Fürther Nachhaltigkeit

25. März 2011 | von | Kategorie: Vermischtes

Die Theaterstraße wird derzeit neu gepflastert. Vor der Tanzschule Streng und dem Spielhaus ist die ganze Straße aufgerissen, seit Wochen fahren die Bagger dort spazieren. Die ausführende Firma ist aus Bamberg, das ist regional und so vernünftig, wie die Stadt sich gerne darstellt. Der benutzte Granit stammt allerdings nicht aus dem Jura vor unserer Haustür, sondern offensichtlich aus China, wie man auf dem Foto sieht.

Chinesischer Granit in der Theaterstraße (Foto: Peter Kunz)

Chinesischer Granit in der Theaterstraße
(Foto: Peter Kunz)

Da kratzt man sich den Kopf: Granit aus chinesischen Steinbrüchen ist billiger als jener aus der Oberpfalz – obwohl man ihn um die halbe Welt karrt. Addiert das eigentlich irgendjemand zur Nachhal­tigkeitsbilanz der Kleeblattstadt? Und warum ist der Stein eigentlich so billig? Zweifellos, weil die Arbeiter dort unter wesentlich gefähr­licheren Bedingungen als hierzulande arbeiten müssen, und weil sie weniger Lohn bekommen – oder auch gar keinen.

Es ist wohl auch in Fürth schon lange kein Geheimnis mehr, dass in chinesischen Steinbrüchen Zwangsarbeiter eingesetzt werden. Auch von Kinderarbeit ist die Rede. Aber China ist weit weg und obwohl es als Feigenblatt Zertifikate gibt, die das ausschließen sollen: kann das wirklich jemand nachprüfen? Der »lockere« Umgang der Chinesen mit solchen Auflagen ist hinlänglich bekannt.

Natürlich muss die Stadt sparen, wo immer es geht. Aber das ist – die Spitze sei gestattet – im wahrsten Sinne des Wortes ein Tot­schlagargument. Geht es uns wirklich so schlecht, dass wir unsere Straßen mit Steinen zwielichtiger Herkunft pflastern müssen?

Wenn ja, dann sollten wir uns bei der nächsten Straßensanierung gleich noch einen Trupp chinesischer Zwangsarbeiter mitbestellen, die machen das sicher wesentlich billiger als der Höllein aus Bamberg…

Stichworte: , ,

Ein Kommentar zu »Fürther Nachhaltigkeit«:

  1. Danke für den guten Kommentar! Schon bei der Neugestaltung der Fußgängerzone wurden Steine aus China eingesetzt und man hat anscheinend nichts aus diesem Fehler gelernt.

    Sparen ist wichtig, aber Sparzwänge dürfen nicht über den Menschenrechten stehen. Freilich: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein und wer hat kein unter Hungerlöhnen produziertes T-Shirt aus Bangladesh im Kleiderschrank? Aber wenn eine Stadt so etwas beschließt und mit den Steuergel­dern ihrer Bürger unterstützt, hat es für mich eine andere Dimension.

Kommentar-Feed RSS-Feed für Kommentare nur zu diesem Beitrag

Kommentar abgeben: