kunst galerie fürth: Drohende Schließung?

1. November 2010 | von | Kategorie: Politik

Ein offener Brief an den Ober­bürgermeister Dr. Thomas Jung, die Fraktionsvorsitzenden des Fürther Stadt­rats sowie die Stadtkämmerin Dr. Stefanie Ammon.

Ausstellungsbanner zu »Cut.X« (Foto: Dr. Michael Müller)

Ausstellungsbanner zu »Cut.X«
(Foto: Dr. Michael Müller)

Vielleicht hat ja der Titel der gerade zu Ende gehenden Ausstellung der kunst galerie fürth die Stadtobrigkeit dazu inspiriert ihre Schließung ins Auge zu fassen: »Cut.X«. Mit einem schnellen Kostenschnitt will man einen nachhaltigen Beitrag zur Sanierung der desolaten städtischen Finanzen erzielen.

Auf den ersten, schnellen Blick halten sich die Folgen eines derartigen Schrittes und Schnittes scheinbar in engen Grenzen. Die Tragweite einer Schließung offenbart sich erst bei einer Betrachtung der Langzeitfolgen:

 
1. Die museumspädagogischen Leistungen der kunst galerie sind im Bereich der Fürther Schulen und Vorschulen seit Jahren fest verankert. 2.000 bis 3.000 Schüler werden pro Jahr in Kunstgespräch und Werkraum­arbeit an Bedeutung und Möglichkeiten der darstellenden Kunst heran­geführt.

Angesichts des hohen Anteils Fürther Schüler mit Migrationshintergrund wird hier ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Heranführung und Integration unterschiedlicher Kulturkreise geleistet. Und da stellt sich die Frage: Will Fürth sich aus der Ausländer-Integration verabschieden?

 
2. Der Fürther Innenstadtbereich ist durch drei tagsüber zu besuchende kulturelle Highlights ausgezeichnet: Jüdisches Museum, Stadtmuseum Ludwig Erhard und eben die kunst galerie.

Seit Jahren bemüht sich die Stadtobrigkeit um eine Aufwertung ihrer Innenstadt durch eine neue Infrastruktur als Einkaufsstadt: Projekt Einkaufscenter. Anspruchsvoll soll es werden, so tönt es immer wieder, die hohe Kaufkraft sei ja vorhanden.

Anspruchsvolle Besucher erwarten aber mehr als ein gehobenes Konsumgüterangebot. Auch das Flair der Stadt entscheidet über Kommen oder Wegbleiben. Und da stellt sich die Frage: Will Fürth den Dreiklang seines innerstädtischen Kulturangebots aufgeben?

 
3. Die Riege der Fürther Feste, über das Jahr verteilt, ist spektakulär: Stadtfest, New Orleans Festival, Metropol­marathon, Beach Volleyball, Fürth Festival etc. Wohl weitgehend von Sponsoren getragen (was ver­sprechen sich diese eigentlich für ihre Ausgaben?), ist städtische Manpower – und damit Geld aus städti­schen Kassen – immer wieder in die Aktivitäten eingebunden.

Dass diese Feste nicht jedermanns Sache sind, ist eine Tatsache. Aber Vielfalt zeichnet nun einmal das Leben einer Stadt aus. Hier stellt sich nun allerdings die Frage: Will Fürth einem Teil seiner Bevölkerung, nämlich den Kulturorientierten, einen Anlaufpunkt ihrer Interessen einfach wegnehmen? Und dies, obgleich diese Bevöl­kerungsgruppe gerade durch ihre Steuern zu den Finanziers der kunst galerie zu zählen ist.

 
4. Am 7. November 2002 wurde die kunst galerie der Öffentlichkeit übergeben. Unter der Ägide von Ober­bürgermeister Wilhelm Wenning noch geplant und umgesetzt, eröffnete der frisch gekürte Oberbürger­meister Thomas Jung das Haus. Eigentlich war es ihm viel zu klein geraten, denn noch im Wahl­kampf hatte er kurz zuvor die große Lösung einer Kunstgalerie im Gebäude der Hypo-Vereinsbank an der Friedrichstraße in die Diskussion gebracht.

Gilt also auch in der Fürther Politik, die stets für Seriosität wirbt, der Satz: Was interessiert mich mein Geschwätz von vorgestern?

 
5. In die Finanzierung der kunst galerie sind 2002 – so wird berichtet – Mittel aus dem Förderprogramm »Soziale Stadt« geflossen. Die Mittelbindung für den eingesetzten Zweck liegt bei 20 Jahren. Acht Jahre laufen in diesen Tagen gerade ab.

Fördergelder für Projekte einzuwerben ist eine legitime und weithin geübte Praxis der Kommunen. Wurde ein Projekt erfolgreich platziert, heißt es, dass wieder einmal Geld in die Kassen der Stadt »gespült« wird. Dieses gespülte Geld ist aber nicht nur eine Wohltat, sondern bedeutet auch Verpflichtung.

Wie steht es da um die Glaubwürdigkeit der Stadt, wenn sie versucht mit leichter Hand die Fristenbindung aufzu­kündigen und über den Restbetrag einer Rückzahlung zu feilschen?

 
Ich hoffe, dass diese fünf Punkte, die wesentliche Aspekte der laufenden Diskussion aufgreifen, noch einmal zum Nachdenken und Abwägen anregen.

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24 Kommentare zu »kunst galerie fürth: Drohende Schließung?«:

  1. Zum gleichen Thema erreichte uns heute ein weiterer offener Brief von Dr. Thomas Heyden, seines Zeichens Kurator am Neuen Museum Nürnberg, den wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben:

     

    Dr. Thomas Heyden
    Luisenstraße 9, 90762 Fürth

     
    Fürth, den 1. November 2010

     
    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Thomas Jung,

    es nötigt mir großen Respekt ab, wie Hans-Peter Miksch in diesen schwierigen Tagen, die ja nicht zuletzt auch über seine persönliche Zukunft entscheiden, nicht müde wird, darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht um die Qualität seiner jahrelangen Arbeit für die Städtische Galerie gehe, sondern ausschließlich um die grundsätzliche Frage der Existenzberechtigung dieser Einrichtung. Es fällt mir tatsächlich schwer, nicht noch einmal auf die besondere Leistung zu sprechen zu kommen, die es bedeutet, in Fürth einen so lebendigen Ort der Kunst etabliert zu haben. Gerne möchte ich zum Beispiel an Herrn Mikschs hervorragende Idee erinnern, das Eisenbahnjubiläum zu nutzen, um einen der größten amerikanischen Fotokünstler des 20. Jahrhunderts, Winston Link, zu präsentieren. Doch ich versage es mir, da ich damit bei Ihnen, lieber Herr Jung, offene Türen einrennen würde. Schließlich haben Sie die Leistung von Herrn Miksch nie in Zweifel gezogen.

    Es geht um eine grundsätzliche Frage der Fürther Kulturpolitik. Darf eine Großstadt, die bald 120.000 Einwohner zählen wird, im Gebäude ihrer kulturellen Einrichtun­gen auf den Baustein einer Kunstgalerie verzichten? Die Frage verschärft sich angesichts des Selbstverständnisses unserer Stadt, die zu Recht stolz ist auf die vielen bildenden Künstler, die den Namen Fürths weit über die Region hinaustra­gen. Es sei nur an Oliver Boberg und Andreas Oehlert erinnert, die beide auch schon in der Städtischen Galerie vorgestellt wurden. Schreiben Sie es meinem Lokalpatriotismus zu, dass ich in Sachen zeitgenössischer Kunst nicht von Nürnberg und Erlangen abhängig werden möchte. Kein Fürther möchte gezwungen sein, zum Einkaufen in die U-Bahn nach Nürnberg steigen zu müssen. Verhält es sich mit der Kultur nicht genauso? Unser Stadttheater, unsere Museen, allen voran das Jüdische Museum, das Kulturforum und die Kunstgalerie Fürth begründen die kulturelle Identität unserer Stadt und spielen mit im Konzert der kulturellen Einrichtungen der Metropolregion.

    Sie wissen es besser als ich, dass in Fürth unabhängig vom Parteibuch lange von einer Städtischen Galerie geträumt wurde, bevor sie vor acht Jahren Wirklichkeit wurde. Kann es sein, dass schon beim ersten Frost ihr Ende gekommen ist, statt die Galerie zu überwintern, so wie das Ihr Oberbürgermeisterkollege und Partei­freund Maly in Nürnberg mit seinen kulturellen Institutionen vorhat? Ist das die Nachhaltigkeit, die Politiker so gerne in den Mund nehmen? Kann es sein, dass nach nur acht Jahren das Existenzrecht der Kunstgalerie schon wieder in Frage gestellt wird? Sie werden das folgende Argument in den kommenden Wochen noch häufiger zu hören bekommen, doch ist es deswegen nicht weniger richtig: Geschlos­sen ist eine kulturelle Einrichtung schnell, doch wiedereröffnet wird sie so schnell nicht.

