Neues von der neuen »Neuen Mitte«

29. August 2010 | von | Kategorie: Häuserkampf
Der vordere Abschnitt der Rudolf-Breitscheid-Straße (Foto: Ralph Stenzel)

Der vordere Abschnitt der Rudolf-Breitscheid-Straße
(Foto: Ralph Stenzel)

Es ist nun etwa ein Jahr her, dass die Pläne für ein Shopping Center (in Form eines mitten auf der Rudolf-Breitscheid-Straße gelandeten, über­dimensionalen Ufos) an einem verkaufs­unwilligen Hausbesitzer geschei­tert sind.

Der von der Stadtspitze bis dato immer öffentlich als Glücksfall für Fürth ge­priesene, portugiesische Investor Sonae Sierra, dem es nach eigener Aussage immer um ein langfristiges Engagement in Fürth ging, täuschte erst noch eine Zeit lang Interesse für das sterbende City Center vor und verkrümelte sich dann auf Nimmer-Wiedersehen. Die damaligen Warner vor diesem Projekt, die mehr Eigeninitiative und Eigen­verantwortung der Stadt für diesen städte­baulich hochbrisanten Bereich anmahnten, hatten letztlich Recht behalten.

Neues Leben im alten Fiedler-Bau? (Foto: Ralph Stenzel)

Neues Leben im alten Fiedler-Bau? (Foto: Ralph Stenzel)

Mittlerweile haben wohl auch die meisten Verantwortlichen der Stadt Fürth ein­gesehen, dass es besser ist, wenn sie sich nicht auf Versprechen von Investoren verlassen, sondern das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen, auch wenn dies mühevoll ist und seine Zeit braucht. Es lohnt sich!

Zumindest die Häuser neben dem Kino scheinen gerettet (Foto: Ralph Stenzel)

Zumindest die Häuser neben dem Kino scheinen gerettet
(Foto: Ralph Stenzel)

Nachdem sich bereits seit längerem das Fiedler-Kaufhaus im Besitz der Stadt befindet, wurde kürzlich auch das sog. Wölfel-Areal erworben. Die Stadt plant nun, für beide Bereiche einen Investor zu finden, der hier – diesmal nach den Vorgaben der Stadt – neue großflächige Geschäfte errichtet und der diese Geschäfte dann später auch – ähnlich einem Shopping Center – verwaltet und managt. Die neue Planung entspricht im Groben den damaligen Vorstellungen der Bürgerinitiative »Bessere Mitte Fürth«, die immer ein offenes Center gefordert hatte, wie es heute alle unabhängigen Experten empfehlen. Viel Essentielles ließ die Stadtverwaltung hinsichtlich der genaueren Vorstellung zu Wölfel- und Fiedler-Areal in der Presse aber bisher nicht verlauten. Daher wurde die Bürgerinitiative wieder aktiv und erkundigte sich beim Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung nach dem aktuellen Stand der Dinge. Die schriftlich gestellten Fragen wurden auch schriftlich beantwortet und sind im Folgenden wortgetreu wiedergegeben, um Fehlinterpretationen keinen Vorschub zu leisten.

 
Anfrage der Bürgerinitiative »Bessere Mitte Fürth« vom 5. August 2010:

Sehr geehrter Herr Dr. Jung,

vor einigen Tagen wurde über die FN öffentlich, dass die Stadt das Wölfel-Areal nun gekauft hat und dort einen neuen Einkaufsschwerpunkt schaffen möchte. Wir haben erfreut gelesen, dass unsere Anregungen aufgenommen wurden und die Rudolf-Breitscheid-Straße nicht direkt einbezogen wird.

Wir haben das Thema im Kreis der BI diskutiert. Da Sie uns einen offenen Informations­austausch zugesagt hatten, hierzu einige Fragen:

1. Welchen Umfang hat das Wölfel-Areal?

2. Was soll mit dem Gelände geschehen? Wird die Stadt es selbst entwickeln? Sollen Einzelinvestoren für die Komplexe gefunden werden oder wird ein Großinvestor favorisiert?

3. Ist eine europaweite Ausschreibung vorgeschrieben bzw. vorgesehen und welche Rahmen­bedingungen werden vorgegeben? Sind diese etwaigen Rahmenbedingungen öffentlich ein­sehbar?

