ein Test habe 1,12 Promille ergeben. Man sei verfahren, wie in einem solchen Fall üblich: Der Mann, der Prellungen und einen Bruch an der Hand erlitten hatte, wurde ins Klinikum gebracht und darauf hingewiesen, dass er noch einmal zur Aussage vorgeladen werde.

    Völlig unerklärlich ist dem 37-Jährigen, wieso er dann drei Tage lang nichts von den Beamten hörte. Laut Messing gingen die Dinge jedoch ihren gewohnten Gang. Ein Sachbearbeiter sei beauftragt gewesen, einen Termin für die Aussage zu finden.

    Als er schließlich vor den Polizisten saß und seine Aussage machte, hatte der 37-Jährige erneut den Eindruck, dass man seine Beobachtungen nicht ernst genug nahm: Auch wenn sie keine rechts­radikalen Parolen geäußert hatten, deutete für ihn vieles darauf hin, dass er von Neonazis angegriffen worden war: So habe ihn einer der Beteiligten »Zecke« genannt, zudem seien Anti-Nazi-Anstecker an seiner Jacke abgerissen worden, und auch das Aussehen der Jugendlichen sei »typisch« für die Szene gewesen.

    Obwohl er dies der Polizei mitteilte, hätten ihm die Beamten auch Fotos von »farbigen« Tatverdäch­tigen gezeigt, Verstehen könne er das nicht. Auch hier hat Messing eine Erklärung: Es sei normal, dass unter den Fotos immer auch einige seien, die nicht alle Kriterien erfüllen. Den Vorwurf, dass die Polizei nachlässig mit dem Hinweis auf einen möglichen rechten Hintergrund der Schlägerei umgegangen sei, will er sich nicht gefallen lassen. Man habe in alle Richtungen ennittelt. Aussagen von »unbeteiligten Zeugen« hätten allerdings schnell zu Tatverdächtigen geführt, die nach Polizei­erkennt­nissen nicht zur rechten Szene gehören. Einige von ihnen seien »aus dem Punkermilieu«.

    Auslöser für die Schlägerei waren laut Messing offenbar Flirtversuche des 37-Jährigen, die einer Jugendlichen nicht gefielen. Absurd findet das der Geschlagene: Diese Anmachversuche habe es nicht gegeben, das Mädchen »ist doch gar nicht meine Altersklasse«. Die Polizei wolle das wahre Geschehen nur »vertuschen«.

    CLAUDIA ZIOB

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    Am 26.3.2012 Bin ich noch einmal zur Handchirugie, wo ein anderer Arzt entsetzt darüber war, daß mein Daumen nicht ruihg gestellt wurde. Er klärte mich auch zum ersten mal über meinen Kahnbeinbruch auf und gipste den Arm neu ein.

    Im Nachinein wurde mir 70 Tage nach dem Überfall ein Backenzahn gerissen, da die Wurzel beschädigt war und eiterte. Ich passe echt auf meine Zähne auf und dachte sofort an die Schlägerei, wo mir die ganze linke Gesichtshälfte wochenlang weh tat und immer noch tut ,ich aber bei diesen Schmerzen nie auf Zahnprobleme getippt hätte.

    Am 9.05.2012 rief dann nochmal der Herr Exxxxxx von der Polizei an und erzählte mir das die Ermittlungen nun Abgeschlossen sind.

    Am15.05.2012 wurde mein Gips abgenommen und ich mache weiter 6 Wochen Krankengymnastik.
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    Nun bin ich stink sauer. Nicht auf die Neonais, denn von denen erwarte ich ja solche hirnverbranten Aktionen.

    1. Die Polizei versucht das geschehen der linken Szene zuzuordnen, doch behaupte ich, dass waren eindeudig Nazis. Sowohl sie, bis auf den unbeteiligten Punk in einer stadtbekannten Nazikneipe verkehren. Dem »MOSQUITO«, gleich bei mir umd Eck.

    Im Internet fand ich dieses Flugblatt:

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    Bereits seit mehreren Jahren versuchen Neonazis in Fürth einen regelmäßigen Stammtisch zu etablieren. Dabei veränderte sich mit den Strukturen der FaschistInnen auch die Nutzung der von ihnen besuchten Gaststätten.

    Während NPD und JN 2007 – dank antifaschistischer Proteste erfolglos – versuchten einen wöchentlichen Informationstermin für Mitglieder und Interessierte einzurichten, sind die Kneipen­besuche des Kameradschaftsnetzwerks »Freies Netz Süd« (FNS) inoffiziellerer und inhaltsloserer Natur. So traf man die Fürther FNSlerInnen im letzten Jahr meist alkoholisiert und zusammen mit unorganisierten Neonazis im Umfeld von Kneipen mit billigem Bier und einem kaum wechselnden Kundenkreis.