    Dank der hervorragenden museumspädagogischen Arbeit von Jana Mantel hat sich die Kunstgalerie Fürth zu einem Ort entwickelt, dessen Schließung eine empfind­liche Lücke in den außerschulischen Bildungsangeboten unserer Stadt hinter­lassen würde. Allzu leicht vergisst man, dass Museen und Kunsthallen nicht nur elitäre Bedürfnisse einer kleinen Szene bedienen, sondern einen unverzichtbaren Beitrag zur Bildung leisten, die heute mehr denn je in den Fokus der Politik gerückt ist.

    Gestatten Sie mir abschließend noch ein offenes Wort: Dass die Schließungspläne ausgerechnet im Interim zwischen den Kulturreferenten Scharinger und Reichert auf den Tisch kommen, lässt die Politik im Rathaus in keinem guten Licht erscheinen. Fehlt hier nicht in der Diskussion eine wichtige Stimme, nämlich die des offiziellen Fürsprechers der Kultur?

    Lieber Thomas Jung, werden Sie Ihrer Rolle als kommissarischer Kulturreferent gerecht und retten Sie die Stadtgalerie Fürth!

    Herzlich grüßt

    Ihr
    Thomas Heyden

     
    Die Briefe von Dr. Michael Müller und Dr. Thomas Heyden sind persönliche Stellungnahmen wider die drohende Schließung der kunst galerie fürth, über die Martin Peetz bereits am 25.10.2010 in seinem Artikel »Feuer unterm Dach der kunst galerie fürth« berichtet hatte. Dort finden Sie auch eine herunter­ladbare Unterschriftenliste, auf der Sie Ihren Protest gegen die Schließungspläne artikulieren können.

  2. Alex Gauert, Kreisvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen Fürth Stadt schickt uns folgende offizielle Stellungnahme seiner Partei mit der Bitte um Veröffentlichung:

     

    Pressemitteilung 2010-11-02

    Zu kurzfristig gedacht, denn selbst wenn die Haushaltslage sich wieder ent­spannt, eine einmal geschlossene Kunst Galerie Fürth – bleibt geschlossen. Das muss auf jeden Fall verhindert werden.

    Alexander Gauert, Kreisvorsitzender der Grünen in Fürth, erklärt zur drohenden Schließung der Kunstgalerie in Fürth:

    Bei Kürzungen muss man mit bedacht vorgehen, für Schließungen gilt das um so mehr. Mit der Schließung der Kunst Galerie kann sicherlich kurzfristig Geld ein­gespart werden. Vorausgesetzt, dass das ohne ein Rückzahlung der Förderung möglich ist. Allerdings ist dies zu kurzfristig gedacht, denn selbst wenn die Haus­haltslage sich wieder entspannt, eine einmal geschlossene Galerie bleibt geschlossen.

    Die Galerie benötigt ca. 160.000 Euro jährlich. Dieser Betrag soll komplett gestrichen werden. Das wäre das Ende der Kunst Galerie.

    In den letzten zwei Jahren wurde bspw. der künstlerische Etat des Stadt Theaters um rund 200.000 Euro erhöht! Hier wäre beispielsweise Einsparpotenzial, ohne dass die Stadt Galerie für immer ihre Türen schließen muss. Ein entsprechender Antrag eine Kürzung des künstlerischen Etats zugunsten der Stadt Galerie vor­zunehmen, wird von der Grünen Fraktion in den Stadtrat eingebracht.

    Ich appelliere daher an den Stadtrat, die Kunst Galerie nicht zu schließen.

  3. Am kommenden Sonntag (07.11.2010) veranstalten die kunst galerie fürth und ihr Förderverein unter dem Titel »KOMMSCHAUKUNST III« ihr jährliches Fest (Flyer-Download). Unser Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung hat sein Kommen zugesagt und will um 13:00 Uhr das Wort ans Publikum richten. Wer also aus erster Hand über die geplanten Einsparungsmaßnahmen informiert werden möchte, sollte um diese Zeit vor Ort präsent sein…

  4. Alex Gauert sagt:

    Schade an diesem Sonntag haben wir auch wieder Haushaltsberatung der Fraktion. Wenn es irgendwie geht, versuche ich aber zumindest beim Grußwort des Bürgermeisters dabei zu sein.

  5. Ein weiterer offener Brief kam soeben per Mail von der Leiterin der Kunsthalle Mainz, die mehr als nur noch einen Koffer in Fürth stehen hat:

     

    Natalie de Ligt
    Königswarterstraße 68
    90762 Fürth

     
    4. November 2010

     
    Offener Brief

     
    Keine Schließung der Kunstgalerie Fürth – Fürth, die Wissenschaftsstadt?

