HOME is where the heart is

9. Dezember 2010 | von | Kategorie: Umwelt

Film & Fernsehen (Grafik: Irma Stolz)

Ein Portrait unseres Heimatplaneten im Agenda 21-Kino im Babylon

Ein kostenloser Kinoabend, oben­drein mit Verlosung: Das gibt es nicht oft und dementsprechend war der Kinosaal des Babylon am 7. Dezember bis auf den letzten Platz besetzt. Gegeben wurde HOME, eine Mischung aus Biografie und Portrait unseres gefährdeten Heimatplaneten. Dieser wird geboren, Leben entsteht, ein ökologisches Gleichgewicht stellt sich alsbald ein, welches nun vom Menschen mithilfe rücksichtsloser Ausbeutung natürlicher Ressourcen ins Wanken gebracht wird – so weit, so unoriginell der Inhalt. Klimawandel, Überfischung, Artensterben, Wasserverschwendung. Jeder kennt diese Erzählungen und doch hat sich am Energiehunger der Menschheit, an Raubbau und Verschmutzung bisher wenig geändert. Tausendmal gehört, tausendmal ist nichts passiert.

 
Tränendrüse statt Argumentation

Wirklich neu an dem Film ist einzig der Erzählstil. Zu den grandiosen Luftaufnahmen von Landschaften, die, kunstvoll aneinandergereiht, ausdrucksvoll und poetisch anmuten, gesellt sich eine mehr oder weniger bereichernde Erzählstimme, deren Einlassungen viel Phrasenhaftes und wenig Substanzielles bereithalten. Logische Argumentation? Fundierte Aussagen? Fehlanzeige. Stattdessen wird fleißig die Tränendrüse bearbeitet. Spätestens hier zeigt sich, dass beim Drehbuch zum Dokumentarfilm die mittelmäßigen Werbetexter der finanzierenden PPR-Gruppe (Gucci, Yves Saint Laurent, Puma) wohl ein gehöriges Wörtchen mitzureden hatten. Akuter Greenwashing-Verdacht!

Eigentlich hätte man die Off-Stimme auch nicht gebraucht, denn erstens haben Dokumentarfilme wie We Feed The World eindrucksvoll bewiesen, dass Bilder oft mehr sagen als Worte, und zweitens weiß sogar der Erzähler selbst: »Wenn man es von oben betrachtet, erklärt sich vieles von selbst.« So ist es die Schönheit der Erdoberfläche aus der Vogelperspektive, die den Film über weite Strecken trägt. Schade, dass, nachdem die Gefahren für die Erde ausgiebig behandelt wurden, am Ende zwar wieder Hoffnung aufkommt, der Beitrag jedes Einzelnen jedoch diffus und ungreifbar bleibt.

 
Regionaler Ratgeber für nachhaltiges Leben

Dieses Defizit versucht die nachfolgende Diskussion zu beheben. Wie können Otto und Erika Normalverbraucher nun die bedrohte Welt retten? (Wirklichen) Ökostrom beziehen, regionale, ökologische und/oder fair gehandelte Lebensmittel kaufen, das demokratische Recht zur Meinungsäußerung wahrnehmen – das sind die durchaus richtigen Ideen, die vom Publikum geäußert werden. Der Verein BluePingu hat dazu einen ergiebigen Regionallotsen zum nachhaltigen Leben in Franken veröffentlicht. Damit bekommt der Filmtitel HOME dann doch noch seine doppelte Bedeutung: Neben den Heimatplaneten tritt unsere unmittelbare, alltägliche Umgebung, die wir gestalten und beeinflussen können. In beiderlei Hinsicht gilt: Home is where the heart is.

Was bleibt also vom zweiten Agenda 21-Kino im Babylon? Die Erinnerung, dass wir auf einem verdammt schönen und wertvollen Planeten leben. Der Beweis, dass selbst das hohlste PR-Gerede diese Schönheit nicht entstellen kann. Und die erfrischende Erkenntnis, dass es in Fürth ganz schön viele Leute gibt, die einen Unterschied machen wollen. Und solche, die Anderen vielfältige Wege dazu aufzeigen. Danke.

 
In der Reihe Agenda 21-Kino als nächstes im Babylon: Plastic Planet, 1. Februar 2011, 19:30 Uhr.
Der nachhaltige, regionale Konsumratgeber von BluePingu e.V. kann hier bestellt werden.

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