BI-Stellungnahme: Wie geht es weiter beim neuen Ein­kaufsschwerpunkt Rudolf-Breitscheid-Straße?

27. Oktober 2011 | von | Kategorie: Häuserkampf

Festsaal des Parkhotels (Computerrekonstruktion: Dipl.-Ing. Klaus Heller)

Auf dem gut besuchten Treffen der BI »Bessere Mitte für Fürth« am Mittwoch im »PanOlio« am Waagplatz wurde aus­giebig darüber diskutiert, wie es weiter­gehen kann im weiteren Verfahren für den Einkaufsschwerpunkt Rudolf-Breit­scheid-Straße. Dabei wurde folgende Stel­lungnahme erarbeitet:

Die BI »Bessere Mitte für Fürth« steht – wie in früheren Stellung­nahmen ausführlich begründet – hinter dem vom Architekturbüro Dunett/Craven erarbeiteten Konzept des Berliner Investors MIB.

Für die BI sind folgende städtebaulichen und architektonischen Eckpfeiler des MIB-Konzepts besonders wichtig:

  • Erhalt der RBS in voller Breite und Aufwertung des öffentlichen Raumes durch Umwandlung der RBS bis zur Fürther Freiheit in eine Fußgängerzone von hoher Aufenthaltsqualität
  • Erhalt und Integration der Baudenkmäler auf der südlichen RBS inkl. ihrer gesamten historischen Bausubstanz
  • Beschränkung der Verkaufsfläche auf die für Fürth verträglichen 15.000 m²
  • Schaffung großflächiger Einzelhandelsflächen für hochwertige Textilprodukte und Schuhe
  • Erhalt der Parkhotel- bzw. Festsaal-Fassade an der Moststraße
  • Erschließung der rückwärtigen Projektflächen durch attraktive Lichthöfe
  • Offenes Geschäftshausmodell mit Verzicht auf interne Mall und Aufwertung der Straße als natürliche Mall. Dadurch auch Vernetzung des Einkaufsschwerpunkts mit dem benachbarten Einzelhandel
  • Rückführung der Kubatur an der Parkhotel-Ecke auf die Dimensionen vor Aufstockung des Parkhotels
  • Möglichkeit einer differenzierten und auf die Fürther Innenstadt angepassten Fassaden­gliederung bei den Neubauten auf der nördlichen RBS

Die nun aufgeworfene Frage, ob der ursprünglich in der Aufgabenbeschreibung zum Dialogverfahren angeführte klassische Architekten-Wettbewerb oder ein sog. Workshop-Verfahren (wie von MIB in der Weltkulturerbestadt Wittenberg praktiziert) zum besten Ergebnis für die Stadt führen, vermag die BI nicht vorauszusagen.

Im Falle eines beschränkten Architektenwettbewerbs wünscht sich die BI, dass folgende Punkte beachtet werden:

  • Der Investor, die Stadtverwaltung und ein von der Stadt Fürth bestimmter Projektbeirat erarbeiten eine Auslobung, die sich streng am Grundkonzept des Architekten James Craven orientiert und zusätzlich die Möglichkeit lässt, auch den unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Festsaal des Parkhotels in einen Entwurf mit zu integrieren.
  • Wettbewerb als beschränkter Wettbewerb mit mindestens 8 Teilnehmern, die positive Referenzen in der Realisierung von Neubauten in historischen Innenstädten haben. Die BI hat der Stadt Fürth und dem Investor einige Vorschläge zu entsprechenden Büros gemacht.
  • James Craven als Vorsitzender einer Jury, deren Fachpreisrichter ebenfalls positive Referenzen aufweisen sollten.
  • Eventuell könnte eine Zwischenpräsentation hilfreich sein.