     
    Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Jung,

    ich schreibe als Bürgerin der Stadt Fürth und Kuratorin im Bereich Gegenwarts­kunst.

    Nicht nur die Tatsache, dass die verantwortlichen Politiker der Stadt Fürth die Schließung der Kunstgalerie Fürth durchsetzen wollen, sondern auch die Art und Weise, wie das geschieht, ist nicht nachvollziehbar und zeugt nicht von verantwor­tungsvoller Politik. Es fehlt an Augenmaß, Weitsicht und Kultur, wenn man nicht weiß, was in einer Stadt verhandelbar ist und was keinesfalls.

    Die Kunstgalerie Fürth gehört zu den nicht verhandelbaren Orten!

    Davon abgesehen ist sie die einzige Einrichtung für die Präsentation und Vermitt­lung von Gegenwartskunst in Fürth. Mit den 1,5 Personalstellen und einem Mini­malstbudget, werden professionell künstlerische Positionen gezeigt. Zu jeder Aus­stellung gibt es Veranstaltungen, Führungen und ein Vermittlungsprogramm für Kinder.

    Das Programm ist vielfältig, bestehend aus Einzel-, Gruppen- und themenbezoge­nen Ausstellungen, in denen nationale und internationale Positionen gezeigt und auch immer wieder regionale Künstlerinnen und Künstler vorgestellt werden. Das Programm wird wahrgenommen, genutzt und ist geschätzt.

    Was die Kunstgalerie Fürth ist und leistet, stellt schon lange keinen weichen Stand­ortfaktor mehr dar, sondern einen handfesten. Sie bedeutet kulturelle (Grund)Ver­sorgung und Bereicherung der Stadt und Umgebung. Die Künstler und die Kunst sind immer das Salz in der Suppe einer Stadt. Sich dessen nicht bewusst zu sein, wäre fahrlässig und offenbarte mangelndes Gespür für die Bedeutung von Kultur.

    Weshalb hat man nicht im Vorfeld nach Wegen für den Erhalt der Kunstgalerie gesucht? Weshalb wurden die Bürger nicht informiert? Ohne Wissen der Betrof­fenen die Abschaffung der Kunstgalerie zu beschließen, heißt auch, hinter dem Rücken der Bürger und ihrer Interessen und Bedürfnisse zu handeln.

    Man muss derzeit annehmen, dass es nie den Willen gab, die städtische Galerie zukunftssicher zu machen, weil es vielleicht nie ein originäres Interesse an der Kunstgalerie gab? Wie derzeit mit der Kunstgalerie verfahren wird, offenbart eine Politik nach persönlichen Vorlieben und Geschmack. Von der Existenz einer Kulturpolitik kann in Fürth so kaum die Rede sein.

    Sie als Oberbürgermeister sollten für alle Belange dieser Stadt Sorge tragen. Die Kulturversorgung und mit ihr die städtische Kunstgalerie gehören dazu. Ein mögliches Desinteresse gegenüber einzelnen Bereichen entbindet nicht von der politischen Verantwortung, die alles im Auge haben muss. Auch in Ihrer Funktion als Bezirksvorsitzender im Bayerischen Städtetag muss ich Weitsicht und Sorgfalt erwarten können.

    Kunst war und ist in der Zeit, in der sie entsteht, immer auch auf Vermittlung ange­wiesen. Die Impressionisten sind zu ihrer Zeit als »Schmierfinken« beschimpft worden. Das wird gerne vergessen. Aber Kunst ist keine Geschmacksfrage. Sie ist immer mehr, als das Material, aus dem sie gemacht ist. Sie ist geistiges Gut, Teil des kollektiven Gedächtnis‘, sie ist Denken von Gegenwart. Kunst ist Sprache in Bildern, die Inhalte vermittelt, die anderweitig nicht transportierbar sind. Eine Aus­einandersetzung mit bildnerischem Denken ist unerlässlich für die kulturelle Bildung.

    Das Gebäude der Kunstgalerie wurde mit viel Geld und Aufwand ausstellungs­tauglich umgebaut. Die Galerie selbst wurde stolz eröffnet. Ich will die Haltung und die Motivation, mit der das geschah, wieder sehen, gerade in schlechten Tagen.

    Die vorgebliche Einsparung, die eine Schließung bringt, ist vergleichsweise gering. Dem gegenüber steht aber ein nicht zu rechtfertigender und unverhältnismäßiger Verlust für das Kulturleben Fürths. Es bedeutet eine fatale Lücke auf nicht abseh­bare Zeit.

    Die Kunstgalerie ohne den Hauch eines Lösungsversuchs quasi hintenherum und alternativlos streichen zu wollen, kommt als ausgrenzendes und achtungsloses Verhalten an, und zeugt von wenig Verständnis für Kultur und Verantwortung.