4. Wie wird gewährleistet, dass das historische Quartier adäquat einbezogen wird? Wird es z.B. einen Architektenwettbewerb unter entsprechend erfahrenen Architekten unter einer im Umgang mit historischen Stadtbildern erfahrenen Jury geben? Wird das Landesamt für Denk­malpflege einbezogen?

5. Gibt es inzwischen ein Stadtentwicklungskonzept?

Gespannt sehen wir Ihrer Antwort entgegen.

Mit freundlichem Gruß
Martin Peetz

 
Antwort von Dr. Thomas Jung vom 12. August 2010:

Lieber Martin Peetz,

vielen Dank für die Nachfrage zur Entwicklung in der Innenstadt:

1. Der Umfang des Areals ergibt sich aus beiliegendem Plan.

2. Das Gelände soll mit dem Schwerpunkt »Einkaufen« entwickelt werden. Um für den Fürther Einzelhandel eine nachhaltige Stärkung zu erfahren, bevorzugen wir eine Gesamtlösung unter Einbindung des Fiedler-Areals und des Parkhotels.

3. Ausschreibungen sind vorgesehen und werden auch mit einem öffentlichen Kriterienkatalog vorgegeben. Dies kann aber erst erfolgen, wenn die Stadt selbst im Eigentum aller Kern­grundstücke ist.

4. Das Landesamt für Denkmalpflege ist bei allen wichtigen Entscheidungen, die die Denkmal­belange betreffen, durch die Stadt Fürth immer beteiligt. Entscheidungen zu Architekten­wettbewerb u. ä. Fragestellungen, sind dem Stadtrat vorbehalten.

5. Ein Stadtentwicklungskonzept für den Bereich gibt es dahingehend, dass die Funktion Einkaufen im Umfeld Rudolf-Breitscheid-Straße gestärkt werden soll. Hierfür wird eine Weiterentwicklung der Gebäude Fiedler, Parkhotel und das Gelände der ehem. Großbäckerei Wölfel für geeignet empfunden. Dabei wird angestrebt, Einzelhandelsdefizite im Stadtkern Fürth abzubauen und dadurch die Gesamtattraktivität der Innenstadt als Einkaufsstadt zu stärken.

Mit freundlichem Gruß
Dr. Thomas Jung

Anmerkung: Der von Dr. Jung genannte Planauszug trägt einen Sperrvermerk und kann daher hier leider nicht veröffentlicht werden. Aus ihm wird deutlich, daß die denkmalgeschützten Häuser Rudolf-Breitscheid-Str. 8, 10 und 12 nicht mehr dem Einkaufszentrum zum Opfer fallen sollen. In die Planung einbezogen sind nurmehr die Hausnummern 4 und 6, der Kino-Komplex (Nr. 14) sowie die ausgedehnte Hofbebauung dahinter, die von der Straße aus nicht einsehbar ist.

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10 Kommentare zu »Neues von der neuen »Neuen Mitte««:

  1. warum sagt:

    warum ist hier der name nötig, wenn sonst jeder unter pseudonym schreiben darf

  2. Beim Kommentieren kann sich jede(r) nennen wie er (oder sie) will, aber wer hier als Diskussions­partner(in) ernstgenommen werden will, bringt sich unter dem echten Namen ein. So einfach ist das.

  3. Den kommerzgetriebenen Kahlschlag in der bauhistorisch bedeutsamen Innenstadt haben wir verhindern können, aber werden wir uns auch erfolgreich gegen die drohende »Abstumpfung mit Styropor­platten« (F.A.Z.) wehren können? Es macht einen schaudern, und das keineswegs wegen fehlender Dämmung…

  4. Wie das so gemeinhin läuft mit Investoren und deren Wünschen, kann man in den Nürnberger Nachrichten im Artikel »Gebaut wird, wie es der Investor haben will« nachlesen. Nun ist Fürth nicht Nürnberg und die Innenstadt nicht der Flughafen, aber die grundsätzlichen Mechanismen dürften allerorten die gleichen sein…

  5. Die Berichterstattung zu diesem Thema wird mit dem Artikel »‚Einkaufsstadt Fürth‘: Die Weichen werden jetzt gestellt« fortgesetzt, weshalb wir die Kommentare an dieser Stelle hier heute schließen.