    AntifaschistInnen machten vor allem auf die Gaststätte »Treffpunkt« am Rathaus aufmerksam, aus der heraus mehrmals NazigegnerInnen angegriffen wurden. Trotz des Wissens über die Gesinnung und die Gewalttätigkeit seiner Kundschaft und anhaltender Protestaktionen antifaschistischer FürtherInnen distanzierte der Wirt sich nicht von seinen Gästen oder deren menschenverachtenden Gedankengut.

    Ebenso verhält es sich auch mit dem Wirt einer neuen Gaststätte, dem »Mosquito« (früheres »Kleines Versteck«) am Rande des Grünen Markts. Seit deren Eröffnung schaffte es ein weiterer nazistischer Übergriff in die Medien. In der Nacht zum ersten November bedrohten und beleidigten mehrere Mitglieder des FNS junge AntifaschistInnen und schlugen und traten auf einen von ihnen ein, der dadurch mehrere Prellungen und Hämatome erlitt. Die Angreifer kamen aus dem »Mosquito« und zogen sich teilweise auch wieder dorthin zurück, um der dazugerufenen Polizei zu entkommen. Ebenso hielten sich während des jährlichen Gedenkens in der Geleitsgasse an die Opfer der Reichsprogromnacht 1938 mehrere FaschistInnen dort auf. Eine Störung durch diese, die einer Verhöhnung der Opfer darstellen würde, musste von engagierten NazigegnerInnen verhindert werden.

    Das Fürther Naziproblem besteht also weiterhin, auch wenn die FaschistInnen wieder einmal die Gaststätte wechselten. Dabei ist vorallem das FNS von zentraler Bedeutung. Die Organisation wurde von Köpfen der Fürther Neonazis, wie Matthias Fischer (wegen zahlreicher Straftaten noch mindestens bis Ende nächsten Jahres in Haft) und Sascha Rudisch (vorbestraft unter anderem wegen Körperverletzung an seiner eigenen Frau und Volksverhetzung) mitbegründet und kann als Nachfolgeorganisation der »Fränkischen Aktionsfront« (FAF) gewertet werden, die 2004 wegen ihrer Wesensverwandschaft zum Nationalsozialismus verboten wurde. Dazu gehört auch der Fürther Neonazi Peter Rausch, der im Frühjahr einen 17-jährigen Antifaschisten in der Nürnberger U-Bahn ins Koma prügelte und daher wegen Totschlags angeklagt ist. Bereits mehrere Treffpunkte der Fürther Nazis konnten in den vergangenen Jahren durch antifaschistische Proteste für diese unbrauchbar gemacht werden. Auch die faktische Unterstützung durch Wirte wird nichts daran ändern, dass wir in Fürth Nazistrukturen welcher Art auch immer nicht dulden werden!

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    Oder das hier:

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    Nazi-Treffpunkte in Fürth

    24.01.2011 | von Rüdiger Löster
    Mit Demonstrationen in der Fußgängerzone und am Grünen Markt wurde letzten Samstag in Fürth auf zwei Nazi-Treffpunkte aufmerksam gemacht. In den Gaststätten, dem »Mosquito« und der »Gaststätte Florysche Restauration«, treffen sich regelmäßig Mitglieder und Anhänger des »Freien Netz Süd« (FNS).

    Während das »Mosquito« der Durchführung von »Kameradschaftsabenden« dient, finden in der »Gaststätte Florysche Restauration« die Veranstaltungen des FNS statt. Zu den bisherigen drei Veranstaltungen reisten jeweils etwa 80 Neonazis aus ganz Bayern an.

    Obwohl den Wirten bekannt ist, um welche Gäste es sich hier handelt, werden diese von ihnen geduldet. Und im Rathaus sieht man keine rechtlichen Möglichkeiten, gegen die Nazitreffpunkte vorzugehen, ohne Reaktion bei den Wirten blieben Appelle von Stadt und Polizei, die Räume den Nazis nicht zur Verfügung zu stellen.

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    Jetzt wir es mir klar. Nach dem Angriff im Musikclub am 18.02. ging einer der Beteiligten nach drausen um seine Freunde telefonisch zu unterrichten, das er einen erwischt und geschlagen hat. Sie sollen schnell herkommen.

    Meine Wohnung ist direkt zwischen den zwei Kneipen und als ich Nachts noch mit meinem Freund reden wollte und das Haus verlies haben sie mich direkt vorm Haus erwischt. Die einen kamen richtung Musikclub von links, die anderen richtung Mosquito von rechts. Wo die Täter fast jedes Wochenende verkehren.

     
    Anmerkung der Redaktion: Der Name eines mehrfach genannten Polizeibeamtens wurde nach­träglich im Interesse des Kommentarschreibers (üble Nachrede) als auch der Herausgeber (Betreiberhaftung) anonymisiert.

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