    Bitte stoppen Sie den Vorgang und versuchen Sie, Wege für den Erhalt der Kunst­galerie Fürth zu finden. Ich bin sicher, Sie werden viele Bürger finden, die sich mit Ihnen dafür einsetzen. Ich selbst stehe zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Natalie de Ligt

     
     
    2003-2007 Direktorin des Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft
    Seit 2007 Künstlerische Leiterin der Kunsthalle Mainz

  6. Von der designierten Fürther Kulturreferentin Elisabeth Reichert (die ihr neues Amt zum 1. März 2011 antreten wird) kam dieser Leserbrief per E-Mail:

     

    Vielen Dank für die Zusendung der Mail an den Oberbürgermeister bzgl. der offenen Briefe. Ich bin jeweils sehr froh, wenn ich bereits jetzt über alle wichtigen Angelegen­heiten meines zukünftigen Arbeitsbereiches informiert werde. Die diversen Veröffent­lichungen und Kommentare in der Fürther Freiheit habe ich laufend mitverfolgt.

    Ich würde mir wünschen, dass ein »Ruck durch die Bevölkerung geht« und dass viele Fürtherinnen und Fürther sich nicht nur »für den Erhalt der Kunstgalerie« aus­sprechen, sondern dass sie bereit sind, einen »finanziellen Beitrag zum Erhalt der Kunstgalerie« in Fürth zu leisten.

    Es muss doch möglich sein, Sponsoren zu finden, die sich nicht nur für die Spiel­vereinigung oder diverse »Events« engagieren, sondern die die darstellende Kunst aktiv unterstützen möchten; außerdem könnten sich alle, die sich in die Unter­stützer-Liste eintragen auch überlegen, ob sie in den Förderverein der Kunstgalerie eintreten, damit dieser die Stadt und Herrn Miksch entsprechend unterstützen kann.

    Sicherlich gibt es noch viele Möglichkeiten der Solidarität innerhalb der Kunst-Schaffenden und der Kunst-Betrachtenden. Möge sie bald sichtbar werden, damit die kunst galerie fürth diese schwierigen Zeiten übersteht!

    Viele Grüße

    Elisabeth Reichert

  7. Solidarität ist meines Erachtens das Stichwort und das Gebot der Stunde, da kann man Frau Reichert nur zustimmen. Wie wäre es denn beispielsweise damit, ein »Event« wie den Fürther Grafflmarkt nicht mehr zweimal, sondern nur noch einmal pro Jahr stattfinden zu lassen? Zwar liegen mir keine kon­kreten Zahlen vor, aber ich könnte mir vorstellen, daß die städischen Einnahmen durch die Stand­gebühren nicht ansatzweise ausgleichen können, was die Stadtreinigung auf der anderen Seite an Kosten verursacht.

    In Sachen Kunst wäre zu überlegen, das »Gastspiel« des Kulturrings C und die von manchen als Konkurrenzveranstaltung empfundenen Ateliertage der »Kunst in der Stadt« alternierend im Wechsel auszurichten, also jede »Fraktion« nurmehr alle zwei Jahre zum Zug kommen zu lassen. Wenn man dieses Modell auf alle anderen öffentlich bezuschußten Aktionen übertrüge, käme womöglich eine erkleckliche Einsparsumme zusammen, ohne daß einzelne Einrichtungen oder Events komplett geschlossen bzw. gestrichen werden müßten.

    Mein persönliches Fazit: Tabus darf es in der Spardiskussion nicht geben, aber die völlige Preisgabe wertvoller und bewährter Einrichtungen und Aktivitäten sollte tabu sein!

  8. karsten neumann sagt:

    was wollt ihr fürther künstler eigentlich? die kunst galerie fürth ist doch eh nicht zu 100% auf euerer seite!

    da startet z.b. der kulturring C 2009 die Vortragsreihe – »Stichwort KUNST« in der kunst galerie fürth, lädt auch noch künstlerInnen wie z.b. heidi sill aus berlin ein, die künstler machen sich eine menge arbeit usw. nur, wenn ich auf die homepage der kunst galerie schau finde ich darüber nichts.

    was macht hans-peter miksch der kunst galerie fürth eigentlich?
    er ist im zeitalter der online-vernetzung wohl zu faul verantaltungen, die er mit verantwortet und für öffentliche gelder ausgegeben werden online zu stellen, weil er meint die website der kunst-galerie-fürth schaut eh keiner an. dennoch pflegt er eine solche.