Im Falle eines Workshops wie er von MIB in Wittenberg durchgeführt worden ist, wäre interessant (evtl. vor Ort) zu erfragen, wie dieser Workshop konkret realisiert wurde, wie die Erfahrungen waren und wie die Ergebnisse ausgefallen sind. Im Wortsinne impliziert ja ein »Workshop« ein mehrtägiges »Werkstatt-Treffen« verschiedener Planer, die gemeinsam oder in Konkurrenz, aber unter direktem Feedback eines Supervisors verschiedene Varianten und Ideen für ein Projekt oder Areal entwickeln. Dieses Vorgehen käme dem in der Präsentation des Konzeptes von Herrn Craven geäußerten Vorschlag, dass die Geschäftshäuser auf der nördlichen RBS auch durchaus von unterschiedlichen Architekten entwickeln werden könnten, um schon dadurch eine stadtverträgliche Maßstäblichkeit zu erreichen, sehr nahe. Die BI glaubt, dass ein in dieser Richtung geartetes »Workshop-Verfahren« bei sorgfältiger Auswahl der Workshop-Teilnehmer und Leitung des Workshops durch James Craven durchaus positive Ergebnisse hervorbringt.

Im Ergebnis wünscht sich die BI:

  • eine nachhaltig zeitlose Gestaltung im Dialog mit dem historischen Kontext, also unter Aufnahme stadttypischer Proportionen und Materialien
  • Integration und Erhalt des denkmalgeschützten historischen Saals
  • Aufwertung des öffentlichen Raumes an dieser Stelle
  • Vermeidung von historisierender Disneyland- oder Kulissenarchitektur
  • Vermeidung modernistischer Bausünden von überschaubarer geschmacklicher Halb­wertszeit und absehbar schwindender gesellschaftlicher Akzeptanz
  • einen qualitätvollen Ersatzbau für das Parkhotel, in dem durchaus auch die histo­rischen Fassadenelemente des jetzigen Gebäudes integriert werden können
  • sorgfältige Gestaltung der »rückwärtigen« Fassaden in der Moststraße

Wenn diese Punkte – bei welchem auch immer gewählten Verfahren – beachtet werden, so ist sich die BI sicher, wird es auch zu einem hochwertigen Besatz der Flächen kommen und davon die gesamte »Einkaufsstadt Fürth« profitieren.

Zum denkmalgeschützten Festsaal bzw. »Kaisersaal« im ehemaligen Parkhotel:

Die BI betrachtet den Festsaal als besonders schützenswert und sehr gut in ein Gesamt­konzept integrierbar. Die Zerstörungen durch Umnutzung und Vandalismus sind überschaubar und nach Rückbau der neuzeitlichen Technikräume kann der Saal zum Highlight des ganzen Projekts werden. Gerade für den hochwertigen Textilhandel, für den seitliche Belichtungs­flächen oft unerwünscht sind, wäre der repräsentative Saal mit natürlicher Oberbelichtung ideal. Denkbar wäre ein modernes »Haus-in-Haus«-Konzept, bei dem weitgehend ohne Wand­anbindung in den Saal ein transparenter oder geöffneter Kubus gestellt wird. Denkbar wären auch »schwebende« Ebenen. Auf diese Weise bliebe der Saalcharakter mit seiner imposanten Decke erhalten und erlebbar. Weiterer Vorteil wäre eine denkmalverträgliche Rückbau­möglichkeit und dadurch die Möglichkeit, den Saal in späteren Zeiten auch wieder als Saal zu nutzen.

Das BI-Mitglied Dipl.-Ing. Klaus Heller hat sich die Mühe gemacht, die Innenansicht des Saals dreidimensional in einer CAD-Rekonstruktion darzustellen, um die vor Ort momentan nicht zu erlebenden Potentiale des Saales erkennbar zu machen (s.o., zum Vergrößern das Bild anklicken).

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10 Kommentare zu »BI-Stellungnahme: Wie geht es weiter beim neuen Ein­kaufsschwerpunkt Rudolf-Breitscheid-Straße?«:

  1. Nebenan in Erlangen herrscht übrigens auch nicht nur eitel Sonnenschein: »Handel klagt: Zu wenig Kunden von auswärts« (Erlanger Nachrichten)

  2. An dieser Stelle wird die Diskussion nunmehr geschlossen und unter einem neuen Artikel zum gleichen Thema weitergeführt.