    da bleiben nur fragezeichen, denn, wenn also z.b. jemand nach timm ulrichs im internet recherchiert und dabei auf die meisterklassenausstellung auf der homepage der k-g-f stösst, dann findet er z.b. keinen hinweis auf die vorträge der reihe »Stichwort KUNST« von 2009 mit Andrea Knobloch Meide Büdel, Verena Manz, Julia Bornefeld, Fredder Wanoth, Winfried Baumann, Nele Waldert, Margot Protze, Ursula Kreutz!

    der ehm. kulturreferent scharinger hat miksch mit seiner haltung solche veranstaltungen nicht auf die homepage stellen zu wollen in einer e-mail an mich vom 27.10.2010 recht gegeben, weil dies »nicht den Nutzerwünschen der Homepage entsprechen« würde.

    was ist denn das für eine selbstgefällig arbeit, die mutwillig in »wert zum archivieren« und »nicht-wert zum archivieren« unterscheidet, obwohl alles öffentlich gefördert wird und sei es nur durch die zur verfügung stellung der räume und die arbeitsstundenanzahl des herrn miksch.

    die aktionen der fürther und sonstiger eher regionaler künstler verpuffen hier und dann jammert ihr?

    also, wenn die kunst galerie fürth erhalten, dann doch bitte den leiter austauchen und was vernünftiges auf die beine stellen!

  9. Ich fühle mich nicht direkt angesprochen, da ich kein Künstler bin, sondern nur jemand mit einiger Erfahrung im Erstellen und Pflegen von Webseiten (zum Exempel dieser hier). Als Webmaster bin ich seit jeher der Meinung, daß im realen wie im virtuellen Leben der Köder dem Fisch schmecken muß und nicht dem Angler. Will sagen: Bei einem Argument wie »weil dies nicht den Nutzerwünschen der Homepage entsprechen würde« kräuseln sich mir alle Nackenhaare. Wer eine Homepage ins Netz stellt, macht damit ein Informationsangebot an einen unbestimmten Interessentenkreis, den man zunächst nicht persönlich kennt (gar nicht kennen kann) und über dessen Wünsche man allenfalls zu spekulieren, keinesfalls aber valide Aussagen zu treffen imstande ist. Anderes zu behaupten ist toll­kühn und entweder ein Zeichen von naiver Unkenntnis oder von dünkelhafter Überheblichkeit (was beides gleich schlimm wäre).

    Natürlich kann man als Inhalte-Anbieter (selbstbewußter- oder auch selbstherrlicherweise) bestim­men, was die Öffentlichkeit zu sehen kriegen soll und was nicht. Man muß seine diesbezüglichen Entscheidungen nicht unbedingt begründen. Aber man sollte auch nicht zu dubiosen Scheinargu­menten Zuflucht nehmen: Ich habe in zwölf Jahren virtueller Gartenpflege noch keine(n) Besucher(in) in meinen Domänen gehabt, der/die sich über ein Zuviel an Information beklagt hätte!

    Von 2001 bis Ende 2006 habe ich die Website des Fürther Rundfunkmuseums gestaltet und dabei ganz selbstverständlich die Erinnerung an sämtliche Sonderausstellungen zu bewahren gesucht, jeweils mit vier kleinen Fotos, einem Erläuterungstext, dem Poster sowie auch der herunterladbaren Presse­mitteilung. So eine chronologisch sortierte Historie ist ja zunächst ein reputationsfördernder Kompetenzausweis für das eigene Haus, darüber hinaus natürlich auch eine Ehrerbietung und Re­verenz an die Beteiligten. Warum sollte man da etwas weglassen? Was (und wen) man öffentlich zu präsentieren bereit war, muß man doch hinterher nicht schamhaft verschweigen?

    Freilich zeigen nach meiner Erfahrung klassische Museumsleute oft noch beklagenswert wenig Affi­nität zu modernen Medien: Das in Sichtweite der kunst galerie fürth residierende Jüdische Museum Franken beispielsweise verfügt nicht nur über eine Homepage von erschreckend geringem Informa­tionswert, sondern auch über eine robuste Ignoranzhaltung hinsichtlich konstruktiv vorgetragener Kritik. Es bleibt uns die Hoffnung, daß eine neue Generation hauptamtlicher Kulturvermittler mit den technischen Kommunikationsmöglichkeiten unserer Zeit in nicht allzu ferner Zukunft angemessener umzugehen (und damit wirklich »den Nutzerwünschen zu entsprechen«) weiß!

  10. Armin Stingl sagt:

    Beim Bayerischen Rundfunk findet sich dazu ein knackiger Kommentar von Thomas Senne!

  11. Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung hat uns heute seine Antworten auf einige der an ihn gerichteten offenen Briefe übermittelt. Wir geben die Schreiben nachfolgend in vollem Wortlaut wieder.

    Den Anfang macht die Erwiderung auf den obigen Artikel von Dr. Michael Müller:

     

    Fürth, 22.11.2010

     
    Sehr geehrter Herr Dr. Müller,

    vielen Dank für Ihren sehr engagierten und ausführlichen Brief zur drohenden Schließung der Kunstgalerie. Sie dürfen sich freuen, dass die von Ihnen geschil­derten fünf eindrucksvollen Punkte in die weiteren Diskussionen und Abwägungen eingeflossen sind.

    Nachdem ursprünglich keine Möglichkeit gesehen wurde, im Bereich der Galerie weitere Einsparungen zu vollziehen – im Gegensatz zu allen anderen Kultur­institu­tionen der Stadt – hat sich im Verlauf der Diskussion, nach Ihrem Brief, eine solche Möglichkeit durch entsprechende Angebote aus der Fürther Wirtschaft eröffnet.

    Ich selbst konnte einige Unternehmen und Stiftungen zu einem nachhaltigen Engagement für die Kunstgalerie überzeugen. Durch diese gesellschaftliche Unter­stützung kann, wie von Ihnen gewünscht, der erfolgreiche Galeriebetrieb von Herrn Miksch seine Fortsetzung erfahren. Für Ihren wichtigen Beitrag zur Diskussion danke ich.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr
    Dr. Thomas Jung

     
     
    Nachfolgend sei noch die Antwortmail des OBs an den Brief von Dr. Thomas Heyden zitiert:

     

    Fürth, 22.11.2010

     
    Sehr geehrter Herr Dr. Heyden,

    vielen Dank für Ihren engagierten Brief vom 1. November 2010, auf den ich gerne zurückkommen möchte.

    Ihre wichtigen Argumente lassen sich auf die Frage konzentrieren, ob in einer Groß­stadt wie Fürth auf den Baustein einer Kunstgalerie verzichtet werden kann. Bei der grundsätzlichen Beantwortung der Frage bitte ich zu beachten, dass sich die Stadt Fürth neben ihrer selbstbewussten Integrität auch durchaus aktiv als Teil der Metro­polregion Nürnberg-Fürth-Erlangen versteht.

    Dies bedeutet, dass nicht alle Einrichtungen des kulturellen Angebots gleicher­maßen in allen drei Städten vertreten sein müssen. So hat historisch das Theater mit seiner über 100jährigen Tradition einen außerordentlich hohen Stellenwert in der Kleeblattstadt, andere Einrichtungen dementsprechend weniger. Diese Ge­wichte sind in den unterschiedlichen Städten durchaus unterschiedlich verteilt.

    Zu Recht weisen Sie aber darauf hin, dass sich viele bildende Künstler aus der ganzen Region gerade in Fürth niedergelassen haben und deshalb die zeitge­nössische Kunst tatsächlich ebenfalls eine große Bedeutung hat.

    Deshalb freue ich mich, dass es gelungen ist, Menschen und Einrichtungen aus der Fürther Wirtschaft und Stadtgesellschaft für einen Erhalt der Galerie zu begei­stern. Dabei habe ich gerne aktiv mitgeholfen. Die Schließungsdiskussion entstand nur dadurch, weil ursprünglich keine Möglichkeit gesehen wurde, auch der Galerie Einsparvorschläge abzuverlangen – wie allen anderen Kultureinrichtungen – ohne diese zu gefährden. Umso schöner, dass es jetzt möglich ist, im Galerie­bereich die städtischen Finanzen um 10 % zu entlasten und gleichzeitig den Fortbestand zu sichern.

    Vielen Dank für Ihren engagierten Beitrag in dieser wichtigen Diskussion.

    Herzliche Grüße
    Ihr
    Dr. Thomas Jung

  12. Der Verein Medien PRAXIS e.V. hat die Diskussion um die beabsichtigte Schließung der kunst galerie fürth zum Anlaß genommen, darüber eine Fernsehreportage zu erstellen. Der Film mit dem Titel »Kunst in Fürth – Geistige Nahrung oder überflüssiger Luxus?« wird am kommenden Sonntag Abend erstmals ausgestrahlt werden. Sendezeiten und -frequenzen finden sich in der Programmvorschau.

  13. Pressespiegel: »Eines Tages Oberbürgermeisterin? Niemals!« (NZ)

    Von Interesse sind hier die Äußerungen der Fürther Stadtkämmerin Stefanie Ammon zur kunst galerie fürth (etwa zu Beginn des zweiten Drittel des Textes, Hervorhebungen durch uns):

    Ammon: Wir können nicht beliebig den gleichen Aufgabenbestand halten und dafür immer weniger Personal haben. Wir können auch die Sachkostenbudgets der Ämter nicht immer weiter reduzieren. Wir haben es den Ämtern in den letzten acht Jahren verboten, inflations- oder sonst wie bedingte Preissteigerungen ausgeglichen zu bekommen. Die Ämter mussten sämtliche Kostensteigerungen auffangen, zum Beispiel die exorbitante Preissteigerung bei den Energiekosten. Deshalb haben wir gesagt: wir müssen den Aufgabenbestand reduzieren, weil wir sonst irgendwann kaputtgespart sind. In der Öffentlichkeit war zum Beispiel die Einstellung des Spielmobils. Ein eigenes Spielmobilauto hatten wir aber ohnehin nicht mehr. Bei der städtischen Galerie ist mir das leider nicht gelungen.

    NZ: Sie sagen leider…

    Ammon: Ich bin ein Verfechter dessen, dass die Stärken gestärkt werden. An den Schwächen brau­chen wir nicht arbeiten, wenn wir weit hinter anderen Städten liegen. Die Galerie ist die kleinste einer Großstadt in Deutschland, damit können wir nicht punkten. Wir müssen die freiwilligen Aufgaben stärken, mit denen wir überregional bekannt sind und überregionales Publikum anziehen und nicht nur ein ganz besonderes Klientel, das in eine solche Galerie reingeht. Ich denke eher zum Beispiel an das Klezmer-Festival oder unser tolles Stadttheater. Das sind echte Anziehungspunkte, da würde ich eher reinvestieren Ich würde eher auch Sparrunden dazu verwenden dass wir auf Dauer nicht so viele Schlaglöcher in den Straßen haben, nicht so viel Flickschusterei im Gebäudebestand betreiben müssen.

  14. Hans-Peter Miksch sagt:

    Anmerkungen zum Interview mit Frau Ammon aus Sicht der Galerieleitung:

    Es gab in der Vergangenheit ja bereits von anderer Seite (Politik) den Hinweis, die Galerie würde eher von Nicht-Fürthern besucht, warum also solle man für die so ein Angebot bereitstellen? Und es wurde mit gleicher Intention festgestellt, die städtische Galerie würde nicht ausschließlich Fürther Künstler ausstellen. Nun also von Seiten der Kämmerin (parteilos, sich eher der Verwaltung zugehörig fühlend – nach dem Max Weberschen Grundsatz »sine ira et studio«) der Vorwurf mit anderem Vorzeichen:

    Aussage ist, die Galerie würde »nur ein ganz besonderes Klientel« anziehen, aber zugleich wird suggeriert, es handele sich dabei nicht um ein überregionales Publikum.

    1. Spätestens der Herbst 2010 mit seinem Kampf um die Galerie hat bewiesen, dass der Zuspruch außerhalb der Stadtgrenzen und sehr wohl sogar überregional enorm groß ist (Postkarten! Unter­schriftslisten! Berichterstattung!). Die Galerie hat bereits vor Jahren in einer Besucherbefragung ermit­telt, dass die Mehrheit der Einzelbesucher nicht aus dem Stadtgebiet kommt. Bei Vernissagen wird regelmäßig sichtbar, dass die Nicht-Fürther das Gros der Besucher stellen.

    2. Umgekehrt stammt die überwiegende Mehrheit der Gruppenbesuche aus dem Stadtgebiet (Kinder­gärten, Horte, Schulen, Senioren). Und da wir auf Grund besonderer Umstände (Lage, Menge bzw. Mangel des vergleichbaren Angebots, Engagement) einen sehr hohen Zuspruch bei solchen Gruppen haben, sind diese auch keine zu vernachlässigende Größe. Die Ausstellung im Januar/Februar 2011 wird von 45 Gruppen gebucht (darunter etwa 5 Gruppen, die nicht aus Fürth sind). Nebenbei stellen diese Gruppen roundabout 800 BesucherInnen (Minimum).

    3. Welches merkwürdige Verständnis zeigt sich in der wertenden Bemerkung von dem »ganz« beson­deren Klientel? Wer ist damit gemeint? Die Besonderheit des Klientels scheint darin zu bestehen, dass es »reingeht». Hoppla!

    Ich will keine Erklärungen für die Formulierung suchen, jedoch herausstellen, dass sie befremdlich ist. Jeder möge sich seine Gedanken dazu machen…

    Hans-Peter Miksch
    Leiter der kunst galerie fürth

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